DHZ-Analyse Diese Handwerker wollen 2021 in den Bundestag

Nur acht Meister sitzen derzeit im Parlament. Immerhin 54 Personen mit Handwerksbezug kandidieren für den neuen Bundestag. Das geht aus einer umfangreichen DHZ-Analyse hervor. Wer die Kandidaten sind, wo und für welche Partei sie antreten – und in welchen Branchen sie arbeiten.

Plenarsaal des Deutschen Bundestags
Unter den aktuell 709 Abgeordneten sind acht Handwerksmeister. 36 weitere Parlamentarier haben immerhin einen Bezug zum Handwerk. - © picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Handwerkerinnen und Handwerker im Bundestag? Mangelware. Gerade einmal acht Meister sitzen derzeit im Parlament. Dazu gesellen sich noch einige Politikerinnen und Politiker, die eine Lehre im Handwerk absolviert haben. Wie könnte es im nächsten Bundestag aussehen?

Die Deutsche Handwerks Zeitung (DHZ) hat die Kandidatenlisten in einem aufwändigen Verfahren ausgewertet – mit dem Ziel herauszufinden, wieviele Praktiker in der nächsten Legislaturperiode in den Bundestag einziehen könnten.

Die Auswahl der Kandidaten

Dafür hat die Redaktion die Bewerberinnen und Bewerber in den Wahlkreisen sowie die Kandidatenlisten der aussichtsreichsten Parteien für die Bundestagswahl durchgearbeitet, also CDU/CSU, SPD, AfD, FDP, Linke und Grüne berücksichtigt. Wie viele Handwerker finden sich darin? Welchen Gewerken gehören sie an? Welche Parteien sind besonders handwerksfreundlich? In welchen Landstrichen sucht man Meister und Gesellen auf aussichtsreichen Posten vergebens?

Die Abgrenzung war mitunter nicht leicht. Deshalb wird auch gezählt, wer eine Ausbildung in einem verwandten Beruf in der Industrie oder im Dienstleistungssektor gemacht hat. Aufgeführt werden überdies nicht nur aktive Handwerksmeister, sondern auch Frauen und Männer, die in ihrer Jugend eine Ausbildung mit Bezug oder Nähe zum Handwerk absolviert haben, längst aber anderweitig tätig sind, sich also womöglich gar nicht mehr als Handwerker definieren. Aufgelistet sind zudem Personen, die heute zum Beispiel im Namen der Gewerkschaft oder für Verbände tätig sind oder für handwerksnahe Organisationen stehen.

Schlussendlich geht es uns um die Frage: Wie viele der Kandidaten wissen wirklich, wie es auf Baustellen, beim Kunden und an der Werkbank zugeht? Wer hat schon einmal eine Fabrik oder Werkstatt von innen gesehen?

Wer weshalb in der Statistik fehlt

Nicht berücksichtigt wurden kleinere Parteien, die auf Basis aktueller Umfragen an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern dürften. Ebenfalls nicht aufgeführt sind in den alten Bundesländern (außer Berlin) überdies die Wahlkreiskandidaten der Linken, der AfD und der FDP, da dort keine Chance auf ein Direktmandat besteht; das gleiche gilt für die Bewerber der FDP in den ostdeutschen Bundesländern.

Die Ergebnisse: Besonders viele Kandidaten im Osten und Süden

Auffällig ist die regionale Verteilung. Besonders in Ostdeutschland sind viele dem Handwerk nahestehende Personen politisch aktiv. Absolut gesehen treten die meisten Politikerinnen und Politiker mit einer Lehre im Handwerk oder einem verwandten Beruf in Bayern an. Im Süden und Osten sind mehr Handwerker unter den Bundestagskandidaten zu finden als im Norden.

Die meisten Handwerker treten für Union und SPD an

Die Auswertung zeigt weitere Tendenzen. Das Handwerk ist in allen politischen Lagern vertreten, auch in den kleineren Parteien. Bezogen auf die Größe der Partei finden sich besonders viele Kandidaten mit Nähe oder Bezug zum Handwerk in der AfD. In absoluten Zahlen stellen die Union und SPD die meisten Kandidaten mit Handwerkshintergrund.

Das berufliche Spektrum der Bewerber reicht von Friseurinnen über Müller und Werkzeugmacher bis zu Schornsteinfegerinnen. Besonders gern gehen offenbar Elektriker und Mechaniker in die Politik. Verglichen allerdings mit dem Heer der Beamten und Juristen sind Handwerker in der Minderheit – und das wird auch nach der Bundestagswahl am 26. September so bleiben.

Anmerkung der Redaktion

Wir haben diese Übersichten mit äußerster Sorgfältigkeit angefertigt. Aufgrund der Masse an Kandidaten, kann es allerdings sein, dass einzelne Kandidaten fehlen. Lassen Sie uns das wissen, damit wir unsere Datenbank auf aktuellem Stand halten können. Schicken Sie uns eine E-Mail an: redaktion@deutsche-handwerks-zeitung.de