TV-Kritik: NDR -"Die Nordreportage" über Heizungsalternativen Neue Heizungen, Modernisierungen: Handwerker unter Druck

Seit der Energiekrise stehen Alternativen zur Gasheizung hoch im Kurs. Ob Wärmepumpe, Photovoltaik oder Kaminöfen - es sind Handwerksbetriebe, die die neuen Heizungen einbauen oder aber die alten warten müssen. Ofenbauer oder SHK Betriebe haben alle Hände voll zu tun, kommen aber mit der Menge an Aufträgen kaum hinterher, wie in einer Reportage des NDR gut rüberkam. Das wiederum hat Auswirkungen auf den Fortgang der Energiekrise.

Heizungsthermostat
Betriebe, die sich mit dem Einbau und der Umrüstung von Heizungen befassen, haben aktuelle jede Menge zu tun. Dabei befeuert nicht nur die Energiekrise die Auftragslage. - © Hugo - stock.adobe.com

"Sehr gute Auftragslage". Der Begriff hat einen Bedeutungswandel hinter sich. War er früher ausschließlich positiv konnotiert, so schwingt im Kontext der Energiekrise immer auch mit, dass die anstehenden Aufträge schlicht und ergreifend zu viel und mit vernünftigem Aufwand kaum zu bewältigen sind - weil Fachkräfte fehlen oder Rohstoffe knapp sind. Wenn also der NDR in seiner "Nordreportage" zum Thema "Warm ohne Gas" einen Elektromeister zeigt, der vor allem mit Blick auf den Einbau von Photovoltaik-Anlagen davon spricht, dass eben jene Auftragslage derzeit "sehr, sehr gut" sei, dann kommt diese Aussage wohl nicht ohne den Zusatz aus, dass das auf der anderen Seite lange Wartezeiten und viel Stress bedeutet. Dass die Aufträge so „geballt“ kommen, das habe er jedenfalls noch nicht erlebt, sagt Marco Knappmeier. Für mehr als ein Jahr sei er ausgebucht.

Das Land ist abhängig vom Handwerk

Die Angst vor teurem Gas, Strom und Öl bringt viele Menschen derzeit dazu, über Alternativen zur Gasheizung nachzudenken, also entweder eine neue Heizung mit einer anderen Technik einbauen oder die bestehende Heizung modernisieren zu lassen. Die NDR-Journalisten zeigten dabei anschaulich auf, wie der Boom der Gas-Alternativen das Handwerk belastet, was Termindruck und Arbeitsmenge angeht. Sie begleiteten einen Ofenbauer, den angesprochenen Elektromeister, einen Heizungsbauer, der Wärmepumpen einbaut und eine Energieberaterin. Das Land, so der Eindruck hinterher, ist in der Energiekrise abhängig von der Leistung, die die verschiedenen Gewerke, die rund um das Thema Energie eine Rolle spielen, bringen.

Der Ofenbaumeister: Einiges los

Da ist etwa der Ofenbaumeister Thomas Benning, der einen alten Kachelofen modernisiert, weil die Besitzerin sich davon einen Einspareffekt beim Heizen mit Holz erhofft. Einem weiteren Kunden verkauft er einen Pellets-Ofen, nicht ohne den Hinweis, dass eben jene Pellets sich in den vergangenen Monaten im Preis verdreifacht hätten. Zwei Bereiche, die sich eher nach alternativen Heizformen für den Notfall anhören, aber im Rahmen einer Mischkalkulation in diesen unsicheren Zeiten durchaus auch Sinn ergeben können. Auch hier ist einiges los derzeit.

