Lebensmittelsicherheit Farbstoff Titandioxid in Backwaren seit 2022 verboten

Titandioxid färbt Süßigkeiten, Soßen, Brühen und auch Backwaren. Der Lebensmittelzusatzstoff steht allerdings im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein. Die EU stuft ihn nicht mehr als sicher ein. Seit Januar 2022 ist er verboten. So reagieren Bäcker und Konditoren darauf.

Titandioxid Verbot
Um feine Backwaren zu färben, nutzt die Lebensmittelindustrie oft den Farbstoff Titandioxid. Auch essbare Dekoration auf Torten wird damit gefärbt. - © Victoria Boroda - stock.adobe.com

E171 heißt der Zusatzstoff, der seit einiger Zeit immer wieder für Diskussionen sorgt. Titandioxid ist ein Farbstoff, der Kosmetik und Medikamente genauso weiß färbt wie Wandfarbe und auch Lebensmittel. Kommt der Stoff in Pulverform vor – etwa bei Farben und Lacken – gelten seit Oktober 2021 neue Kennzeichnungspflichten. Seit Januar 2022 ist Titandioxid nun als Lebensmittelzusatzstoff verboten. Denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass er ein Gesundheitsrisiko mit sich bringt.

Am 14. Januar 2022 haben die EU-Politiker in Brüssel das Verbot von Titandioxid als Lebensmittelzusatzstoff beschlossen. Im Amtsblatt ist die dazugehörige Verordnung nun veröffentlicht. Damit ist das Verbot in Kraft.

Titandioxid in Backwaren: Sechs Monate Übergangsfrist

Im Herbst vergangenen Jahres hatten die EU-Mitgliedsstaaten einem Vorschlag der Europäischen Kommission zugestimmt, die die Verwendung von Titandioxid untersagen wollte. Die EU-Mitgliedstaaten hatten bis Ende 2021 Zeit, dem geplanten Verbot zu widersprechen. Widersprüche blieben allerdings aus. Nun ist das Verbot in Kraft und der Farbstoff darf nicht mehr in Produkten wie Kaugummi, Nahrungsergänzungsmitteln, Suppen, Brühen und Gebäck verwendet werden. Allerdings gilt noch eine Aufbrauchfrist von sechs Monaten ab Inkrafttreten, also bis Juni 2022.

Mit dem Verbot wendet die EU das sogenannte Vorsorgeprinzip an. Es greift dann, wenn Zweifel etwa an der Sicherheit von Lebensmitteln bestehen und soll die EU-Bürger vor möglichen Gefahren schützen. Im Fall von Titandioxid in Lebensmitteln stützt sich der Vorschlag für ein Verbot der EU-Kommission auf ein wissenschaftliches Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Dieses kommt zu dem Schluss, dass bei Titandioxid nicht ausgeschlossen werden kann, dass es die Fähigkeit besitzt, genetisches Zellmaterial zu verändern. Es bestehen Bedenken hinsichtlich der Genotoxizität und somit könne die Verwendung als Lebensmittelzusatzstoff nicht mehr als sicher angesehen werden.

Titandioxid in Backwaren: Das sagen Bäcker und Konditoren zum Verbot

Da Titandioxid auch in Gebäck verwendet wird, sind aus dem Handwerk auch die Bäcker und Konditoren von dem Verbot betroffen bzw. nimmt es Einfluss auf diese Branchen. Während der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks allerdings wenig Zusammenhänge erkennt, sieht das Konditorenhandwerk Probleme, die sich – zumindest für eine Übergangszeit – zeigen könnten.

"Titandioxid wird hauptsächlich in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Im Bäckerhandwerk spielt E171 kaum eine Rolle, da industriell hergestellte Dekore, die diesen Stoff enthalten können, nur selten verwendet werden", sagt dazu Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. In den Dekoren müsse der Stoff selbstverständlich ausgetauscht werden. Da das Kernsortiment der Bäckereien jedoch nach wie vor Brot und Brötchen ausmachen, sieht Schneider im Bäckerhandwerk keine grundlegenden Umstellungen für notwendig.

Zeitweiser Engpass erwartet bei weißen Farbstoffen für Torten und Co.

Gerhard Schenk, der Präsident des Deutschen Konditorenbunds meint dagegen, dass seine Branche wohl eine Zeit lang mit weniger weißer Dekoration für Torten und anderen Gebäcks auskommen muss. "Das trifft vor allem diejenigen, die Gebäck ganz individuell zum Beispiel mit den Firmenfarben eines Unternehmens dekorieren und die dabei Methoden wie Airbrush oder auch neue Techniken wie die Lebensmittelfarbdrucker verwenden", erklärt Schenk. Der dicke Belag auf vielen Torten an sich, der sogenannte Fondant sei, wenn er weiß ist, dagegen nicht gefärbt. Er besteht aus purem Zucker und der sei weiß, ohne Färbung.

Schenk erinnert sich an das Verbot einiger sogenannten Azofarbstoffe vor einigen Jahren. Damals hätte es eine Weile gedauert, bis Ersatzprodukte verfügbar waren. Genau das befürchtet er nun auch wieder. "Die Farbhersteller sind zwar kreativ und schnell, aber bis unbedenkliche Ersatzfarbstoffe in der Breite ankommen, müssen wir wohl mit einem Engpass umgehen", sagt der Konditormeister. Das würde sich dann in blasseren Farben auf Torten oder anderem Gebäck zeigen, denn der weiße Farbstoff nutzen die Konditoren meist vor allem zum Abtönen anderer Farben. Gerhard Schenk begrüßt es dennoch, dass der umstrittene Farbstoff vom Markt kommt.