Klimaschutz Ölheizungsverbot ab 2026: Was mit der Öl- und Gasheizung machen?

Ab 2026 ist die Installation reiner Ölheizungen in Deutschland verboten. Zudem gibt es politische Pläne, nach denen bereits ab 2024 jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Was heißt das für Besitzer einer Ölheizung, was gilt für die Gasheizung und wie wird der Umstieg auf Alternativen gefördert? Ein Überblick.

Ab dem Jahr 2026 sollen keine reinen Ölheizungen mehr installiert werden dürfen. Doch es sind Ausnahmen vorgesehen. - © R.R.Hundt - stock.adobe.com

Energie ist eine teure Sache geworden. Mehr Bürger als früher holen sich deshalb Rat von Fachleuten, um den Verbrauch zu reduzieren und unabhängiger zu werden von Gas und Öl. Auf Basis von Zahlen des ersten Halbjahres rechnet der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) damit, dass seine Experten in diesem Jahr 270.000 Energietechnik-Beratungen durchführen werden. 2021 waren es 178.000, in den Vorjahren deutlich weniger.

Der Umstieg auf klimafreundliche Heiztechnologien ist auch politisch gewollt. 2045 soll Deutschland klimaneutral sein, verbleiben also nur noch etwas mehr als 20 Jahre, um die Treibhausgasemissionen auf nahezu null zu senken. Da eine Ölheizung in der Regel zwischen 20 und 30 Jahre im Einsatz ist und jährlich mehrere Tonnen CO2 ausstößt, sah sich die Bundesregierung gezwungen, den Neueinbau von reinen Ölheizungen zu verbieten. Das Gebäudeenergiegesetz schreibt ein Verbot ab 2026 vor, das aber Ausnahmen vorsieht.

Für wen gilt das Verbot von Ölheizungen? 

Bundesweit gibt es nach Angaben der Schornsteinfeger rund 5,4 Millionen Ölheizungen. Viele von ihnen werden auch nach 2026 in Betrieb bleiben, denn das Verbot gilt lediglich für Neuinstallationen.

Doch auch, wenn ein ölbetriebener Heizkessel nach dem Stichtag schlapp macht, muss er nicht zwingend durch eine andere Heiztechnologie ersetzt werden. So sind von dem Verbot Gebäude ausgenommen, in denen keine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist. Das ist der Fall, wenn es keinen Gas- oder Fernwärmenetzanschluss vor Ort gibt. Wenn die anteilige Deckung des Wärme- und Kältebedarfs durch erneuerbare Energien technisch nicht möglich ist oder zu einer unbilligen Härte führen würde, greift das Gesetz ebenfalls nicht.

Im Neubau und Bestand sind zudem weiterhin Hybridlösungen erlaubt. Etwa moderne Öl-Brennwertkessel, die zusätzlich Erneuerbare Energien wie Solarthermie für Warmwasser oder zur Heizungsunterstützung einbinden.

Verbot von Gasheizungen ab 2024?

Die Bundesregierung hatte sich auch für ein Verbot für den Einbau von Gasheizungen ab 2024 ausgesprochen. Dieses Vorhaben soll aber nun weniger strikt umgesetzt werden als ursprünglich angekündigt.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Bundesbauministerin Klara Geywitz haben in einem Konzeptpapier vom Juli 2022 zwar festgelegt, dass ab dem 1. Januar 2024 möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Gleichzeitig haben sie etwa Härtefall-Regelungen festgelegt. Die Vorhaben aus dem Konzeptpapier müssen zudem erst gesetzlich festgeschrieben werden. Noch sind diese nicht gültig. Sollte das Papier in seiner jetzigen Form realisiert werden, wäre theoretisch auch die Neuinstallation von reinen Ölheizungen ab 2024 nicht mehr erlaubt. (Mehr über die Pläne zum Heizungseinbau ab 2024 lesen Sie im Infokasten unten).

Um Energie beim Heizen mit Gas zu sparen, hat die Bundesregierung zudem weitere Energieeinsparmaßnahmen angekündigt. Ab 1. Oktober könnten damit neue Pflichten auf Besitzer von Gasheizungen zukommen, etwa jährliche Heizungsprüfungen. Dabei sollen die Anlagen zum Beispiel auf niedrigere Vorlauftemperaturen und eine Absenkung während der Nacht eingestellt werden. Auch der so genannte hydraulische Abgleich kann Heizungen effizienter machen, indem das Wasser optimal verteilt wird. Er soll für große Gebäude mit zentraler Wärmeversorgung durch Erdgas verpflichtend werden, falls er bislang nicht gemacht wurde. Noch aber muss der Bundesrat diesen Maßnahmen zustimmen.

Wie fördert der Staat den Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme? 

Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)

Damit möglichst viele Deutsche schon jetzt auf alternative Heiztechnologien umrüsten, beteiligt sich der Staat im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) an den Kosten für ein klimafreundlicheres Heizsystem in Wohn- und Nichtwohngebäuden.

