Betriebsführung -

8 Tipps für ein erfolgreiches Azubi-Marketing Damit es 2021 klappt: Was Sie jetzt tun sollten, um Azubis zu finden

Der Azubi-Markt ist hart umkämpft: Knapp über 53.000 Ausbildungsplätze waren 2019 unbesetzt. Doch verzweifeln muss niemand: Wer Nachwuchs anlocken will, sollte mit seinem Marketing herausstechen – und das will gut vorbereitet sein. 8 einfache Tipps, wie Sie potentielle Bewerber auf sich aufmerksam machen und es 2021 endlich mit der Ausbildung klappt.

Viele Handwerker wollen es, aber können es schlichtweg nicht: ausbilden. Schuld daran ist der Nachwuchsmangel: Laut Berufsbildungsbericht 2020 waren bereits im Jahr 2019 knapp über 53.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Mit einer ähnlich hohen Zahl ist auch in diesem Jahr zu rechnen, heißt es im Report.

Trotz dieser Zahlen sollten Handwerksunternehmer die Hoffnung nicht verlieren: Wer 2021 sein Möglichstes tun will, damit es endlich klappt, sollte jetzt mit den Vorbereitungen starten – und für ein gelungenes Azubimarketing Social Media in Betracht ziehen, so Stefanie Sausele: "Junge Menschen wollen dort angesprochen werden, wo sie sich am häufigsten aufhalten und das sind eben die digitalen Medien." Im Rahmen eines Web-Seminars des RKW Kompetenzzentrums im Juli 2020 gab die Referentin Digiscouts Tipps rund um das Thema Azubisuche in der digitalen Welt.

Jugendliche erhalten Eindrücke von Arbeitsalltag und Team

Vor allem die hohen Nutzer- und Download-Zahlen der Sozialen Medien würden Sausele zufolge für die Azubisuche über Instagram, Tik-Tok, Whatsapp & Co. sprechen. Beispiel Instagram: "Laut einer Umfrage von Statista nutzen die Fotoplattform in Deutschland circa 20 Millionen Menschen, etwa Zweidrittel davon sind 13 bis 34 Jahre alt – das ist die perfekte Zielgruppe für eine Ausbildung." Aber nicht nur aus diesem Grund seien die Online-Plattformen nutzbringende Marketingkanäle. "Jugendliche können hier auf den schnellen Blick nicht nur einen unmittelbaren Eindruck über den Inhalt der Ausbildung bekommen, sondern auch ihre zukünftigen Kollegen kennenlernen", ergänzt die Expertin.

Erster Schritt: Eigene Karrierewebsite prüfen

Für Unternehmer im Vornherein wichtig zu wissen: "Bei den Sozialen Medien geht es in erster Linie um Unterhaltung – das gilt auch im Bezug zum Azubimarketing", erläutert Sausele. "Das Ziel ist, über Instagram und Co. Aufmerksamkeit für die Ausbildungsstelle zu erzeugen, der zentrale Dreh- und Angelpunkt bleibt aber die eigene Karrierewebsite." Bevor Betriebe in den sozialen Medien um Azubis werben, sei es deshalb wichtig, diese kritisch zu prüfen.

"Die Karrierewebsite sollte unbedingt alle 'harten' Fakten zur Ausbildungsstelle enthalten", rät die Referentin. Ziel sei es, dass Bewerber über die Social Media-Auftritte zur Unternehmenshomepage gelangen, um sich dort genauer über die angebotene Ausbildungsstelle zu informieren. Wichtig ist deshalb, dass die Karrierewebsite ausführliche Infos zum Beruf und der Ausbildungsstelle bietet sowie die wichtigsten Kontaktdaten enthält. Darüber hinaus empfiehlt die RKW-Expertin, den Reiter für die Karriereseite gut sichtbar auf der eigenen Homepage zu platzieren und den Inhalt auch SEO-technisch gut aufzubereiten.

Wer testen möchte, ob seine Karriere-Website einem guten Standard entspricht, kann z. B. ein kostenloses Online-Tool des RKW nutzen: Den Karriereseiten-Check für mittelständische Betriebe. Interessierte gelangen hier zum Karriereseiten-Check.

Azubi-Suche über Social-Media: 8 Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene

Eine gut aufbereitete Karriereseite ist Sausele zufolge die Grundlage, um den Weg in die digitalen Medien zu wagen. Welche Social Media-Plattformen sich aktuell am besten fürs Azubi-Marketing eigenen und was bei Aufbau und Pflege der Kanäle zu beachten ist, verriet Sausele im RKW-Onlineseminar. Hilfreiche Tipps für Anfänger, aber auch Fortgeschrittene, übersichtlich zusammengefasst:

1. Den richtigen Kanal wählen

Sausele empfiehlt für die Azubi-Suche vor allem die Fotoplattform Instagram sowie das chinesische Videoportal TikTok, da sich hier vorwiegend eine jüngere Zielgruppe aufhält. Facebook sowie die Berufsnetzwerke Xing und LinkedIn seien dagegen eher nicht zu empfehlen, da die Zielgruppe älter bzw. der inhaltliche Fokus ein anderer sei. Ihr Tipp: "Statt auf zu viele Kanäle zu setzen, besser intensiv weniger Kanäle regelmäßig mit Inhalten bespielen."

