Das gilt bei Hitze auf der Arbeit Hitzefrei für Angestellte?

Hohe Temperaturen in Deutschland. Ein Recht auf hitzefrei haben Angestellte allerdings nicht. Trotzdem können Chefs und Mitarbeiter mit ein paar Vorkehrungen für Abkühlung sorgen. Das sind die wichtigsten Richtlinien bei Hitze.

Damit es in Büro & Co. nicht zu warm wird, rät der Ausschuss für Arbeitsstätten dazu, Jalousien anzubringen. - © detailblick-foto - stock.adobe.com

Der Sommer ist da und damit auch die heißen Tage. Dass es dem einen oder anderen bei hohen Temperaturen zu warm wird, ist nicht verwunderlich. Aber nicht nur im Freien, auch auf der Arbeit kann es mitunter unangenehm werden: In tropisch warmen Büros und stickigen Arbeitsstätten fällt es vielen Mitarbeitern schwer, sich zu konzentrieren und ihren Aufgaben nachzukommen. Doch ein gesetzliches Recht auf hitzefrei – wie in der Schule – haben Angestellte leider nicht. Auch die Installation von Klimaanlagen ist für Chefs keine Pflicht.

Erst bei mehr als 35 Grad kann die Arbeit verweigert werden

Die Arbeit einfach zu verweigern und hitzefrei zu machen, ist für Angestellte keine gute Idee, denn sie können eine Abmahnung oder eine Kündigung riskieren. Erst bei extrem hohen Raumtemperaturen schreitet der Gesetzgeber ein. Wird die Lufttemperatur im Raum von +35 Grad überschritten, ist der Ort für die Zeit der Überschreitung nicht als Arbeitsraum geeignet, heißt es in den Technischen Regeln für Arbeitsstätten des Ausschusses für Arbeitsstätten. Dies gilt aber nur dann, wenn der Arbeitgeber weder technische noch organisatorische Maßnahmen ergreift, um das Arbeiten angenehmer zu gestalten. Dazu zählen beispielsweise Luftduschen, Wasserschleier oder Entwärmungsphasen.

Außerdem sollten Chefs ihre Mitarbeiter mit Hitzeschutzkleidung ausstatten. Werden diese Aspekte nicht erfüllt, ist das Büro oder die Werkstatt für die Zeit der Überschreitung nicht als Arbeitsraum geeignet. Bei schwangeren Frauen und Menschen mit gesundheitlichen Problemen kann dies bereits ab einer Raumtemperatur von 26 Grad gelten.

Ab 30 Grad besteht für den Chef die Pflicht zu handeln

Da es im deutschen Arbeitsrecht jedoch heißt "Arbeitnehmer sollen vor Gefahren für Leib und Leben geschützt werden", hat der sogenannte Ausschuss für Arbeitsstätten Richtlinien für Chefs (aber auch Mitarbeiter) erarbeitet, die Arbeitnehmer vor heißen Lufttemperaturen im Raum ab 26 Grad schützen sollen. Diese sind jedoch nicht verpflichtend.

Erst wenn die Lufttemperatur im Raum die 30 Grad übersteigt, müssen Unternehmen wirksame Maßnahmen zur Hitzelinderung ergreifen. Dabei gehen technische und organisatorische gegenüber personenbezogenen Maßnahmen vor. Hier ein paar Beispiele:

Diese Maßnahmen lindern Hitze in Arbeitsräumen

  • Luftduschen und Wasserschleier installieren: Diese technischen Geräte sorgen für Abkühlung mithilfe von Luft und Wasser.
  • Arbeitszeiten anpassen: Arbeitszeiten am besten in die frühen Morgen- oder Abendstunden verlegen. Hier herrschen meist angenehmere Temperaturen.
  • Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung anbringen: Zum Beispiel Jalousien und andere Schutzmaßnahmen vor Fenstern und Glaswänden.
  • Jalousien herunterlassen: Das gilt nicht nur während, sondern auch nach den Arbeitsstunden. So kann die strahlende Sonne nicht bereits morgens in die Fenster eindringen und die Räume aufheizen.
  • Fenster kippen: Das Fenster während der Arbeitszeit kippen, damit Luft in das Gebäude eindringen kann.
  • Stoßlüften: Vor Hitze hilft ebenfalls ein Stoß- sowie Querlüften in den frühen Morgenstunden.
  • Elektrische Geräte ausmachen: Diese sollten nur bei Bedarf angeschaltet sein, weil auch sie zusätzliche Wärme ausstoßen.
  • Bekleidungsregeln lockern: Auf wie viel Stoff man verzichten darf, können Chefs gemeinsam mit den Angestellten entscheiden.
  • Entwärmungsphasen erlauben: Dem Mitarbeiter sollte es gestattet sein, den Raum zu verlassen, wenn er frische Luft schnappen will.
  • Kostenlose Getränke bereitstellen: Zum Beispiel Erfrischungen wie Wasser.

Wie streng dürfen Kleidervorschriften bei hohen Temperaturen sein?

"Soweit der Arbeitgeber ein nachvollziehbares Interesse an einer bestimmten Bekleidung des Arbeitnehmers hat oder dieses sogar arbeitsvertraglich geregelt ist, entfällt das Interesse nicht pauschal ab einer bestimmten Temperatur", stellt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin, klar.

Der Arbeitgeber ist allerdings verpflichtet, Vorsorge am Arbeitsplatz zu treffen. "Gelingt ihm dies, zum Beispiel durch eine Klimaanlage, bleiben auch die Kleidervorschriften im vollen Umfang bestehen." Gelingt ihm das nicht, kann dann die Lockerung der Kleidervorschriften eine Maßnahme sein. "Grenze ist hier immer auch die etwaige Belästigung der übrigen Arbeitnehmer durch zum Beispiel allzu freizügige Kleidung", sagt Bredereck. dpa

Auch die IKK classic hat sich dem Thema Arbeiten bei sommerlichen Hochtemperaturen gewidmet: Im Artikel der Innungskrankenkasse finden Interessierte weitere hilfreiche Tipps zum Umgang mit Hitze im Büro.