Dabei kommen verschiedenen Fördersätze zum Tragen. So werden Solarthermieanlagen etwa mit 25 Prozent, Biomasseheizungen mit zehn Prozent (zusätzlicher Bonus von fünf Prozent möglich) und Wärmepumpen mit 25 Prozent (zusätzlicher Bonus von fünf Prozent möglich) gefördert. Einen zusätzlichen Bonus gibt es beim Austausch einer betriebsfähigen Öl-, Gasetagen-, Gaszentral-, Kohle- oder Nachtspeicherheizungsanlage. Die Beantragung der Förderung muss durch einen Energieberater erfolgen.

Gefördert wird daneben die Heizungsoptimierung in Bestandsgebäuden. Förderfähig sind zum Beispiel Maßnahmen wie ein hydraulischer Abgleich oder der Austausch der Heizungspumpe. Die Anlage muss mindestes zwei Jahre alt sein. Der Fördersatz beträgt 15 Prozent der förderfähigen Ausgaben.

>>> Eine schnelle Förderübersicht innerhalb des BEG bietet dieses PDF: Hier geht es zum Download.

Steuerliche Abschreibung

Alternativ zur Austauschprämie ist es fortan auch möglich, Sanierungsmaßnahmen von der Steuer abzusetzen. Dies ist für alle energieeffizienten Maßnahmen am Privathaus möglich. Heißt konkret: Wer seine Heizungsanlage ersetzt oder optimiert, Fenster erneuert oder Wände und Geschossdecken dämmt, kann 20 Prozent der Kosten über einen Zeitraum von drei Jahren von der Steuer absetzen, insgesamt jedoch höchstens 40.000 Euro. Das Gebäude muss dazu allerdings älter als zehn Jahre sein. Damit das Finanz­amt die Kosten anerkennt, muss auch hier ein Fach­unternehmen die Sanierungs­arbeiten ausführen und bescheinigen. Eine begleitende Energieberatung ist für die steuerliche Förderung keine Voraus­setzung.

Förderung durch KfW

Anders bei der dritten Möglichkeit: einer Förderung durch die KfW-Bank. Diese ist vor Beginn der Maßnahmen zu beantragen, die Begleitung durch einen Experten ist zwingend. Der Austausch der Heizung wird jedoch nur gefördert, wenn das Haus umfassend energe­tisch saniert wird und mindestens die Anforder­ungen an ein Effizienz­haus 85 oder Effizienz­haus Denkmal erfüllt (bis zu 150.000 Euro Kredit je Wohneinheit für ein Effizienhaus). Für den Einbau einer Brennstoffzellen-Heizung gibt es bei der KfW eine eigene Förderung. Der Zuschuss beträgt bis zu 34.300 Euro je Brennstoffzelle für den Einbau in neue oder bestehende Gebäude bzw. Wohn- und Nichtwohngebäude.

Mit dem Förderwegweiser zum passenden Programm

Das Spektrum für die Inanspruchnahme staatlicher Förderungen ist groß. Einen ersten Überblick können sich Privatpersonen und Unternehmer mit dem Förderwegweiser Energieeffizienz verschaffen. Zudem empfiehlt sich in vielen Fällen eine unabhängige Energieberatung. Die Kosten für einen zugelassenen Energieberater werden ebenfalls bis zu 80 Prozent gefördert.

Welche Alternativen gibt es zur Ölheizung? 

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) hat in einem Factsheet die fünf gängigsten Optionen gelistet, die beim Austausch einer alten Ölheizung infrage kommen (Stand 2019). Dies sind:

  • Ein modernerer Öl-Brennwert-Kessel (Installation voraussichtlich nur noch bis 2026 möglich, danach nur noch, wenn vor Ort keine klimafreundlichere Wärmeerzeugung umsetzbar ist)
  • Eine Ölheizung, die zusätzlich Erneuerbare Energien einbindet
  • Ein moderner Gas-Brennwertkessel
  • Eine strombasierte Wärmepumpe
  • Ein Pelletkessel 

Eine weitere Option könnte der Umstieg auf einen modernen Gas-Brennwertkessel sein, bei dem zusätzlich Erneuerbare Energien eingebunden werden. Auch eine Brennstoffzelle kann eine Alternative zum bestehenden Heizsystem darstellen. Der Vorteil der Technik: Gas wird nicht verbrannt, sondern in Wasserstoff umgewandelt, aus dem dann wiederum Energie gewonnen wird. Nachteil: Die hohen Kosten. Die KfW-Bank unterstützt den Einbau einer Brennstoffzellenheizung allerdings mit einem Zuschuss bis zu 34.300 Euro je Brennstoffzelle

Welche Lösung für welches Gebäude am sinnvollsten ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Etwa davon, wie gut das Gebäude gedämmt ist – oder ob die Gegebenheiten vor Ort den Einbau der gewünschten Heiztechnologie überhaupt zulassen.

