Energieeinparverordnung Heizungscheck-Pflicht: Das müssen Hausbesitzer wissen

Seit 1. Oktober ist ein Heizungscheck für mit Erdgas betriebene Gasheizungen Pflicht. Durchführen sollen diesen Schornsteinfeger, SHK-Handwerker und Energieberater. Die Praktiker erklären, was dabei für Hausbesitzer zu beachten ist und wie der Heizungscheck abläuft.

Schornsteinfeger Andreas Walburg beim Heizungscheck.
Neben Schornsteinfegern sollen auch SHK-Handwerker, Ofen- und Luftheizungsbauer und bestimmte Energieberater den Heizungscheck durchführen. - © Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks

Um den Gasverbrauch in Deutschland zu verringern, hat der Bundesrat zwei neue Energieeinsparverordnungen beschlossen. Sie sehen seit 1. September unter anderem eine Absenkung der Mindesttemperatur in Arbeitsräumen und öffentlichen Gebäuden vor sowie die Pflicht für Gasversorger und Besitzer größerer Wohngebäude, Kunden und Mieter über den erwarteten Gasverbrauch zu informieren.

Seit 1. Oktober gelten zudem weitere Maßnahmen. So müssen Besitzer größerer Gebäude nicht nur einen hydraulischen Abgleich durchführen lassen. Auch eine Heizungsprüfung ist dann Pflicht. Betroffen sind Gas-Wärmeerzeuger, das heißt, Heizungen, Raumheizer und Warmwasserheizer, die mit Erdgas betrieben werden. Vornehmen sollen diesen Schornsteinfeger, SHK-Handwerker, Ofen- und Luftheizungsbauer oder Energieberater, die in die Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes aufgenommen worden sind.

Was bedeutet das für Hauseigentümer? Wie läuft der Heizungscheck ab? Und wie oft muss dieser durchgeführt werden? Erste Antworten auf wichtige Fragen gibt Andreas Schuh, Obermeister der Innung SHK Berlin, sowie Andreas Walburg vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks:

Heizungscheck-Pflicht: Wichtige Fragen im Überblick

Warum ist ein Heizungscheck überhaupt nötig?

Nicht alle Heizungsanlagen in Deutschland sind optimal eingestellt und verbrauchen somit unnötig Energie. Da sich viele Mieter, Haus- und Wohnungsbesitzer wenig bis gar nicht mit der installierten Anlagentechnik auskennen, sind sie auf Hilfe vom Fachmann angewiesen. Regelmäßige Wartungen und Überprüfungen tragen in der Regel dazu bei, dass Anlagen effizient und sicher arbeiten. Dennoch kommt es vor, dass aus Unkenntnis Einstellungen verändert werden oder schon lange keine Wartung mehr durchgeführt wurde. An diesem Punkt soll der flächendeckende Heizungscheck ansetzen.

Die Heizungsüberprüfung soll möglichst schnell und mit einfachen Mitteln Einsparmöglichkeiten aufzeigen, die teilweise gleich vor Ort umgesetzt werden können. Möglich ist dies zum Beispiel durch Anpassungen der Regelungstechnik. "Sie ist nur eine von weiteren Maßnahmen, die kurz- bis mittelfristig Gas einsparen sollen", sagt Andreas Walburg vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. In der Summe aller Maßnahmen erhofft sich die Bundesregierung, den Energieverbrauch zu senken und damit die Energieversorgung auch bei Gasmangellage sicherstellen zu können.

An wen wenden sich Hausbesitzer für den Heizungscheck?

Fällt die Wahl auf den Schornsteinfeger, den SHK-Handwerker oder doch den Energieberater? An wen wenden sich Hausbesitzer für den Heizungscheck im besten Fall? Schuh sagt, die Wahl erfolge in einer Art Windhundverfahren: "Am besten wenden sich Hausbesitzer an den Handwerker ihres Vertrauens oder denjenigen, der bereits wegen anderer Arbeiten im Haus ist." Auch der Schornsteinfeger-Verband rät: Die Überprüfung sollte möglichst im Zusammenhang mit anderen Arbeiten durchgeführt werden, um Aufwand und Anfahrtskosten zu senken. Im Falle der Schornsteinfeger etwa bei der Feuerstättenschau.

Einen möglichen Interessenskonflikt zwischen den Gewerken sieht Schuh übrigens nicht: "Wir arbeiten in dieser Sache eng mit den Schornsteinfegern zusammen und sind im gemeinsamen Austausch." Bei dieser Überlegung sollten Verbraucher aber darauf achten, ob ein Wartungsvertrag für ihre Anlage besteht, damit etwaige Garantieansprüche nicht erlöschen.

