TV-Kritik: MDR – "Echt" zur Holzpreis-Explosion Wie die Holzpreise Handwerker, Verbraucher & Co treffen

Ob Bauherren, Handwerker, Waldbesitzer oder Sägewerk – die Turbulenzen auf dem weltweiten Holzmarkt hinterlassen in vielen Bereichen derzeit ihre Spuren. Das MDR-Magazin "Echt" ergründete nun in einer halbstündigen Reportage die Hintergründe der explodierenden Holzpreise. Und verhedderte sich in dem Bemühen um möglichst viele verschiedene Sichtweisen ein wenig in der Materie.

Tischler arbeitet mit Holz an Maschine.
Auch Handwerker sind von den steigenden Holzpreisen betroffen. Die MDR-Sendung "Echt" gab in ihrem Beitrag zum Thema Einblick in die Situation von zwei Zimmermeistern. - © whyframeshot - stock.adobe.com

"Hysterie". Dieses Wort nutzt Jörn Kimmich, Leiter mehrerer Standorte bei der Ante-Gruppe, dem größten deutschen Hersteller von Bauholz, um die Stimmung am Holzmarkt zu beschreiben. Die Nachfrage sei x-fach gestiegen, dieselben Aufträge über mehrere Unternehmen an ihn herangetragen worden. Ob man sagen könne, der Holzmarkt sei "außer Kontrolle", will der MDR-Reporter wissen. Kimmichs Antwort: "Wir hätten es tatsächlich nicht für möglich gehalten, ähnliche Effekte wie den sogenannten Klopapier-Effekt 2020 auch in unseren Holzbereichen zu erleben." Der Holzmarkt, er habe sich übergekauft. Das lässt tief blicken in die Stimmung am Holzmarkt. Und es klingt nicht umsonst ein wenig nach Börsen-Vokabular, wo auch von "überkauften" Märkten die Rede ist, wenn die Kurse und Preise über lange Zeit weit gestiegen waren. Kimmich muss es als Leiter von Sägewerken wissen. Er stellt den Rohstoff her, ohne den am Holzmarkt gar nichts geht.

Viel Holz geht nach Übersee

Doch ist diese Hysterie der einzige Grund für die stark steigenden Preise, die es in den vergangenen Wochen und Monaten gegeben hat? Wohl kaum, denn es spielen auch noch weitere Faktoren eine Rolle. Der weltweite Bauboom etwa hat dazu geführt, dass auch und gerade in China und den USA die Nachfrage nach Holz enorm gestiegen ist. Und diese Märkte werden zunehmend auch aus Deutschland beliefert, in einem Maße, wie es früher noch nicht der Fall war. Zehn bis 20 Prozent des Bauholzes seien früher nach Übersee gegangen, heißt es in dem "Echt"-Beitrag. Derzeit entfalle ein größerer Prozentsatz auf den Export.

Der Zimmerer steht vor Herausforderungen beim eigenen Hausbau

Denn einfach alle brauchen derzeit Holz auch im Inland zum Bauen. 18 Prozent betrage der Anteil der Holzhäuser in Deutschland mittlerweile, skizziert der MDR. Der Sender stellt ein Ehepaar vor, das auch aus Gründen des Klimaschutzes auf den Bau eines Holzhauses setzt. "Wir haben etwa 30 Tonnen CO2 hier in dem Haus gebunden, für wahrscheinlich 100 oder 150 Jahre", sagt Bauherr Denny Weißgerber. Der Zimmermeister baut sein Haus zusammen mit seinem Vater in Eigenregie.

Dass der Fachmann das klarstellt, ist verdienstvoll. Denn nur wenig vorher im Beitrag hatte der MDR mit einer schlampigen Formulierung den Eindruck erweckt, dass auch verarbeitetes Holz weiter das Treibhausgas speichere. Korrekt hätte es heißen müssen, dass das von den Bäumen gespeicherte CO2 auch im verarbeiteten Holz gespeichert bleibt. Solche vermeintlichen Kleinigkeiten sind nicht unwichtig, wenn ein komplexes Thema für eine breite Zuschauerschaft dargestellt werden soll. Und deshalb wäre hier wie auch an ein paar anderen Stellen mehr Genauigkeit geboten gewesen.

