Holzbau für den Klimaschutz nötig "Bauholz wieder gut verfügbar": Was macht der Holzpreis?

Der hohe Holzpreis im Frühjahr und Sommer 2021 hat alle überrumpelt – Häuslebauer, Handwerker und auch Hersteller von Baustoffen aus Holz. Inzwischen ist zumindest Bauholz wieder besser verfügbar. Sinkt also auch der Preis hierfür? Die Fachgruppe Holzbau Deutschland wagt eine Prognose und erläutert die Hintergründe.

Hohe Holzpreise
Immer mehr Häuslebauer entscheiden sich für Holzhäuser. Der hohe Holzpreis kann die Nachfrage bislang nicht bremsen. - © Kara - stock.adobe.com

Beim nachhaltigen Bauen spielt der Neu- und Ausbau mit Holz eine wichtige Rolle. "Die Stärke des Baustoffs Holz ist, dass es langfristig Kohlenstoff speichern kann. Das kann kein anderes Material", sagt der Geschäftsführer der Fachgruppe Holzbau Deutschland, Rainer Kabelitz-Ciré. Die Fachgruppe gehört zum Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Geht es um das Erreichen der Klimaziele, spielt der Gebäudesektor eine entscheidende Rolle. Diesen Vorteil nutzen auch immer mehr Häuslebauer in Deutschland. So ist die Holzbauquote, also die Anzahl der genehmigten Gebäude, die überwiegend mit Holz gebaut wurden, schon im vergangenen Jahr bei den Ein- und Zweifamilienhäusern auf 23,1 Prozent gestiegen. Ein Jahr zuvor lag sie noch bei 21,3 Prozent. Nichts deutet bislang darauf hin, dass die Nachfrage wieder sinkt – auch der hohe Holzpreis nicht.

Bauholz: Teuer, aber wieder verfügbar

Dieser erreichte im Sommer 2021 seinen Höhepunkt. Bauholz und Produkte wie Dämmstoffe auf Holzbasis waren schlecht bis gar nicht verfügbar. Das führte auch dazu, dass Baustellen der Stopp drohte oder Häuslebauer freiwillig eine Pause eingelegt haben, um abzuwarten, wie teuer es denn noch wird. Doch die große Panik mit Berichten über massenweise Kurzarbeit und Firmenpleiten hat sich nach Angaben von Holzbau Deutschland bislang nicht in der Realität abbilden lassen.

Unter den Holzpreisen haben Betriebe der Branche dennoch gelitten. "Meistens sind Verträge mit Bauherrn so langfristig vorher geschlossen worden, dass die hohen Preise nicht weitergegeben werden konnten", berichtet Rainer Kabelitz-Ciré. Die Firmen haben also weniger verdient und sind nun froh, dass sich aktuell kein weiterer Preisanstieg in diesem Ausmaß abzeichnet. Das gibt das Stimmungsbild wieder, das der Fachverband aus der Praxis erhält. Eine breite Branchenumfrage fand nicht statt.

"Es ist unstrittig, dass es im ersten Halbjahr 2021 ein Rohstoffproblem gab. Aber die Holzknappheit war eingebettet in den allgemeinen Baumaterialmanngel", erklärt Kabelitz-Ciré zur Lage im Sommer. Dieser Mangel hatte seine Gründe und Nachwehen vor allem in der Pandemie und der starken Nachfrage aus dem Ausland. Lieferengpässe aus Fernost, da Containerschiffe nicht oder nur verzögert die Weltmeere passieren durften, zeigten sich besonders bei Kunststoffprodukten und bei einigen speziellen Holzarten, die aber vorrangig im Möbelbau bei den Tischlern und bei Ausbauarbeiten der Schreiner genutzt werden.

Regionales Bauholz: Das hat den Mangel beeinflusst

Das Holz für Zimmererarbeiten und den klassischen Holzbau ist in Deutschland ein regionales Bauprodukt. Dennoch hat eine starke Nachfrage aus dem Ausland die Preise auch hierzulande nach oben getrieben. Eine hohe Nachfrage aus China, Knappheit in den USA und auch aus Russland hatten nach Angaben von Holzbau Deutschland Einfluss. "Nicht nur ein Grund, sondern viele verschiedene zusammen waren ausschlaggebend für den Preisanstieg. Eine hundertprozentige Erklärung kann aber keiner liefern", so der Geschäftsführer. Probleme hätte es auch bei den Sägewerken gegeben, die an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen sind. Hier staute sich förmlich Holz, auf das viele warteten. Außerdem gab es wohl eine Art Kettenreaktion auf die überraschend starken Anstiege. Einige Betriebe hätten Panik bekommen und ihre Lager gefüllt. Das habe die Knappheit verschärft und den Preis weiter getrieben.

Nach dem großen Preisschock ist am Markt aber schon seit ein paar Wochen eine Entspannung abzulesen. Der Anstieg ist verlangsamt und Holzbau Deutschland spricht aktuell davon, dass sich die Preise wohl erst einmal auf diesem Niveau einpendeln. "Bauholz ist aber wieder gut verfügbar", bestätigt Kabelitz-Ciré.

