KfW-Sonderbefragung So treffen die Lieferengpässe den Mittelstand

Ersatzteile und Rohstoffe fehlen. Viele kleine und mittlere Unternehmen können Aufträge aufgrund der Lieferengpässen nicht abarbeiten. Eine Sonderumfrage der KfW zeigt, dass schon jeder zweite Mittelständler betroffen ist. Zwar melden einzelne Branchen wie der Holzbau ein wenig Entspannung. In anderen Bereichen sieht es aber langfristig nicht gut aus. Das sind die Folgen.

Lieferengpässe belasten den Mittelstand
Großes Problem: Mikroprozessoren und andere kleine und große elektrische Ersatzteile sind schwer lieferbar. - © zdyma4 - stock.adobe.com

Mikroprozessoren und Steuerungselemente fehlen, Stahl, Aluminium, Kupfer und andere Metalle sind schlecht lieferbar und auch Kunststoffe sowie Verpackungsmaterialien sind knapp – die Lieferengpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten machen der Wirtschaft immer mehr zu schaffen. Vor allem im Mittelstand verlangsamt das derzeit die Produktion. Die KfW-Bankengruppe meldet deshalb Prognosen, wonach das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr wegen der Nachschubprobleme niedriger ausfallen dürfte als noch vor einigen Monaten erwartet.

Eine aktuelle Sonderbefragung der KfW zeigt nun, dass kleine und mittelständische Unternehmen von den Lieferengpässen besonders betroffen sind. Demnach kämpft gegenwärtig knapp jedes zweite (48 %) der rund 3,8 Millionen KMU in Deutschland mit den damit zusammenhängen Problemen. Für die Unternehmensumfrage sprachen die Mitarbeiter von KfW Research im Rahmen des KfW Mittelstandspanels im September mit rund 2.400 Betrieben unterschiedlicher Branchen.

Lieferengpässe treffen kleine und mittlere Betriebe

Besonders spürbar sind die Lieferengpässe demnach im Verarbeitende Gewerbe. 78 Prozent der befragten Betriebe dieses Segments gaben an, unter den Knappheiten zu leiden. Ebenso hoch liegt der Anteil der Unternehmen mit Problemen im Baugewerbe. Auch sie müssen sich mit Materialknappheit auseinandersetzen. Etwas geringer fiel die Betroffenheit mit 63 Prozent im Groß- und Einzelhandel aus. Doch selbst im Dienstleistungssektor, der der grundsätzlich weniger stark von Vorleistungen abhängt, sehen sich laut KfW noch rund vier von zehn kleinen und mittleren Unternehmen mit Lieferengpässen konfrontiert.

Einzig im Holzbau, der vorrangig heimisches Bauholz nutzt, zeichnet sich schon eine bessere Verfügbarkeit ab.>>>

Die Ergebnisse der Sonderumfrage zeigen allerdings auch Unterschiede bei den Folgen. So lässt sich die Betroffenheit mit den Knappheiten weiter unterscheiden. KfW-Research teilt sie folgendermaßen ein:

  • Am häufigsten verzeichnen kleine und mittlere Unternehmen einen erhöhten Arbeitsaufwand in der Beschaffung (29 %).
  • Zu Beeinträchtigungen in der Produktion oder Dienstleistungserstellung wegen fehlender Rohstoffe oder Vorprodukte kommt es bei etwa jedem vierten Mittelständler (28 %). Das Verarbeitende Gewerbe leidet hierunter am stärksten (56 %).
  • Ebenfalls jedes vierte Unternehmen (26 %) sieht sich gezwungen, infolge gestiegener Preise für Rohstoffe und Vorprodukte die Preise für seine eigenen Produkte oder Dienstleistungen anzupassen. Am häufigsten kommt es zu Preiserhöhungen in der Baubranche (61 %).
  • Etwa 25 % aller Mittelständler sind gegenwärtig aufgrund der Engpässe im Lieferverzug gegenüber ihren Kunden. Jeder zehnte Mittelständler muss Aufträge sogar ablehnen, weil das benötigte Material fehlt. Insbesondere in der Bauindustrie, die Handwerksbetriebe vom Fensterbauer bis zu Dachdecker umfasst, ist dies ein Problem (21 %).
  • Zu Beschäftigungseinschnitten führen die Lieferengpässe bislang in erster Linie im Verarbeitenden Gewerbe. Hier hat nahezu jedes zehnte Unternehmen seine Beschäftigung zumindest temporär durch den Abbau von Überstunden, Urlaub oder auch das Instrument der Kurzarbeit reduziert.

Lieferengpässe könnten Mittelstand bis Mitte 2022 belasten

Ausschlaggebend für die Engpässe ist unter anderem, dass die Produktion während der Corona-Krise vielerorts zurückgefahren wurde und nun weltweit wieder angefahren wird. Die Nachfrage steigt. Zudem spielen laut KfW auch andere Ursachen wie Störungen im internationalen Frachtverkehr, die weiter anhaltenden Handelskonflikte oder einzelne Ereignisse wie die Waldbrände in Kalifornien eine Rolle.

Doch wie geht es weiter? Laut Umfrage erwarten die meisten im Mittelstand keine schnelle Auflösung der Lieferengpässe. Nur fünf Prozent der befragten Betriebe erwartet eine Entspannung bis zum Jahresende 2021. "Der Großteil rechnet damit, dass die Schwierigkeiten noch ein halbes bis ganzes Jahr andauern. Fast jedes fünfte Unternehmen ist sogar überzeugt, dass sich die Situation frühestens in einem Jahr normalisiert haben wird", meldet KfW-Research. Die Analysten der Bankengruppe gehen selbst davon aus, dass es dauern dürfte, bis sich die Lieferengpässe auflösen. Im Laufe der kommenden Monate dürfte sich die Materialknappheit aber zumindest etwas entschärfen. Nachholeffekte könnten dann im kommenden Jahr einen Impuls für einen neuen Wachstumsschub geben, heißt es in der Mittelung der KfW zur Sonderumfrage. jtw

Die Ergebnisse der aktuellen Sonderbefragung von KfW Research sind hier abrufbar. >>>