Arbeiten bei Hitze Arbeitskleidung mit Lichtschutzfaktor: Textiler Sonnenschutz

Wer bei praller Sonne im Freien arbeitet, riskiert schnell einen Sonnenbrand. Damit dieser nicht zur Gewohnheit und damit zum Gesundheitsrisiko wird, gibt es Arbeitskleidung mit Lichtschutzfaktor.

Engelbert Strauss präsentierte im Frühjahr 2019 erstmals Funktionsshirts mit Schutzfaktor 50+ (geprüft nach AS/NZS 4399:2017). - © engelbert strauss

Es ist Sommer und die Jahreszeit, in der viele Handwerker ihre Arbeiten im Freien ausführen. Doch auch wenn die wärmenden Sonnenstrahlen noch so angenehm sein mögen, haben sie auch ihre Schattenseiten: Ein Teil des Sonnenlichts – genauer gesagt die ultravioletten Strahlen (UV-A und UV-B) – schädigen die Organe, allen voran die Haut.

Das kurzwellige UV-Licht führt – je nach Strahlungsintensität und Einwirkdauer – zu Sonnenbrand, der mit Schmerz und Blasenbildung verbunden sein kann. Über viele Jahre kann sich ein Zuviel an Sonnenlicht dann sogar bis zu Hautkrebs aufsummieren.

Verweildauer in der Sonne verlängern

Damit es nicht soweit kommt, fordert insbesondere die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) entsprechende Schutzmaßnahmen für betroffene Risikogruppen. Neben technischen und organisatorischen Maßnahmen (Überdachen von Arbeitsplätzen im Freien, Verschieben der Arbeitszeiten in wenig sonnenexponierte Phasen) helfen auch persönliche Maßnahmen dabei, die Gesundheitsrisiken zu minimieren.

Hierzu gehören Sonnenschutzcremes, aber auch eine Arbeitskleidung mit einem möglichst hohen Ultraviolet-Protection-Factor (UPF). Dieser gibt an, wie viel länger sich der Nutzer im Bereich von UV-A- und UV-B-Strahlen aufhalten kann, ohne Hautschäden davonzutragen. Eine Person, die beispielsweise ein Langarm-Shirt mit UPF 50+ trägt, kann ihre Verweildauer in der Sonne also um das Fünfzigfache verlängern. Allerdings muss nicht jeder Beschäftigte einen maximal hohen Lichtschutzfaktor wählen: Der für jeden Einzelnen notwendige UV-Schutz richtet sich nach dem individuellen Hauttyp und der sich daraus ergebenden maximalen Aufenthaltsdauer in der Sonne (siehe Tabelle).

Hautschutztypen und Sonnenexposition
HauttypBeschreibungSonnenbrandEigenschutzzeit der HautSchutz mit Textil (UPF 20)
IHaut: auffallend hell, blass; starke Sommersprossen; Haare: rötlich; Augen: grün, blau, selten braunimmer schwer, schmerzhaft5 bis 10 Minuten100 bis 200 Minuten
IIHaut: etwas dunkler als Typ I; Sommersprossen eher selten; Haare: blond bis braun; Augen: blau, grün, graumeistens schwer, schmerzhaft10 bis 20 Minuten200 bis 400 Minuten
IIIHaut: hellbraun; Haare: dunkelblond, braun; Augen: grau, braunseltener, mäßig20 bis 30 Minuten400 bis 600 Minuten
IVHaut: braun; Haare: dunkelbraun, schwarz; Augen: dunkelkaumca. 45 Minutenca. 900 Minuten
VHaut: dunkelbraun bis schwarz; Haare: dunkelbraun, schwarz; Augen: dunkelkaum60 bis 90 Minuten1.200 bis 1.800 Minuten

Quelle: Forschungsinstitut Hohenstein GmbH & Co. KG, Bönnigheim

UV-Schutz aus dem Kleiderschrank

Bis vor wenigen Jahren war man davon ausgegangen, dass eine schwere, dunkelfarbige Arbeitskleidung einen wirksamen Schutz gegen UV-Strahlen bietet. Gezielte Forschungen haben jedoch ans Licht gebracht, dass der UPF eines Textils von verschiedensten Faktoren abhängt.

Er wird durch die Faserart, Materialdicke, Oberfläche, Struktur und Farbe des Textils beeinflusst. So schützen helle Farben in der Regel weniger gut als dunkle, Polyester oftmals besser als Baumwolle, dichte Gewebe sind lichtundurchlässiger als offenporige. Dank spezieller Ausrüstungsverfahren ist es jedoch gelungen, leichte und komfortable Kleidung mit einem dauerhaften UPF herzustellen. Daher sind inzwischen Berufs- und Warnkleidung – allen voran Shirts, aber auch Jacken und Hosen – mit eingebautem Lichtschutzfaktor zwischen 20+ und 80+ erhältlich. Die besondere Wirkung der Kleidung ist am Label des UV-Standard 801 erkennbar, der von den Hohenstein Laboratories in Bönnigheim vergeben wird. Dafür testet das Institut ein Material unter Gebrauchsbedingungen – also in trockenem und nassem, in ungedehntem und in gedehntem Zustand sowie nach Alterung.

