Schornsteinfeger warnen vor Wärme-Experimenten Heizen mit Holz: Riesige Nachfrage und Aufklärungsbedarf

Aus Angst vor einem kalten Winter rüsten viele Hausbesitzer nun Holzöfen nach oder nehmen bestehende Holzfeuerstätten wieder in Betrieb. Das Schornsteinfegerhandwerk warnt nun vor gefährlichen Wärme-Experimenten, die sich leider immer wieder zeigen. Sie klären auf, wie das Heizen mit Holz sicher und klimafreundlich gelingt – und warum es für die Wärmewende unabdingbar ist.

Heizen mit Holz ist gefragt
Alte Holzöfen, die jahrelang stillgelegt waren, sollte keine jetzt eigenmächtig wieder in Betrieb nehmen. Absprachen mit dem regional zuständigen Schornsteinfeger sind notwendig. - © guruXOX - stock.adobe.com

Es sind Schlagzeilen wie die vom vergangenen Wochenende, die die Menschen verunsichern: "Mann heizt Wohnung mit Holzkohlegrill und erleidet Kohlenmonoxidvergiftung" ist mehrfach online zu lesen. Was absurd klingt, ist dennoch geschehen. Obwohl dies ein Extremfall ist, berichtet Andreas Walburg, der Pressesprecher des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks, dass die aktuelle Situation immer wieder Menschen dazu anregt, auf eigene Faust das Heizen mit Holz anzugehen. So wird der ein oder andere Kaminofen einfach in Betrieb genommen – ohne vorherige bauliche Abnahme durch die bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin bzw. den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger. Doch das kann lebensgefährlich werden.

Der Verband hat deshalb gemeinsam mit dem Deutschen Feuerwehrverband die Aufklärungskampagne "Sicher heizen im Winter – keine Wärme-Experimente im Haus" gestartet. Darin warnen sie sowohl vor dem eigenmächtigen Aktivieren von alten Notfeuerstätten als auch davor, Heizgeräte wie sie etwa in Baumärkten für den Outdoor-Bereich angeboten werden oder auch einfache Gas-Heizstrahler oder -Lüfter, Ethanol-Feuerstätten oder auch Feuerschalen zum Heizen von Gebäuden zu nutzen.

Heizen mit Holz: "Seit Monaten ist die Nachfrage ungebrochen"

Die Energiekrise und die Angst, im Winter im Kalten zu sitzen, treibt die Menschen um und beschert dem Schornsteinfegerhandwerk nonstop klingelnde Telefone und volle E-Mail-Postfächer. Die Nachfrage nach Holzöfen ist so stark gestiegen, dass die zuständigen Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger neben ihren hoheitlichen Aufgaben – der Feuerstättenschau und den baurechtlichen Abnahmen – quasi rund um die Uhr Fragen zu Holz- und Pelletöfen beantworten müssen sowie neu installierte Öfen auf ihre Betriebs- und Brandsicherheit hin zu prüfen und baurechtlich abzunehmen. "Seit Monaten ist die Nachfrage ungebrochen", berichtet Andreas Walburg. Allein aus Bayern kann er von einem Zuwachs von 50 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr berichten. Dass auch die Brennholzpreise steigen, nimmt der Nachfrage bisher nicht den Schwung. Laut Statistischem Bundesamt waren Brennholz und Holzpellets im August 2022 im Durchschnitt knapp 86 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Dieser Anstieg scheint sich nun aber wieder zu verlangsamen (siehe Infokasten unten).

Dabei besteht eine Nachfrage sowohl nach Pelletöfen als auch nach Feuerstätten, die mit Scheitholz betrieben werden. Angesichts der Befürchtungen, dass alle Energiearten weiterhin im Preis stark steigen, finden aber klassische Scheitholzöfen mehr Zulauf – vor allem beim Nachrüsten. „Viele wollen komplett unabhängig sein von den Energiepreisen, und wer einen Pelletofen nutzt, braucht dafür eine Stromzufuhr“, sagt der Verbandssprecher.

Zwar hätten die Pelletöfen den Vorteil, einer automatischen Brennstoffzuführung und einer geregelten Verbrennung. Eine Pelletheizung läuft praktisch automatisch. Dabei muss man weder das Feuer entzünden, noch kann man versehentlich zu feuchtes Holz verwenden. Die Pellets bekommt man als fertiges Produkt geliefert und die Hersteller bestimmen deren Produktqualität. Doch dafür ist man mit dieser Art des Heizens weiterhin an die öffentliche Versorgung gekoppelt.

So wird das Heizen mit Holz schadstoffarm und klimafreundlich

Genau die Fehler, die die Nutzer von Holzöfen beim Anfeuern und Heizen oft machen, sind es aber, die den Holzöfen den Ruf einbringen, Feinstaubschleudern und schlecht für das Klima zu sein. Das bestätigt auch Andreas Walburg: "Werden moderne Holzöfen richtig angeheizt und betrieben, so ist mit ihnen eine schadstoffarme und klimafreundliche Wärmeversorgung möglich", merkt er an und weist darauf hin, dass moderne Holzöfen für einen energieeffizienten und schadstoffarmen Betrieb ausgelegt sind. Wie man einen Holzofen richtig anheizt und schadstoffarm betreibt, darüber klären Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger in regelmäßigen Kampagnen und natürlich auch im direkten Gespräch mit ihren Kunden auf.

So ist es Walburg auch wichtig darauf hinzuweisen, dass der Besuch vor Ort für die Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger unersetzlich ist. Das gelte vor allem jetzt, wenn es darum geht, dass viele Kundinnen und Kunden Holzöfen nachrüsten wollen. "Generelle Tipps kann man dazu nicht geben. Man muss immer die baulichen und bauphysikalischen Bedingungen mit einbeziehen", erklärt er. Dazu gehören Fragen danach, wie der Schornstein gebaut und für den Anschluss welcher Feuerstätten er geeignet ist. Man müsse klären, ob eine ausreichende Verbrennungsluftversorgung sichergestellt werden kann und ob die erforderlichen Abstände zu brennbaren Bauteilen eingehalten werden.