Was die Weißgerbers indes vor echte Herausforderungen stellte, war der Holzpreis. Der sei seit den ersten Überlegungen für ein Holzhaus stetig gestiegen, heißt es. Und letztlich habe auch die Tatsache, dass die Profis das ganze Haus in Eigenleistung erbaut haben, dazu geführt, dass das Projekt überhaupt zu realisieren war. Zudem kauften sie das gesamte Holz auf einen Schlag in einer frühen Phase des Preisanstiegs und lagerten es in einer angemieteten Halle ein. Auch das ein Vorteil, der eher von Fachleuten genutzt werden kann. So erzielten sie einen gewissen Mengenrabatt und entgingen zumindest einem Teil der Preissteigerung. Jetzt ist das Haus fertig und die Freude über die heimelige Heimstatt groß.

Holzpreise: Genervte Kunden und ein Betrieb in akuter Gefährdung

Die praktisch wöchentlich steigenden Preise treiben indes auch Zimmermeister Sebastian Donner aus Claußnitz in Sachsen die Sorgenfalten auf die Stirn. Er müsse den Kunden ständig die neuen Preise durchgeben, bevor er das Holz einkaufe, weil diese sich so schnell veränderten. Natürlich nach oben. Das wiederum bereite den Kunden nicht gerade viel Freude, um bis zu 20 Prozent teurer seien seine Leistungen durch die Holzpreise geworden. Doch am schlimmsten ist, dass es durch die Verzögerungen bei den Lieferungen auch zu Verzögerungen beim Bau der Häuser komme. Seine Firma baut fünf bis sechs Häuser im Jahr, heißt es in der Reportage. "Aber wenn sich das verzögert, dann muss ich ein anderes vorziehen oder alle nach hinten schieben", sagt Donner. Auch Arbeiten, die er extern erledigen lässt, dauern derzeit deutlich länger. Die Folgen: Schlechte Planbarkeit, für den Handwerker und seine Kunden, und entsprechend schlechte Stimmung bis hin zur Gefährdung des Betriebs.

Das bestätigt im Beitrag auch der Onkel von Sebastian Donner, Frank. Es habe schon immer mal Mangel und hohe Preise gegeben, etwa beim Hurrikan Katrina, als die Menschen in Louisiana OSB-Platten kauften, um ihre Fenster zu vernageln aber einen derartigen Mangel bei Bauholz oder Balken kenne er nicht. "Holz ist in der Globalisierung angekommen", sagt er. "Und wer mehr bezahlt, der kriegt’s." Um die bedrohliche Situation abzumildern, hat Sebastian Donner reagiert. Er lagert nun etwa Platten auf dem eigenen Hof, um einen Vorrat zu haben, der ihn immer arbeitsfähig hält. Das sei zwar "totes Kapital", aber unter diesen Umständen wichtig.

Interessante Bilder aus der Praxis

Was den MDR-Beitrag über die gesamte Länge zwar als Nebenaspekt, aber gar nicht unerheblich, ausmachte, waren die Einblicke in die Arbeit am Holz. Da wurde gezeigt, wie der Zimmerer das Holz für die Verarbeitung im Haus vorbereitet und zuschneidet. Und im Sägewerk von Jörn Kimmich gab es Einblicke in die vollautomatische Verarbeitung der gefällten Bäume zu Bauholz. Da legt niemand mehr Hand an, sondern alles läuft vollautomatisch. Schälen, schneiden die Reste etwa zu Spanplatten verarbeiten. Von einem Baum bleibt im Idealfall so wenig wie möglich an "Abfall" übrig, hieß es. Sein Sägewerk arbeitet derzeit in dieser Vollautomatisierung unter Volllast, weil so viel Holz zu bearbeiten sei, erzählt Kimmich. Aber warum ist dann der Baustoff Holz so knapp?

