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Herausforderungen der Branche Bäckerhandwerk: Ausbildungszahlen halbiert

Die Nachwuchssorgen im Bäckerhandwerk reißen nicht ab. Das könnte sich auf den Umsatz auswirken. Auch deshalb will die Branche nun noch stärker um Jugendliche werben.

Das Bäckerhandwerk hat ein Problem: Während die Betriebe beim Umsatz kontinuierlich zulegen, fehlt ihnen der Nachwuchs. "Wir müssen da ran, sonst wird der Fachkräftemangel zur echten Wachstumsbremse", sagte Michael Wippler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks auf der Jahrespressekonferenz.

Noch habe der Umsatz 2016  – nicht zuletzt wegen der Marktführerschaft im so genannten Außer-Haus-Markt – kontinuierlich auf 14,29 (Vorjahr: 13,99) Milliarden Euro zugelegt, doch die Nachwuchsprobleme seien gravierend. "Wir haben unsere Ausbildungszahlen halbiert", sagte Wippler mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre. Während 2006 noch rund 36.200 junge Leute einen Ausbildungsvertrag im Bäckerhandwerk abgeschlossen hatten, sind es 2016 nur 17.874 gewesen.

Bäcker: Mehr Geld für Lehrlinge

Wie andere Gewerke leidet auch das Bäckerhandwerk unter der demografischen Entwicklung und dem Trend zum Studium . "Wir müssen uns aber auch an die eigene Nase fassen", fügte Wippler hinzu. Der Verband kämpfe deshalb an allen Fronten, um die Attraktivität und die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Dazu gehöre auch die Lehrlingsvergütung . "Sie ist zwar nicht das A und O", sagte Hauptgeschäftsführer Daniel Schneider. Sie spiele aber dennoch eine wichtige Rolle und werde zum 1. September 2017 noch einmal steigen, nachdem sie schon 2016 erhöht wurde.

Nachwuchskampagne neu aufgestellt

Außerdem ist die Nachwuchskampagne "Back Dir Deine Zukunft" neu aufgestellt worden. In deutscher und englischer Sprache wendet sie sich ausdrücklich an Jugendliche in Deutschland und aus der EU sowie Flüchtlinge und Quereinsteiger.

Damit nicht nur mehr Jugendliche eine Lehre im Bäckerhandwerk beginnen, sondern auch fortführen, sollen die Betriebe nach den Worten Schneiders bei der Ausbildung stärker unterstützt werden.

Darüber hinaus sei die Aufstiegsfortbildung "Geprüfte/r Verkaufsleiter/in im Lebensmittelhandwerk" erarbeitet und Kraft gesetzt worden. Nicht zuletzt soll so die Zahl der offenen Ausbildungsplätze verringert werden. Noch ist Wippler skeptisch, ob es dem Bäckerhandwerk schon dieses Jahr gelingen wird, mehr Ausbildungsplätze zu besetzen.

Konzentrationsprozess nimmt weiter zu

Insgesamt ist das Bäckerhandwerk nach wie vor von kleineren Strukturen geprägt. Allerdings nimmt der Konzentrationsprozess nach den Worten Wipplers weiter zu. 66,2 Prozent des Umsatzes würden mittlerweile von 4,6 Prozent der Betriebe erwirtschaftet. Erfreulich sei, dass die Zahl der Insolvenzen insgesamt zurückgegangen und die Ertragslage unter dem Strich stabil sei.

Als Problem sieht der Präsident des Bäckerhandwerks die steigende EEG-Umlage. "Die Schmerzgrenze ist erreicht", sagte er mit Blick auf die Strompreise. Dies gelte umso mehr, da gerade kleine Betriebe die volle EEG-Umlage zu tragen hätten, während die ganz großen von Entlastungen profitierten.

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