So lange dauert es bis zum Steuerbescheid Tempocheck 2017: Das sind die schnellsten Finanzämter

Einen Monat oder doch dreimal so lang: Die Bearbeitungszeiten in den Finanzverwaltungen sind in jedem Bundesland anders. Wo es am längsten dauert, bis man seinen Steuerbescheid erhält und welches Finanzamt besonders schnell arbeitet.

Wie schnell Arbeitnehmer ihren Steuerbescheid erhalten, hängt auch von ihrem Wohnort ab. - © Fabio Balbi/Fotolia.com

Wer ist Top, wer ist Flop bei der Bearbeitungszeit von Einkommensteuererklärungen? Lohnsteuer-kompakt.de hat anonym rund 200.000 Einkommensteuererklärungen ausgewertet und eine Liste mit den schnellsten und langsamsten Finanzämtern erstellt. Gerechnet wurde die Zeit zwischen Abgabe und Eingang des Steuerbescheids .

Wie lange Steuerzahler auf ihren Steuerbescheid warten müssen, hängt vom Wohnort ab. Den ersten Platz im Bundesland-Ranking belegt Berlin. Hier werden die Steuerbescheide am schnellsten erstellt. In Bremen und Hessen dauert es rein statistisch am längsten. „Die regionalen Unterschiede sind erstaunlich groß,“ sagt Felix Bodeewes, Geschäftsführer von Lohnsteuer kompakt. "Deshalb müssen einige Arbeitnehmer bis zu dreimal so lange auf ihren Steuerbescheid warten."

>> Das hier sind die schnellsten und langsamsten Finanzämter 2018 <<

Durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt zwischen vier Wochen und drei Monaten

Lohnsteuer-kompakt.de kam zu dem Ergebnis: Je nach Finanzamt schwanken die durchschnittlichen Bearbeitungszeiten für Einkommensteuererklärungen zwischen vier Wochen und drei Monaten. Zu lange, wie der Bund deutscher Steuerzahler (BdSt) findet: "Es ist nicht akzeptabel, wenn Bürger unnötig lange auf ihre Steuerbescheide warten müssen. Denn viele erwarten eine Steuererstattung für die von ihnen bezahlten Steuern“, betont BdSt-Präsident Reiner Holznagel.

Als positives Beispiel geht das hessische Finanzamt Bensheim Außenstelle Fürth voran. Hier erhielten Arbeitnehmer ihren Steuerbescheid durchschnittlich nach 27 Tagen und damit am schnellsten. Bürger, deren Einkommensteuererklärung vom Finanzamt Bremerhaven Arbeitnehmerbereich bearbeitet wurde, warteten durchschnittlich drei Monate auf ihren Steuerbescheid. Das nordische Finanzamt war somit das langsamste unter den 506 erfassten Ämtern. Die Statistik zeigt: Trotz gleicher Computerprogramme benötigen die Finanzämter für die Bearbeitung der Steuererklärungen unterschiedlich lange.

