Von der digitalen Baustellenorganisation über Cybersicherheit bis hin zur intelligenten Materiallagerung: Die Möglichkeiten für mehr Digitalisierung im Handwerksbetrieb sind groß. Doch die Vorhaben sind meist teuer. Gut, dass nicht nur der Bund, sondern auch die Länder Digitalisierungsprojekte mit hohen Zuschüssen fördern. Eine Übersicht aktueller Förderprogramme.

Drohnen zur Vermessung der Baustelle, 3D-Drucker oder intelligente Roboter im Produktionsprozess: Das Handwerk in Deutschland wird immer digitaler. Das zeigt auch eine Umfrage aus dem Sommer 2022 unter 503 Handwerksbetrieben, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) durchgeführt wurde. Demnach nutzen schon zwei Drittel (68 Prozent) aller Handwerksbetriebe in Deutschland digitale Technologien und Anwendungen. Auch zeigt sich: 77 Prozent der Befragten halten die Digitalisierung für eine konkrete Chance für den eigenen Betrieb.
Genauso sehen es Bund und Länder. Mit dem Ziel, die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit von Handwerksbetrieben und anderen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland zu stärken, haben sie verschiedene Förderprogramme auf den Weg gebracht. Dadurch soll kleinen und mittleren Betrieben, Soloselbstständigen und Freiberuflern bei der Umsetzung der zumeist teuren Digitalisierungsvorhaben finanziell unter die Arme gegriffen werden.
Bund und Länder fördern die Digitalisierung
Die Bandbreite der geförderten Vorhaben ist groß: Von der Einführung neuer Software über große Ditgitalisierungsvorhaben bis hin zu Schulungen von Mitarbeitern zu Themen wie Datenschutz. Eine Auswahl an aktuellen Förder- und Kreditprogrammen, beschränkt auf Angebote von Bund und Ländern, sowie weiterführenden Informationen und Ansprechpartnern zu dem Thema nennt dieser Artikel:
>>> Bundesweite Förderprogramme im Bereich Digitalisierung
1. Digital Jetzt
Was wird gefördert? Von neuer Software, die das Team im Unternehmen besser vernetzt, über Cloud-Anwendungen bis hin zu Schulungen für Mitarbeiter zum Thema IT-Sicherheit oder Datenschutz: Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz fördert mit "Digital Jetzt" mittelständische Unternehmen mit Zuschüssen, wenn sie in digitale Technologien investieren oder Mitarbeiter zu digitalen Themen weiterqualifizieren. Die Bewerbung erfolgt über ein Förderportal. Handwerker müssen unter anderem einen Digitalplan einreichen, auf dem sie ihr Digitalisierungsvorhaben näher beschreiben. Das Programm läuft noch bis Ende 2023.
Wer ist berechtigt? KMU (drei bis 499 Beschäftigte)
Wie hoch ist die Förderung? Maximal 50.000 Euro pro Unternehmen bzw. bei Investitionen von Wertschöpfungsketten und/oder -netzwerken bis zu 100.000 Euro pro Unternehmen. Die Förderquote ist nach Unternehmensgröße gestaffelt und beträgt bis 50 Beschäftigte bis zu 40, bis 250 Beschäftigte bis zu 35 und bis 499 Beschäftigte bis zu 30 Prozent. Unternehmen haben zwölf Monate Zeit, ihr Digitalisierungsvorhaben umzusetzen, wenn sie die Förderung zugesprochen bekommen.
Weitere Informationen: >>> Förderprogramm "Digital Jetzt"
2. go-digital
Was wird gefördert? Handwerker, die in ihrem Betrieb Maßnahmen zur Digitalisierung umsetzen wollen, können über das Förderprogramm "go-digital" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz einen Zuschuss für Beratungsleistungen erhalten. Förderfähig ist die fachliche Begleitung eines autorisierten Beratungsunternehmens in den fünf Bereichen:
- Digitalisierungsstrategie
- IT-Sicherheit
- Digitalisierte Geschäftsprozesse
- Datenkompetenz
- Digitale Markterschließung
Den Förderantrag für den Handwerksbetrieb stellt das Beratungsunternehmen, nachdem sich beide auf ein förderfähiges Digitalisierungsprojekt geeinigt haben. Autorisierte Beratungsunternehmen finden Handwerksbetriebe hier. Das Programm "go-digital" wurde bis Ende 2024 verlängert.
