Krieg und Energiekrise – das TV-Jahr 2022 hatte aus Sicht des Handwerks nicht viele positiv Themen zu bieten. Im Mittelpunkt standen zumeist die arg gebeutelten Bäcker. Neben einigen Pannen im Fernsehen gab es aber auch positive Berichterstattung über das Handwerk. Ein Rückblick auf die wichtigsten Sendungen des Jahres.

Auch wenn weite Teile der Politik das gern behaupten: Energiekrise ist nicht erst seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine. Bereits Ende Januar, als sich der russische Waffengang andeutete, talkte Frank Plasberg zu dem Thema bei hart aber fair in der ARD. Damals zofften sich Vertreter von Grünen und Union darum, ob man weiter Gas aus Russland importieren und ob NordStream 2 in Betriebe gehen solle. Und es stand die Frage im Raum, ob die Verteuerung der Energie zu einem erwünschten Spareffekt führen würde. Mittlerweile ist die Debatte um einiges weiter. Der russische Einmarsch in der Ukraine hat nicht nur die geopolitischen, sondern auch die wirtschaftlichen Karten in Deutschland und Europa neu gemischt.
Bäcker im Fokus
Und so waren der Krieg, die sich verschärfende Energiekrise sowie die Inflation die Top-Themen im Fernsehen. Kaum eine Sendung, kaum ein Talk, in dem Handwerker nicht ohne den Verweis auf die schwierigen Bedingungen auskamen. Ein Gewerk stach dabei heraus: die Bäcker. Sie wurden zum Symbol der Energiekrise und deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Mittelstand. Klar, wer den Menschen ihr täglich' Brot backt, zu dem haben sie eine emotionale Verbindung. Schließungen von Backstuben, deftige Preiserhöhungen und die damit verbundenen Schicksale waren in den Fernsehprogrammen praktisch allgegenwärtig.
Scholz ausweichend
So wurde Bundeskanzler Olaf Scholz Anfang Juli bei Maybrit Illner im ZDF mit einem Bäckerehepaar konfrontiert. Angesichts der beschriebenen Umstände liefen bei dem Betrieb die Kosten aus dem Ruder. Scholz antwortete auf die Sorgen der Bäcker meist ausweichend. Entsprechend wenig Erkenntnisgewinn war deshalb mit der Sendung verbunden. Später im Jahr wurden Zug um Zug mehr Hilfsprogramme der Bundesregierung aufgelegt. Ob das den Bäckern geholfen hat? Viele von ihnen haben ihre Backstube für immer geschlossen, anderen steht das Wasser bis zum Hals, die Pleite droht.
Habeck fahrig
Apropos Pleite: Ein Höhepunkt in negativer Hinsicht war der Auftritt von Robert Habeck bei Maischberger Anfang September. Zahlreiche Medien beschäftigten sich hinterher mit der Frage, ob der Bundeswirtschaftsminister überhaupt wisse, was denn eine Insolvenz sei. Fahrig wirkte Habeck, als er auf eine Frage von Moderatorin Sandra Maischberger sagte: "Dann geht der Bäcker pleite, genau. Wenn er backen würde und die Brötchen nicht verkaufen würde." Läden wie Bäckereien seien nicht automatisch insolvent, sie würden nur aufhören etwas zu verkaufen. Das war sozusagen das Talkshow-Highlight in der Energiekrise. Es führte einem breiten Publikum vor Augen, wie zerfahren die Politik in diesem Jahr über weite Strecken agiert hat.
Heizungsbauer unter Druck
Mit Blick auf die Energiekrise waren es auch die Heizungsbauer und SHK-Betriebe, die in das mediale Blickfeld rutschten. Im September zeigte der NDR in einer gelungenen Reportage, wie stark das Handwerk angesichts der staatlichen Maßnahmen gegen den Klimawandel und der Energiekrise unter Druck steht. Termindruck durch eine überbordende Auftragslage im Verbund mit ständigen Forderungen der Politik nach dem Einbau energiesparender Heizungsalternativen bringen die "Klima-Gewerke" ans Limit. Dazu sind die Lieferketten weiterhin beschädigt und die Lieferzeiten hoch.
Die Gewerke, die die Energieprobleme im Land bewältigen sollen, ächzen unter einem Zuviel an Anforderungen und Aufträgen. Nicht nur bei der Wärmepumpe und Heizungen generell, sondern auch im Bereich Photovoltaik bestehen Probleme bei der angespannten Auftragslage und den Lieferzeiten. Was durchweg auffiel, war die Tatsache, dass sich so manche Sendung nicht besonders um die technische Umsetzbarkeit kümmerte. Die Wärmepumpe im Bestand nämlich ist keineswegs unumstritten und ihr Einsatz von weiteren Aspekten wie etwa der Gebäudedämmung abhängig. Hier war der Drang nach schnellen Lösungen bei manchen Journalisten offenbar stärker als die solide Recherche.
Das Höhepunkt: Reportage über marodes Deutschland
Einen Höhepunkt des TV-Jahrs 2022 aus Handwerkssicht gab es indes im November. Da beschäftigte sich das ZDF in der Dokumentation "Teuerland" recht schonungslos mit den Zuständen in Deutschland. Im Gegenschnitt von Praktikern – unter anderem einem Heizungsbauer – und Politikern kam heraus, wie weit die Realitäten im Land voneinander entfernt sind. Es war eine Dokumentation, die leider nicht viel Hoffnung machte, dass es auch angesichts eines langen Winters bald besser um den deutschen Mittelstand stehen könnte.
Fazit: Ein durchwachsenes TV-Jahr mit ernsten Themen
Die immer weitere Politisierung Deutschlands in allen Bereichen führte auch bei der TV-Berichterstattung über das Handwerk im Jahr 2022 dazu, dass die Themen sachlicher, politischer und weniger locker wurden. Klar, die eine oder andere Reportage über "den letzten seiner Art" zu aussterbenden Gewerken, New Work im Handwerk oder die Schönheit des Kunsthandwerks gab es. Aber es überwogen doch die politisch grundierten Berichte über die angespannte Situation in den verschiedenen Gewerken.
Insgesamt blieb das Niveau der Berichterstattung auch dieses Jahr durchwachsen. Mit der Ernsthaftigkeit bei der Themenauswahl setzte zwar eine stärkere Beschäftigung mit den Problemen des Handwerks ein. Aber so mancher Beitrag war durchaus haarsträubend in der Herangehensweise. Dass mit Frank Plasberg ausgerechnet der TV-Talker Ende November seine letzte Show hatte, der für den stärksten Praxisbezug aller Talkshows stand und immer wieder auch Praktiker aus Handwerk und Mittelstand einlud, ist für 2023 kein gutes Omen. Es wird spannend, wie sich die Talkshow unter dem neuen Moderator entwickelt. Probleme, über die aus Sicht des Handwerk zu sprechen ist, gibt es jedenfalls auch im kommenden Jahr genug.