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Wirtschaftslage und Finanzierung Umfrage im Handwerk: Trotz Umsatzrückgang wenig Hilfen beantragt

Am schwersten getroffen von den aktuellen Beschränkungen durch die Corona-Krise sind aktuell das Kfz-Gewerbe und das Nahrungsmittelhandwerk. Staatliche Überbrückungshilfen wurden trotzdem wenig beantragt. Diese zeigt die aktuelle Umfrage von Creditreform. Einige Aspekte stimmen aber auch positiv.

Das Handwerk leidet unter der Corona-Krise und den Eindämmungsmaßnahmen – wenn auch unterschiedlich stark. Während die Geschäfte im Bauhauptgewerbe und im Ausbaugewerbe oftmals noch gut laufen, leiden Kfz-Gewerbe und Nahrungsmittelhandwerk deutlich unter den Folgen. Das ergab die Frühjahrs-Umfrage der Creditreform Wirtschaftsforschung, an der gut 1.100 Handwerksbetriebe teilnahmen.

Bauhandwerk stützt die Konjunktur

Insgesamt beurteilte das Handwerk die Geschäftslage merklich schlechter als im Vorjahr. Nur noch rund 63 Prozent der Befragten meldeten in diesem Zusammenhang ein "gut" oder "sehr gut". Im Vorjahr waren das noch 76 Prozent. Aufgrund der Dominanz des Bauhandwerks sind die Einbrüche bei der Geschäftslage insgesamt aber moderat.

Umsatzrückgänge im Lockdown

Erstmals seit der Finanzkrise 2009/2010 gibt es wieder ein Übergewicht negativer Umsatzmeldungen. Nach Angaben von Creditreform verzeichneten drei von zehn Betrieben in den letzten sechs Monaten einen Umsatzrückgang. Nur gut 20 Prozent der Befragten berichteten von einem Umsatzplus (Vorjahr: 38 Prozent).

Dramatisch verschlechtert hat sich die Umsatzsituation insbesondere im Kfz-Gewerbe und im Nahrungsmittelhandwerk, wo jeweils jeder zweite Betrieb ein Umsatzminus verzeichnete. Auch im Baugewerbe blieben die Umsätze vielfach hinter den Vorjahreswerten zurück.  

Investitionen zurückgestellt

Entscheidend für die Betriebe ist der Faktor Sicherheit. Verzögerungen bei der Umsetzung der Impfkampagne und fehlenden konkreten Öffnungsperspektiven und damit die Chance auf eine konjunkturelle Normalisierung gehen zulasten der Investitionstätigkeit im Handwerk. Rund ein Viertel der Befragten sind dennoch optimistisch und rechnen für dieses Jahr mit steigenden Umsätzen. Das sind gut zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig gaben rund 23 Prozent der Handwerksbetriebe eine pessimistische Umsatzprognose ab – sie erwarten Einbußen (13 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr).

Schlechter als derzeit waren die Umsatzerwartungen im Handwerk laut Creditreform zuletzt 2010. Vor allem das Kfz-Gewerbe zeigt sich pessimistisch. Fast jeder Zweite rechnet hier mit rückläufigen Umsätzen. Auch im Bauhandwerk sind die Umsatzerwartungen spürbar verhaltener ausgefallen.

Die zurückhaltenden Umsatzerwartungen spiegeln sich auch im Investitionsverhalten der Betriebe wider. Etwas weniger die Hälfte der befragten Betriebe will in der nächsten Zeit investieren. Das ist der niedrigste Wert seit 2013. Zuletzt lag der Anteil der investitionswilligen Betriebe deutlich über der 50-Prozent-Marke. Das Hauptaugenmerk liegt im Handwerk derzeit auf Ersatzinvestitionen.

Hoffnung bei Personalplanungen und Zahlungsmoral

In den Personalplanungen der Betriebe zeichnet sich das Wiederhochfahren der Wirtschaft nach der Pandemie zumindest teilweise schon ab. Gut ein Fünftel der Befragten will die Zahl der Mitarbeiter in den kommenden Monaten aufstocken. Dieser Wert liegt nur leicht unter dem Vorjahresstand. Weiterhin will nur eine Minderheit von etwa neun Prozent der Betriebe den Personalbestand reduzieren (Vorjahr: fünf Prozent).

Die Zahlungsmoral in Deutschland scheint im Handwerk nach Angabe der Studie noch intakt. Den Antworten der Betriebe zufolge erhalten Unternehmen in der Regel innerhalb von 30 Tagen das Geld für die erbrachte Leistung. Hohe Forderungsverluste blieben selten. Zuletzt war jeder zehnte Betrieb von Zahlungsausfällen betroffen – vor einem Jahr war es jeder achte. Die Zahl der Insolvenzen im Handwerk verringerte sich um 17 Prozent, da die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt war.

Mehrheit verzichtet auf Staatshilfen

Für das Handwerk bildeten die sogenannte Soforthilfe sowie das Kurzarbeitergeld die wichtigsten Unterstützungsleistungen im Zuge der Corona-Krise. 25 beziehungsweise 23 Prozent der Befragten haben diese Hilfen in Anspruch genommen. Die Überbrückungshilfe des Bundes wurde dagegen kaum beantragt. Gut die Hälfte der Befragten hat gar keine Corona-Hilfen in Anspruch genommen. Am höchsten war dieser Anteil im Bauhauptgewerbe. Nahrungsmittelhandwerk und Kfz-Gewerbe waren dagegen häufig auf staatliche Hilfen angewiesen. Die Frage, warum allerdings so wenig Hilfen in Anspruch genommen wurden, blieb leider offen. jes

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