Wer ist berechtigt? Voraussetzung für die Förderung ist, dass der Betrieb weniger als 100 Mitarbeitende beschäftigt und einen Jahresumsatz oder eine Jahresbilanzsumme von höchstens 20 Millionen Euro erwirtschaftet.
Wie hoch ist die Förderung? Der Zuschuss beträgt bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben, aber je Beratertag maximal 1.100 Euro. Der Förderumfang beträgt maximal 30 Tage in einem Zeitraum von sechs Monaten.
Weitere Informationen: >>> Förderprogramm "go-digital"
3. KfW-Kredit für Wachstum (Nr. 290)
Was wird gefördert? Über einen Kredit der KfW-Bank lassen sich größere Digitalisierungsvorhaben im Handwerksbetrieb fördern, zum Beispiel die Einführung einer neuen IT-Struktur oder digitaler Anwendungen.
Wer ist berechtigt? Förderfähig sind unter anderem in- und ausländische Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, die sich mehrheitlich in Privatbesitz befinden und deren Gruppenumsatz zwei Milliarden Euro nicht überschreitet.
Wie hoch ist die Förderung? Die KfW beteiligt sich laut eigener Angaben direkt als Konsortialpartnerin oder indirekt als Risikounterbeteiligung an Fremdkapitalfinanzierungen von Finanzierungspartnern. Der Umfang der Risikoübernahme betrage maximal 50 Prozent der Vorhabenfinanzierung. Der Risikoanteil der KfW betrage normalerweise zwischen 7,5 Millionen bis maximal 100 Millionen Euro. Das Gesamtvolumen von Risikoübernahme zuzüglich Refinanzierungsmittel ist je Maßnahme sei auf maximal 100 Millionen Euro begrenzt. Die Beteiligung der KfW erfolge auf Einladung des Kreditinstituts, also der eigenen Bank (Geschäftsbank, Sparkasse, Genossenschaftsbank).
Weitere Informationen: >>> KfW-Kredit für Wachstum
>>> Förderprogramme der Länder im Bereich Digitalisierung
Baden-Württemberg
- Was wird gefördert? Digitalisierungsprojekte, Maßnahmen zur IT-Sicherheit, notwendige Schulungen für Mitarbeiter
- Wer ist berechtigt? KMU mit bis zu 500 Mitarbeitern
- Wie hoch ist die Förderung? Die "Digitalisierungsprämie Plus" gibt es in zwei Varianten (Darlehen oder Zuschuss). In der Variante Zuschuss liegt die Zuwendung bei maximal 10.000 Euro.
Bayern
- Was wird gefördert? Den Digitalbonus des Landes Bayern gibt es in den Varianten "Standard" und "Plus". Förderfähig über die Variante "Standard" sind die Entwicklung, Einführung oder Verbesserung von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen, zum Beispiel durch IKT-Hardware, oder die Einführung oder Verbesserung der IT-Sicherheit. In der Variante "Plus" ist eine detaillierte Beschreibung des besonderen Innovationsgehalts und des Neuheitsgrads des Vorhabens notwendig.
- Wer ist berechtigt? Unternehmen mit Sitz in Bayern und weniger als 50 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz oder eine Jahresbilanzsumme von höchstens zehn Millionen Euro
- Wie hoch ist die Förderung? Bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Beim "Digitalbonus Standard" gibt es einen Zuschuss von bis zu maximal 10.000 Euro, beim "Digitalbonus Plus" einen Zuschuss von bis zu 50.000 Euro.
Berlin
- Was wird gefördert? Die Förderung richtet sich vor allem an stark von der Corona-Pandemie betroffene Branchen, die während dieser Zeit ihre Zukunftsinvestitionen zurückstellen mussten.