Klimafreundliche Alternativen zur Ölheizung 

Im Ein- und Zweifamilienhaus ist momentan die Wärmepumpe die erste Wahl, wenn man seine bestehende Öl- oder Gas-Heizung ersetzen möchte, sagt Tim Geßler, Redakteur und Heizungsexperte der Fachzeitschrift "SBZ Sanitär.Heizung.Klima". Auch das Umweltbundesamt (UBA) sieht – unter bestimmten Voraussetzungen – in der Wärmepumpe eine umweltfreundliche Heiztechnik. Einen Großteil ihrer Energie gewinnt die Heizungsanlage mit Wärmepumpe kostenlos aus der Umwelt. Sie entzieht je nach Variante dem Erdreich, der Umgebungsluft oder dem Grundwasser Wärme. Rund drei Viertel ihrer Energie werden laut dem Bundesverband Wärmepumpe so gewonnen. Ein zugekaufter Anteil Strom wird aber zum Betrieb der Pumpe und ihres Antriebs benötigt.

In der Vergangenheit wurde häufig auch der Pelletkessel als klimafreundliche Heiztechnik genannt. Das UBA spricht sich aber genau aus Gründen des Klimaschutzes gegen den Pelletkessel aus. Auch beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) heißt es, Heizen mit Holz sei entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht klimaneutral. So produziere die Holzverbrennung neben Feinstaubemissionen auch CO2- und andere klimarelevante Emissionen wie Methan. Pro produzierter Wärmeeinheit seien die CO2-Emissionen sogar höher als bei fossilen Energieträgern wie Kohle oder Gas.

Was macht wirtschaftlich Sinn? 

Aus wirtschaftlicher Sicht ist der Umstieg zum Beispiel auf die Wärmepumpe mit einer hohen Investition verknüpft – und in einem unsanierten Haus kaum sinnvoll. "Eine Wärmepumpe ist nur dann effizient, wenn das energetische Gesamtkonzept des Gebäudes auf diese ausgerichtet ist", sagt Alexis Gula vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. Ob sich der Einbau lohnt, sollten Hausbesitzer daher gründlich durchrechnen. Am besten gemeinsam mit einem neutralen Energieberater.

"Aber man muss auch hier anmerken: Alle Energiebezugspreise steigen aktuell, ob es jetzt Gas, Öl, Fernwärme oder Strom, Pellets oder Hackschnitzel sind", sagt Norbert Azuma-Dicke, Leiter Politik und Strategie beim Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). "Die Energiepreissteigerung wird man also ohnehin haben." Sie ließen sich mit den Umrüstungen aktuell nur dämpfen.

Klar war schon vorher, dass das Heizen mit Öl oder Gas in den kommenden Jahren immer teurer werden wird. Grund ist die im Klimapaket vereinbarte CO2-Steuer, die seit 2021 erhoben und schrittweise angehoben wird.

Die Pläne zum Heizungseinbau ab 2024

Der Ukraine-Krieg hat deutlich gemacht, wie sehr Deutschland von Energieimporten aus dem Ausland abhängig ist. Die Bundesregierung will deshalb bei der Energietransformation aufs Tempo drücken: In einem Konzeptpapier vom 14. Juli haben das Bundeswirtschafts- und Bundesbauministerium angekündigt, dass ab dem 1. Januar 2024 möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Dies soll gesetzlich vorgeschrieben werden.

Bei der geplanten Pflicht soll es verschiedene Härtefall-Regelungen geben. Eine Ausnahme könnte es dem Papier zufolge geben, wenn die alte Heizung ausfällt, aber der Anschluss an die Fernwärme, der Einbau einer Wärmepumpe oder einer Hybridheizung nicht kurzfristig möglich sind. Dann sollen Eigentümer drei Jahre Zeit für die Umstellung bekommen. Währenddessen dürfen sie zum Beispiel eine gebrauchte Öl- oder Gasheizung nutzen. Vor allem in Ballungszentren soll Fernwärme Standard werden. Wer sein Haus an ein Wärmenetz anschließt, soll sich nicht um den Energiemix kümmern müssen, denn es wird unterstellt, dass Fernwärme ohnehin bis spätestens 2045 klimaneutral betrieben wird. Ist der Anschluss an die Fernwärme absehbar, aber noch nicht möglich, sollen Hausbesitzer in Bestandsgebäuden für fünf Jahre eine andere Heizung nutzen dürfen. Voraussetzung ist ein kommunaler Plan, aus dem hervorgeht, dass das Haus an ein Wärmenetz angeschlossen werden kann oder soll.

Die Einhaltung der Regeln sollen ab 2024 die Schornsteinfeger bei ihrer Feuerstättenschau überprüfen.

Mit Inhalten der dpa

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