TV-Kritik: WDR - "Markt" über Knappheit und hohe Preise bei Baustoffen So trifft die globale Baustoffknappheit Handwerker und Bauherren

Auch im Fernsehen wird mittlerweile über die knappen Rohstoffe auf dem Bau berichtet. Der WDR ging das Thema nun in seiner Verbrauchersendung "Markt" auf interessante und umfassende Weise an und zeigte auf, wie globale Entwicklungen sich vor Ort niederschlagen. Und auch die Politik will sich des Problems annehmen.

Eimer mit Farbe
In den vergangenen Monaten sind die Preise für Wandfarben und andere Rohstoffe stark gestiegen. Handwerker müssen die Kosten an ihre Kunden weitergeben. - © djtaylor - stock.adobe.com

Die Corona-Infektionszahlen sinken, und so langsam beschleicht das ganze Land eine gewisse Aufbruchsstimmung. Nach knapp anderthalb Jahren Pandemie inklusive massiver wirtschaftlicher Verwerfungen soll es nun endlich wieder aufwärts gehen. Der Handel erwacht aus dem Lockdown, und auch das Handwerk, das auch gehörig von den Lockdowns betroffen war, will jetzt wieder Gas geben. Doch kaum hat sich dieser neue Elan eingestellt, da steht schon das nächste Problem im Raum: Rohstoffe - vor allem solche für das Baugewerbe - werden knapp und damit teuer.

Das Verbrauchermagazin "Markt" im WDR griff dieses Problem in zwei Beiträgen auf, und dabei ging es erfreulicherweise nicht nur um die Sicht der Verbraucher, sondern auch das Handwerk spielte eine Rolle. Der Holzmarkt etwa ist gehörig unter Druck. Einerseits haben die Trockenheit und der Borkenkäfer in den vergangenen Jahren dem Wald zugesetzt, der Wald sei krank, sagt ein Forstwissenschaftler in dem Beitrag, andererseits wird aus Deutschland schon immer viel Holz exportiert. Der Bau-Boom in Deutschland wird durch das Zusammentreffen dieser Faktoren derzeit stark ausgebremst, denn Holz ist teuer und schwer verfügbar. Zimmermann Sebastian Hoffmann aus Nordrhein-Westfalen spricht in dem Beitrag über die angespannte Situation. "Wir sind seit Januar bei einem Preisaufschlag von nahezu 100 Prozent", sagt er. Ein Kubikmeter habe sich seither von 320 Euro auf mehr als 600 Euro verteuert - und die Preise stiegen weiter. Ein Dachstuhl mit etwa acht bis zehn Kubikmetern, rechnet der WDR vor, habe sich so in den vergangenen Monaten um einen mittleren vierstelligen Betrag verteuert.

Holz ist nicht nur teuer, sondern knapp

Und es gibt noch ein grundsätzliches Problem. Für ein Einfamilienhaus müsse er das Holz teils bei fünf verschiedenen Händlern bestellen, sagt Hoffmann. Bizarr: Weil der Rohstoff so knapp ist, muss er sogar Kurzarbeit in Erwägung ziehen, weil er seine Mitarbeiter vielleicht nicht auslasten kann - und das, wo sich die Corona-Krise dem Ende zuneigt und gerade die Baubranche bislang nicht so sehr von den Lockdowns betroffen war. Da hilft es wenig, wenn die Holzindustrie davon spricht, dass Holz in letzter Zeit eigentlich viel zu billig gewesen sei, wie es Holzverarbeiter Lutz Schmelter formuliert. Das immer zahlreicher werdende Schadholz, das noch rechtzeitig geerntet wurde und brauchbar ist, geht indes oft nach China - Deutschland ist Netto-Exporteur. Das qualitativ hochwertige Holz hingegen landet oft in den USA. Der Mangel in Deutschland und die Preise hierzulande werden somit noch angeheizt, der weltweite Bau-Boom und die steigende Nachfrage lassen die Preise steigen, das trifft Industrie, Handel und auch die Bauherren.

