2024 könnte ein gutes Jahr sein, um Ihre Routinen endlich zu ändern. Es lohnt sich: Denn schon kleine Veränderungen können einen großen Unterschied machen. Fünf schlechte Gewohnheiten von Handwerkschefs – und wie Sie es nächstes Jahr besser machen. Psychologische Tricks inklusive.

Das neue Jahr steht vor der Tür und damit traditionell auch neue Vorsätze. Doch diese dauerhaft umzusetzen, ist gar nicht so einfach. Das wissen Handwerkschefs aus eigener Erfahrung nur zu gut. 66 Tage dauert es einer Studie zufolge durchschnittlich, eine Handlung zur festen Gewohnheit zu machen. Doch nicht nur die Zeit spielt dabei eine Rolle. "Ich empfehle, in kleinen Schritten anzufangen und alle Tools zu nutzen, die helfen können", rät Jasmin Möser, Expertin für Unternehmensführung. Fünf schlechte Gewohnheiten sind ihr während ihrer Zusammenarbeit mit kleinen Handwerksbetrieben besonders häufig aufgefallen. Hier ihre Tipps, wie Betriebsinhaber diese 2024 endlich ablegen können:
1. Keine Ordnung halten
Der Schreibtisch ist beklebt mit Haftzetteln, die Werkzeuge werden achtlos in die Ecken geschmissen, das E-Mail-Postfach quillt über. Schon häufig hat Jasmin Möser erlebt, dass Handwerkschefs die Ordnung im Betrieb schleifen lassen bzw. es kein richtiges Ordnungssystem gibt: "Einer meiner schlimmsten Fälle war ein kleiner Handwerksbetrieb, in dem seit 1986 nicht mehr sauber gemacht wurde und an dem sich haushohe Papierstapel an den Wänden getürmt haben."
Wer keine Ordnung hält, muss sich permanent auf die Suche begeben. Das kostet viel Zeit. Außerdem ist die Gefahr groß, dass Fehler passieren. Möser: "Ich habe einen Fall erlebt, bei dem ein Mitarbeiter mit veralteten Plänen auf die Baustelle gegangen ist. Darin war nicht festgehalten, dass eine Tür versetzt wurde und der Mitarbeiter hat die Steckdosen und Lichtschalter an der falschen Seite im Raum angebracht." So etwas kann teuer für den Handwerksbetrieb werden. Der Fall zeigt aber auch: (Neue) Mitarbeiter werden es schwer haben, im Chaossystem des Chefs durchzusteigen. Letztlich kann also der gesamte Erfolg eines Unternehmens vom Faktor Ordnung abhängen.
Wie können es Handwerker besser machen?
- 1. Schritt: Zunächst gilt es, sich ein Ordnungssystem zu überlegen. Viele Helferlein können hier unterstützen, zum Beispiel professionelle Büromanagementsysteme. Auch häufig genutzte Mailprogramme wie Microsoft Outlook bieten viele praktische Ablagefunktionen. Wer noch nicht so digital unterwegs ist, sollte sich aber nicht überfordern. "Es gibt nicht umsonst viele Old-School-Ordnungssysteme wie das klassische Postkörbchen, die über Jahrzehnte wunderbar funktioniert haben", sagt Möser. Auch kleine Veränderungen könnten schon viel bewirken: "Machen Sie wichtige Notizen zum Beispiel nicht auf Zetteln, sondern in einer Kladde."
- 2. Schritt: Damit die Ordnung hält, müssen Dokumente, Mails und Co. regelmäßig sortiert werden. "Ich empfehle, dafür einen Tag in der Woche fest einzuplanen", sagt die Unternehmensberaterin. Dass solche Bürotätigkeiten vielen Handwerkern, die lieber mit den Händen arbeiten, lästig sind, weiß sie nur zu gut: "Sie müssen diese Aufgaben nicht lieben, aber versuchen Sie wenigstens eine neutrale Einstellung dazu zu gewinnen. Wer sich motivieren will, kann die Arbeit auch mit einem Glas Bier oder einem Stück Schokolade zur Belohnung kombinieren."
