Energieeinparverordnung Hydraulischer Abgleich: Wichtige Fragen im Überblick

Um an allen Ecken Energie einzusparen, verpflichtet die Bundesregierung Hausbesitzer seit 1. Oktober dazu, ihre Heizungen zu optimieren. Eine Maßnahme ist der hydraulische Abgleich. Wen die Pflicht trifft, wie hoch die Kosten sind und weitere Antworten auf wichtige Fragen zum hydraulischen Abgleich.

Miniaturhaus, Heizungsrohre, Thermostat und Tafel mit der Aufschrift "Hydraulischer Abgleich".
Für einige Hausbesitzer ist seit 1. Oktober ein hydraulischer Abgleich am Gaszentralheizungssystem Pflicht. - © Marco2811 - stock.adobe.com

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat auch massive Auswirkungen auf die Energieversorgung in Deutschland. Um eine Krise zu verhindern, hat die Bundesregierung zwei Energieeinsparverordnungen auf den Weg gebracht. Sie enthalten verschiedene Auflagen, die unter anderem dabei helfen sollen, im Gebäudebereich Energie einzusparen.

Die erste Energieeinsparverordnung ist bereits am 1. September in Kraft getreten. Sie erlaubt zum Beispiel geringere Temperaturen am Arbeitsplatz und schränkt den Betrieb von beleuchteten Werbeanlagen ein. Im Rahmen einer zweiten Energieeinsparverordnung wurden weitere Maßnahmen beschlossen. Unter anderem ist ein Heizungscheck für mit Erdgas betriebene Gasheizungen Pflicht. Ebenfalls ist seit dem 1. Oktober ein hydraulischer Abgleich für Gaszentralheizungssysteme verpflichtend, der aber nur für bestimmte Gebäude gilt.

Doch was genau wird bei dieser Maßnahme gemacht, wie viel Energie kann dadurch eingespart werden und mit welchen Kosten ist zu rechnen? Antworten auf wichtige Fragen gibt es in diesem Überblick:

1. Was ist ein hydraulischer Abgleich?

Der hydraulische Abgleich ist eine Maßnahme, um Heizungen zu optimieren. "Beim hydraulischen Abgleich geht es darum, die Wärmemenge im Gebäude dahin zu führen, wo sie auch wirklich benötigt wird", erklärt Andreas Schuh, Obermeister der Innung SHK Berlin. Bei einem unausgeglichenem Heizsystem liegt meist der Fall vor, dass diejenigen Heizkörper im Gebäude, die nah am Wärmeerzeuger (zum Beispiel Heizkessel) platziert sind, besonders heiß werden. Heizkörper wiederum, die weiter vom Wärmeerzeuger entfernt sind, werden nicht richtig warm.

Eine wichtige Rolle spielt hierbei das Heizwasser: Ist es ungleich verteilt, ist auch die Erwärmung im Gebäude nicht gleichmäßig. Das Wasser sucht grundsätzlich den Weg mit dem geringsten Widerstand. Es fließt eher durch kurze und dicke statt durch lange und dünne Heizungsrohre. Heißt: Zimmer, die vom Wärmeerzeuger weiter entfernt sind, bekommen eventuell zu wenig Heizwasser ab. Der Abgleich sorgt dafür, dass durch alle Heizkörper die richtige Wassermenge fließen kann.

2. Wer muss ab 1. Oktober einen hydraulischen Abgleich durchführen lassen?

Die "Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über mittelfristig wirksame Maßnahmen" – kurz EnSimiMaV – schreibt den hydraulischen Abgleich von Gaszentralheizungssystemen für bestimmte Wohn- und Nichtwohngebäude vor.

