Studie Geschäft von Autowerkstätten wächst kaum noch

Elektroautos und Digitalisierung bremsen nach einer Studie das Geschäft der Autowerkstätten. Was dahinter steckt und wie das Jahr 2020 für die Autohäuser und -werkstätten gelaufen ist.

Das Geschäft von Autowerkstätten wird laut einer Studie nicht mehr so schnell wachsen. Unter anderem durch den Einsatz von elektronischen Komponenten, müssen Autos nicht mehr so häufig gewartet werden. - © Gorodenkoff - stock.adobe.com

Das Servicegeschäft in Westeuropa wird in den nächsten zehn Jahren um nur ein bis zwei Prozent jährlich zulegen. Zum einen seien die Wartungskosten von Batterieautos nur halb so hoch wie die von Benzin- und Dieselautos. Zum anderen senke die wachsende Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen die Unfallquote bis 2030 um 10 bis 20 Prozent. Dies geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor.

Für freie Werkstätten werde der Wettbewerb härter. Die Autohersteller und ihre Markenwerkstätten profitierten von der zunehmenden Vernetzung der Autos, denn die Daten ermöglichten ihnen eine frühzeitige Ferndiagnose und Wartung. Das steigere Kundenzufriedenheit und Kundenbindung. In zehn Jahren dürfte die Hälfte der Autos vernetzt sein, und die Markenwerkstätten dürften ihren Marktanteil in Europa auf 40 Prozent gesteigert haben.

Online-Vermittlungsplattformen als Konkurrenz

Vergleichs- und Vermittlungsplattformen für Kfz-Teile und für Werkstätten werden sich nach Einschätzung von BCG einen wachsenden Teil des Kuchens sichern und schon 2025 über 15 bis 20 Prozent an den vermittelten Leistungen verfügen. Technischer Wandel, neue digitale Player und eine zunehmende Marktkonsolidierung setzten Ersatzteil-Großhändler und Werkstätten unter Druck.

Insgesamt dürfte der europäische Markt von 225 Milliarden Euro in diesem Jahr auf 282 Milliarden Euro im Jahr 2030 wachsen. Für die Studie hatte BCG zusammen mit der European Association of Automotive Suppliers (CLEPA) und der Unternehmensberatung Wolk After Sales Experts in Bergisch Gladbach über 600 Betreiber von Werkstätten und Servicezentren befragt.

In Deutschland gibt es dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) zufolge 36.600 Autohäuser und Kfz-Werkstätten mit 436.000 Beschäftigten. Ihr Umsatz mit Wartung und Reparaturen fiel im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 27,5 Milliarden Euro, weil viel weniger gefahren wurde. dpa

So war das Geschäftsjahr 2020 für das KFZ-Gewerbe

Die Corona-Pandemie hat auch die Autohändler getroffen. Aufgrund geschlossener Autohäuser wurden 2020 weniger Autos verkauft. Der Umsatz mit fabrikneuen Pkw im Markenhandel sowie neuen Lkw ist 2020 um gut 14 Prozent gesunken. Das Kfz-Gewerbe setzte rund 63 Milliarden Euro mit neuen Pkw um. Bei den Lkw waren es knapp sieben Milliarden Euro.

Auch beim Gebrauchtwagenkauf waren die Kunden zurückhaltender. Die Zahl der Pkw-Besitzumschreibungen lag laut ZDK 2020 insgesamt bei sieben Millionen Einheiten und damit rund zwei Prozent unter dem Wert von 2019. Der Markenhandel konnte seinen Anteil daran um zwei Prozentpunkte auf 48 Prozent steigern und 3,37 Millionen Pkw verkaufen. Der Umsatz in diesem Geschäftsfeld stieg um fast 15 Prozent auf rund 63 Milliarden Euro.

Neben dem Mengenzuwachs lagen die Gründe dafür laut Verband vor allem am deutlich höheren Durchschnittspreis für Gebrauchtwagen im Markenhandel. 2019 kostete ein Gebrauchtwagen im Schnitt 16.470 Euro, 2020 lag der Durchschnittspreis bei 18.570 Euro. Außerdem entschieden sich viele Kunden für jüngere Gebrauchtwagen, da Neufahrzeuge in der ersten Jahreshälfte teilweise nicht verfügbar waren.

Der Handel mit gebrauchten Lkw verzeichnete ein leichtes Plus. Der Umsatz stieg um etwa zwei Prozent auf rund 4,5 Milliarden Euro.  jes