Lebensmittelsicherheit Titandioxid in Backwaren ab 2022 verboten

Titandioxid färbt Süßigkeiten, Soßen, Brühen und auch Backwaren. Der Lebensmittelzusatzstoff steht allerdings im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Die EU stuft ihn nicht mehr als sicher ein. Ab 2022 soll er verboten werden. So reagieren Bäcker und Konditoren auf die Ankündigung.

Titandioxid Verbot
Um feine Backwaren zu färben, nutzt die Lebensmittelindustrie oft den Farbstoff Titandioxid. Auch essbare Dekoration auf Torten wird damit gefärbt. - © Victoria Boroda - stock.adobe.com

E171 heißt der Zusatzstoff, der nun erneut für Diskussionen sorgt. Titandioxid ist ein Farbstoff, der Kosmetik und Medikamente genauso weiß färbt wie Wandfarbe und auch Lebensmittel. Kommt der Stoff in Pulverform vor – etwa bei Farben und Lacken – gelten seit Oktober 2021 neue Kennzeichnungspflichten. Ab 2022 soll Titandioxid nun als Lebensmittelzusatzstoff verboten werden. Denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass er ein Gesundheitsrisiko mit sich bringt.

Titandioxid in Backwaren: Sechs Monate Übergangsfrist

Erst kürzlich haben die EU-Mitgliedsstaaten einem Vorschlag der Europäischen Kommission zugestimmt, die die Verwendung von Titandioxid untersagen möchte. Ab 2022 soll der Farbstoff also nicht mehr in Produkten wie Kaugummi, Nahrungsergänzungsmitteln, Suppen, Brühen und Gebäck verwendet werden dürfen. Bevor das Verbot definitiv in Kraft tritt haben der Rat und das Europäische Parlament allerdings noch Zeit für einen Einspruch. Erheben sie diesen nicht bis Ende des Jahres Zeit, tritt der Beschluss der EU-Länder Anfang 2022 in Kraft. Dann beginnt nach Angaben der EU-Kommission eine sechsmonatige Auslaufphase, nach der ein vollständiges Verbot für Lebensmittel greift.

Mit dem Verbot möchte die EU das sogenannte Vorsorgeprinzip anwenden. Es greift dann, wenn Zweifel etwa an der Sicherheit von Lebensmitteln bestehen und soll die EU-Bürger vor möglichen Gefahren schützen. Im Fall von Titandioxid in Lebensmitteln stützt sich der Vorschlag für ein Verbot der EU-Kommission auf ein wissenschaftliches Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Dieses kommt zu dem Schluss, dass bei Titandioxid nicht ausgeschlossen werden kann, dass es die Fähigkeit besitzt, genetisches Zellmaterial zu verändern. Es bestehen Bedenken hinsichtlich der Genotoxizität und somit könne die Verwendung als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr als sicher angesehen werden.

Titandioxid in Backwaren: Das sagen Bäcker und Konditoren zum Verbot

Da Titandioxid auch in Gebäck verwendet wird, sind aus dem Handwerk auch die Bäcker und Konditoren von dem voraussichtlichen Verbot betroffen bzw. nimmt er Einfluss auf diese Branchen. Während der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks allerdings wenig Zusammenhänge erkennt, sieht das Konditorenhandwerk Probleme, die sich – zumindest für eine Übergangszeit – zeigen könnten.

"Titandioxid wird hauptsächlich in der Lebensmittelindustrie eingesetzt, wie beispielsweise in Kaugummis. Im Bäckerhandwerk spielt E171 kaum eine Rolle, da industriell hergestellte Dekore, die diesen Stoff enthalten können, nur selten verwendet werden", sagt dazu Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. In den Dekoren müsste der Stoff selbstverständlich ausgetauscht werden. Da das Kernsortiment der Bäckereien jedoch nach wie vor Brot und Brötchen ausmachen, sieht Schneider im Bäckerhandwerk keine grundlegenden Umstellungen für notwendig.

Zeitweiser Engpass erwartet bei weißen Farbstoffen für Torten und Co.

Gerhard Schenk, der Präsident des Deutschen Konditorenbunds meint dagegen, dass seine Branche wohl eine Zeit lang mit weniger weißer Dekoration für Torten und anderen Gebäcks auskommen muss. "Das trifft vor allem diejenigen, die Gebäck ganz individuell zum Beispiel mit den Firmenfarben eines Unternehmens dekorieren und die dabei Methoden wie Airbrush oder auch neue Techniken wie die Lebensmittelfarbdrucker verwenden", erklärt Schenk. Der dicke Belag auf vielen Torten an sich, der sogenannte Fondant sei, wenn er weiß ist, dagegen nicht gefärbt. Er besteht aus purem Zucker und der sei weiß, ohne Färbung.

Schenk erinnert sich an das Verbot einiger sogenannten Azofarbstoffe vor einigen Jahren. Damals hätte es eine Weile gedauert, bis Ersatzprodukte verfügbar waren. Genau das befürchtet er nun auch wieder. "Die Farbhersteller sind zwar kreativ und schnell, aber bis unbedenkliche Ersatzfarbstoffe in der Breite ankommen, müssen wir wohl mit einem Engpass umgehen", sagt der Konditormeister. Das würde sich dann in blasseren Farben auf Torten oder anderem Gebäck zeigen, denn der weiße Farbstoff nutzen die Konditoren meist vor allem zum Abtönen anderer Farben. Gerhard Schenk begrüßt es dennoch, dass der umstrittene Farbstoff vom Markt kommt.