Ein weiteres Verfahren, nach dem Kleidung mit UFP untersucht wird, ist der aus Australien stammende AS/NZS 4399. Hierbei wird das Material ausschließlich in ungedehntem Neuzustand nach dem Sonnenspektrum im Hochsommer in Melbourne geprüft.

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    Langärmelige Warnshirts mit UV-Schutz von Engel Workwear minimieren Risiken für die Haut. Ihre Anschaffung kann im Rahmen einer Arbeitsschutzprämie der BG Bau gefördert werden.
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    Engelbert Strauss präsentierte im Frühjahr 2019 erstmals Funktionsshirts mit Schutzfaktor 50+ (geprüft nach AS/NZS 4399:2017).
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    © Kansas
    Das Hi-Vis-­­T-Shirt von Kansas mit Lichtschutzfaktor ist einer der Bestseller des Workwear-Herstellers.
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    © Hohenstein Laboratories
    Der UV-Standard 801 misst den Schutz eines Textils im Neuzustand sowie nach Gebrauch und Alterung sowie in trockenem und in nassem Zustand. Der Wert (z.B. 80) gibt die Verweildauer an, um die ein Nutzer mit seiner Kleidung länger in der Sonne bleiben kann.
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    © Kübler
    Das Langarmshirt Reflectiq Longsleeve von Kübler verbindet optimale Sichtbarkeit mit hohem UV-Schutzfaktor.

UV-Prävention, die gefördert wird

Das von UV-Strahlen ausgehende Risiko trifft vor allem Handwerker in Bauberufen. Daher stellt die zuständige BG Bau auf ihrer Homepage nicht nur umfassende Informationen zur Verfügung, sondern fördert außerdem Maßnahmen zum individuellen Sonnen- und Hitzeschutz. So genannte Arbeitsschutzprämien werden etwa für die Anschaffung langärmeliger Funktionsshirts und Warnshirts mit UV-Schutz gewährt. (Nähere Informationen unter bgbau.de). Pro Maßnahme werden 50 Prozent der Anschaffungskosten übernommen, pro Shirt höchstens 30 Euro.

Allerdings hat die Unterstützung einen kleinen Haken. Obwohl auch manche Mietservice-Unternehmen Kollektionsteile mit integriertem UV-Schutz anbieten, ist hierfür keine Förderung vorgesehen. Das ist unbegreiflich, denn der textile Dienstleister stellt durch Kontrollen und notwendige Reparaturen die Funktionstüchtigkeit der Kleidung sicher – und verhindert dadurch, dass UV-Strahlen durch Risse oder Löcher an die Haut dringen. Immerhin schließt die zuständige Stelle aus dem Bereich Präventionsorganisation in Dortmund eine Arbeitsschutzprämie für gemietete UV-Schutzkleidung nicht kategorisch aus. Es müsste jedoch ein Mietservice-Kunde aus dem Bausektor den ersten Schritt tun und eine Förderung beantragen.

Hautkrebs häufigste Krebserkrankung in Deutschland

270.000 Menschen pro Jahr erkranken neu an Hautkrebs. Insgesamt litten 2017 1,4 Millionen Menschen in Deutschland unter der Krankheit. Jeder siebte neu Erkrankte entwickelt das gefährliche maligne Melanom, den häufig tödlich verlaufenden schwarzen Hautkrebs.

Hautkrebs ist damit die häufigste Krebsart in Deutschland und die zweithäufigste anerkannte Berufskrankheit, informiert die Techniker Krankenkasse in ihrem Hautkrebsreport 2019. Die Zahlen steigen seit Jahren. Zwischen 2009 und 2015 nahmen der helle Hautkrebs um über 50 Prozent und der schwarze Hautkrebs um über 30 Prozent zu. Die Ursachen für die Krankheit – zu viel UV-Strahlung – liegen meist schon Jahrzehnte zurück, denn es dauert 20 bis 30 Jahre, bis sich der Krebs entwickelt. Folglich sind Ältere häufiger betroffen.

Obwohl es für den Behandlungserfolg wichtig ist, die Kankheit möglichst frühzeitig zu erkennen, geht nur jeder fünfte gesetzlich Versicherte zum Hautkrebsscreening und immer noch unterschätzen – gerade auch Bauhandwerker – die Gefahr der UV-Strahlung. Die Erbsubstanz der Haut kann schon geschädigt werden, bevor ein Sonnenbrand entsteht.

Die höchste Strahlenbelastung haben Kanalbauer, Dach- und Fassadenbauer, Zimmerer, Straßenbauer, Betonbauer, Dachdecker und Maurer, wie das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) durch Messungen nachgewiesen hat. bst

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