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Hitzeschutz und Mitarbeitermotivation Hitze auf dem Bau: So schützen und motivieren Sie Ihre Mitarbeiter

Wenn die Sonne mit mehr als 30 Grad vom Himmel knallt, nagt das an der Mitarbeitermotivation. Besonders hart ist die Hitze für Arbeiter auf dem Bau. Damit das Team während einer Hitzewelle motiviert bleibt, können Arbeitgeber etwas tun – teils müssen sie sogar.

Wann wird´s mal wieder richtig Sommer? Hier ist er – und Deutschland ächzt unter der Hitzewelle. Während sich viele einfach in den Sommerurlaub verabschieden, nutzt die Baubranche das stabile Wetter, um die zahlreichen Aufträge abzuarbeiten. Bei Temperaturen um die 30 Grad kommen jedoch selbst abgehärtete Handwerker an ihr Limit. Die Konzentration schwindet, der Körper büßt an Leistungsfähigkeit ein. Klar, dass auch die Motivation unter der Hitze leidet.

Arbeitgeber müssen sich etwas einfallen lassen. Zum einen, um die Leistungsbereitschaft zu erhalten. Zum anderen, um Unfälle und gesundheitliche Folgen zu vermeiden. Die Gefahr einer Hitzeerschöpfung, eines Sonnenstichs oder Hitzschlags ist hoch. Wie die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) mitteilte, wurden in den vergangenen Jahren sogar mehrere Hitzetote registriert. Spätestens wenn sich Schwindelgefühle, Kopfschmerzen oder Übelkeit breit machen, sollten beim Arbeiter und auch den Kollegen alle Alarmglocken läuten.

Was ebenfalls häufig unterschätzt wird: Keine andere Berufsgruppe ist so sehr den Gefahren durch UV-Strahlung ausgesetzt wie Arbeiter auf dem Bau. Vor allem Kanalbauer, Dach- und Fassadenbauer, Zimmerer, Straßenbauer, Betonbauer, Dachdecker und Maurer sind betroffen, wie das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) herausfand. Die Folgen spiegeln sich in der Statistik wider: Die häufigste gemeldete Berufskrankheit in der Bauwirtschaft ist der weiße Hautkrebs.

Sonnen- und Hitzeschutz für die Mitarbeiter ist keine freiwillige Leistung, sondern bei entsprechenden klimatischen Bedingungen verpflichtend für den Arbeitgeber. Die Regeln ergeben sich aus dem Arbeitsschutzgesetz, der Arbeitnehmer haben ihrerseits die Pflicht, den Weisungen ihres Arbeitgebers zu folgen.

Hitzeschutz auf dem Bau: So schützen und motivieren Sie Ihre Mitarbeiter

Was also tun, um die UV-Strahlung und Hitze am Arbeitsplatz möglichst gering zu halten? Die folgenden Tipps schützen das Team und sorgen gleichzeitig für Motivation trotz Hitze:

Arbeitszeiten anpassen

Anders als man vermuten könnte, ist der heißeste Zeitpunkt des Tages nicht mittags, sondern laut den Messstationen des Deutschen Wetterdienstes spätnachmittags zwischen 16 und 17 Uhr. Zu dieser Tageszeit ist der Boden maximal durch die Sonne erhitzt und sorgt für einen zusätzlichen Hitzeschub von unten. Die UV-Strahlung erreicht ihren Tageshöchstwert bereits früher. Genauer gesagt in der Zeit zwischen 11 und 15 Uhr. 60 Prozent der gesamten UV-Tagesdosis fallen auf dieses Zeitfenster.

Arbeitgeber sollten die Arbeitszeit so organisieren, dass Mitarbeiter ihre Außenarbeiten möglichst früh morgens oder spät nachmittags erledigen können. Gegebenenfalls kann der Chef auch den Arbeitsbeginn nach vorn verlegen. Tätigkeiten, die in Räumen oder zumindest im Schatten erledigt werden können, sollten in der Zeit zwischen 11 und 15 Uhr verrichtet werden. Bei mehrköpfigen Teams kann die Arbeit im Freien zudem auf mehrere Schultern aufgeteilt oder im Rotationsprinzip verrichtet werden. Dadurch verkürzt sich die Zeit, die einzelne Mitarbeiter der Hitze und UV-Strahlung ausgesetzt sind.

Körperliche Arbeit bei Temperaturen um 30 Grad ist anstrengend. Pausenzeiten müssen daher unbedingt eingehalten und wenn möglich sogar verlängert werden. Zusätzliche Pausen von rund zehn Minuten sind ratsam. Der Chef sollte seine Mitarbeiter zudem anhalten, an heißen Tagen keine Überstunden zu machen. Eine entsprechende Regelung könnte der Arbeitgeber in einer Betriebsvereinbarung festhalten. Damit Überstunden gar nicht erst nötig sind, sollten Arbeitsausfälle aus witterungsbedingten Gründen direkt miteinkalkuliert werden.

