TV-Kritik: "Soll das so?" Wenn Handwerker die Projekte von Hobby-Heimwerkern retten

Wenn Heimwerker sich ausgewachsene "Projekte" vornehmen, geraten sie schnell an die Grenzen ihres Könnens. Helfen können dann nur noch gestandene Profis. Der Hessische Rundfunk (HR) bringt in der Reihe "Soll das so? Einsatz für die Handwerker-Profis" überforderte Hobby-Handwerker mit Könnern zusammen und dokumentiert den Fortschritt der Arbeiten – Prädikat: gelungene Abendunterhaltung.

Ausschnitt aus HR-Sendung "Soll das so?"
Ben Dietrich (re.) hat versucht, eine kleine Terrasse in seinem Garten zu errichten. Handwerksmeister Willi Becker hilft beim Bauen. - © hr

Schon die ersten Einschätzungen der Profis zeigen, dass die Amateur-Heimwerker bereits bei der Kalkulation der benötigten Zeit nicht ganz sattelfest sind. "Zwei Tage, das wird sportlich", sagt Maler- und Lackierer-Meisterin Lisa Manns, die sich in der ersten Folge der achtteiligen HR-Reihe "Soll das so?" um das Projekt von Doris Brandstetter kümmern soll. Diese möchte einem alten Tisch neues Leben einhauchen, ein Projekt, von dem der Zuschauer schon nach den ersten Bildern ahnt, dass es nicht mal schnell mit links gemacht ist. Und nach der klaren Aussage von Profi Lisa Manns ist dieser Eindruck dann auch bestätigt.

Locker und unterhaltsam

Der Hessische Rundfunk greift mit "Soll das so?" auf ein bislang vor allem bei privaten Fernsehsendern verbreitetes Format zurück, in dem professionelle Handwerker die im Scheitern begriffenen Projekte von Hobby-Bastlern retten. So gab es schon vor vielen Jahren die "Super-Heimwerker" auf Kabel eins, die überforderten Heimwerkern unter die Arme griffen. Jetzt also liefert der HR die öffentlich-rechtliche Variante, mit weniger knalliger Musik, auch weniger Tempo, aber deshalb noch lange nicht weniger unterhaltsam. Man verzichtet darauf, die Hobby-Bastler wegen ihrer begrenzten Fähigkeiten bloßzustellen, und hebt auf der anderen Seite die Profi-Handwerker auch nicht in den Himmel. Zudem sei die Besonderheit, dass die Hobby-Handwerker eigenständig mit ihrem Projekt starteten und selbst Hand anlegten, wie ein HR-Sprecher mitteilt. Die Profis hingegen stünden ihnen zur Seite, übernähmen aber nicht die komplette Arbeit. Das soll der Unterschied zu den privaten Formaten sein, und auch darüber hinaus ist alles ist locker und unterhaltsam, wie solche Sendungen eben sein sollen. Klar, Doku-Soaps aus dem Bereich Lebenshilfe im Alltag hätte man auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen knalliger aufmachen können. Doch kurzweilig ist das Format auch so, und Krawall gibt es im TV, auch wenn es um das Handwerk geht, auch schon zur Genüge.

Profis schlagen die Hände über dem Kopf zusammen

Bei den Hobby-Heimwerkern, die sich nach einem Aufruf des HR beworben hatten, fehlen mal die Sicherheits-Schuhe, da wird geklebt, wo lieber fest verbunden würde, da macht mal eine Katze ihr großes Geschäft auf die neu angelegte Terrasse. Es sind die kleinen Widrigkeiten, die den Heimwerkern bei ihren Projekten zu schaffen machen, die die Reihe sehenswert und unterhaltsam machen. Mancher Profi, der sich das ansieht, wird die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn etwa das Schleifpapier fürs Abschleifen des Tisches von Doris Brandstetter nur in zwei Größen vorhanden ist – aber das passiert nun mal, wenn Amateur-Bastler sich an Größeres heranwagen.

