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Was Unternehmer jetzt noch umsetzen können Steuern sparen: 20 Tipps für Betriebe zum Jahresende

Der steuerliche Jahresendspurt hat begonnen. Wie Unternehmer die Steuerlast noch 2020 senken oder die Weichen auf Steuern sparen im kommenden Jahr stellen können. Hier die 20 interessantesten und effektivsten Steuerstrategien.

1. Vorauszahlungen senken

Hat Ihnen die Corona-Krise den Gewinn 2020 verhagelt, sollten Sie das Jahr 2020 schon jetzt Revue passieren lassen und den Gewinn für 2020 zu kalkulieren. Fällt dieser deutlich niedriger aus als erwartet, können Sie beim Finanzamt die Herabsetzung der laufenden Vorauszahlungen beantragen. Für die Reduzierung der Gewerbesteuervorauszahlungen muss der Antrag vor dem 15. November 2020 gestellt werden. Für die Herabsetzung der Einkommen- oder Körperschaftsteuervorauszahlungen ist der Antrag vor dem 10. Dezember 2020 zu stellen.

2. Weihnachtsfeier planen

Sollte trotz Corona eine Weihnachtfeier stattfinden können, sollten Sie darauf achten, dass die Kosten je Teilnehmer nicht mehr als 110 Euro betragen. Denn wird diese Grenze je Teilnehmer an der Feier überschritten, drohen Lohnsteuerzahlungen und der komplette Wegfall der Vorsteuererstattung für die Ausgaben der Feier. Wichtig zu wissen: Darf jeder Mitarbeiter einen Begleitperson zu Feier mitbringen, sind die Kosten der Begleitperson auch dem Arbeitnehmer zuzurechnen. Um bei späteren Lohnsteuerprüfungen nicht in Beweisnot zu kommen, sollten Sie eine Liste aufbewahren, wie viele Personen letztendlich an der Weihnachtsfeier teilgenommen haben.

3. Alternativen zum Weihnachtsgeld

Statt eines freiwilligen Weihnachtsgeldes, das in der Regelung nur zu 50 Prozent auf dem Konto des Mitarbeiters landet, könnten Sie dieses Jahr steuerfreie und sozialversicherungsfreie Gehaltsextras zuwenden. Interessant: Überlassung Smartphone oder Tablet, Corona-Prämie bis 1.500 Euro, unentgeltliche Waren aus dem Sortiment des Handwerksbetriebs oder die Möglichkeit schaffen, das Weihnachtsgeld in Beiträge für eine betriebliche Altersvorsorge umzuwandeln.

4. Kartenzahlung im Dezember

Ist Ihr Gewinn 2020 höher ausgefallen als erwartet und es drohen für 2020 Steuernachzahlungen, sollten Sie noch 2020 Büromaterial und Waren zum Verkauf beziehen. Ermitteln Sie Ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung, dürfen Sie grundsätzlich alle Kosten noch 2020 abziehen, wenn Sie diese bis zum 31. Dezember 2020 bezahlen. Ausnahme: Nutzen Sie Ende Dezember für betriebliche Einkäufe ihre Kredit- oder EC-Karte und die Abbuchung erfolgt erst im Januar, gelten die Zahlungen dennoch als gewinnmindernde Betriebsausgaben.

5. Umsatzsteuer: Alles wieder zurück

Wie es aussieht, kommt es zu keiner Verlängerung der niedrigeren Umsatzsteuersätze über den 31. Dezember 2020 hinaus. Denken Sie also frühzeitig daran, in der Buchhaltung und in den Kassen spätestens am 1. Januar 2021 die Umsatzsteuersätze wieder anzupassen.

6. Vorsicht bei Geschenken

Achten Sie bei Geschenken an Geschäftsfreunde und Kunden auf den Preis. Denn kosten Präsente pro Jahr und Empfänger netto mehr als 35 Euro, dürfen Sie die Ausgaben nicht vom Gewinn abziehen und der Vorsteuerabzug kippt. Ausnahme: Kann der Empfänger das Präsent ausschließlich beruflich nutzen, dürfen auch höhere Ausgaben den Gewinn drücken.

7. Investitionsabzugsbetrag neu

Sie planen in den Jahren 2021 bis 2023 betriebliche Investitionen? Dann profitieren Sie vielleicht vom Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG. Das Finanzamt erlaubt es, vom Gewinn 2020 bereits 40 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten abzuziehen. Sie winken ab, weil Sie die Voraussetzungen nicht erfüllen? Vielleicht klappt es ja doch. Denn im Jahressteuergesetz 2020 ist eine neue Voraussetzung geplant. Vom Investitionsabzugsbetrag sollen 2020 alle Unternehmer profitieren, deren Gewinn vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags 150.000 Euro nicht überschreitet. Geplant ist auch ein 50-prozentiger Abzug statt nur 40 Prozent.

8. Freistellungsbescheinigung I

Erbringen Sie Bauleistungen, sollten Sie checken, ob die Freistellungsbescheinigung zur Bauabzugssteuer, die Sie Ihren Kunden vorlegen, über den Jahreswechsel hinaus gültig bleibt. Falls nicht, unbedingt frühzeitig eine neue Bescheinigung beim Finanzamt beantragen. Wegen Urlaubszeit und Corona ist nicht absehbar, wie lange Sie darauf warten müssen. Deshalb frühzeitig aktiv werden.

9. Freistellungsbescheinigung II

Haben Sie selbst Bauleistungen beauftragt und die Rechnung wird im Januar fällig, sollten Sie überprüfen, ob die vom Bauunternehmer vorgelegte Freistellungsbescheinigung zur Bauabzugsteuer im Januar noch gültig sein wird. Falls nicht, bitten Sie den Bauunternehmer und baldige Vorlage einer neuen Bescheinigung.

