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Handwerk verärgert Keine Meisterprämie für Baden-Württemberg

Die baden-württembergische Regierung hat bestätigt, Meisterschülern, die ihre Fortbildung erfolgreich abschließen, keine Geldprämie anbieten zu wollen. Damit entscheidet sich das Land gegen ein Fördermodell, das in den meisten anderen Bundesländern bereits umgesetzt wurde – zum Ärger des baden-württembergischen Handwerks.

Zuletzt zogen die Stadtstaaten Hamburg und Bremen nach und führten zum 1. Januar eine Meisterprämie für Absolventen der Meisterschule ein. In insgesamt elf Bundesländern können Meisterschüler inzwischen eine vierstellige Bonuszahlung beantragen, sobald sie die Abschlussprüfung bestanden haben. Geld, das sie gut gebrauchen können, schließlich kostet die Fortbildung zum Meister je nach Gewerk mehrere tausend Euro. Bei einer Vollzeit-Fortbildung müssen die Schüler zudem die Unterhaltskosten und den Verdienstausfall während der Fortbildung stemmen.

Umso unverständlicher ist es dem Baden-Württembergischen Handwerkstag (BWHT), warum sich die hiesige Regierung – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels – gegen ein vergleichbares Fördermodell ausspricht. Auf Anfrage der FDP-Fraktion im Landtag hatte die Landesregierung mitgeteilt, dass keine belastbaren Zahlen vorlägen, wonach eine Prämie zu erkennbar mehr bestandenen Fortbildungsprüfungen geführt hätte. Man wolle sich daher zunächst zurückhalten – auch im Hinblick auf die von der Bundesregierung geplante Novellierung des Aufstieg-Bafög. Wird diese umgesetzt, könnte die Meisterprämie zu einer haushaltsrechtlich unzulässigen Überfinanzierung führen, befürchtet die Landesregierung.

Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung

Argumente, das der BWHT nicht nachvollziehen kann. Zum einen, weil das Aufstiegs-BaföG – wenn überhaupt – wohl erst zum Ende der Legislaturperiode in Angriff genommen werden soll. Zum anderen, weil die Landesregierung Studierende immer stärker fördere. Erst kürzlich teilte die grün-schwarze Regierungskoalition mit, dass sie die Mittel für die Studienstart-Programm um mehr als 20 Millionen Euro aufstocken wolle, vor allem um die Zahl der Abbrüche zu senken. "Gleichzeitig sind der Landesregierung rund fünf Millionen Euro pro Jahr für die Meisterförderung zu viel", kritisierte Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. Er fordert eine Prämie in Höhe von 1.500 Euro für die jährlich rund 3.400 Absolventen – als "Anerkennung und wertschätzendes Signal für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung". In vielen anderen Bundesländern erhalten Meisterschüler Zuschüsse zwischen 1.000 und 4.000 Euro.

"Wir brauchen die Meisterprämie jetzt, selbst wenn sie nicht annähernd die vollständigen Kosten deckt“, macht auch Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, Druck auf die Landesregierung. Besorgt blickt er auf die nahe Zukunft. Fehle der Meister im Betrieb, fehle auch irgendwann das moderne Handwerksprodukt, der betriebliche Leiter für die Ausbildung und das handwerkliche Angebot. Mehr als 2.200 Betriebe stünden allein im Gebiet der Handwerkskammer Ulm altersbedingt zur Übernahme an. Ein Bedarf an Nachfolgern, den die zuletzt jährlich rund 600 Absolventen in seinem Kammergebiet nicht decken können.

FDP-Landtagsfraktion glaubt weiterhin an Meisterprämie

Die FDP-Landtagsfraktion glaubt trotz der klaren Absage zur Meisterprämie noch an eine Kehrtwende. Anlass zur Hoffnung schenkt ausgerechnet eine Aussage des handwerkspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion. "Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist uns sehr wichtig. Dabei kann die Meisterprämie einer von vielen Bausteinen sein", sagte Thomas Dörflinger nach den Protesten aus dem Handwerk und der Opposition. Die Tür zu einer Meisterprämie in Baden-Württemberg scheint mit Blick auf die Etatberatungen im Herbst also doch nicht ganz geschlossen sein. fre

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