Nebenjob kündigen Minijob: Kündigungsfristen für 450-Euro-Jobber im Überblick

Einen 450- bzw. 520-Euro-Jobber anzumelden, ist unkompliziert und schnell erledigt. Doch wenn sich die betrieblichen Pläne ändern, stehen Arbeitgeber vor der Frage, welche Kündigungsfristen für Minijobber gelten. Hier ein Überblick.

Minijob Kündigungsfrist
Arbeitgeber müssen auch im Minijob Kündigungsfristen beachten. - © Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Im Handwerk gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten für geringfügig Beschäftigte. In den Lebensmittelgewerken unterstützen Aushilfen beispielsweise beim Verkauf der Waren. Ab dem 1. Oktober können Arbeitgeber sie in einem etwas größeren zeitlichen Umfang einsetzen als bisher: Dann steigt die Minijob-Grenze von 450 auf 520 Euro. Doch egal, wie viele Stunden gearbeitet wird, hinsichtlich der Minijob-Kündigungsfrist gelten dieselben Regeln.

Das Wichtigste zur Minijob-Kündigungsfrist

1. Minijob: Kündigungsfristen im Überblick

"Einen Minijob zu kündigen, ist das gleiche wie einen normalen Job zu kündigen", erklärt Christoph Kurzböck, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Rödl und Partner. Die reguläre Kündigungsfrist beträgt somit vier Wochen, solange im Arbeitsvertrag nichts anderes vereinbart ist. Für den Arbeitnehmer ist dieser Wert verbindlich, für den Arbeitgeber ändert sich die Kündigungsfrist mit der Dauer der Anstellung.

Minijob-Kündigungsfristen:

Bestand des ArbeitsverhältnissesKündigungsfrist jeweils zum Ende eines Kalendermonats
2 Jahre                                                                                                         1 Monat
5 Jahre                                                                                                        2 Monate
8 Jahre                                                                                                        3 Monate
10 Jahre                                                                                                      4 Monate
12 Jahre                                                                                                     5 Monate
15 Jahre                                                                                                     6 Monate
20 Jahre                                                                                                      7 Monate
(Quelle: Minijob-Zentrale)

Beispiel: Die Kündigungsfrist eines geringfügig Beschäftigten beträgt sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats, wenn er 15 Jahre im Betrieb angestellt war und durch den Arbeitgeber gekündigt wird. Allerdings ist es möglich, dass durch den Vertrag oder Tarifvertrag andere Zeiträume festgesetzt sind.

2. Kündigungsfrist im Minijob während der Probezeit verkürzt

In der Probezeit gilt laut des Experten in der Regel eine verkürzte Kündigungsfrist. Während diesem Zeitraum kann das Beschäftigungsverhältnis jederzeit von beiden Seiten mit einer Frist von zwei Wochen zu jedem beliebigen Zeitpunkt gekündigt werden. Allerdings kann es sein, dass im Vertrag ein anderer Zeitraum vereinbart ist. In diesem Fall gilt die dortige Formulierung. Die Probezeit darf maximal sechs Monate betragen.

3. Saisonaushilfen: Kündigungsfrist ist Verhandlungssache

Viele Minijobs sind zeitlich begrenzt. Beispielsweise wenn geringfügig Beschäftigte im Weihnachtsgeschäft hinter der Bäckertheke stehen. Solche zeitlich eng eingegrenzten Tätigkeiten basieren in der Regel auf befristeten Verträgen. Bei einer Dauer von unter drei Monaten ist es laut Kurzböck prinzipiell zweckdienlich, wenn der Vertrag keine Möglichkeit einer regulären Kündigung vorsieht. Allerdings sei es ebenso möglich, dass sich Arbeitgeber und Aushilfe auf eine kurze reguläre Kündigungsfrist einigen.

4. Minijob: Kündigungsfrist ohne schriftlichen Vertrag beträgt vier Wochen

Es gibt Beschäftigungsverhältnisse, die auf einer mündlichen Vereinbarung beruhen. Ein schriftlicher Arbeitsvertrag ist derzeit aus rechtlicher Sicht zunächst nicht zwingend nötig, um eine 450-Euro-Kraft einzustellen. Das Nachweisgesetz verpflichtet Arbeitgeber jedoch dazu, spätestens nach einem Monat die Eckdaten der Vereinbarung schriftlich festzuhalten. Beide Parteien müssen diesen Nachweis unterschreiben. Gibt es kein solches Dokument, bestehen hinsichtlich der Kündigungsfrist Unklarheiten: "Über das, was vereinbart wurde, kann man sich trefflich streiten. Wenn eine Seite behauptet, es sei eine kurze Frist vereinbart worden, die Gegenpartei besteht aber auf einer längeren, dann bekommt der Minijobber meist die gesetzliche Frist von vier Wochen", berichtet der Jurist.

