Energiepreise Kleine Lebensmittelhandwerker sehen Existenz bedroht

Fleischer, Bäcker, Müller, Konditoren und Brauer haben vor ruinösen Folgen der Preisexplosion bei Energie, Rohstoffen und Transport gewarnt. Eine Erhöhung der Preise für Nahrungsmittel sei unvermeidlich. Die Existenz kleiner Handwerksbetriebe steht auf dem Spiel.

Kleine Bäckerei
Das Lebensmittelhandwerk leidet unter den gestiegenen Energiepreisen. Vor allem kleine Betriebe sind betroffen. - © JJackF - stock.adobe.com

In einem Brandbrief an das bayerische Wirtschaftsministerium haben die bayerischen Ernährungshandwerke auf die existenzbedrohende Entwicklung der Strom- und Gaspreise aufmerksam gemacht. Zugleich fordern die Spitzenverbände der Fleischer, Bäcker, Müller, Konditoren und Brauer den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) auf, die Situation zu entschärfen. Sie bedrohe nicht nur die Betriebe, sondern führe auch zu einer Anhebung der Lebensmittelpreise. "Es sind aber nicht nur die steigenden und kaum noch zu kalkulierenden Strompreise, die problematisch sind", sagt Stefan Stang, Hauptgeschäftsführer des Verbands Private Brauereien Bayern, stellvertretend für die Ernährungshandwerke. "Alle wesentlichen Kostenfaktoren wie auch Rohstoffe und Transportkosten steigen massiv. Wir werden nicht umhinkommen, diese Preissteigerungen auf unsere Erzeugnisse umzulegen."

Die Lage der Lebensmittelhandwerker kam auch beim 1. Oberfränkischen Lebensmittelgipfel in Kulmbach zur Sprache. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Regionalität der Lebensmittelerzeugung in seiner Grußbotschaft als "entscheidend". Er sprach sich dafür aus, für regional erzeugte Lebensmittel die Mehrwertsteuer zu senken.

Zahl der Azubis sinkt

Die Folgen der Corona-Pandemie machen den Nahrungsmittelhandwerken zu schaffen. So ging die Zahl der Betriebe in Oberfranken in diesem Bereich zwischen 2019 und 2020 um 2,3 Prozent zurück. Die Zahl der Auszubildenden sank um zehn Prozent. Die Handwerker finden keine Lehrlinge und tun sich auch schwer damit, Fachkräfte zu gewinnen. Mit fatalen Folgen: So müssen die Betriebe ihre Öffnungszeiten einschränken oder ihr Sortiment verkleinern. Darunter leidet die Vielfalt an Backwaren und Wurstspezialitäten, für die die Genussregion Oberfranken so berühmt ist.

Allerdings sind die Voraussetzungen für eine Erholung der Lebensmittelhandwerke derzeit gar nicht so schlecht, wie Norbert Heimbeck, Geschäftsführer der Genussregion Oberfranken aufzeigte. Insgesamt, so Heimbeck, steige die Qualitätsorientierung der Verbraucher. Während des Lockdowns haben viele Deutsche das Kochen für sich entdeckt. Es wurde daheim gebacken und gegrillt, während Kantinen und Wirtshäuser geschlossen blieben. "In dieser Zeit haben sich Werte und Prioritäten verschoben." Gutes Essen, gemeinsam im Kreis der Familie, habe an Bedeutung gewonnen – wovon auch das Handwerk profitieren könnte.

Brauer als positives Beispiel

Als positives Beispiel gelten die Brauer und Mälzer. Craft Beer ist gefragt. Diese Beliebtheit färbt ab auf den Beruf, den immer mehr junge Leute erlernen wollen. Das Handwerk hofft auf einen ähnlichen Schub bei Bäckern und Metzgern.

Heimbeck erwähnte noch einen weiteren Trend: Die Deutschen lassen sich immer häufiger Lebensmittel nach Hause liefern. Jeder zweite Deutsche äußert die Absicht, Nahrungsmittel online zu kaufen. Allerdings stellen die Kunden auch hohe Anforderungen an schnelle Lieferzeiten, wünschen sich eine große Auswahl und pochen auf Zeitfenster, in denen sie die Bestellung erreicht. Dieses Geschäft dürfe das Handwerk nicht den großen Lieferdiensten überlassen, appellierte Heimbeck.

Beim Lebensmittelgipfel kamen viele Probleme zur Sprache, die das Handwerk momentan plagen. Der Konkurrenzkampf mit den Discountern, ihren Fleischtheken und Backautomaten. Die erdrückende Bürokratie. Die mangelnde Wertschätzung für handwerkliches Können, die Hand in Hand geht mit einem Akademisierungswahn.

Kritik an Stromlieferanten

Akut leiden die Handwerksbetriebe vor allem unter den hohen Energiekosten. In einem Brandbrief hatten die Spitzenverbände in der vergangenen Woche die aktuelle Preispolitik der Energieversorgungsunternehmen kritisiert. Der Hintergrund: Mit Verweis auf den ungebremsten Preisanstieg am Strommarkt und die Unberechenbarkeit geben viele Energieversorger entweder keine Preisangebote mehr ab oder sie beschränken die Gültigkeit ihrer Angebote auf 15 Minuten bis zu maximal einer Stunde. Das berichten die Geschäftsführer der Ernährungshandwerke. Dies führe dazu, dass die Betriebe gar keine Chance hätten zu vergleichen, geschweige denn, entsprechend zu reagieren. Zahlreiche Betriebe würden durch die Mehrbelastungen in große Nöte getrieben und von den Kostensteigerungen geradezu überrollt.

"Die Marktentwicklung wird im kommenden Jahr zu massiven Kostensteigerungen führen, was hohe Auswirkungen auf die Verkaufspreise haben wird", sagt Lars Bubnick, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für das bayerische Fleischerhandwerk. Es müsse schnellstmöglich nach vernünftigen Wegen zur Reduzierung der Belastungen gesucht werden.

Ausbau erneuerbarer Energien gefordert

Im Bereich der Energie könnte eine Lösung sein, dass einzelne Energiekosten-Bestandteile wie Umlagen und Abgaben zumindest zeitweise reduziert werden. So lange, bis es wieder mehr Preisstabilität und Kalkulierbarkeit gibt.

"Die konventionellen Energien wie Öl und Gas sind die Preistreiber, nicht die erneuerbaren Energien", betont Josef Rampl, Geschäftsführer des Bayerischen Müllerbundes. Ein schnellerer Ausbau der regenerativen Energien würde vielmehr dafür sorgen, dass Energie bezahlbar bleibe. Auch aus diesem Grund, neben der CO2-Einsparung und einer höheren Unabhängigkeit von internationalen Lieferanten, müsse der Zubau beschleunigt werden.