  • Bild 1 von 16
    © Franz/Fotolia.com
    4. Platz: Hamburg - Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt bei 46,7 Tagen.
  • Bild 2 von 16
    © schepers_photography - Fotolia.com
    2. Platz: Rheinland-Pfalz - Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt bei 46,4 Tagen.
  • Bild 3 von 16
    © Fotolia/pure-life-pictures
    5. Platz: Brandenburg - Hier dauert es durchschnittlich 50,1 Tage, bis ein Arbeitnehmer seinen Steuerbescheid erhält.
  • Bild 4 von 16
    © Foto: neurobite/fotolia
    3. Platz: Sachsen-Anhalt - Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt bei 46,6 Tagen.
  • Bild 5 von 16
    © Marco2811/fotolia
    1. Platz: Berlin - 45,2 Tage müssen Arbeitnehmer hier im Schnitt auf ihren Steuerbescheid warten.
  • Bild 6 von 16
    © Jürgen Fälchle / Fotolia.com
    9. Platz: Baden-Württemberg - Hier dauert es durchschnittliche 54,1 Tage, bis Arbeitnehmer ihren Steuerbescheid erhalten.
  • Bild 7 von 16
    © Alexander Erdbeer/Fotolia
    11. Platz: Sachsen - Die Bearbeitungszeit liegt bei durchschnittlich 54,7 Tagen.
  • Bild 8 von 16
    © ArTo / Fotolia.com
    10. Platz: Schleswig-Holstein - Die Bearbeitungszeit liegt bei durchschnittlich 54,6 Tagen.
  • Bild 9 von 16
    © colourbox.de
    6. Platz: Nordrhein-Westfalen - Die Bearbeitungszeit liegt hier bei durchschnittlich 50,7 Tagen.
  • Bild 10 von 16
    © colourbox.de
    7. Platz: Bayern - Durchschnittlich 53,1 Tage warten Arbeitnehmer hier auf ihren Steuerbescheid.
  • Bild 11 von 16
    © Henry Czauderna/Fotolia
    8. Platz: Thüringen - Die Bearbeitungszeit liegt bei durchschnittlich 53,3 Tagen.
  • Bild 12 von 16
    © fotolia/Steffen Eichner
    12. Platz: Mecklenburg-Vorpommern - Die Arbeitnehmer warten durchschnittlich 56,1 Tage auf ihren Steuerbescheid.
  • Bild 13 von 16
    © Rico K./Fotolia
    13. Platz: Saarland - Die Arbeitnehmer warten durchschnittlich 58,3 Tage auf ihren Steuerbescheid.
  • Bild 14 von 16
    © Mapics/Fotolia.com
    14. Platz: Niedersachsen - Mit einer durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von 59,6 Tagen landen die Finanzämter in Niedersachsen weit hinten im Bundesland-Ranking.
  • Bild 15 von 16
    © Sergii Figurnyi / Fotolia.com
    15. Platz: Hessen - Auch hier müssen Bürger lange auf ihren Steuerbescheid warten. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt bei 59,8 Tagen. Paradox: Im Ranking der schnellsten Finanzämter hat ein hessisches die Nase vorn. Das Finanzamt Bensheim Außenstelle Fürth bearbeitet Einkommensteuererklärungen bundesweit am schnellsten (27,3 Tage).
  • Bild 16 von 16
    © Foto: jokapix/Fotolia
    16. Platz: Bremen - Der Stadtstaat belegt abgeschieden den letzten Platz. 71,8 Tage dauert es, bis ein Steuerbescheid bearbeitet ist.

Laut BdSt sollen künftig Steuererklärungen häufiger automatisch bearbeitet werden – dadurch könnten die Durchlaufzeiten deutlich sinken. "Wenn innerhalb von zehn Tagen eine Steuererklärung korrekt bearbeitet werden kann, wäre dies ein tolles Ergebnis“, sagt der BdSt.

Die 20 schnellsten Finanzämter in der Übersicht

Platz Finanzamt Bundesland Mittelwert Bearbeitungsdauer
2017 (Tage)
Platz 1Bensheim Außenstelle FürthHessen27,3
Platz 2Bielefeld-AußenstadtNordrhein-Westfalen29,3
Platz 3IbbenbürenNordrhein-Westfalen31,4
Platz 4SchwelmNordrhein-Westfalen32,1
Platz 5Bielefeld-InnenstadtNordrhein-Westfalen32,6
Platz 6Offenburg Außenstelle WolfachBaden-Württemberg32,8
Platz 7Zeil am Main mit Außenstelle EbernBayern33,7
Platz 8LichtenfelsBayern33,7
Platz 9Garmisch-PartenkirchenBayern35,2
Platz 10WarendorfNordrhein-Westfalen35,3
Platz 11AmbergBayern35,5
Platz 12Montabaur-DiezRheinland-Pfalz35,5
Platz 13Dortmund-UnnaNordrhein-Westfalen35,6
Platz 14Nördlingen mit ASt DonauwörthBayern36,2
Platz 15Wuppertal-BarmenNordrhein-Westfalen36,5
Platz 16PlauenSachsen36,8
Platz 17Mainz-SüdRheinland-Pfalz37,1
Platz 18MerseburgSachsen-Anhalt37,2
Platz 19ErkelenzNordrhein-Westfalen37,2
Platz 20EhingenBaden-Württemberg37,7

