450- bzw. 520-Euro-Job Wie viele Stunden dürfen Beschäftigte im Minijob arbeiten?

Zum 1. Januar 2022 klettert der gesetzliche Mindestlohn auf 9,82 Euro die Stunde. Danach könnte er rasch auf zwölf Euro steigen. Erhöht sich die gesetzliche Lohnuntergrenze, hat das auch Auswirkungen auf die Arbeitszeit von Minijobbern. Mit dieser einfachen Formel lässt sich berechnen, wie viele Stunden Minijobber künftig maximal arbeiten dürfen.

Friseurin schneidet Kunden Haare mit Schere. Ansicht Hinterkopf.
Im Friseurhandwerk waren im Jahr 2017 knapp 37.500 geringfügig Entlohnte tätig, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht. - © Ivan Dragiev - stock.adobe.com

Die Gegebenheiten für Minijobber könnten sich bald ändern: Denn SPD, Grüne und FDP wollen den gesetzlichen Mindestlohn auf zwölf Euro und die Minijob-Grenze auf 520 Euro erhöhen. So steht es im Koalitionsvertrag.

Doch auch so kommen ab Januar 2022 Änderungen auf Minijobber und ihre Arbeitgeber zu: Das liegt daran, dass der gesetzliche Mindestlohn im kommendem Jahr steigt, die Vedienstgrenze für Minijobber aber weiterhin bei 450 Euro festgesetzt ist. Da Minijobber im Monat prinzipiell nicht mehr als 450 Euro verdienen dürfen, muss eventuell die Arbeitszeit verringert werden. Anderenfalls kann durch die Anhebung des Stundenlohns der sozialversicherungsfreie Minijob in Gefahr geraten und es können höhere Steuern und Sozialabgaben anfallen.

Was genau bedeutet das für Arbeitgeber? Und wie viele Stunden dürfen Minijobber im Monat aktuell und künftig maximal arbeiten? Diese Zahlen und einfachen Formeln helfen bei der Berechnung der Arbeits- sowie Urlaubszeiten:

1. Welche Auswirkungen hat ein erhöhter Mindestlohn auf die Arbeitszeit im Minijob?

Aktuell liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 9,60 Euro pro Stunde. Ab 1. Januar 2022 steigt er auf 9,82 Euro, ab 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro pro Stunde. Die Verdienstgrenze im Minijob liegt bei 450 Euro im Monat. Die Minijob-Grenze bleibt bestehen, auch wenn sich der Mindestlohn im kommenden Jahr gleich zwei Mal erhöht.

Welche Auswirkungen der erhöhte Mindestlohn haben kann, lässt sich an einer einfachen Beispielrechnung verdeutlichen:

Arbeitet ein Minijobber aktuell 46 Stunden pro Monat und bekommt dafür den gesetzlichen Mindestlohn von 9,60 Euro bezahlt, verdient er im Monat 441,60 Euro.

Sollte es bei dieser Stundenzahl bleiben, würde die Grenze von 450 Euro jedoch überschritten, sobald der Minijobber den neuen Mindeststundenlohn von 9,82 Euro erhält. Er kommt dann auf einen Monatslohn von rund 451,70 Euro.

Gesetzlicher Mindestlohn seit 1. Juli 2021ab 1. Januar 2022ab 1. Juli 2022
9,60 Euro pro Stunde9,82 Euro pro Stunde10,45 Euro pro Stunde

2. Wie viele Stunden dürfen Minijobber maximal arbeiten, wenn der Mindestlohn erhöht wird?

Für die Berechnung der Stundenzahl, die Minijobber maximal im Monat arbeiten dürfen, gibt es eine einfache Formel. Dafür dividiert man die Minijob-Grenze von 450 Euro durch den gesetzlichen Mindestlohn und erhält als Ergebnis die maximale Anzahl an Arbeitsstunden im Monat.

Formel zur Berechnung der maximalen monatlichen Arbeitszeit im Minijob

Minijob-Entgeltgrenze / gesetzlicher Mindestlohn = maximale Anzahl der Arbeitsstunden im Monat

Beispiel: Bei einem gesetzlichen Mindestlohn von 9,82 Euro pro Stunde (ab Januar 2022) kommt man auf eine maximale Arbeitszeit von rund 45,5 Stunden pro Monat. Oder genauer:

450 Euro / 9,82 Euro pro Stunde = 45,825 Stunden

Einen schnellen Überblick gibt es in der Tabelle:

Maximale Stundenanzahl im Minijob aktuellab 1. Januar 2022ab 1. Juli 2022
46,875 Stunden45,825 Stunden43,062 Stunden

3. Was müssen Arbeitgeber tun, wenn die Minijob-Grenze überschritten wird?

In bestimmten Fällen muss der Arbeitsvertrag angepasst werden. Das greift immer dann, wenn der Monatslohn des Minijobbers jeden Monat über das gesamt Jahr die Grenze von 450 Euro erreicht. Dann sinkt nämlich die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit. Ein regelmäßiges Überschreiten der 450-Euro-Marke wiederum kann aber unangenehme finanzielle Folgen haben. Wenn man dann die Arbeitszeit nicht anpasst, kann der Minijob in Gefahr geraten. Dann können höhere Steuern und Sozialabgaben anfallen.