10. Werbung mit Steueranrechnung

Noch gibt es die Steueranrechnung nach § 35a Abs. 2 und 3 EStG für Privatkunden, die Handwerker in Ihrem Privathaushalt mit Handwerkerleistungen und haushaltsnahen Dienstleistungen beauftragen. Da die Steueranrechnung jedes Jahr erneut auf dem Prüfstand steht, sollten Sie in Werbeflyern auf die Möglichkeit der Steueranrechnung hinweisen. Ein Argument für potentielle Auftraggeber, Ihnen den Zuschlag zu geben.

11. Werbung mit Gutscheinverkauf

Verkaufen Sie zum Jahreswechsel Gutscheine, sprechen Sie vorher unbedingt mit Ihrem Steuerberater. Denn dieses Jahr wird es komplizierter, sollten für den Gutscheinverkauf 16 Prozent Umsatzsteuer fällig werden und bei Einlösung des Gutscheins im nächsten Jahr sind 19 Prozent Umsatzsteuer fällig. Klären Sie mit Ihrem Berater ab, ob Sie aus umsatzsteuerlicher Sicht besser so genannte Einzweck- oder Mehrzweckgutscheine verkaufen sollten.

12. Azubis mit Gehaltsextras locken

Haben Sie noch keinen Azubi und in Ihrer Gegend ist die Konkurrenz groß, wenn es um die Besetzung der noch freien Ausbildungsplätze geht, sollten Sie mit einem steuerfreien Gehaltsextra locken. Denn zusätzlich zum Azubi-Gehalt dürfen Sie dem Azubi das neueste Smartphone zur 100-prozentigen privaten Nutzung zur Verfügung stellen. Dieser geldwerte Vorteil ist komplett lohnsteuerfrei und könnte das Zünglein an der Waage dafür sein, dass sich der Azubi für Ihren Betrieb entscheidet.

13. Überbrückungshilfe einkalkulieren

Haben Sie wegen der Corona-Krise Überbrückungshilfe vom Staat bekommen, müssen Sie diese als gewinnerhöhende Betriebseinnahme einkalkulieren. Mit anderen Worten: Die Überbrückungshilfe kann dazu führen, dass Sie für das Jahr 2020 Steuern nachzahlen müssen.

14. Übergang zum Bilanzieren

Hat das Finanzamt Sie ab 1. Januar 2021 dazu aufgefordert von der Einnahmen-Überschussrechnung zur Bilanzierung zu wechseln, empfiehlt es sich frühzeitig, sich umzuhören, welche Bilanzierungssoftware für Sie geeignet ist. Sprechen Sie vor dem Kauf unbedingt mit Ihrem Steuerberater. Denn dieser hat die meiste Erfahrungen mit brauchbaren und schlechten Bilanzierungsprogrammen. Fangen Sie frühzeitig mit der Aufstellung der Eröffnungsbilanz an, damit Sie pünktlich zum 1. Januar 2021 bilanzieren.

15. Ausleihen statt kaufen

Benötigen Sie dringend ein neues Smartphone oder einen Laptop für Ihren Betrieb, Ihnen fehlt aber wegen Corona das Geld dazu? Dann leihen Sie sich die Gegenstände doch von Familienangehörigen oder Freunden und bezahlen ihnen dafür eine angemessene Miete. Die Mietzahlungen dürfen Sie als Betriebsausgabe abziehen. Beim Vermieter bleiben solche Mietzahlungen bis zu einem Betrag von 255 Euro im Jahr steuerfrei.

16. Umsatz im Auge behalten I

Liegt der Umsatz Ihres Handwerksbetriebs seit Jahren bei rund 600.000 Euro, achten Sie darauf, dass diese Grenze 2020 nicht überschritten wird. Denn in diesem Fall profitieren Sie auch 2021 noch von der Istversteuerung bei der Umsatzsteuer. Das bedeutet: Sie müssen bei der Istversteuerung die Umsatzsteuer erst ans Finanzamt überweisen, wenn der Kunde Ihre Rechnung bezahlt hat.

17. Umsatz im Auge behalten II

Sind Sie Kleinunternehmer, achten Sie darauf, dass Ihr Umsatz im Jahr 2020 nicht über 22.000 Euro klettert. Denn nur wenn das so ist, ist sichergestellt, dass Sie auch in den nächsten Jahren von der Kleinunternehmerregelung profitieren.

18. Nebenberufsselbständige im Visier

Sind Sie nebenberufsselbstständig im Handwerk tätig und erzielen Dauerverluste, kann es passieren, dass das Finanzamt Ihnen diese Verluste steuerlich rückwirkend streicht. Der Grund: Es wird unterstellt, dass Sie keine Gewinnerzielungsabsicht haben (sogenannte Liebhaberei). Dieser Unterstellung kann verhindert werden, indem Sie versuchen, etwas zu ändern, um künftig Gewinne zu erzielen (Werbung schalten, neue Preise, Eingehen einer Partnerschaft, etc.).

19. Gründer in spe

Planen Sie 2021 den Weg in die Selbstständigkeit und entstehen Ihnen bereits 2020 erste Ausgaben, können Sie diese 2020 als vorweggenommene Betriebsausgaben geltend machen und mit anderen Einkünften verrechnen.

20. Zweigleisig fahren

Nutzen Sie Ihren Firmenwagen kaum privat und versteuern nach der 1-Prozent-Regelung, zahlen Sie sicherlich zu viel. Das lässt sich nur ändern, wenn Sie ab 1. Januar 2021 ein Fahrtenbuch führen. Lassen Sie sich von Ihrem Steuerberater beraten, ob ein Papier- oder ein elektronisches Fahrtenbuch in Frage kommt.

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