2. Social Media-Kanal zum Azubi-Projekt machen

Am authentischsten sei es, wenn man bereits im Betrieb beschäftigte Azubis als Influencer einsetzt: "Sie kennen sich schließlich am besten aus mit den sozialen Medien und sprechen die Sprache der Jugendlichen", erläutert die Expertin. Sausele empfiehlt, für das Azubi-Marketing einen Extra-Kanal anzulegen, der unabhängig vom Social Media-Unternehmensauftritt des Betriebes genutzt wird. Chefs können diesen auch komplett in die Hände ihrer jetzigen Auszubildenden legen – als eine Art Azubiprojekt, für das wöchentlich etwas Zeit eingeräumt wird. Die Auszubildenden können im Rahmen des Projekts den Aufbau des Kanals selbstständig durchführen, eigene Ideen für Postings entwickeln und diese selbst umsetzen.

3. Kurzvideos nutzen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen

Laut Sausele liegen Kurzvideos derzeit absolut im Trend. Das zeigt auch, warum TikTok so beliebt bei Jugendlichen ist. Über das chinesische Videoportal lassen sich kurze Musik-Clips erstellen, zu denen auf lustige Art und Weise getanzt werden kann. Auch eine Lippensynchronisation ist möglich. Der Vorteil: "Kurzvideos sind kostenlos und einfach mit dem Handy umzusetzen. In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne kurz ist, lassen sie sich leicht konsumieren." Inspiration für Videos bieten die Kanäle anderer Betriebe, aber auch der eigene Unternehmensalltag. Auf TikTok kann zudem an sogenannten Musik-Challenges teilgenommen werden. Hierüber lässt sich auf humorvolle Art und Weise Aufmerksamkeit für den Betrieb erzeugen. Ein gutes Beispiel für ein TikTok-Profil im beruflichen Kontext ist der Kanal vom Klinikum Dortmund.

4. Eigene Hashtags nutzen

Sowohl auf Instagram als auch TikTok lassen sich Hashtags nutzen, damit Inhalte besser gefunden werden. Bäcker können zum Beispiel den Hasthag #Bäcker nutzen, Friseure etwa zielgruppenrelevante Hashtags rund ums Haareschneiden und Frisieren. Je spezifischer die Hashtags sind, desto besser. Sausele empfiehlt Unternehmen auch eigene Hashtags zu etablieren, über die sich die gesamten Profilinhalte bündeln lassen. Ein spezifisches Hashtag könnte z. B. der eigene Unternehmensname sein.

5. Postings im Redaktions-Tool vorbereiten

Wer nicht genügend Zeit hat, um täglich bzw. wöchentlich Inhalte zu posten, der kann auf (teils) kostenlose Social Media-Management-Tools zurückgreifen und Postings vorplanen. Ein Beispiel für solch ein Tool ist Buffer, das man 14 Tage kostenlos testen kann. Außerdem hilft es, einen Redaktionsplan anzulegen. So muss man sich nicht in kurzen Abständen neue Ideen für Posts einfallen lassen. Insgesamt schätzt Sausele den Aufwand für die Pflege der Social Media-Kanäle auf circa eine bis zwei Stunden pro Woche.

6. Gezielt Werbung machen

Für wenig Geld lässt sich z. B. über Instagram gezielt Werbung für die eigene Ausbildungsstelle machen. Der Vorteil: Die Werbung lässt sich speziell an Menschen aus Region und im passenden Alter richten. Instagram-Nutzer können diese Werbung nicht überspringen.  

7. WhatsApp-Kontakt anbieten

Auch der Messengerdienst Whatsapp lässt sich für die Azubi-Suche nutzen. Erneut kommt hier die eigene Karrierewebsite ins Spiel: Unternehmen können hierüber auf eine WhatsApp-Sprechstunde aufmerksam machen. Auf ihrer Website sollten Unternehmen nicht nur eine Kontaktnummer nennen, sondern auch Zeiten festlegen, über die Ansprechpartner aus dem Betrieb zum Thema Ausbildung zu erreichen sind. Vor allem für Jugendliche, die sich zunächst anonym informieren wollen, bietet der Kontakt über Whatsapp eine gute Möglichkeit. Die Stadtwerke Velbert nutzen diese bereits. Mehr zur Nutzung von Whatsapp im Unternehmen, auch in Bezug zum Datenschutz, erfahren Sie hier.

8. Den Datenschutz beachten

Wer Social Media nutzt – egal, ob privat oder berufsbezogen – sollte auf keinen Fall den Datenschutz vergessen. DATEV, das Unternehmen für Datenverarbeitung, gibt einen hilfreichen Überblick darüber, was datenschutzrechtlich (und darüber hinaus) bei der Nutzung von Social Media zu beachten ist. Hier geht es zu den DATEV Social Media Guidelines.

Weitere hilfreiche Tipps und Tricks zum Thema Azubimarketing über Social Media erhalten Interessierte auch in einer kostenlosen Mappe vom RKW. Hier geht es zum Download bzw. der Bestellmöglichkeit. 

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten