Jahresrückblick Highlights und Flops: Das TV-Jahr 2021 aus Sicht des Handwerks

Das Handwerk und die Berichterstattung im Fernsehen – das bleibt eine schwierige Beziehung. In einem Jahr, das von der Corona-Krise und der Bundestagswahl geprägt war, nahm das Handwerk, und generell Wirtschaft und Mittelstand zu selten die Rolle in der Berichterstattung ein, die es eigentlich verdient hätte. Doch es gab auch Höhepunkte – ein Jahresrückblick.

Das Handwerk war im vergangenen Jahr nur selten Teil der Berichterstattung. - © денис климов - stock.adobe.com

Es war schon ein wenig zum Verzweifeln. Der Sommer neigte sich dem Ende zu, die Bundestagswahl Ende September rückte näher – und in vielen TV-Sendungen, nicht nur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, spielten Themen des Mittelstands oder gar des Handwerks kaum eine Rolle.

Natürlich, die großen, auf der Hand liegenden Themen wie der Klimawandel wurden rauf und runter diskutiert, allerdings mit den immer gleichen Gesprächspartnern, die ihre immer gleichen Meinungen zum Besten gaben und damit eher selten zu Erkenntnisgewinnen beitrugen, sich dafür aber oft in intellektueller Eintönigkeit ziemlich einig waren.

Streit oder wenigstens echte Diskussion gab es viel zu selten – und die Themen, die Handwerk und Mittelstand ganz konkret im Jetzt und Heute interessieren, kamen generell viel zu kurz. Lohnnebenkosten, Nachwuchsmangel auch durch fortschreitende Akademisierung in teils irrsinnig angelegten Studiengängen, überbordende Bürokratie, die neben der Corona-Krise zu noch mehr Aufwand beiträgt – all das kam kaum zur Sprache, als es der Bundestagswahl entgegen ging. Auch bei den Triellen – sowohl im Privat- als auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – waren Handwerk und Mittelstand Nebensache – bestenfalls. Die Wahlberichterstattung: aus dieser Sicht ein Flop.

Die Talkshows: Wenig ambitioniert, mit einer Ausnahme

Wenn Stimmen aus der Praxis prominent im TV vorkommen, dann in der oft sehr alltagsnah gestalteten Talkshow "hart aber fair" mit Frank Plasberg. Diese war, vor allem im Vergleich mit dem sonntäglichen Talk von Anne Will und dem donnerstäglichen von Maybrit Illner, immer wieder ein Lichtblick, was Themensetzung und Gästeauswahl mit Blick auf Experten vom Fach und den Alltag draußen im Land anbelangt. Dort kam unter anderem im Januar 2021 eine Friseurin zu Wort, die in eindringlichen Worten von Existenzangst berichtete und dem Ärger, den ihr die Bürokratie mache, gerade bei der Bewältigung der Krise. Das war sicherlich einer der Talkshow-Höhepunkte aus Sicht des Handwerks.

Dass man indes das gesamte Jahr über nur wenige Gäste mit derartiger Sachkunde der Realität abseits des "politischen Berlins" bei Anne Will sah, stimmt durchaus bedenklich. Ob Ex-Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) oder diverse Hauptstadt-Journalisten, meist von Spiegel oder Zeit – die Runden bei Will waren nicht nur praxisfremd, sondern immer derart ähnlich besetzt, dass sich die Frage stellte, wie und aus welchen Gründen diese Runden von der Redaktion zusammengestellt und die Teilnehmer angefragt werden.

Stimmen des Mittelstands, der Wirtschaft kamen hin und wieder zu Wort, aber meist in Form von Verbandsvertretern, nicht von Praktikern vor Ort. Redaktionelle Dossiers und Hintergründe zu den meisten Gästen, an denen sich die Moderation orientieren kann, zu aktualisieren, dürfte in vielen Fällen ob der unübersehbaren medialen Präsenz der Protagonisten nicht allzu aufwändig gewesen sein.

Was Will – und mit einigen positiven Ausnahmen auch Maybrit Illner – lieferten, war wenig innovativ und auch nicht besonders einfallsreich. Die Runden verliefen dann auch oft erwartbar, waren geprägt von Politiker-Floskeln, und auch die Moderation trug oft ihren Teil dazu bei, dass es gerade bei den großen, wichtigen Fragen des Landes nicht besonders konfrontativ wurde, sondern sich die meisten Teilnehmer in ihrer Einigkeit sonnten. Böse Zungen könnten auch sagen: Will und Illner – das war im Gegensatz zu Plasberg zu oft "Fünf Stühle, eine Meinung".