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Berlin (maximal 249 Beschäftigte), Soloselbstständige, Freiberufler
- Wie hoch ist die Förderung? Bis zu 35 Prozent Zuschuss, maximal 200.000 Euro
- Was wird gefördert? Gefördert werden Berliner KMU in den Bereichen digitale Arbeits-, Produktions- und Managementprozesse, Einführung oder Verbesserung der IT-Sicherheit und digitale Beratung und Qualifizierung.
- Wer ist förderfähig? KMU mit Sitz in Berlin (maximal 249 Beschäftigte), Soloselbstständige, Freiberufler
- Wie hoch ist die Förderung? Bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten, maximal 17.000 Euro
Brandenburg
Brandenburgischer Innovationsgutschein
- Was wird gefördert? Digitalisierungs- und Innovationsmaßnahmen im eigenen Unternehmen (über Förderlinie BIG-Digital)
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Brandenburg (maximal 249 Beschäftigte)
- Wie hoch ist die Förderung? Bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten, maximal 550.000 Euro
Bremen
Beratungsförderung Digitalisierung
- Was wird gefördert? Gefördert werden Beratungsleistungen für Unternehmen zur Digitalisierung. Das umfasst zum Beispiel Fragestellungen zu Themen wie Big-Data, die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle oder Cloud-Services.
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Bremen
- Wie hoch ist die Förderung? Zuschuss von bis zu 50 Prozent, maximal 5.000 Euro pro Projekt
Hamburg
- Was wird gefördert? Gefördert werden Beratungsleistungen zur Digitalisierung sowie die Umsetzung der entwickelten Digitalisierungsvorhaben in KMU.
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Hamburg (Grenze von 250 Mitarbeitern)
- Wie hoch ist die Förderung? Der Zuschuss für Beratungsleistungen liegt bei 50 Prozent, bis maximal 5.000 Euro, Ausgaben für das Investitionsvorhaben liegen bei 30 Prozent, bis maximal 17.000 Euro
Hessen
- Was wird gefördert? Digitalisierungsberatung zu den Themen digitale Geschäftsmodelle, Digitalisierung der Prozesslandschaft und des Marketings und Gewährleistung der IT-Sicherheit.
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Hessen, Selbstständige, Freiberufler
- Wie hoch ist die Förderung? Zuschuss von bis zu 50 Prozent, maximal 6.500 Euro
- Was wird gefördert? Im Rahmen der Förderlinien 2A und 2C des Förderprogramms "Distr@l" werden digitale Produkt- und Prozessinnovationen gefördert.
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Hessen
- Wie hoch ist die Förderung? Digitale Produktinnovationen zwischen 50 Prozent und 90 Prozent Zuschuss, maximal 500.000 Euro, digitale Prozessinnovationen zwischen 50 Prozent und 100 Prozent Zuschuss, maximal 500.000 Euro.
Mecklenburg-Vorpommern
- Was wird gefördert? Innovative Ideen für neue, digitale Geschäftsmodelle und Lösungen für die Umstellung von analogen auf digitale Prozesse
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Mecklenburg-Vorpommern und weniger als 250 Beschäftigten
- Wie hoch ist die Förderung? Für Kleine und Kleinstunternehmen gibt es eine Zuwendung von bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, für mittlere Unternehmen von bis zu 35 Prozent
Niedersachsen
- Was wird gefördert? Investitionen in Hard- und Software der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und die IT-Sicherheit
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Niedersachsen
- Wie hoch ist die Förderung? Bei kleinen Unternehmen Zuschuss von bis zu 40 Prozent, bei mittleren bis zu 20 Prozent, maximal 10.000 Euro
Nordrhein-Westfalen
Gutschein "MID-Digitalisierung"
- Was wird gefördert? Mithilfe eines Gutscheins können KMU ein konkretes Digitalisierungsprojekt umsetzen und sich bei der Entwicklung dieses beratend begleiten lassen.