Staatliche Förderungen bekommen diejenigen, die jetzt einen Holzofen nachrüsten wollen, übrigens nicht. Einzig Pelletöfen mit Wassertaschen zur Warmwassererzeugung werden noch bis Ende des Jahres gefördert. Andreas Walburg sieht dies als politisches Signal, dass der Ausbau mit Holzfeuerstätten nicht zu stark angeschoben werden soll. Obwohl die Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger diese Art des Heizens bei richtiger Anwendung durchaus begrüßen, betont Walburg, dass man schon darauf achten müsse, dass nur so viel Holz dafür genutzt werde, wie bei einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder als nicht mehr anderweitig nutzbares Holz letztendlich nur noch für eine thermische Verwertung zur Verfügung steht. So kann das Heizen mit Holz als eine klimafreundliche Wärmeversorgung gesehen werden.

EU-Politik nimmer Heizen mit Holz in den Blick

Zwar ordnet auch die EU-Politik, die hierbei bestimmend ist, dies so zu und möchte Holz als Brennstoff auch weiter als "nachhaltige Energie" einstufen. Dennoch gibt es von Seiten einiger EU-Abgeordneter derzeit einen Vorstoß, neue Begrenzungen einzuführen. So haben sie erst kürzlich einen Beschluss gefasst, dass künftig die erlaubte Menge der Holzverbrennung auf den Durchschnittsverbrauch der Jahre 2017 bis 2022 gedeckelte sein soll. Dann dürften weitere Öfen nur noch zugelassen, wenn andere stillgelegt werden.

Zumindest während der aktuellen Energiekrise sieht der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks aber nicht, dass ein derartiger Vorstoß umgesetzt wird. "Ohne Biomasse kann die Wärmewende nicht gelingen. Außerdem geht es jetzt gerade auch um die Versorgungssicherheit, die man im Blick haben muss", sagt dazu Andreas Walburg. Bleibt abzuwarten, was sich in Brüssel in Zukunft dazu tut.

Preisanstieg bei Pellets und Brennholz

Angesichts der weit verbreiteten Ängste um die Gasversorgung sind auch die Preise für Brennholz und Pellets innerhalb eines Jahres stark gestiegen. Dass die Preise ebenso schnell weiter in die Höhe schießen, scheint aber nicht zu befürchten: Weder das Deutsche Pelletinstitut noch der Bundesverband Brennholzhandel rechnen mit einem weiteren exorbitanten Anstieg.

Bislang war die Teuerung bei Pellets nach Marktdaten ausgeprägter als bei Brennholz. Der aktuell gemeldete Anstieg beruht auf Durchschnittspreisen nach Angaben des Statistischen Bundesamts. Doch dieses unterscheidet nicht nach Scheitholz und Pellets. Die hohen Energiepreise und die Angst vor einer kalten Heizung im Winter hatten in den vergangenen Monaten eine Rekordnachfrage nach Pelletheizungen und dem dazugehörigen Brennstoff zur Folge. So stieg auch der Pelletpreis besonders stark. Dennoch sind auch Holzöfen und Brennholz ebenfalls äußerst gefragt.

Laut Deutschem Pelletinstitut kostete eine Tonne Holzpellets im September durchschnittlich 763,76 Euro, das waren 222 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Verband geht nun aber davon aus, dass ein Plateau erreicht ist, wie eine Sprecherin sagte. Manche Händler hätten in den vergangenen Wochen bereits wieder günstiger verkauft. Der Grund: Viele Kundinnen und Kunden haben ihre Lager inzwischen gefüllt. „Wenn alle Lager gefüllt sind, wird der Preis wieder zurückgehen“, sagte die Sprecherin.

Der Brennholzpreis bei seriösen Händlern liege im Schnitt derzeit bei etwa 150 Euro pro Schüttraummeter, sagte Gerd Müller, der Leiter der Geschäftsstelle des Bundesverbands Brennholzhandel – wobei es große regionale Unterschiede gebe. "Ich gehe nicht davon aus, dass das exorbitant weiter steigt", bestätigt auch er. Beliebtestes Brennholz ist die Buche.

Holz bleibt jedoch weiter Mangelware: "Die Versorgungslage ist weiterhin kritisch", sagte Müller. "Die Händler werden nicht alle Nachfragen von Kunden bedienen können." In den Vorjahren war Brennholz weitgehend preisstabil. Nach einer Übersicht des Kompetenzzentrums für nachwachsende Rohstoffe in Bayern lag der Durchschnittspreis im Freistaat Anfang 2021 noch unter 70 Euro.

Die Polizei ist unterdessen mit der Fahndung nach Holzbetrügern beschäftigt. So wird etwa in mehreren Fällen beim Polizeipräsidium Niederbayern ermittelt. In den vergangenen Monaten haben Kriminelle dutzendfach Webseiten erstellt, auf denen zum Schein Holz angeboten wird. Die Kunden zahlen, doch geliefert wird nichts.

Der Bundesverband Brennholzhandel hat nach Müllers Worten allein 19 betrügerische Brennholz-Webseiten dokumentiert. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter vorab ganze Portfolios von Fake-Webseiten erstellen, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Deggendorf sagte. Sobald eine Seite abgeschaltet wird, geht die nächste online. Auf vielen dieser Webseiten sind demnach französische Kontonummern angegeben. Das Polizeipräsidium appelliert an die Bürger, beim Online-Holzkauf genau hinzusehen. dpa