Bundestagswahl Kanzler-Triell im Check: Was fürs Handwerk dabei war

Vor allem für CDU-Kandidat Armin Laschet ging es beim zweiten TV-Triell politisch um viel. Es kam zu einem zwar munteren, aber zuweilen auch sehr chaotischen Schlagabtausch. Besser als das RTL-Triell vor zwei Wochen war die Sendung jedenfalls nicht. Immerhin: Themen mit Bezug zum Mittelstand wurden zumindest gestreift.

Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD), Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Bündnis90/Die Grünen) und Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) trafen in einer TV Diskussion bei ARD und ZDF aufeinander. |

Die Ankündigungen klangen recht vollmundig. "Aus der Komfortzone" wollten sie die Politiker locken, hatten die beiden Moderatoren des öffentlich-rechtlichen TV-Triells vor der Bundestagswahl, Maybrit Illner und Oliver Köhr, vor der Ausstrahlung versprochen. Und in der Tat verfolgte vor allem Köhr offenbar die Strategie, der Diskussionsrunde mit hoher Geschwindigkeit auch eine entsprechende Brisanz zu verleihen.

Das klappte leider kaum, denn die drei Spitzenkandidaten, Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) waren Profis genug, um sich stets an den eingeübten Botschaften zu orientieren und Richtung und Geschwindigkeit nach Möglichkeit selbst zu setzen.

Durch die teils aufgeregten Einwürfe der Moderatoren entwickelte sich so zuweilen eine recht chaotische Atmosphäre im Studio. Als es um das Thema Rente ging, streuten die Moderatoren wie aus heiterem Himmel eine Frage an Laschet zum Thema Zuwanderung ein, nur um direkt danach wieder zu den Themen Steuern und Finanzen zu kommen. Hier ging der Faden zwischenzeitlich komplett verloren, und als zwischenzeitlich auch die Uhr, die die Redezeit der Kandidaten stoppte, nicht funktionierte, wirkte das nicht gerade besonders professionell. Das Triell auf RTL vor zwei Wochen wirkte besser geplant, die Moderatoren abgeklärter - ein Ergebnis, das man nicht unbedingt erwarten konnte.

Ein hektischer Gewaltmarsch - Laschet verteidigt PKV

Das ARD-Triell geriet so zu einem wahren Gewaltmarsch durch die verschiedensten Themengebiete, und weil alles viel hektischer und sprunghafter war als bei RTL, wurden auch mehr Themenfelder gestreift. So waren für den Mittelstand und damit auch das Handwerk wichtige Themenfelder wie Digitalisierung, Rente und Steuern oder Finanzen bei RTL nur kurz behandelt worden, bei ARD und ZDF wurden sie ausführlicher diskutiert.

Inhaltlich kam also etwas mehr herum für Wirtschaft und Mittelstand. Laschet legte Wert darauf, seine Botschaft, wonach er auf Fortschritt nicht durch Verbote, sondern durch Innovation und Entfesselung der Wirtschaft setze, mehrfach an den Mann zu bringen. Steuererhöhungen seien der falsche Weg für die Wirtschaft und führten auf Dauer zu weniger Beschäftigung und weniger Einnahmen, einen Mietendeckel werde es mit ihm nicht geben, bei der Rente müsse man realistisch herangehen und dürfe keine voreiligen, falschen Versprechungen machen, führte er aus. Sogar ein klares Plädoyer für die Private Krankenversicherung hielt der CDU-Kandidat. Einheitssysteme seien in anderen Ländern nicht gut, Deutschland habe ein gutes Gesundheitssystem.

Scholz und Baerbock in TV-Triell für Bürgerversicherung

Dagegen brachten sowohl Scholz als auch Baerbock mehr oder weniger offen eine Bürgerversicherung ins Spiel, für die die PKV dann jedenfalls zurückgeschraubt werden müsste.

Scholz versprach sogar Berufseinsteigern, dass sie sich auf eine Rente in aktueller Höhe verlassen könnten. In der Finanzpolitik habe der Staat viel Geld zur Bewältigung der Corona-Krise ausgegeben, weshalb Spielräume bei den Steuern nicht vorhanden seien.

