Arbeitsrecht Sonderurlaub bei Hochzeit: Was arbeitsrechtlich gilt

Eine Hochzeit ist häufig ein Anlass, um sich von der Arbeit frei zu nehmen. Aber hat nur das Brautpaar ein Anrecht auf Sonderurlaub? Und wie viele Tage stehen einem Arbeitnehmer zu? Diese und weitere Fragen zum Thema Hochzeit und Sonderurlaub hier im Überblick.

Die eigene Hochzeit oder die Trauung von Familienangehörigen kann ein Grund für einen Sonderurlaub nach §616 BGB sein. - © Kris Tan - stock.adobe.com

Welches Gesetz regelt das Thema Sonderurlaub bei eigener Hochzeit?

Es gibt keine explizite gesetzliche Vorschrift, dass die eigene Hochzeit ein Grund für Sonderurlaub ist. Jedoch können sich Arbeitnehmer auf § 616 BGB beziehen, wenn sie für ihre Hochzeit eine bezahlte Freistellung von der Arbeit haben möchten – was im Allgemeinen auch als Sonderurlaub verstanden wird.

Bei § 616 BGB geht es um die "vorübergehende Verhinderung" von Arbeitnehmern. Konkret heißt es: Wenn ein Arbeitnehmer "für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert wird", muss ihm der Arbeitgeber bezahlten Sonderurlaub gewähren.

Nach der allgemeinen Rechtsauffassung ergibt sich aus § 616 BGB, dass ein Arbeitnehmer einen rechtlichen Anspruch auf bezahlten Sonderurlaub bei außergewöhnlichen familiären Ereignissen hat.

Besteht nach § 616 BGB ein Anspruch auf bezahlte Freistellung bei der eigenen Hochzeit? 

Aus § 616 BGB geht nicht konkret hervor, in welchen Fällen im Einzelnen ein Anspruch auf bezahlte Freistellung besteht. Ob es also für die eigene Hochzeit einen Anspruch auf bezahlte Freistellung gibt, ist gesetzlich nicht konkret geregelt. Sollte das Thema Sonderurlaub im Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung konkret geregelt sein, sind diese Regelungen maßgeblich. Wenn es dort dazu nichts gibt, gilt nach ständiger Rechtsprechung der Arbeitsgerichte, dass die eigene Hochzeit des Arbeitnehmers zu den Gründen gehört, die eine "vorübergehende Verhinderung" im Sinne des § 616 BGB entschuldigen.

Wie viele Tage Sonderurlaub für die Hochzeit sind möglich?

Es gibt keine gesetzliche Regelung zur Länge des Sonderurlaubs bei einer Hochzeit. Auch § 616 BGB regelt nicht, wie viele Arbeitstage als Sonderurlaub gewährt werden müssen. Grundsätzlich gilt für alle Fragen hinsichtlich Sonderurlaub beziehungsweise Freistellung: Sind diese im Arbeitsvertrag, in Betriebsvereinbarungen oder im betreffenden Tarifvertrag speziell aufgeführt, sind diese Regelungen ausschlaggebend.

Steht dazu nichts im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag, kann der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) Anhaltspunkte geben. Dieser führt nicht nur bestimmte Anlässe auf, bei denen Sonderurlaub zu gewähren ist, sondern auch, wie lange der Arbeitnehmer jeweils freizustellen ist. Das Bundesarbeitsgericht geht davon aus, dass maximal nur wenige Arbeitstage als Sonderurlaub zugestanden werden müssen. Bei den IG-Metall-Tarifverträgen wird in der Regel ein Tag für die eigene Hochzeit oder der eigenen Kinder, Geschwister, Eltern oder eines Elternteils gewährt.

Wie sollten Arbeitnehmer einen Sonderurlaub für eine Hochzeit beantragen?

Bestenfalls spricht man möglichst frühzeitig mit seinen zuständigen Vorgesetzten, wenn man das Datum für die Hochzeit weiß und für diesen Tag Sonderurlaub haben möchte. In vielen Unternehmen ist zudem ein schriftlich einzureichender Antrag üblich. Auf Verlangen des Arbeitgebers muss der Arbeitnehmer einen Nachweis für den Sonderurlaub erbringen. Zumeist läuft es bei einer Hochzeit auf ein Schreiben vom entsprechenden Standesamt hinaus, aus dem der Tag der Trauung sowie die Personalien des Brautpaars hervorgeht.

Sonderurlaub nur für Hochzeit oder auch für Flitterwochen?