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in NRW und weniger als 250 Beschäftigten
- Wie hoch ist die Förderung? Kleinstunternehmen oder kleine Unternehmen erhalten eine Erstattung von bis zu 80 Prozent, mittlere Unternehmen von bis zu 60 Prozent, maximal 15.000 Euro
Kredit NRW.BANK.Digitalisierung und Innovation
- Was wird gefördert? Digitale Produktionen und Verfahren, digitale Produkte, digitale Strategien und Organisationen
- Wer ist berechtigt? Gründer, KMU, große Unternehmen, Angehörige der freien Berufe; der Investitionsort muss in NRW liegen
- Wie hoch ist die Förderung? Förderung bis zu 100 Prozent, bei Überschreitung von zehn Millionen Euro ist die besondere Förderwürdigkeit darzulegen
Sachsen-Anhalt
- Was wird gefördert? Förderfähig sind Digitalisierungsmaßnahmen bzw. dafür anfallende Ausgaben: Von materiellen und immateriellen Wirtschaftsgütern bis hin zu Personal- und Projektausgaben.
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Sachsen-Anhalt, Einzelunternehmen
- Wie hoch ist die Förderung? Darlehen bis zur vollen Höhe des Finanzierungsbedarf (maximal 1,5 Millionen Euro), zwei Jahre tilgungsfrei, fester Zinssatz von 0,95 Prozent
Rheinland-Pfalz
Implementierung betrieblicher Innovationen (IBI)
- Was wird gefördert? Gefördert wird die Einführung betrieblicher Innovationen. Im Rahmen des Antragsverfahrens muss ein geeigneter externer Sachverständigen beurteilen, inwieweit diese für die Förderung geeignet ist.
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Rheinland-Pfalz
- Wie hoch ist die Förderung? Investitionszuschuss in Höhe von bis zu 20 Prozent bei kleinen Unternehmen, bis zu zehn Prozent bei mittleren Unternehmen
Thüringen
- Was wird gefördert? Mit dem Digitalbonus werden KMU bei der Digitalisierung von Betriebsprozessen, Produkten und Dienstleistungen sowie bei der Einführung oder Verbesserung von Informations- und Datensicherheitslösungen unterstützt.
- Wer ist berechtigt? KMU mit Sitz in Thüringen
- Wie hoch ist die Förderung? Bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, maximal 15.000 Euro.
Weitere Bundesländer
- Saarland: Das Digitalisierungs-Förderprogramm "DigitalStarter Saarland" läuft zum 1. Januar 2023 aus.
- Sachsen: Keine Förderprogramme des Landes im Bereich Digitalisierung.
- Schleswig-Holstein: Für den "DigiBonus II" ist keine Antragsstellung mehr möglich.
Weitere Informationen
Sie brauchen Unterstützung beim Thema Digitalisierung? Eine Anlaufstelle für Handwerksbetriebe ist das "Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk", das vom das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird. Projektpartner ist auch der ZDH. Das Zentrum besteht aus Kammern, Bildungseinrichtungen und Forschungsinstituten des Handwerks und unterstützt Handwerksbetriebe mit kostenlosen Angeboten, Beratungen durch Expertinnen und Experten sowie Schulungen rund um die Digitalisierung dabei, die Chancen der Digitalisierung zu erkennen und im eigenen Betrieb zu nutzen. Weitere Informationen:
>>> Zur Website vom "Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk
Sie wollen ihre Energiekosten senken oder ihren Betrieb umweltfreundlicher aufstellen, zum Beispiel durch eine Heizungsanlage oder energieeffiziente Maschinen? Eine Übersicht von Förderprogrammen, die beim Energie sparen helfen, gibt es hier:
>>> Lesetipp: Energie sparen: Förderprogramme für Handwerksbetriebe
Förderdatenbank: >>> Eine Übersicht aktueller Förderprogramme des Bundes, der Länder und der EU – auch zu anderen Bereichen – bietet die Förderdatenbank des Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.
Welches Digitalisierungsprojekt setze ich um?
Digitalisierung ist ein weiter Begriff. Entsprechend sind die Potenziale in diesem Bereich groß, die Menge an möglichen Vorhaben schier unendlich. Sie wollen ein Digitalisierungsvorhaben in Ihrem Betrieb umsetzen, Ihnen fehlt aber die Inspiration? In unserem Archiv finden Sie eine Menge Beispiele von Handwerksbetrieben, die Prozesse in ihrem Unternehmen auf verschiedene Art und Weise digitalisiert haben. Von einer schnellen Terminvergabe bis hin zu virtuellen Showrooms für Kunden:
>>> Lesetipps:
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