Die 20 langsamsten Finanzämter in der Übersicht

Platz Finanzamt Bundesland Mittelwert Bearbeitungsdauer
2017 (Tage)
Platz 487GörlitzSachsen71,5
Platz 488Köln-NordNordrhein-Westfalen72,2
Platz 489ReutlingenBaden-Württemberg72,6
Platz 490BremenBremen72,9
Platz 491PirnaSachsen73,5
Platz 492VechtaNiedersachsen73,6
Platz 493GifhornNiedersachsen74,0
Platz 494Bad Neustadt a.d.S.Bayern74,2
Platz 495MühlackerBaden-Württemberg75,1
Platz 496WesterstedeNiedersachsen75,5
Platz 497NiddaHessen75,7
Platz 498Eckernförde-SchleswigSchleswig-Holstein75,9
Platz 499OstholsteinSchleswig-Holstein76,1
Platz 500Essen-SüdNordrhein-Westfalen76,2
Platz 501DeggendorfBayern76,5
Platz 502Lingen (Ems)Niedersachsen76,9
Platz 503Frankfurt am Main IVHessen77,0
Platz 504LandsbergBayern80,3
Platz 505Frankfurt am Main IHessen83,5
Platz 506Bremerhaven ArbeitnehmerbereichBremen86,0

Fakten zur Steuererklärung – was stimmt, was stimmt nicht?

Der BdSt hat außerdem noch einige Fakten zur Steuererklärung zusammengetragen.

1. Wer früher abgibt, bekommt seinen Bescheid früher

Die Einkommensteuererklärungen werden grundsätzlich in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet. Wer früher abgibt, bekommt im Regelfall auch früher seinen Steuerbescheid. Schneller geht es oft, wenn die Erklärungen im Frühjahr des Jahres abgegeben werden. Wer seine Einkommensteuererklärung erst im Mai oder später abgibt muss ggf. länger warten, weil in den Ämtern mehr Erklärungen eingehen.

2. Elektronisch übermittelte Steuererklärungen werden nicht bevorzugt behandelt

Elektronisch abgegebene Steuererklärungen werden gegenüber den in Papierform eingereichten Erklärungen nicht bevorzugt. In einigen Bundesländern verkürzt sich die Bearbeitungszeit bei elektronischen Erklärungen allerdings um wenige Tage, da die Daten bereits in elektronischer Form vorliegen und nicht erst im Finanzamt erfasst werden müssen.

3. Die Bearbeitung von Erstattungsfällen dauert nicht länger

Die Behauptung, die Bearbeitung von Erstattungsfällen wird verzögert, lässt sich nicht halten. Auch hier gilt grundsätzlich: Die Erklärungen werden in der Reihenfolge des Eingangs abgearbeitet. In einigen Bundesländern gilt sogar die Devise, dass Steuererklärungen, die erkennbar zu hohen Erstattungen führen, vorrangig bearbeitet werden sollen.

4. Es gibt mehrere Ursachen, wenn die Bearbeitungsdauer deutlich von den Durchschnittszahlen abweicht

Alle Finanzämter arbeiten grundsätzlich mit der gleichen Software, dennoch können die Bearbeitungszeiten zwischen den einzelnen Finanzämtern innerhalb eines Bundeslandes erheblich abweichen. Ursachen sind zum Beispiel die unterschiedlich starke Besetzung in den Finanzämtern wegen Krankheit, Urlaub, Elternzeit etc. oder das unterschiedliche Abgabeverhalten der Bürger.

Steuertipps finden Sie im DHZ-Steuerarchiv. jb/fre