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Steuertipp Private Firmenwagen-Nutzung: Das gilt bei der Versteuerung

Findet bei einem Handwerksbetrieb eine Betriebsprüfung statt, achtet das Finanzamt in der Gewinnermittlung auf den Wert für die Privatnutzung des Firmenwagens. Versteuert der Unternehmer keinen Privatanteil, weil er privat einen vergleichbaren Pkw hat, kann Ärger drohen. Ein neues Urteil bietet selbständigen Handwerkern jetzt die Möglichkeit, gezielt gegen die Versteuerung der Privatnutzung zu kontern.

Grundsätze zur privaten Firmenwagen-Nutzung

Befindet sich im Anlagevermögen eines Handwerksbetrieb ein Firmenwagen, ist für das Finanzamt die Sache glasklar. Es wird unterstellt, dass dieser Pkw auch privat und für Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb genutzt wird und dafür muss ein Eigenverbrauch als Betriebseinnahme angesetzt und Umsatzsteuer ans Finanzamt bezahlt werden. Einziger Ausweg: Legt der selbständige Handwerker für seinen Firmenwagen ein steuerlich wirksames Fahrtenbuch vor und kann so nachweisen, dass der Firmenwagen tatsächlich nicht privat genutzt wurde, muss das Finanzamt von der Versteuerung eines Privatanteils absehen.

Für die Privatnutzung des Firmenwagens spricht der Beweis des ersten Anscheins. Das hat der Bundesfinanzhof bereits in verschiedenen Urteilen klargestellt. Dennoch kann ein Unternehmer auch ohne Fahrtenbuch darauf pochen, dass kein Privatanteil versteuert wird. Er muss nachweisen, dass privat ein Fahrzeug für ihn zur Verfügung steht, das in Status und Gebrauchswert mit dem Firmenwagen vergleichbar ist.

Praxis-Tipp: Bislang taten sich Unternehmer hier schwer, den Prüfer oder den Sachbearbeiter im Finanzamt davon zu überzeugen, diesen Gegenbeweis anzutreten. Denn nirgends ist definiert, wann Fahrzeuge in Status und Gebrauchswert vergleichbar sind. Ein aktuelles Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen schließt diese Lücke nun und gibt Unternehmern plausible Argumente an die Hand (FG Niedersachsen, Urteil v. 19.2.2020, Az. 9 K 104/19; veröffentlicht im Newsletter des FG Niedersachsen vom 7.5.2020).

Argumente zur Verhinderung der Besteuerung eines Privatanteils

In dem Urteilsfall beim Finanzgericht Niedersachsen hatte ein lediger Unternehmer in seinem Betrieb einen Fiat Doblo Easy 1.0 16 V Multijet und für Privatfahrten stand ihm ein Mercedes Benz C 280 T zur Verfügung. Der Unternehmer führte kein Fahrtenbuch und versteuerte keinen Privatnutzungsanteil, weil er angab, dass er den betrieblichen Pkw überhaupt nicht privat genutzt hat. Für Privatfahrten wird ausschließlich der Mercedes genutzt. Der Prüfer des Finanzamts versteuerte dagegen einen Privatanteil. Dagegen klagte der Unternehmer und bekamt Recht. Das Finanzgericht sah von der Versteuerung eines Privatanteils aus folgenden Gründen ab:

  • Der Mercedes Benz im Privatvermögen stand dem Unternehmer jederzeit zur privaten Nutzung zur Verfügung.
  • Der Mercedes war auch vom Gebrauchswert mit dem Fiat Doblo vergleichbar. Denn unter Gebrauchswert verstehen die Finanzrichter nach dem Wortsinn den Wert einer Sache hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit, ihrer Eignung für bestimmte Funktionen und Zwecke, mit anderen Worten den Nutzwert. Da sich beide Fahrzeuge für Privatfahrten eigneten, waren sie in Punkto Gebrauchswert also vergleichbar.
  • Der Gebrauchswert wird auch durch den Vergleich der Umstände wie Motorleistung, Hubraum, Höchstgeschwindigkeit und Ausstattung berücksichtigt. Hier punktete der private Mercedes, weil er deutlich bessere Vergleichswerte hatte.
  • Unter dem Aspekt der Satus eines Fahrzeugs sind vornehmlich Prestigegesichtspunkte zu berücksichtigen. Auch in Punkto Prestige konnte der private Mercedes mehr überzeugen.

Die Richter kamen zu der Überzeugung, dass die beiden Fahrzeuge vergleichbar sind. Da der Mercedes Benz sogar höherwertig einzustufen war als der betriebliche Firmenwagen, verzichtete die Richter auf eine Versteuerung eines Privatanteils.

Fazit: Ist der im Privatvermögen vorhandene Pkw also höherwertiger als der betriebliche Pkw, kann der Beweis des ersten Anscheins für die Privatnutzung vom Unternehmer widerlegt werden.

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