Auch andere Baustoffe sind Mangelware

Und nicht nur das Holz ist derzeit Mandelware, auch andere Baustoffe, wie "Markt" in einem weiteren Beitrag zeigte. Dämmstoffe, Rohre und mehr - die Lieferzeiten sind lange, wenn das Material überhaupt vorhanden ist. "Markt" machte plastisch mit Wandfarbe auf, die natürlich beim gemeinen Heimwerker oft besonders gefragt ist - aber eben auch bei Profis. Ein Handwerker kam in dem Beitrag zu Wort. Es sei natürlich übel, wenn man die Arbeit einstellen müsse, weil kein Material da sei. Baustoffhändler wie Stephan Ahrends aus Essen beklagen indes massive Preissteigerungen, die man "erst bei den Kunden durchbringen muss" - im Klartext: die erhöhten Kosten werden immer weiter gegeben. Auch hier spielt die Nachfrage, besonders aus China und den USA eine Rolle. Stahl etwa habe sich massiv verteuert, beklagen Bauherren, die in dem Beitrag gezeigt wurden. Für sie hat das zur Folge, dass fast schon auf spekulativer Basis entschieden werden muss, ob man entweder arbeitsfähig bleibt und weiter einkauft, oder wartet, ob sich vielleicht doch was tut bei den Preisen.

Globale Entwicklungen als Preistreiber

Das Phänomen wird indes auch durch eine globale Entwicklung gestützt. Die Erzeugerpreise stiegen angesichts der zu Ende gehenden Krise zuletzt sowohl in Europa als auch vor allem in den USA stark an. Holz, Stahl, Erdöl nennt der WDR - hier habe es Preisexplosionen von 20 bis 35 Prozent zwischen März 2020 und März 2021 gegeben. Die Inflation ist getrieben auch von dieser Entwicklung parallel auf dem Vormarsch, vieles deutet darauf hin, dass die Nahe-Null-Preissteigerung der vergangenen Jahre mehr und mehr Geschichte werden dürfte. Und weil es hier verstärkende Nachholeffekte geben könnte, drohen manchen Experten zufolge sogar hohe Inflationsschübe, ausgehend auch von den Steigerungen der Erzeugerpreise, die weltweit über die Verarbeiter bis zu den Verbrauchern weitergegeben werden.

Die Zinsen steigen - eine fatale Spirale droht

Gleichzeitig beginnen die Zinsen, getrieben von diesen globalen Entwicklungen, wieder zu steigen. Steigende Zinsen bei US-Anleihen etwa ließen zuletzt die boomenden Aktienmärkte unter Druck geraten, weil Anleger wieder die Tendenz zeigten, ihr Geld in die sicheren Anleihen zu geben, die mittlerweile immerhin wieder mit etwa 1,6 Prozent verzinst werden. Das klingt abstrakt und weit weg, doch diese Entwicklungen sind global und nicht auf einzelne Märkte begrenzt zu betrachten. Wenn die Notenbanken beginnen sollten, ihre lockere Geldpolitik angesichts steigender Preise und Zinsen wieder restriktiver zu gestalten, dürften sich diese Trends fortsetzen und verstärken. Das bedeutet letztlich auch für Bauherren in Deutschland, dass sich eine ungute Mischung aus steigenden Rohstoffpreisen und steigenden Raten für ihre Immobilienkredite ergeben kann, zumindest nach der nächsten Umschuldung. Die Folge dürfte dann nicht mehr, sondern weniger Bautätigkeit sein, ausfallende Kredite, Baustopps, mit entsprechenden Folgen auch für das Handwerk, wenn die Auftragsflut der vergangenen Jahre kleiner wird.

ZDH fordert Politik zum Handeln auf

Gegen diese globalen Entwicklungen kommt die Politik nur schwer an, aber einzelne Märkte wie die für Holz und Baustoffe ließen sich theoretisch schon regulieren. Muss die Politik also eingreifen, fragte "Markt" schließlich. Während sich der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) in Person seines Hauptgeschäftsführers Felix Pakleppa, im Beitrag beim Holzmarkt dagegen aussprach, weil es keine Grenzschließungen und Exportstopps für Holz geben könne, fordert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in einer Stellungnahme Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zum Handeln auf. "Die Politik ist aufgefordert, alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente so rasch es geht einzusetzen, um den Verwerfungen auf dem Markt für Baumaterialien entgegenzuwirken und diese in den Griff zu bekommen", sagt ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer vor allem mit Blick auf die fragile konjunkturelle Phase. Wollseifer betonte, es sei gut, dass Altmaier die Preis- und Beschaffungsprobleme bei zahlreichen Handwerksbetrieben zur Chefsache erklärt habe.

Welchen Einfluss Altmaier als deutscher Wirtschaftsminister tatsächlich auf grundlegende weltwirtschaftliche Entwicklungen hat, bleibt indes offen. Fakt ist hingegen, dass die ökonomische Großwetterlage weltweit eher darauf hindeutet, dass die geschilderten, global induzierten, aber sich vor Ort ganz handfest manifestierenden Probleme nicht weniger werden dürften.

Link zu den Beiträgen:

Alpinaweiß ausverkauft: Engpass im Baumarkt

Holz-Mangel am Bau