Wie soll der Heizungscheck ablaufen?

Kommt ein Schornsteinfeger oder eine Schornsteinfegerin zur Messung oder Feuerstättenschau ins Haus, überprüfen sie im Anschluss bestimmte Parameter sowie die Einstellungen der Anlage. Ist eine Absenkung der Vorlauftemperatur und der Wassertemperatur möglich? Ist die Nachtabsenkung aktiviert? Sind die erforderlichen Leitungsrohre gedämmt? Maßnahmen wie diese können und sollen dazu beitragen, dass Brennstoff eingespart werden kann. Das Ergebnis des Heizungschecks muss der Handwerker schriftlich festhalten.

SHK-Betriebe orientieren sich für den Heizungscheck an einem Punktesystem, erklärt Andreas Schuh. Je höher die Punktzahl, desto schlechter sei der energetische Zustand der Anlage und desto mehr müsse die Heizungsanlage optimiert werden. "Bei einem Gaskessel wird dann zum Beispiel geschaut, wie hoch die Abstrahlverluste sind. Je höher diese sind, desto mehr Punkte gibt es", so der Innungs-Obermeister. Für die Durchführung der dabei festgestellten Optimierungsmaßnahmen sind gegebenenfalls Folgetermine mit den Betrieben zu vereinbaren.

Was ist der hydraulische Abgleich?

Für einige Gebäude schreibt die Bundesregierung neben dem Heizungscheck auch einen hydraulischen Abgleich vor. Dieser ist wichtig, um herauszufinden, ob das Heizungssystem auch tatsächlich die gewünschte Wärmeabgabe im Raum liefert. Das Wasser im Heizungssystem sucht grundsätzlich den Weg mit dem geringsten Widerstand. Es fließt eher durch kurze und dicke statt durch lange und dünne Heizungsrohre. Zimmer, die vom Heizkessel weiter entfernt sind, bekommen eventuell zu wenig Heizwasser ab. Der Abgleich sorgt dafür, dass durch alle Heizkörper die richtige Wassermenge fließen kann. Schließlich sollen damit Energie und Heizungskosten gespart werden.

>>> Lesetipp: Hydraulischer Abgleich: Wichtige Fragen im Überblick

Was kann konkret durch den Heizungscheck verbessert werden?

Neben Isolierungen oder Reparaturen an der Heizungsanlage können durch relativ einfache Maßnahmen, wie der Einstellung von Heizintervallen, Kosten gesenkt werden. "Von wann bis wann arbeite ich? Muss ich, wenn ich arbeite, die Raumtemperatur auf 20 Grad oder 24 Grad haben? Oder reicht es auch, wenn ich die Temperatur auf konstante 18 Grad einstelle? Ich kann dann am Feierabend die Temperatur wieder ein wenig höher einstellen, zum Beispiel so, dass um 16:00 Uhr die Heizung so langsam wieder auf 20 oder 22 Grad steigt", erklärt Walburg. 

Können auch Besitzer einer alten Heizung ihre Heizintervalle optimieren?

Für moderne Heizungen ist es zwar einfacher, aber auch für alte Heizungsanlagen kann man die Einstellungen verbessern. Laut Walburg können zum Beispiel die Pumpenkreisläufe zeitgesteuert umgerüstet werden. "Dann habe ich wenigstens schon mal die Zirkulation zeitgesteuert. Dann läuft der Kreislauf, wenn ich vor Ort bin, dementsprechend schneller an und wenn ich nicht vor Ort bin, läuft das Wasser langsamer durch", sagt Walburg.

Weitere Energiesparpotentiale sind sehr individuell und können mit dem Experten vor Ort besprochen werden. Ein Schornsteinfeger, der den Heizungscheck macht, kann zum Beispiel auch beraten ob ein Wechsel der Heizungsanlage sinnvoll ist und welches System er empfiehlt.

Wie oft muss die Maßnahme durchgeführt werden und wann entfällt sie?

Die Heizungsüberprüfung ist verpflichtend für Hausbesitzer und in der neuen "Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über
mittelfristig wirksame Maßnahmen" (EnSimiMaV) festgelegt. Sie gilt seit dem 1. Oktober 2022 für zwei Jahre.