Schatten spenden

Manche Arbeiten müssen an der Sonne erledigt werden, andere lassen sich auch an einen angenehmeren Ort verlagern. So können Mitarbeiter Material im Schatten statt an der prallen Sonne zuschneiden. Ist keine passende Unterstellmöglichkeit vorhanden, sollten Chefs anderweitig für Schatten sorgen. Etwa mit Sonnenschirmen, Sonnensegeln, Zelten oder UV-absorbierenden Abdeckungen. Diese Orte eignen sich ebenfalls gut für kurze Zusatzpausen.

Optimalen Schutz vor UV-Strahlung bieten geschlossene Räume. An heißen Sommertagen staut sich dort jedoch schnell die Hitze. Arbeitsräume müssen daher bereits frühmorgens gelüftet werden. Spätestens um zehn Uhr sollten die Fenster wieder geschlossen werden, da sich ab dann die Luft deutlich erwärmt. Ventilatoren oder mobile Klimageräte tragen dazu bei, dass die Temperaturen auch im weiteren Tagesverlauf angenehm bleiben. Gleichzeitig fördert eine angenehme Arbeitsumgebung die Mitarbeitermotivation.

Schwere körperliche Arbeit meiden

Das Herz muss bei Hitze ordentlich pumpen, um den Körper auf Normaltemperatur zu halten. An heißen Tagen schlägt es bis zu 20 Schläge schneller als sonst. Wer seinem Körper zusätzlich große Anstrengungen abverlangt, bringt seinen Kreislauf unter Umständen bis an die Belastungsgrenze.

Doch auch die hohen Ozonwerte im Sommer tragen dazu bei, dass sich schwere körperliche Arbeit im Sommer besonders anstrengend anfühlt und der Körper schneller erschöpft ist. Das farblose, giftige Gas kann die Lungenfunktion einschränken, die Schleimhäute reizen und Kopfschmerzen verursachen.

Da sowohl Temperatur- als auch Ozonwerte meist am Nachmittag ihren Höchststand erreichen, gilt auch für körperlich schwere Arbeit, dass Bauhandwerker diese am besten in den frühen Morgenstunden erledigen sollten. Generell ist es ratsam, entsprechende Tätigkeiten auf ein Minimum zu reduzieren, sobald es heiß ist. Die Arbeit sollte also entweder an einem kühleren Tag erledigt oder auf mehrere Schultern verteilt werden. Besondere Vorsicht gilt bei älteren Personen sowie für Beschäftigte mit Bluthochdruck, Diabetes, chronischer Bronchitis oder Nierenfunktionsstörungen.

Gratis Getränke

Wer körperlich arbeitet, verliert an heißen Arbeitstagen bis zu fünf Liter Körperflüssigkeit. Männer schwitzen meist mehr als Frauen, da sie aufgrund ihrer größeren Muskelmasse mehr körpereigene Wärme produzieren. Bereits ab einem Wasserdefizit von zwei Prozent des Körpergewichts, kann auch die Leistungsfähigkeit leiden. Bei einem Handwerker mit 80 Kilogramm Körpergewicht wäre dieser Punkt also bereits nach 1,6 Litern erreicht.

Um den hohen Flüssigkeitsverlust an heißen Tagen auszugleichen, ist viel Trinken angesagt. Der Chef kann seine Mitarbeiter mit kostenlosen Getränken unterstützen. Das erfrischt und hebt die Laune. Wichtig ist, dass er die richtigen Getränke dabei hat.

Da der Körper nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Mineralstoffe verliert, eignet sich vor allem Mineralwasser mit wenig Kohlensäure und einem hohen Mineralstoffanteil oder Apfelsaftschorle mit hohem Wasseranteil. Auch andere Saftschorlen sowie Früchte- und Kräutertees sind gute Durstlöscher.

Keine gute Wahl sind hingegen sehr kalte Getränke, da diese im Körper erst wieder erwärmt werden müssen, wodurch zusätzliche Wärme produziert wird. Auch von Milch, Smoothies, unverdünnten Obstsäften und zuckerhaltigen Getränken sollte besser Abstand genommen werden, da diese dem Körper unnötig Energie zuführen und die Flüssigkeitsaufnahme behindern.

Damit die Leistungsfähigkeit durchgehend erhalten bleibt, sollte Arbeiter auf dem Bau regelmäßig in kleinen Mengen trinken. Wer halbstündlich ein paar Schlucke zu sich nimmt, ist fitter als wenn er im Zwei-Stunden-Takt einen Liter trinkt.

Snacks gegen Hitze

Die Hitze drückt, die Arbeit fällt schwer. Der findige Chef weiß, was jetzt hilft. Eine Runde Eis für die gesamte Mannschaft sorgt bei hochsommerlichen Temperaturen für gute Laune und Pluspunkte bei den Mitarbeitern. Warum also nicht mal etwas springen lassen und schauen, ob es zur Motivation beiträgt?