  • Bis zum 30. September 2023: in Nichtwohngebäuden im Anwendungsbereich des Gebäudeenergiegesetzes ab 1.000 Quadratmeter beheizter Fläche oder in Wohngebäuden mit mindestens zehn Wohneinheiten
  • Bis zum 15. September 2024: in Wohngebäuden mit mindestens sechs Wohneinheiten

Die Verordnung erlaubt aber auch Ausnahmen: Und zwar, wenn ein Heizsystem in der aktuellen Konfiguration bereits hydraulisch abgeglichen wurde. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn innerhalb von sechs Monaten nach dem jeweiligen Stichtag ein Heizungstausch oder eine Wärmedämmung von mindestens 50 Prozent der wärmeübertragenden Umfassungsfläche des Gebäudes bevorsteht. Auch muss kein hydraulischer Abgleich durchgeführt werden, wenn das Gebäude innerhalb von sechs Monaten nach dem jeweiligen Stichtag umgenutzt oder stillgelegt werden soll.

Der hydraulische Abgleich ist seit 1. Oktober 2022 verpflichtend. Der Bundesrat hat der Maßnahme am 16. September 2022 zugestimmt.

3. Wie viel Energie kann dadurch gespart werden?

Wie viel Energie genau eingespart werden kann, hängt vom Heizungssystem und der Gebäudehülle ab. Einfluss darauf haben zum Beispiel das Alter der Heizanlage oder bereits vorgenommene Einstellungen, so Schuh. "Im Durchschnitt lassen sich durch den hydraulischen Abgleich aber Einsparpotenziale von fünf bis 15 Prozent erreichen", sagt er.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass durch den verpflichtenden Heizungscheck und den hydraulischen Abgleich jährlich bis zu 21 Terawattstunden an Erdgas gespart werden können. Bei einem Erdgaspreis von 20 ct/kWh mache das eine jährliche Entlastung von etwa 4,2 Milliarden Euro aus.

4. Wer nimmt den hydraulischen Abgleich vor?

Den hydraulischen Abgleich sollte eine Fachfirma durchführen. Für die Berechnungen und Einstellungen im Rahmen des hydraulischen Abgleichs kommen etwa SHK-Handwerker, Schornsteinfeger als auch bestimmte Energieberater infrage. Der SHK-Handwerker darf darüber hinaus auch fehlende Komponenten am Heizungssystem installieren.

Die Verordnung der Bundesregierung schreibt vor, nach welchem Verfahren der hydraulische Abgleich durchgeführt werden muss. Das sogenannte Verfahren B (Premiumverfahren) ist in einer Fachregel der Wirtschaftsvereinigung Gebäude und Energie (VdZ) genaustens festgelegt. Dabei erfolgt die Berechnung auf Basis der raumweisen Heizlast und auf der Ermittlung der Druckverluste des Rohrnetzes sowie installierten Heizflächen.

Der Fachmann muss den hydraulischen Abgleich samt aller technischer Kennwerte dokumentieren. Diese Dokumentation muss er dem Gebäudeeigentümer als Nachweis zur Verfügung zu stellen.

5. Wie viel kostet das?

Die Kosten für einen hydraulischen Abgleich hat die Bundesregierung in ihrer Verordnung ebenfalls überschlagen. Demnach variieren diese nach der Gebäudegröße. Zu rechnen sei für ein Nichtwohngebäude mit 1.500 Quadratmetern mit etwa 2.000 Euro, für ein Wohngebäude mit sieben Wohneinheiten mit etwa 4.000 Euro und für ein Nichtwohngebäude mit über 10.000 Quadratmetern Energiebezugsfläche mit etwa 6.000 Euro.

Achtung: Andreas Schuh weist darauf hin, dass Hausbesitzer mit deutlich mehr Kosten rechnen müssen. "Die dargestellten Aufwendungen entsprechen nicht den marktüblichen Kostensatz, diese liegen weitaus höher." Für eine grobe Ermittlung der Kosten des hydraulischen Abgleichs können Hausbesitzer die Gesamtquadratmeterzahl des Gebäudes heranziehen. Schuh nennt einen Preis von ungefähr sieben bis 15 Euro pro Quadratmeter.

6. Können Hausbesitzer auch Geld sparen?

Der Verbraucherschutzverband Wohnen im Eigentum empfiehlt eine Termin-Kombination, um Anfahrtskosten und Zeit zu sparen. Außerdem werde es wahrscheinlich günstiger sein, wenn alle Eigentümer in einem Mehrfamilienhaus den hydraulischen Abgleich gemeinsam durchführen lassen. Das ist kein Muss, da der Abgleich auch die Heizkörper einbezieht und diese zum Sondereigentum der einzelnen Parteien zählen.

