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Nationaler Diabetesplan gefordert Diabetes: Tödlicher als gedacht

Jeder fünfte Todesfall in Deutschland steht im Zusammenhang mit Diabetes mellitus, zeigen neueste Erkenntnisse der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Damit hat die Zuckerkrankheit weit schwerere Folgen, als bisher angenommen. Wer am häufigsten betroffen ist und wie jeder Einzelne gegegensteuern kann.

Bislang gab es nur Schätzungen zur diabetesbedingten Sterblichkeit in Deutschland, da entsprechende Daten fehlten. Doch seit 2014 stehen Wissenschaftlern Routinedaten der Gesetzlichen Krankenkassen zur Verfügung, die etwa 90 Prozent der deutschen Bevölkerung abbilden. Sie wurden jetzt erstmals ausgewertet und zeigen: Jeder fünfte Todesfall ist mit Diabetes assoziiert. "Das sind fast zehnmal mehr Menschen als bislang angenommen“, kommentiert Professor Dirk Müller-Wieland von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG).

Weltweit sind im Jahr 2013 schätzungsweise 5,1 Millionen Menschen und 620.000 Menschen in Europa an einem Diabetes oder an diabetesbedingten Folgeerkrankungen gestorben. Damit ist die Lebenserwartung für Menschen mit Diabetes im Durchschnitt um etwa fünf bis sechs Jahre kürzer als bei gleichaltrigen Personen ohne Diabeteserkrankung.

Diabetes bei berufstätigen Männern

Die Stoffwechselkrankheit, die den Beinamen "Altersdiabetes" trägt, ist kein reines Altersproblem. Selbst Kinder leiden heute an der Erkrankung, vor allem aber auch sehr viele berufstätige Männer. In ihrem Körper steigt der Blutzuckerspiegel, weil sie wahlweise nicht mehr ausreichend auf das körpereigene Hormon Insulin reagieren (Altersdiabetes, Typ-2-Diabetes) oder nicht mehr genügend Insuliln produzieren (Typ-1-Diabetes).

Die ersten Symptome der Erkrankung sind unauffällig:

  • Häufiges Wasserlassen
  • Starke Durstgefühle
  • Trockene oder juckende Haut
  • Müdigkeit
  • Gewichtsverlust
  • schlechte Wundheilung
  • häufige Infektionen (v.a. der Harnwege, Pilzerkrankungen oder Paradontitis)
  • Azetongeruch im Atem (bei Typ-1-Diabetes)
Die weiteren Folgen wiegen schwer: Der erhöhte Blutzuckerspiegel schädigt häufig
  • Blutgefäße
  • Nerven
  • Organe
  • führt zu Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Netzhautschäden
  • Nervenstörungen
  • Amputationen
Ab dem 40. Lebensjahr erkranken Männer zunehmend häufiger an Diabetes als Frauen. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Abrechnungsdaten der hkk Krankenkasse. Ab dem 65. Lebensjahr ist der Unterschied besonders groß. Während in dieser Altersklasse 13,3 Prozent der Männer betroffen sind, sind es bei den Frauen lediglich 9,1 Prozent. Insgesamt steigt das Risiko mit dem Alter, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Wolfgang Ritter, Präventionsexperte bei der hkk, appelliert daher besonders an Männer, ihren Blutzuckerspiegel bereits ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre vom Arzt überprüfen zu lassen.

Ernährung und Lebensstil beeinflussen Diabetes

Altersdiabetes ist eine Zivilisationskrankheit. Ernährung und Lebensstil sind der Grund für die stark steigende Zahl der Krankheitsfälle weltweit. Übergewicht und Bewegungsmangel verschlechtern den Zustand, deswegen ist ausgewogene Ernährung und regelmäßíge Bewegung wichtig, gerade auch im beruflichen Alltag. Wie das ein Handwerksbetrieb umsetzen kann, lesen Sie hier:

Die DDG fordert aufgrund der neuen Zahlen wirksame gesundheitspolitische Maßnahmen. Dazu gehöre ein gestuftes Mehrwertsteuersystem für Lebensmittel – ungesunde Produkte mit einem hohen Anteil an Zucker, Fett und Salz sollten teurer werden, gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse hingegen von der Mehrwertsteuer befreit werden, empfiehlt die DDG.

Zudem solle die Politik ein Verbot für an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel erlassen, verbindliche Standards für eine gesunde Schulverpflegung und täglich mindestens eine Stunde Bewegung in Kitas und Schule einführen. "Diese Maßnahmen würden bewirken, dass künftig immer weniger Menschen an Diabetes erkranken. Das wiederum würde auch das Gesundheitssystem Deutschlands massiv entlasten“, betont DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer.

Nationaler Diabetesplan für bessere medizinische Versorgung

Darüber hinaus fordert die Vereinigung einen "Nationalen Diabetesplan“ für Deutschland. Die darin aufgeführten Ansatzpunkte zielen auf eine bessere medizinische Versorgung für Menschen mit Diabetes durch adäquate Medizinerausbildung und -weiterbildung, eine flächendeckende Versorgung durch niedergelassene Allgemein- und Fachärzte, eine angemessene Behandlung und Pflege im Krankenhaus sowie moderne Medikamente und ein deutschlandweites Diabetesregister. "Damit könnten wir das dramatische Sterblichkeitsrisiko von Diabetespatienten wirksam reduzieren“, so Bitzer.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke startet derzeit eine Studie, für die noch Probanden gesucht werden. Unter http://diriko.dife.de/ führen die Wissenschaftlicher Tests per Umfrage durch. Teilnehmer erfahren so ihr persönliches Risiko, innerhalb der nächsten fünf Jahre an Altersdiabetes zu erkranken.

Dieser Artikel wurde am 19. Dezember 2017 aktualisiert.

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