Verfügbarkeit von Bauholz: Datenlage schwierig

Dass Zahlen wie die des Statistischen Bundesamts zu den Holzpreisen in aktuellen Meldungen noch immer dramatisch ausgelegt werden, liegt laut Holzbau Deutschland auch daran, dass sie immer Werte der vergangenen Monate wiederspiegeln und keine tagesaktuellen Daten liefern. Außerdem sind hierbei meist Erzeugerpreise des Holzes statt Handelspreise ein Thema. Die Handelspreise schwanken allerdings sowohl von Region zu Region sehr als auch in den verschiedenen Verträgen, die Holzbaubetriebe mit ihren Lieferanten vereinbaren. Sie sind nicht immer verhältnismäßig vom gleichen Anstieg betroffen wie die Erzeugerpreise im Durchschnitt.

Außerdem müsse man sehen, dass die Bauwirtschaft insgesamt im Aufschwung ist. Wenn man viel baut, braucht und verbraucht man auch viel Baumaterial. "Hier greifen ganz normale Marktmechanismen. Angebot und Nachfrage bestimmen die Preise", so der Geschäftsführer, der selbst Zimmerer und Bauingenieur ist. Seiner Ansicht nach ist die Baubranche im Vergleich zu anderen bisher gut durch die Corona-Krise gekommen. Treiber der aktuell hohen Baupreise sind oftmals die sehr hohen Immobilien- und Grundstückspreise und nicht vorrangig die Preise für Baumaterial.

Einen Bonus habe Deutschland hierbei, weil es eben selbst sehr viel Wald und damit auch potenzielles Bauholz besitzt. Verstärkt wird derzeit auch mehr das sogenannte Kalamitätsholz nutzbar gemacht – Holz, das durch Sturmschäden, Trockenheit oder Schädlingsbefall anfällt. Einen großen Anteil daran hat der Borkenkäferbefall in vielen Fichtenwäldern der letzten Jahre. Ausschlaggebend waren die trockenen und heißen Sommer bis 2020. Der Käfer sitzt zwischen Baum und Borke und frisst die Rinde der Bäume an. Dadurch können andere Schädlinge eindringen und auch Pilze breiten sich aus. "Wenn man die Bäume aber rechtzeitig fällt und dann nass lagert, kann man die befallenen Bäume dennoch problemlos nutzen", erklärt Fachmann Kabelitz-Ciré. Allerdings gäbe es bei den notwendigen Nasslagern schon Kapazitätsprobleme.

Bauholz und Altholz: Ressourcenschonend verwerten

Holzbau Deutschland plädiert dafür angesichts der hohen Preise und sozusagen als Vorsorge dafür, dass die Holznutzung auch noch mehr in Richtung der Ressourcenschonung organisiert werden sollte. "Für den Klimaschutz ist es besonders wichtig, dass wir ressourcenschonend handeln und Holz nicht verschwenden, indem wir etwa frisches Holz statt hauptsächlich Altholz energetisch nutzen", gibt der Geschäftsführer als Beispiel.

Um den Wettbewerb ums Bauholz zu stoppen und es wirklich als heimischen Rohstoff regional nutzen zu können, kam bereits mehrmals eine Diskussion über einen Exportstopp auf. Von diesem Vorschlag hält Holzbau Deutschland wenig. Auch die Bundesregierung lehnt Beschränkungen derzeit ab. Peter Aicher, der Vorsitzende von Holzbau Deutschland, sieht keine Chancen darin, in den nach EU-Recht geltendem freien Handel einzugreifen. "Wer auf dem Weltmarkt mehr bekommt als auf dem heimischen Markt, kann und wird auch weiterhin exportieren", sagte er kürzlich in einem Interview mit dem Manager Magazin. Dennoch weist er darauf hin, dass sich der ökologische Fußabdruck des regionalen Rohstoffs Holz durch den Export verschlechtert.

Bauholz: Klimaneutral im Vergleich zu anderen Baustoffen

"Wir reden immer mehr von Ökologie und Nachhaltigkeit und transportieren dann Holz über tausende Kilometer statt es dort zu verwerten, wo es gewachsen ist", erklärt Peter Aicher. Die Nachfrage hierzulande sei ja vorhanden. Für den Transport wird das Holz außerdem chemisch behandelt. Holz als Baustoff sei eigentlich die Schlüsselressource, um die Klimaziele zu erreichen. Ein Grund liegt darin, da Holz die Eigenschaft hat, CO2 aus der Atmosphäre aufzunehmen und daraus den Kohlenstoff zu speichern. Das macht Bauholz in der Herstellung im Vergleich zu anderen Baustoffen klimaneutral.

Dieses Argument lässt auch bei vielen Bauherrn das Interesse an Holz wachsen. Bislang jedoch etwas mehr bei Einfamilienhäusern als bei Gebäuden für mehrere Parteien. Hier sieht der Fachverband Holzbau noch Potenzial, aber auch Hemmnisse. "In einigen Landesbauordnungen ist der Holzbau bei einer mehrgeschossigen Bauweise noch benachteiligt", erklärt Kabelitz-Ciré. Hier sei an einigen Stellen noch festgeschrieben, dass keine brennbaren Materialien eingesetzt werden dürfen oder nur gekapselte. "Wir sind im Gespräch mit den Bauaufsichtsbehörden, um hier Wettbewerbsgleichheit zu schaffen", berichtet der Geschäftsführer.