Kommentar Handwerk in der Wahlberichterstattung: Aus falscher Perspektive

Die Realität von Handwerksunternehmern wird im Fernsehen kaum widergespiegelt. Das zeigt sich auch in der Berichterstattung zur Bundestagswahl: die TV-Sender scheren sich zu wenig um die Belange des Handwerks.

Kamerateam filmt Politiker im Gespräch.
Die Sorgen und Themen des Mittelstands spielen in der Berichterstattung zur Bundestagswahl 2021 kaum eine Rolle. - © highwaystarz - stock.adobe.com

Der Handwerker: In vielen Sendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist er entweder inkompetent und ein Fall für die versteckte Kamera oder "der letzte seiner Art", wenn sein Gewerk ausstirbt, oder er liegt als Verfechter alter Traditionen im Clinch mit Konzernen. Die unter diesen Vorzeichen entstandenen Beiträge sind oft nett, aber auch weit weg von der Realität vieler Betriebe.

Womit wir bei der Berichterstattung zur Bundestagswahl wären. Auch hier finden sich, von einigen Ausnahmen abgesehen, kaum Themen mit mehr als abstraktem Mittelstandsbezug. Corona, Klima, Pflege heißen die Platzhirsche, stets kommen ähnliche Protagonisten zu Wort, etwa wütende Fridays-for-Future-Aktivisten oder mahnende SPD-Gesundheitsexperten. Sicher wichtig, aber keineswegs alles. Viel zu selten etwa wird das, was sich hierzulande Digitalisierung nennt, mit Blick auf Unternehmen und die Möglichkeiten, die sich ihnen dadurch bieten, thematisiert. Der Handwerker wird hingegen oft als der analoge Schrat dargestellt, der hobelt und mauert, aber den Rechner nicht hochgefahren bekommt.

Sorgen des Mittelstands spielen bei Formaten die zweite Geige

Die Belange von Mittelstand und Handwerk würden stets mitgedacht, rechtfertigen sich manche Sender auf Anfrage. Doch Fakt ist: Konkrete Formate, etwa Talks zu Steuerpolitik, Digitalisierung oder Bürokratieabbau, fehlen schlichtweg. Hinter dem Verbraucherschutz spielen die Sorgen des Mittelstands die zweite Geige, denn Wirtschaft gibt es im Fernsehen selten ohne den Zusatz "Soziales". Und all das zeigt sich nicht nur jetzt vor der Wahl, sondern schon seit Jahren.

Es wäre Aufgabe der Sender, auch die Sichtweise des Mittelstands auf Probleme des Landes – hohe Steuern und Abgaben, Bürokratismus – zu transportieren.

Sind das Kleinigkeiten, lässliche Sünden oder Probleme von ein paar steinreichen Unternehmern? Leider nein. Denn wenn die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihrer Pflicht zur ausgewogenen Information den Mittelstand und dessen ökonomische Bedeutung derart stiefmütterlich behandeln, dann zeigt das nicht nur, wie deren Redaktionen ticken, sondern auch das Land an sich. Das ökonomische Halbwissen, das sich abstrakt bei der hyperkritischen Einstellung vieler Deutscher zur Marktwirtschaft zeigt, ist nicht nur Resultat eines blinden Flecks in Schule und Bildung, sondern auch der medialen Rezeption dieser Themen.

Sender schlagen sich zu oft auf die Seite der Verbraucher

Wohlstand muss erwirtschaftet werden, ehe er verteilt wird. Angebot und Nachfrage stehen in einer Wechselbeziehung, weshalb Verbraucher nicht per se gut und machtlos und Unternehmen nicht böse und übermächtig sind – dass an derlei Selbstverständlichkeiten erinnert werden muss, resultiert eben auch aus einer windschiefen Berichterstattung. Es wäre Aufgabe der Sender, auch die Sichtweise des Mittelstands auf Probleme des Landes – hohe Steuern und Abgaben, Bürokratismus – zu transportieren, und damit letztlich auch Unternehmergeist zu fördern. Denn der erschafft noch immer den Wohlstand, den dieses Land durch seine Kultur des Schulterzuckens und ökonomische Unwissenheit mehr und mehr zu verspielen droht.