2. Sich im Tagesgeschäft verlieren
"Digitalisierung, Marketing, Weiterbildung – das alles sind Dinge, die Betriebsinhaberinnen und -inhaber gerne verschieben, weil das Tagesgeschäft dazwischen kommt", sagt Möser. Die Folge: Der Handwerker verpasst es, beim Fortschritt mitzuhalten und kann seinen Kunden zum Beispiel bestimmte Dienstleistungen nicht anbieten. Er weiß nicht, auf welchen Wegen er neue Fachkräfte für seinen Betrieb am besten erreichen kann. Oder es kommen Probleme auf ihn zu, weil er sich nicht mit den neuen Gesetzesbeschlüssen befasst hat.
Wie können Handwerker es besser machen?
Auch für diese Unternehmeraufgaben sollte ein fester Bürotag eingeplant werden, rät die Diplom-Betriebswirtin. Dieser wird im besten Fall mit dem "Ordnungstag" (siehe oben) kombiniert. "Beschäftigen Sie sich an diesem Tag zum Beispiel mit der Digitalisierung, lesen Sie Fachartikel und schauen sie auch über Ihre Branche hinaus." Außerdem empfiehlt sie, sich zusätzlich einen Tag im Monat für größere Unternehmeraufgaben zu nehmen. "Dieser Tag kann zum Beispiel für eine Fortbildung genutzt werden, um sich in ein bestimmtes Thema intensiv einzulesen oder zum Netzwerken."

3. Sich ungesund ernähren und keine Pausen machen
Der Tag beginnt sehr früh: Deswegen gibt es morgens schnell ein Schnitzelbrötchen vom Bäcker. Und zum Abschluss eines langen, anstrengenden Arbeitstages auf dem Bau einen Döner. Die Angewohnheit, an einem vollgepackten und stressigen Arbeitstag zum Fast Food zu greifen, kennen sicherlich viele Handwerkerinnen und Handwerker. Eine ungesunde Ernährung kann die Leistungsfähigkeit beeinflussen. Auch die gesundheitlichen Langzeitfolgen sind nicht zu unterschätzen.
Wie können Handwerker es besser machen?
Möser rät dazu, abends gesund für den nächsten Tag vorzukochen und sich das Essen in der Lunchbox mit auf die Baustelle zu nehmen. Oder in der Mittagspause statt zum Imbiss zu gehen, lieber ein Restaurant mit gesunden Angeboten zu besuchen. Und dann sollte auch wirklich Pause gemacht werden – in Ruhe und gerne auch gemeinsam mit dem Team. Denn auch das erlebt die Expertin oft: Die Pause wird überflogen oder das Mittagessen schnell vorm PC in sich hineingestopft. "Helfen kann es, sich im Terminkalender an die Pause zu erinnern oder einen Wecker zu stellen. Wer sich die Pausenzeit fest einträgt und sie immer wieder wiederholt, macht sie zur Gewohnheit."
Tipps, wie eine gesunde Ernährung für Handwerker aussehen kann, gibt Ärztin und Bestseller-Autorin Dr. Anne Fleck hier:
>>> Lesetipp: "Gemüse ist der bessere Kumpel"
4. Die Mitarbeiter zu selten loben
"Nicht geschimpft ist Lob genug"– das ist immer noch das Motto vieler Handwerkschefs. Wird zwar nicht gemeckert, der Mitarbeiter aber auch nie gelobt, zweifelte er womöglich an seinen Fähigkeiten und fühlt sich nicht wertgeschätzt. Die Fachkraft verlässt im schlimmsten Fall das Unternehmen.
Wie können Handwerker es besser machen?
Auch für diese neue Gewohnheit können sich Handwerker eine Erinnerung im Teamkalender stellen. "Oder sie nutzen das Lob einfach als Gesprächsaufhänger, nach dem Motto: 'Hey, ich wollte Dir nochmal sagen, das hast Du letztes Mal echt super gemacht und Du hast gut mitgedacht.'", so der Vorschlag von Jasmin Möser. Ein Lob kann aber auch ein guter Gesprächseinstieg sein, wenn ein negativer Vorfall besprochen werden soll. Auch ein Zeichen der Wertschätzung: Die Mitarbeiter fördern, indem man ihnen Verantwortung überträgt. Kleine Geschenke, bezahlte Weiterbildungen oder steuerliche Gehaltsextras können ebenfalls zur Motivation der Mitarbeiter beitragen.