Ökologisch fragwürdiger Export

Ein Grund ist die große Menge an Schadholz, die sich in den vergangenen Jahren durch Stürme und den Borkenkäfer angesammelt hat. Es ist so viel Holz vorhanden, dass es nicht mehr verkauft werden kann und an Wert verliert. Ein großer Teil des Schadholzes geht deshalb nach Übersee, wie ein Waldbesitzer, der auf nachhaltiges Holz setzt, im MDR-Beitrag erläutert. Dort würde immer noch mehr gezahlt als hierzulande, wenn es überhaupt verkauft werden könne, weil die hiesige Sägeindustrie selbst extrem ausgelastet sei. Ökologisch sei das fragwürdig, heißt es, denn der "Fußabdruck" durch die Verschiffung sei groß. Aber der Waldbesitzer hatte keine andere Wahl, weil er das Holz in Deutschland nur unter dem Preis, den er selbst für die Bearbeitung zahlen musste, verkaufen könnte.

Sägewerks-Chef: Holz ist politisch geworden, Preis aus den 80ern nicht mehr zu halten

China und die USA Sägewerks-Chef Kimmich bestreitet, dass er diese Märkte vorrangig beliefert habe. Man habe dorthin fast nur die minderen Qualitäten verkauft, und bei den qualitativ hochwertigeren Bauhölzern weiterhin auch den heimischen Markt bedient. Das Problem, sagt er, sei dann "die Verteilung" gewesen, also der Umstand, dass das Holz die Verbraucher auf dem Markt nicht erreicht hätte. Ob das stimmt, dem gingen die MDR-Journalisten nicht mehr genauer nach, und so blieb am Ende ein etwas unstimmiges Bild.

Ein wenig zwischen den Zeilen musste man lesen, als Kimmich zum Ende hin konstatierte, dass der Holzpreis seit den 1980er-Jahren in etwa konstant gewesen sei, man aber eben irgendwann nicht mehr zu Preisen wie 1980 verkaufen könne und Holz mittlerweile auch in der politischen Wahrnehmung als Baustoff im Rahmen des Kampfs gegen den Klimawandel angekommen sei. Das sollte wohl heißen: Einerseits Nachholeffekte beim Preis, auch durch den vorherigen Einbruch durch die Corona-Lockdowns, andererseits ein (klima)politisch gewollter und angetriebener Boom bei der Nachfrage. Da braucht man sich über steigende Preise nicht zu wundern.

So schloss sich auch ein wenig der Kreis zur von Kimmich eingangs erwähnten "Hysterie", von der sein Werk natürlich auch durch deutlich mehr Anfall an Holz profitiert. Wenn noch die hohe Nachfrage aus Übersee und die Probleme mit Käfern und Stürmen dazu genommen werden, wird das Bild schon runder. Leider lieferte der MDR kein entsprechendes Resümee, sondern ließ die einzelnen Fäden der Reportage am Ende ein wenig lose hängen. Auch der Holzindustrie zwischen Erzeugern und Konsumenten wurde gerade zum Ende der Sendung hin, als es um das Sägewerk ging, nicht immer zu 100 Prozent ausgeleuchtet.

Holzpreise: Hoffnung auf "vernünftiges Niveau"

Kimmich glaube, dass sich das Holz "auf einem für alle vernünftigen Niveau preislich einpendeln werde in den nächsten zwölf Monaten." Diese Hoffnung haben mit Sicherheit auch Häuslebauer und Handwerker. Sie sind den Weltmärkten und politischen Entscheidungen, die sich bis auf die Arten des Bauens und den Preis der Rohstoffe auswirken, als Einzelne hilflos ausgesetzt sind. 

>>> Dier vollständige Sendung zum Thema Holzpreise auf MDR.DE anschauen: Echt: Der Kampf ums Holz