Wer möchte, kann seinem Team auch gesunde Alternativen anbieten. Gekühlte Melonenscheiben zum Beispiel. Die tragen zusätzlich dazu bei, ausgeschwitzte Flüssigkeit wieder aufzunehmen. Ebenfalls eine gute Wahl sind Bananen, da diese den Mineralstoffhaushalt wieder auffüllen.

Kostenloser Sonnenschutz

Kurzfristig Sonnenbrand, langfristig Hautkrebs. Wer sich ungeschützt der Sonne aussetzt, schadet unweigerlich seiner Haut. Grundsätzlich gilt: Je intensiver und länger die Bestrahlung, desto größer ist die mögliche Schädigung. Bauhandwerker sind in ihrem Job besonders stark UV-Strahlungen ausgesetzt. Es sollte daher unbedingt für entsprechenden Sonnenschutz gesorgt werden. Leider sind viel zu viele Handwerker immer noch zu unvorsichtig, was das Thema betrifft und laufen oberkörperfrei und ohne Sonnenschutz über die Baustelle.

Um die Mitarbeiter zu mehr Sonnenschutz zu motivieren, können Arbeitgeber passende Sonnencremes (siehe Video) im Betrieb kostenfrei zur Verfügung stellen oder Firmenfahrzeuge mit Sonnenschutzmitteln ausstatten. Besonders geeignet sind Sprays, da diese selbst mit schmutzigen Händen leicht aufzutragen sind.

Die Beschäftigten sollten außerdem dazu angehalten werden, UV-Schutzbekleidung inklusive einer geeigneten Kopfbedeckung und UV-Schutzbrillen zu tragen. Ein bequemer Schnitt erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Arbeitskleidung auch tatsächlich von jedem Mitarbeiter angenommen wird. Die BG Bau unterstützt Mitgliedsunternehmen mit bis zu 50 Prozent der Kosten, wenn diese spezielle Schutzkleidung für ihre Beschäftigten bereitstellen.

Wichtig ist, die Belegschaft auf die Gefahren durch UV-Strahlung hinzuweisen und entsprechend zu unterweisen. Sonnenschutz geht jeden an. Beschäftigte sollten zu Beteiligten gemacht werden, etwa indem gemeinsam mit ihnen praxistaugliche Lösungen erarbeitet werden.  

So viel Sonnencreme müssen Sie wirklich auftragen

Wie viel Sonnencreme muss ich auftragen und wie lange bin ich damit geschützt? Im Video zeigt die Deutsche Handwerks Zeitung, wie viel von welcher Sonnencreme nötig ist, um die Hautkrebs-Gefahr zu bannen.

Feierabend vorverlegen oder Mittagspause ausdehnen

Ein generelles Recht auf hitzefrei besteht für Arbeiter auf dem Bau nicht. Dennoch können Arbeitgeber ein Auge zudrücken und ihre Beschäftigten ein paar Stunden früher nach Hause schicken.

Noch besser für das kollegiale Miteinander wäre es, wenn der verfrühte Feierabend für ein gemeinsames Grillfest genutzt wird. Ein kleines Sommerfest im Betrieb ist eine schöne Gelegenheit, um die Kollegen besser kennen zu lernen. Dasselbe gilt für Mittagspausen. Um der hohen UV-Strahlung zur Mittagszeit aus dem Weg zu gehen, könnte der Chef die Pause etwas ausdehnen und ein gemeinsames Essen an einem schattigen Plätzchen vorschlagen.

Damit die Mitarbeiter nach dem Essen wieder gestärkt und motiviert ans Werk gehen, sollte vor allem leicht verdauliche Kost auf den Tisch kommen. Statt Schnitzel und Pommes empfehlen sich Mahlzeiten wie Obst- und Gemüsesalate, kalte Suppen oder auch halbe Portionen. Alkoholhaltige Getränke sollten besser gemieden werden. Zum einen wegen der erhöhten Unfallgefahr, zum anderen, weil Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht. Die bessere Alternative ist alkoholfreies Bier. Dieses ist isotonisch. Soll heißen: Die im Getränk enthaltenen Mineralien und Nährstoffe werden besonders schnell aufgenommen.

Fahrzeuge mit Klimaanlagen ausstatten

Je angenehmer die Arbeit während der Hitze ist, desto zufriedener und engagierter sind die Mitarbeiter. Gerade Fahrzeuge verwandeln sich im Sommer in kürzester Zeit zu einem Backofen. Bis zu 80 Grad im Innenraum sind möglich. Damit die Arbeit in Firmenfahrzeugen und Baumaschinen erträglich bleibt, sollten diese mit einer Klimaanlage ausgestattet sein. Ebenfalls sinnvoll sind UV-absorbierende Scheiben bei Fahrzeugen wie zum Beispiel Baggern oder Kränen.

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