5. Alles alleine machen wollen
Auf der Baustelle arbeiten, Angebote schreiben, auf Social Media neue Kunden anlocken, im Streit zwischen den Mitarbeitern vermitteln und dann noch die Buchhaltung erledigen: Das alles macht der Chef am liebsten selbst. Denn die Angst, eine vermeintliche Schwäche zu zeigen, ist groß. Stress, psychische Belastungen bis hin zum Burnout können die Folge sein, wenn man sich zu viele Aufgaben vornimmt.
Wie können Handwerker es besser machen?
"Handwerker sind Fachexperten in ihrem Beruf, aber sie sollten nicht den Anspruch haben, dass sie alles, was zur Unternehmensführung dazu gehört, sofort gut können", sagt Möser. Deshalb gilt es, die Erwartungen an sich selbst herunterzuschrauben und sich Hilfe zu suchen: "Das kann bei bestimmten Fragen der Steuerberater sein, aber auch Angebote der regionalen Handwerkskammern können genutzt oder spezialisierte Berater beauftragt werden. Das kostet mitunter zwar Geld, aber die (psychische) Belastung nimmt auf lange Sicht deutlich ab."
3 psychologische Tricks, um sich neue Gewohnheiten anzueignen
In seinem Bestseller "Die 1 % Methode" erklärt Speaker und Autor James Clear, wie man mit kleinen Gewohnheiten jedes Ziel erreichen kann. Hier drei psychologische Tricks aus dem Ratgeber:

- © Goldmann
Routinen nutzen
James Clear schreibt: "Gewohnheiten lassen sich besonders gut einführen, wenn Sie eine aktuelle Gewohnheit ermitteln, die Sie bereits jeden Tag ausführen, und diese dann mit dem neuen Verhalten koppeln". Er nennt das "Gewohnheitskopplung". Heißt: Eine neue Gewohnheit wird mit einer gewohnten Routine verknüpft, um die Erfolgschancen zu erhöhen. Ein Beispiel aus dem Bereich Sport könnte sein: "Nachdem ich meine Arbeitsschuhe ausgezogen habe, ziehe ich sofort meine Trainingskleidung an."
Die eigene Identität verändern
Clear ist der Meinung, Motivation zur Veränderung ist nicht alles: "Eine echte Verhaltensänderung ist eine Änderung der Identität." Doch wie gelingt das? Schon ein paar Glaubenssätze können den Unterschied machen. Wer sich immerzu einredet: "Ich bin ein Morgenmuffel", steckt schnell in dieser Denkweise fest. Eine Änderung der Sicht kann helfen: "Wer Sie sind können Sie am einfachsten ändern, wenn Sie ändern, was Sie tun", erklärt Clear. Heißt: "Immer wenn Sie mit dem Training starten, sind Sie Sportler" oder "Immer wenn Sie Ihre Mitarbeiter fördern, sind Sie eine Führungspersönlichkeit."
Das passende Umfeld schaffen
Wer neue Gewohnheiten etablieren will, sollte sich ein förderliches Umfeld schaffen. Das zeigt ein einfaches Beispiel, von dem Clear berichtet: Um acht Prozent konnten demnach die Reinigungskosten für die Toiletten im Amsterdamer Flughafen Schiphol gesenkt werden, nachdem in den Urinalen der Männertoiletten kleine Aufkleber angebracht wurden, die wie Fliegen aussahen. Weil viele Männer nun auf die Fliegen zielten, ging "weniger daneben". Clear erklärt: "Es ist einfach, nicht Gitarre zu üben, wenn das Instrument im Schrank steht. [...] Schafft man jedoch visuelle Auslösereize, können diese die Aufmerksamkeit auf eine angestrebte Gewohnheit lenken." Ein Beispiel: "Wenn Sie daran denken möchten, öfter eine Dankeschön-Notiz zu schreiben, legen Sie sich Notizblätter auf den Schreibtisch".