Doch dies gilt nur dann, wenn der Verdienst von 450 Euro regelmäßig bei dieser Höhe oder sogar darüber liegt und dies nicht nur in einem begrenzten Zeitraum oder einmalig. Grundsätzlich muss man beim Verdienst der Minijobber immer von einer Durchschnittsbetrachtung ausgehen. Der regelmäßige Verdienst darf im Durchschnitt eines Zeitraums von zwölf Monaten nicht mehr als 450 Euro monatlich betragen.

4. Wie viele Stunden dürfen Minijobber bei einer Verdienstgrenze von 520 Euro und einem Mindestlohn von zwölf Euro maximal arbeiten?

"Bei den Mini-und Midi-Jobs werden wir Verbesserungen vornehmen", kündigten die Ampel-Parteien in ihrem Koalitionsvertrag an. Künftig solle sich die Minijob-Grenze an einer Wochenarbeitszeit von zehn Stunden zu Mindestlohnbedingungen orientieren. Die Minijob-Grenze werde dafür auf 520 Euro erhöht. Gleichzeitig will die Ampel-Koalition verhindern, dass Minijobs als Ersatz für reguläre Arbeitsverhältnisse missbraucht oder zur Teilzeitfalle insbesondere für Frauen werden. Dafür will sie Einhaltung des geltenden Arbeitsrechts bei Minijobs stärker kontrollieren.

Führt die Ampel-Koalition die Entgeldgrenze von 520 Euro im Monat und einen gesetzlichen Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde ein, würde sich die monatliche Arbeitszeit im Vergleich zum jetztigen Stand auf rund 43 Arbeitsstunden im Monat reduzieren:

So viele Stunden müssen 520-Euro-Minijobber bei einem Mindestlohn von zwölf Euro arbeiten:

520 Euro im Monat / 12,00 Euro im pro Stunde = 43,333 Stunden

5. Wie viele Tage Urlaub steht Minijobbern zu?

Selbstverständlich haben auch Minijobberinnen und Minijobber Anspruch auf einen bezahlten Erholungsurlaub. Wie bei anderen Teilzeitbeschäftigungen muss der genaue Anspruch im Einzelfall berechnet werden. Ausschlaggebend ist, an wie vielen Tagen der Arbeitswoche geringfügig Beschäftigte tätig sind.

Zur Berechnung des Urlaubsanspruchs gibt es ebenfalls eine Formel. Dazu multipliziert man die Zahl der eigenen Arbeitstage pro Woche mit der Zahl 24. Das entspricht dem gesetzlichen Urlaubsanspruch von 24 Werktagen bei einer 6-Tage-Woche. Das Produkt teilt man wiederum durch 6, also durch die Anzahl der Arbeitstage in einer Arbeitswoche von Montag bis Samstag.

Formel zur Berechnung des Urlaubsanspruchs im Minijob

Individuelle Arbeitstage pro Woche x 24/6 = Urlaubsanspruch im Minijob

Wer nicht selbst rechnen will, kann dafür Online-Tools nutzen, etwa den Urlaubsrechner der Minijob-Zentrale.

6. Wie hoch ist das Urlaubsentgelt?

Das Urlaubsentgelt entspricht nach Angaben der Minijob-Zentrale für jeden Urlaubstag der Höhe des durchschnittlichen Arbeitsverdienstes, den der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin in den letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs erhalten hat.

Heißt: Zur Berechnung des Urlaubsentgelts dividiert man den Verdienst der letzten 13 Wochen durch die Anzahl der in dieser Zeit geleisteten Arbeitstage. Diesen Wert multipliziert man wiederum mit der Anzahl der Urlaubstage.

Formel zur Berechnung des Urlaubsentgelts im Minijob

Verdienst der letzten 13 Wochen / Anzahl der geleisteten Arbeitstage der letzten 13 Wochen x Anzahl der Urlaubstage = Höhe des Urlaubsentgeltes

Was gilt im Minijob bezüglich der Sozialversicherung oder der Steuer? Weitere wichtige Antworten und Fragen für Arbeitgeber gibt es hier:

>>> Lesetipp: Arbeitsrecht: Das gilt beim Minijob

Mit Inhalten der dpa