5. Auflösungsvertrag: Aushilfsjob vor der Frist kündigen

Wenn sich die Pläne der Aushilfe plötzlich ändern, ist sie möglicherweise auf ein schnelles Ende des Vertrags angewiesen. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht auch im 450- oder 520-Euro-Job die Möglichkeit, einen Auflösungsvertrag zu vereinbaren. Das Beschäftigungsverhältnis endet dann zu einem gewünschten Zeitpunkt, ungeachtet der gesetzlichen Kündigungsfrist. Dies setzt jedoch voraus, dass beide Seiten einverstanden sind. "Auch wenn es für den Arbeitgeber gerade theoretisch ungünstig ist, sollte er mitgehen", empfiehlt der Fachanwalt für Arbeitsrecht. Die Folgen seien am Ende dieselben: "Wenn der Arbeitnehmer sich in Krankheit flüchtet, steht der Arbeitgeber am Ende vor dem gleichen Ergebnis."

Was muss ein Auflösungsvertrag beinhalten?
Der Auflösungsvertrag beinhaltet in der Regel den Beendigungszeitpunkt. Außerdem hält er fest, welche Leistungen noch vergütet werden, was mit Resturlaub geschieht und ob ein Zeugnis erstellt wird. Zusätzlich enthält er eine Abgeltungsklausel: "Arbeitgeber und Arbeitnehmer ziehen einen Schlussstrich und erklären, dass sie auf etwaige weitere Ansprüche verzichten", übersetzt Kurzböck.

6. Fristlose Kündigung: Minijob kann bei wichtigem Grund abrupt enden

Abseits der regulären Kündigung, die an vertraglich vereinbarte Fristen gebunden ist, können auch im 450- bzw. 520-Euro-Job beide Seiten von der fristlosen Kündigung Gebrauch machen. Dafür muss allerdings ein schwerer Regelverstoß vorliegen. Dieser könne auf Arbeitnehmerseite zum Beispiel in Diebstahl oder tätlichen Angriffen bestehen, erläutert Kurzböck. Auf der anderen Seite rechtfertige "der cholerische Chef, der seinen Minijobber beleidigt, demütigend behandelt oder tätlich wird" einen solchen Schritt des Arbeitnehmers. Eine verspätete Lohnzahlung hingegen sei selten eine rechtswirksame Begründung. Für die Kündigung in der Probezeit muss im Schreiben kein formeller Grund angegeben werden.

7. Muss der Grund der Kündigung beim 450-Euro-Job schriftlich angegeben werden?

Bei der Kündigung eines Minijobs müssen Arbeitnehmer keine Gründe nennen. Arbeitgeber hingegen müssen ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl zumindest eine grobe Einordnung vornehmen. So muss aus dem Schreiben hervorgehen, ob es sich um eine verhaltensbedingte oder betriebsbedingte Kündigung handelt. Dies sieht das Kündigungsschutzgesetz vor. Arbeitgeber müssen es ab einer Zahl von zehn Arbeitsverhältnissen berücksichtigen. Dabei ist es wichtig, den Berechnungsschlüssel zu beachten: "Die Berechnung erfolgt nicht pro Kopf, sondern zeitanteilig: Eine 20 Stunden-Kraft zählt schlägt mit einem Wert von 0,5 zu Buche und ein Mitarbeiter mit 30 Stunden wird als 0,75 gezählt", weiß Kurzböck.

Gibt es im Minijob Kündigungsschutz?
Eine Kündigung ist laut Minijobzentrale nur rechtswirksam, wenn sie sozial gerechtfertigt ist. Dies trifft zu, wenn betriebliche Umstände oder das Verhalten des geringfügig Beschäftigten sie erforderlich machen. Ist beides nicht der Fall, kann der Minijobber innerhalb von drei Wochen nach Erhalt der Kündigung eine Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht erheben.

8. Ob Nebenjob oder Hauptberuf: Kündigung per E-Mail oder WhatsApp ist ungültig

Eine Kündigung muss immer schriftlich erfolgen. Sie muss demnach per Post oder durch die persönliche Übergabe eingereicht werden. Ein PDF-Dokument im E-Mail-Anhang ist ebenfalls nicht möglich, stellt der Experte klar: "Der Arbeitnehmer muss handschriftlich unterschreiben. Eine gescannte Unterschrift ist nicht gültig." Auch eine Mitteilung über den Messenger WhatsApp ist nicht ausreichend, um den 450 oder 520-Euro-Job zu kündigen.

9. Das muss der Text der Kündigung beinhalten

Damit eine Kündigung gültig ist, muss sie einem bestimmten formellen Aufbau folgen. Sie muss folgende Punkte beinhalten:

  • Absender
  • Adressat
  • unbedingte, eindeutige Erklärung der Kündigung
  • Kündigungsdatum ("oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt")
  • persönliche Unterschrift

10. Minijob-Kündigung muss nicht dem Arbeitsamt gemeldet werden

Die Kündigung eines Nebenjobs muss nicht an das Arbeitsamt gemeldet werden. "Der Arbeitnehmer zahlt im Minijob nicht in die Arbeitslosenversicherung ein und hat demnach auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld", erklärt Kurzböck.