Haustechnik: Die Lieferzeiten sind ein Problem

In der Haustechnik-Firma, die sich um den Einbau von Wärmepumpen kümmert, beklagt sich indes schon die Dame in der Telefonzentrale, dass alles derzeit „ein bisschen viel“ sei. Und die Projektleiter, so heißt es, kämen "gar nicht hinterher, die Aufträge abzuarbeiten". Einer von ihnen, Michael Lamla, fasst dann auch prägnant zusammen, welche Ursachen all der Stress und die Terminflut haben. Die Lieferzeiten, vor allem für die Wärmepumpen, seien ein Problem. Bei manchen Wärmepumpen rufe er einmal pro Woche mindestens an, wann das Gerät jetzt komme, sagt Lamla sichtlich angefressen. "Ich habe die Monteure hier stehen, die wollen einbauen und können nicht, weil das Material nicht da ist", erläutert er die Situation, die derzeit wohl viele Handwerker kennen, die in diesem Bereich aktiv sind. Er sei deshalb auch "genervt", weil viel Zeit dadurch verloren gehe, dass er jeden Tag irgendwelches Material suchen müsse. Der NDR zitiert dann noch den Bundesverband Wärmepumpe, wonach "unterbrochene Lieferketten, der Chipmangel und die hohe Nachfrage" die Hauptgründe für die Engpässe seien. Abstrakte Worte, die greifbar werden, als Lamla vom NDR zu einem Kunden begleitet wird. Dort habe sich die Fertigstellung des Neubaus um mehrere Wochen verzögert, weil die Wärmepumpe eben erst sehr spät komplett mit allen Teilen geliefert wurde. Das bedeutet: nicht nur genervte Haustechniker, sondern auch genervte Kunden.

Elektromeister: Keine Leute, genervte Kunden

Von denen kann auch Elektromeister Knappmeier ein Lied singen. Nicht immer hätten Kunden Verständnis, wenn er ihnen sagen müsse, dass er eine Woche später komme als ausgemacht, "weil irgendeine Batterie fehlt". Und obendrein fehlen - natürlich, möchte man sagen - die Fachkräfte. Der Chef muss hier also ständig selbst mit anpacken, was dazu führt, dass man ihm sogar während der Anwesenheit des Kamerateams den Stress ansieht. Viel Zeit, sich neben der Arbeit um das Gespräch mit den Journalisten zu kümmern, dürfte er angesichts der Terminflut nicht gehabt haben.

Das wirkte sehr authentisch, wie auch die ganze Reportage ein gutes Bild von dem Irrsinn zeichnete, der sich im Rahmen von Energiewende und Energiekrise derzeit auf Baustellen und ganz allgemein in den betroffenen Gewerken abspielt. Dabei begnügten sich die NDR-Reporter mit der Rolle des Zuschauers, gaben wieder, was die Protagonisten zu sagen hatten, ordneten nur sehr zaghaft ein. Für diese Art der Reportage, die stark auf Bilder und Eindrücke setzt, war das zwar ganz in Ordnung, so wurden die Probleme zumindest indirekt vermittelt, indem die Hauptfiguren zu Wort kamen.

Zentrale Punkte fehlen

Für ein echtes Panoptikum der Probleme fehlten aber Aussagen dazu, welches Engagement das Handwerk derzeit bringt, um nicht nur das eigene Geschäft zu besorgen, sondern etwa auch politische Vorhaben wie den Heizungs-Check, zu erledigen. Auch der Fachkräftemangel, der wie ein Katalysator der Problemlagen wirkt, kam kaum zur Sprache. Nachwuchssorgen, ohnehin hohe Termindichte, und die Sorge um die eigene Firma angesichts von horrenden Kostensteigerungen - all das fehlte aufseiten der Handwerker und kam lediglich als Motivation der Kunden, sich die Heizung modernisieren zu lassen, zur Sprache.

Doch gerade das Handwerk steht in der Energiekrise aus verschiedenen Gründen unter Druck. Die Frage nämlich, wie viele Betriebe sich trotz guter Auftragslage bald nach der Decke strecken müssen, um nicht insolvent zu gehen, und wie sich das dann auf die Umsetzung der Energiewende und die Bekämpfung der Energiekrise auswirkt, hätte zumindest als kleiner Aspekt in die Sendung gehört. So blieb ein realistisches Bild von Gewerken unter Druck, aber es blieben eben auch viele Fragen unbeantwortet.

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