Baerbock kritisierte, die Ärmsten würden immer ärmer, die Reichsten immer reicher, weshalb die Einkommensteuer ab einem Verdienst von 100.000 Euro pro Jahr angehoben und eine Vermögensbesteuerung geprüft werden sollen. Verbote bezeichnete sie beim Thema Energie als "Innovationstreiber".

Debatte in altbewährten Mustern

Damit war der Kurs gesetzt für eine Debatte, die nach den altbewährten Mustern des mittlerweile schon sehr weit fortgeschrittenen Wahlkampfs verlief. Laschet, der mit seinen Positionen in der Runde einige Alleinstellungsmerkmale für sich hatte, versuchte vor allem mit Angriffen gegen Scholz zu punkten und tendenziell die konservative Anhängerschaft der Union zu mobilisieren. Baerbock stellte sich als die Stimme des Aufbruchs dar. Und Scholz versuchte sinnbildlich über allem zu thronen und in sich zu ruhen - eine Taktik, die in den vergangenen Wochen durchaus erfolgreich war und ihm auch diesmal zu einem Vorsprung in - allerdings mit Vorsicht zu genießenden - Blitzumfragen nach Ende des Triells verhalf.

Scholz kurz in der Defensive

In die Defensive war Scholz zu Beginn der Sendung geraten, als die Moderatoren, aber auch Laschet, ihn mit den Durchsuchungen im Bundesfinanzministerium von vergangener Woche konfrontierten und erneut versuchten, ihn zu einer Absage an eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei zu drängen. Scholz wich erneut aus, indem er große programmatische Differenzen zu den Linken betonte, schloss jedoch eine Zusammenarbeit nicht dezidiert aus.

Die Tür zur Linken, sie steht für die SPD auch nach dem zweiten TV-Triell noch immer offen, eine solche Koalition bleibt im Bereich des absolut Möglichen. Auch Baerbock positionierte sich zwar inhaltlich klar anders als die Linkspartei, aber auch hier gab es keinen Ausschluss einer Zusammenarbeit. "Sie haben es doch klar gemacht, indem Sie es nicht ausgeschlossen haben", fasste Laschet mit Blick auf Scholz zusammen.

Nichts Konkretes zum Benzinpreis

War zu diesem frühen Zeitpunkt der Diskussion noch Leben in der Bude, so startete mit dem Einstieg in Sachthemen der erwähnte Gewaltmarsch - und das Chaos nahm immer mehr seinen Lauf. Die Politiker flüchteten sich angesichts des hohen Tempos zunehmend in ihre Phrasen, neue Positionen oder gar spektakulären Wendungen gab es nicht, ein echter Patzer unterlief keinem der drei Kandidaten.

So wurde noch die Digitalisierung abgehakt, die Fehler dort träfen nicht nur Schulen, sondern auch Betriebe, und auch zum Thema Klima und Energie wurden letztlich die altbekannten Thesen ausgetauscht. Laschet forderte schnellere Planungsverfahren, Baerbock kritisierte, die Klimaziele würden verfehlt, und Scholz wich geschickt der Frage danach aus, wie teuer denn die Energiewende am Ende für Bürger und Unternehmen werde.

Nicht einmal beim Benzinpreis wurde einer der Politiker konkret, obwohl der für die Menschen im Land - und zwar sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich - eine wichtige Stellschraube für ihre Ausgaben ist, und es unwahrscheinlich ist, dass er angesichts der ambitionierten Klimaziele künftig nicht weiter steigt.

Fazit zum Triell: RTL war einen Tick besser

Und so blieb am Ende der Eindruck, dass sich durch dieses Triell nicht viel im Wahlkampf verändern dürfte. Scholz kam zwischenzeitlich ob der Angriffe Laschets nur ganz kurz aus seiner fast schon buddha-artigen Gelassenheit, die ihm zu neuen Umfragehöhen verholfen hat, heraus, Baerbock gefiel sich in der Rolle der Antreiberin, legte den Fokus angesichts schwächelnder Umfragewerte und der Chancenlosigkeit aufs Kanzleramt erneut sehr auf ihre Kernklientel und ihre Leib-und-Magen-Themen, und Laschet gab sich angriffslustig, um konservative Wähler zu umgarnen - alles schon mal gesehen, nämlich vor zwei Wochen auf RTL, und dort sogar aufgrund der abgeklärteren Art der Moderatoren und der besseren Vorbereitung einen Tick besser.

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