Die Dokumentationen: Gutes Niveau

Am erfreulichsten, auch im ablaufenden Jahr, waren aus Sicht des Handwerks die Dokumentationssendungen. Natürlich gibt es auch hier Ausreißer nach unten, aber in diesem Bereich finden sich doch immer auch fundiert recherchierte Berichte und Reportagen. Als etwa die Preissteigerungen im Oktober und November einen vorläufigen Höhepunkt erreichten, präsentierte der MDR eine Dokumentation, die sich vor allem dem steigenden Holzpreis widmete, und glänzte mit einer Herangehensweise, die neben dem ausufernden Export auch den Hype um klimafreundliches Bauen als einen der Gründe für den Mangel und die Teuerungen ausmachte und mit der Prognose eines Sägewerk-Chefs schloss, wonach sich die Preise im Lauf des Jahres 2022 wieder einpendeln dürften. Davon gehen mittlerweile auch viele andere Experten aus. Prädikat: aktuell und relevant.

Auch eine Reportage zu den finanziellen, aber auch psychischen und vor allem unternehmerischen Folgen der Kurzarbeit – erneut im MDR, der in diesem Jahr auch eine ganze Themenwoche dem Handwerk widmete und aus Handwerks-Sicht oft positiv auffällt -, die in etwa zur Verabschiedung der Bundesnotbremse im April gezeigt wurde, brachte viele Einsichten zutage, die abseits des gewohnten gesundheitspolitischen Fokus wohltuend waren – etwa, dass Menschen von langer Kurzarbeit auch in ihrem Selbstwertgefühl beeinträchtigt werden. Die Höhepunkte des TV-Jahres, sie waren eindeutig bei den Reportagen zu finden.

Die Verbrauchersendungen: Alles wie immer

Dafür war bei den zahlreichen TV-Sendungen, die sich im weitesten Sinne um Themen für Verbraucher drehen, alles wie immer. Da gab es vor allem die allfälligen Handwerker-Checks, die aufzuzählen jeden Rahmen sprengen würde, und die - irgendwie auch logisch für das Format - die Probleme immer aus Sicht der Verbraucher schildern. Das mag dem einen oder anderen Zuschauer etwas bringen, ist aber oft sehr einseitig. Positiv hingegen war zu vermerken, dass sich schon im Mai, als das Thema noch nicht in aller Munde war, die Sendung "Markt" im WDR mit der drohenden Baustoffknappheit auseinandersetzte und dabei neben Bauherren und Verbrauchern eben auch Handwerker in den Fokus rückte.

Die Unterhaltung: Mal so, mal so

Unterhaltung ist im Informationsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender enthalten, aber es ist schon hin und wieder ein Kreuz, wie sie umgesetzt wird. Einerseits gab es die sehr gute WDR-Reihe "Passt, wackelt und hat Luft", in der Handwerks-Azubis in mehreren Folgen durch ihren beruflichen Alltag begleitet wurde. Neben sympathischen Einblicken in die Persönlichkeit der dargestellten Handwerker lieferte die Sendung durchaus auch detaillierte Bilder von der täglichen Arbeit und schaffte es sogar, einige fachliche Aspekte gut rüberzubringen. Das Ganze wurde in lockerer, unverblümter Sprache dargestellt und wirkte sehr positiv. Und auch die HR-Sendung "Soll das so", in der Handwerker die im Scheitern begriffenen Projekte von Hobby-Heimwerkern retten, ging als gute Unterhaltung durch.

Andererseits dachte sich jemand beim SWR, er müsse die ARD-Themenwoche "Stadt. Land.Wandel" mit einer Dating-Show für Handwerker aufpeppen. Das Resultat nannte sich "Stadt+Land=Liebe" und war zwar TV-handwerklich solide gemacht, aber am Ende doch nur eine Abwandlung der privaten Formate "Bauer sucht Frau" und "Der Bachelor", nur jeweils ohne die von dort gewohnte Zurschaustellung der Kandidaten. Licht und Schatten – sie wechselten einander ab, wie so oft, wenn es im öffentlich-rechtlichen TV um Unterhaltung geht.

Fazit: das geht noch besser

Anfang 2021 war Deutschland im Lockdown, und dieser dominierte natürlich auch die Berichterstattung. Einige gute Dokumentationen und Talkshow-Ausgaben thematisierten seinerzeit auch die Probleme des Handwerks. Der gute Start bei der Berichterstattung aus Sicht des Handwerks ging dann über den Sommer und den Herbst, vor allem Richtung Bundestagswahl, in zunehmend weniger für Handwerk und Mittelstand relevante Themen über.

Dabei geht es gar nicht darum, die Branche unkritisch in ein positives Licht zu rücken oder – wie leider auch oft geschehen – den unvermeidlichen "Letzten seiner Art", dessen Gewerk ausstirbt, sensibel und einfühlsam zu porträtieren. Nein, im Handwerk interessieren, wie im gesamten Mittelstand, eben vor allem harte Wirtschaftsthemen. Und Steuern, Bürokratie, Lohnkosten, technische Innovationen, Mobilität, die Zukunft der Arbeit – all das spielte zu oft keine Rolle in den Talkshows und den Magazinen, während andere Themen gerade in den Wochen vor der Wahl gnadenlos überbelichtet wurden. Immerhin war die Unterhaltung ganz passabel, könnte man jetzt sagen, aber unter dem Strich bleibt: da ist noch Luft nach oben.