Andreas Walburg rät Hausbesitzern mit Gasheizungsanlagen, sich bei Fragen an ihren Schornsteinfeger oder ihre Schornsteinfegerin zu
wenden. "Sollte eine vergleichbare Prüfung, ein hydraulischer Abgleich oder Pumpentausch bereits erfolgt sein, können die Eigentümer dies
vorher mitteilen oder bei ihrem nächsten Schornsteinfeger-Termin ansprechen." Auch die SHK Innung Berlin rät Hausbesitzern dazu, mit Anfragen aktiv auf die SHK-Betriebe zuzukommen. Denn: Liegt eine vergleichbare Prüfung nicht länger als zwei Jahre zurück, ist kein erneuter Check notwendig. Ebenfalls entfällt die Verpflichtung zur Heizungsprüfung in Gebäuden, die im Rahmen eines standardisierten Energiemanagementsystems oder Umweltmanagementsystems verwaltet werden und in Gebäuden mit standardisierter Gebäudeautomation.

Wie viel kostet der Heizungscheck?

Dazu trifft sowohl der Schornsteinfeger-Verband als auch die Innung SHK Berlin keine konkrete Aussage. In welchem Kostenrahmen die Heizungsprüfung liegen werde, hänge unter anderem vom Anbieter, von der Dauer und dem Umfang ab. Zudem macht Schuh auch auf Kosten aufmerksam, die entstehen können, wenn Handwerker die im Heizungscheck festgestellten Optimierungsmaßnahmen umsetzen. Hierfür sind unter Umständen Folgetermine mit den Betrieben zu vereinbaren. Die Kosten lassen sich aber auch hierfür nicht pauschal festlegen.

Klappt es damit noch vor 2023?

Heizungsbesitzer müssten Geduld mitbringen, wie Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) schon früh ankündigte: "Man kann nicht 20 Millionen Heizungen bis Weihnachten optimieren. Das ist völlig unrealistisch." Aktuell machten sowohl der Fachkräftemangel als auch lange Lieferzeiten der Branche zu schaffen.

Zudem gilt es, die Handwerker gut auf den Heizungscheck vorzubereiten. "Unsere Handwerksbetriebe haben das zwar alles mal gelernt, aber in den letzten Jahren lagen die Prioritäten auf anderen Aufgaben." Die Berliner Innung will deshalb spezielle Weiterbildungen anbieten. Dort lernen die Handwerker, den Heizungscheck nach aktuellen Standards durchzuführen und Prozesse und Arbeitsschritte zu optimieren.

Walburg ist etwas optimistischer. Hausbesitzer sollten einfach bei ihrem Schornsteinfeger anrufen und einen Termin vereinbaren. Seine Kollegen und er hätten zwar alle Hände voll zu tun, würden aber auch sehr viele Termin pro Woche realisieren. "Ich bin sehr optimistisch und glaube, dass wir in beratender Funktion sehr schnell und sehr zügig daran arbeiten können", sagt der Schornsteinfeger. "Es liegt ganz klipp und klar an dem Hausbetreiber selbst, wie aktiv er daran arbeitet. Wir können uns nur anbieten und der Hauseigentümer muss oder sollte auf uns zukommen und fragen."

Was droht Hausbesitzern, die keinen Heizungscheck durchführen lassen?

Dazu hat die Bundesregierung noch nichts bekannt gegeben und auch die SHK-Innung Berlin kann darauf keine klare Antwort geben. "Ich schätze aber, dass hierzu noch eine Art Klarstellung der Bundesregierung folgen wird, die diese und weitere Fragen klären wird", prognostiziert Schuh.

Was sagen die Branchen zu der Maßnahme?

Das SHK-Handwerk begrüßt den Heizungscheck. "Keiner der ein Auto fährt, lässt es ohne Inspektion zehn Jahre rollen, bei der Heizung sieht das anders aus", sagte Frank Ebisch vom ZVSHK.

"Das Schornsteinfegerhandwerk freut sich bei diesen aktuellen und wichtigen Themen individuelle und wirkungsvolle Beiträge leisten zu können und in beratender Funktion aktiv sein zu dürfen", sagt Walburg. Er sieht sein Handwerk vor allem als neutralen Berater rund um das Thema Heizen und Energiesparen.

Auch der Bundesverband Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker – kurz GHI – bewertet die Heizungsprüfung als richtig, nennt in einer Stellungnahme aber Verbesserungsvorschläge. So sollte die Prüfung etwa auf das ganze Gebäude ausgeweitet werden, um mehr Energie zu sparen. Denn Heizungsanlagen seien nur ein Teil des komplexen Gesamtkonstrukts "Gebäude", in dem es unterschiedliche Wechselwirkungen gebe. Auch sollte die Pflicht zum hydraulischen Abgleich nach Meinung des GHI auf Ölheizungen und kleinere Gebäude ausgeweitet werden.