Andererseits entlasten die Kombi-Termine das Handwerk. Etwa die Verbindung mit der Feuerstättenschau des Schornsteinfegers, die ebenfalls verpflichtend ist – zweimal innerhalb von sieben Jahren. Oder mit der jährlichen Anlagenwartung durch die Fachleute vom Heizungsbau.

7. Gibt es eine Förderung?

Der Staat fördert zwar einen hydraulischen Abgleich im Rahmen der Heizungsoptimierung über die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG). Doch die verpflichtende Maßnahme nach EnSimiMaV ist nicht förderfähig. Zum 21. September hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz die Fördervoraussetzungen geändert. Demnach ist die Förderung der Heizungsoptimierung begrenzt auf Bestandsgebäude mit höchstens fünf Wohneinheiten bzw. bei Nichtwohngebäuden auf höchstens 1.000 Quadratmetern beheizter Fläche.

8. Was droht Hausbesitzern, die keinen hydraulischen Abgleich vornehmen?

Dazu hat die Bundesregierung noch nichts bekannt gegeben und auch die SHK-Innung Berlin kann darauf keine klare Antwort geben. "Ich schätze aber, dass hierzu noch eine Art Klarstellung der Bundesregierung folgen wird, die diese und weitere Fragen klären wird", prognostiziert Schuh.

9. Lohnt sich der Abgleich auch für kleinere Gebäude?

Die einfachste Variante des hydraulischen Abgleichs, die Berechnung und Einstellung der Anlage, kann laut Frank Hettler vom Informationsprogramm Zukunft Altbau, das vom Umweltministerium Baden-Württemberg gefördert wird, für kleinere Gebäude 1.000 Euro kosten. Dazu könnten Kosten für Umbauten kommen, etwa den Tausch einzelner Heizkörper oder den Einbau von Unterventilen an den Heizkörpern zum Einstellen der Wassermenge. Bei hydraulischen Abgleichen nach umfangreichen Umbaumaßnahmen in größeren Mehrfamilienhäusern würden niedrige fünfstellige Beträge anfallen.

Diese Investitionskosten seien in den meisten Fällen höher, als man in einem Winter an Ersparnissen herausholen könnte. Aber die Kosten für den Abgleich würden sich je nach Heizungssystem in wenigen Jahren amortisieren. Und in diesem Fall kann man die Kosten reduzieren: Für Gebäude, die nicht unter die Pflicht zum hydraulischen Abgleich fallen, greift die staatliche Förderung. Für Bestandsgebäude mit höchstens fünf Wohneinheiten bekommt man über das Programm "Heizungsoptimierung" beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) nach Antrag 15 bis 20 Prozent der Kosten zurück, wenn mindestens 300 Euro anfallen.

Mit Inhalten der dpa

Unterstützung für SHK-Betriebe und Schornsteinfeger beim hydraulischen Abgleich

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) unterstützt Innungsbetriebe bei der vorgeschriebenen Heizungsoptimierung. Die Planungs-Applikation ZVPLAN sei zum Thema Heizungsprüfung ergänzt worden inklusive eines Formblattes für den Nachweis, teilt der Verband mit. Das Maßnahmenpaket enthalte zudem Software zur Berechnung und Planung des hydraulischen Abgleiches, die Fachregel zum hydraulischen Abgleich und Software zur vereinfachten und umfänglichen Heizlastberechnung.

Innungsbetriebe erhalten das ZVPLAN Software-Paket über den zuständigen Fachverband bzw. die ZVPLAN App in den bekannten App Stores, so der ZVSHK. Schornsteinfeger sollen die ZVPLAN App zur Heizungsprüfung in Kürze auch als "Black Edition" ebenfalls kostenlos im App Store herunterladen können. Eine integrierte Schnittstelle ermögliche eine Weitergabe und Verarbeitung der Daten durch den Heizungsbauer.