Theoretisch ist es durchaus möglich, dass es Arbeitgeber gibt, die ihren Mitarbeitern für die Flitterwochen Sonderurlaub oder eine unbezahlte Freistellung gewähren. Insbesondere da vielerorts Fachkräfte fehlen und Betriebe kreativ sein müssen, um neue Mitarbeiter zu gewinnen oder alte zu behalten, sind derlei Benefits zumindest denkbar. Einen rechtlichen Anspruch gibt es allerdings nicht. Somit bleibt nur, für die Flitterwochen einen Antrag auf Urlaub einzureichen.

Sonderurlaub auch bei Hochzeit am Wochenende oder an einem Feiertag?

Falls der Arbeitnehmer normalerweise auch samstags arbeitet und die Trauung auf diesen Tag fällt, besteht ein Anspruch auf Sonderurlaub. Für einen Feiertag wird man in der Mehrzahl der Fälle keinen Antrag auf Sonderurlaub stellen – ganz einfach, weil Standesämter und zumeist auch Kirchen an diesen Tagen keine Trauungen vornehmen.

Allerdings soll es Ausnahmen geben: Im Internet finden sich mehrere Hinweise, dass vereinzelt Standesämter gegen die Zahlung von Aufschlägen auch Trauungen an Sonn- und Feiertagen anbieten – und angeblich sogar Eheschließungen in der Nacht.

Ist für eine Hochzeit während des Urlaubs nachträglich noch Sonderurlaub zu gewähren?

Sofern die Hochzeit in den normalen Urlaub fällt, entfällt der Anspruch auf Sonderurlaub. Begründung: Da während eines Erholungsurlaubes keine Arbeitspflicht besteht, kann der Arbeitnehmer an der Ausübung seiner Arbeit auch nicht "vorübergehend verhindert" sein, so dass die Voraussetzungen des § 616 BGB auf Sonderurlaub nicht erfüllt sind.

Besteht ein Anspruch auf Sonderurlaub für eine Hochzeit bei Verträgen mit Gleitzeit?

Generell gilt: Liegt eine vorübergehende Arbeitsverhinderung im Rahmen eines flexiblen Arbeitszeitmodells innerhalb der Gleitzeit, kann der Arbeitnehmer grundsätzlich keine Freistellung verlangen: Schließlich ist er in dieser Zeit nicht zur Arbeit verpflichtet. Für die Zeit der Arbeitsverhinderung muss der Arbeitnehmer seine Gleitzeit in Anspruch nehmen und möglichst die Termine in die Gleitzeit legen (BAG 22.01.2009 Az. 6 AZR 78/08).

Ein Anspruch auf bezahlte Freistellung beziehungsweise Sonderurlaub entsteht erst dann, wenn der Umfang des Termins nicht in der Gleitzeit bewältigt werden kann und Kernarbeitszeit beansprucht. Eine Hochzeit dürfte in aller Regel kaum in der Gleitzeit durchführbar sein.

Sonderurlaub auch für Auszubildende?

Bezüglich Sonderurlaub beziehungsweise bezahlte Freistellung gibt es keine Sonderregeln für Azubis. Stattdessen gelten für alle Arbeitnehmer die gleichen gesetzlichen, tariflichen oder betrieblichen Bestimmungen.

Sonderurlaub bei Hochzeit auch für Minijobber?

Beschäftigte im Minijob sind keine Arbeitnehmer zweiter Klasse. Für sie gelten dieselben arbeitsrechtlichen Regelungen wie für sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer.

Besteht ein Anspruch auf Sonderurlaub bei der Hochzeit der Tochter, des Sohnes oder von Geschwistern?

Gibt es dazu Regelungen im Tarif- oder Arbeitsvertrag oder in der Betriebsvereinbarung, sind diese ausschlaggebend. Der überwiegenden Rechtsauffassung zufolge besteht auch für die Trauung der eigenen Eltern, von dem Bruder oder der Schwester oder die Hochzeit des Kindes der Anspruch auf einen Tag Sonderurlaub. Das gilt auch für die erneute Hochzeit eines Elternteils, die Goldene Hochzeit oder Silberhochzeit der Eltern. Bei anderweitigen Hochzeiten, wie die des Neffen, des besten Freundes oder eines Bekannten bleibt Arbeitnehmern hingegen nur, ihren Vorgesetzten um bezahlten Sonderurlaub oder eine unbezahlte Freistellung zu bitten.

Muss die Schule der Kinder des Hochzeitpaares informiert werden?

Wenn das Brautpaar Kinder hat und diese noch schulpflichtig sind, können die Kinder auf schriftlichem Antrag beim Klassenlehrer oder bei der Schulleitung von der Schulpflicht am Tag der Hochzeit befreit werden. Über den Antrag entscheidet stets die Schule, nicht der Lehrer. Eine Ablehnung eines solchen Antrags durch die Schule ist sehr unwahrscheinlich.