Die Meisterin eilt zu Hilfe

Als sie ihren Tisch blau bepinselt, sagt die Stimme aus dem Off vielsagend: "Doris malt sich das Blaue von Himmel herunter." Und schließlich, nach den eigentlich als Gesamtzeitraum veranschlagten zwei Tagen, ruft Brandstetter die Profi-Malerin Lisa Manns, nach Auskunft des HR eine der jüngsten Malermeisterinnen Deutschlands, zur Hilfe. Die sieht gleich die Probleme: Die verwendete Kreidefarbe deckt nicht richtig und ist nicht wetterfest. Auch ein wetterfester Lack über der Farbe könnte sich als problematisch erweisen, deshalb wird wieder geschleift. Alles Dinge, die der Laie nicht wirklich wissen kann – aber vielleicht schon früher hätte fragen können. Tische aufzumöbeln ist halt dann doch komplexer als der Laie zunächst denken könnte. Wie auch immer, die Strafe für die voreilige Arbeit folgt auf dem Fuß, als Lisa Manns die von Doris Brandstetter mühevoll aufgebrachte Kreidefarbe zunächst wieder entfernt, um den Tisch anschließend vernünftig und nach allen Regeln der Kunst zu lackieren. Vier Tage werden es am Ende sein – doppelt so viele wie geplant – bis der Tisch in neuem, blauen Glanz erstrahlt. "Es war jetzt nicht die Arbeit, die so lange gedauert hat, aber durch den Trockenprozess hat sich das hingezogen", sagt Doris Brandstetter abschließend. Für Profi Lisa Manns ist das keine Überraschung. Sie hat schon anderes gesehen und sagt: "Wir haben es geschafft, mit wenig Aufwand Doris glücklich zu machen." Und mit Blick auf die Verwendung des neuen Schmuckstücks: "Der Sommer kann kommen, und die Gartenpartys können starten."

Eine Herausforderung für den Meister

Auch Willi Becker, mehrfacher Handwerksmeister, unter anderem im Maurer- und Stahlbetonbauerhandwerk, steht vor einer Herausforderung. Ben Dietrich hat versucht, für einen neuen Gasgrill eine kleine Terrasse in seinem Garten zu bauen. Dabei ging jedoch schon bei den Vorarbeiten einiges schief, wie Becker schnell herausfindet. Der Boden muss zunächst verdichtet werden, davor wiederum steht das genaue Ausmessen der Tiefe, bis zu der für die neue Mini-Terrasse Erde ausgehoben werden muss. Becker lässt schließlich – sicherlich auch sehr kameratauglich – die ganze Familie Dietrich auf dem braunen Rechteck im Garten herum trampeln, damit es mit dem ersten Verdichten ein wenig schneller geht. Als sie damit fertig sind, holt Becker die fünf "Helfer" zu sich und spricht eine alte Handwerkerweisheit: "Ich sage immer zu den Arbeitern: da gehst du mal einen Meter weg und dann schaust du dir dein Werk mal an. Und wenn dir das selber gefällt, dann hast du alles richtig gemacht." Ben Dietrich, in der Sendung selten um einen flotten Spruch verlegen, antwortet bibelfest: "Ein guter Freund von mir würde jetzt sagen: Und er sah, dass es gut war."

Die Rüttelplatte fehlt

Nachdem der Profi seine Schuldigkeit getan hat – ein für Becker sicherlich nicht sehr schwieriger Fall – lässt er die Familie zunächst mit den restlichen Tätigkeiten wieder alleine. "Das sollten wir schaffen", sagt Ben Dietrich noch. Doch schon die Organisation einer Rüttelplatte zur endgültigen Verdichtung des Bodens wird zur Herausforderung, der Lieferant kann plötzlich seine Zusage nicht mehr einhalten, und so steht das ganze Projekt auf der Kippe. An dieser Stelle baut der HR einen sogenannten Cliffhanger ein. Die erste Folge endet mit einem Ausblick auf die schwere Arbeit, die den Dietrichs noch bevorsteht, bis endlich die Mini-Terrasse fertig ist. Und so viel sei verraten: Die Rüttelplatte wird auch in der zweiten Folge eine große Rolle spielen, sowohl der Umgang mit ihr als auch ihre Funktion an sich. Doch am Ende der zweiten Folge steht die Terrasse, und auf ihr der Grill – ohne dass Willi Becker noch mal selbst Hand anlegen musste. Dafür hilft er dann dabei, eine Scheune in einen Ziegenstall umzubauen – ein Großprojekt, bei dem professionelle Hilfe Not tut. Und auch Malerin und Lackiererin Lisa Manns ist wieder mit von der Partie.

Wenig Fachliches, aber gute Unterhaltung

Dem HR ist alles in allem eine launige Reihe gelungen, die zwar nicht besonders handwerklich-fachlich daherkommt und für den handwerklichen Puristen nicht sehr stark ins technische Detail geht, aber gerade für das breite Publikum ein positives Bild der Branche zeichnet – und vielleicht den einen oder anderen Hobby-Bastler davon überzeugt, dass es doch besser und schneller geht, wenn man gleich den Profi ranlässt.

Hier geht es zu den Folgen von "Soll das so?" in der ARD-Mediathek.