Meister im Handwerk -

Wie man Aufstiegs-BAföG beantragt und wer es bekommt Meister-BAföG steigt: Wichtige Fragen und Antworten

Die Bundesregierung plant einen substanziellen Ausbau des Meister-BAföGs. 350 Millionen Euro steckt das Bundesbildungsministerium in die Aufstiegsförderung. Nicht nur der Weg zum Meister wird künftig unterstützt, sondern auch andere Weiterbildungsstufen. Was fürs Aufstiegs-BAföG geplant ist und was bislang gilt. Ein Überblick.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Meister im Handwerk

Das Meister-BAföG gibt es seit 1996. Derzeit liegt der Höchstsatz für Alleinstehende bei 768 Euro pro Monat. Er soll ab August 2020 auf 892 steigen. Seit der letzten Novelle des Aufstiegsbildungsförderungsgesetzes (AFGB) heißt das "Meister-BAföG" offiziell "Aufstiegs-BAföG". Diese Überarbeitung war im Jahr 2016 und nun wird es Zeit für eine weitere Anpassung der Förderung für Meisterschüler im Handwerk. Mit dem Beschluss der "Nationalen Weiterbildungsstrategie" Mitte Juni 2019 hat das Bundesbildungsministerium angekündigt, dass in dieser Legislaturperiode 350 Millionen Euro zusätzlich für das AFGB ausgegeben werden sollen.

Grundlage dafür ist die Novelle des Aufstiegsfortbildungs- förderungsgesetzes. Das Bundeskabinett hat sie nun beschlossen und damit den Weg frei gemacht, dass sie zum 1. August 2020 in Kraft treten kann. Die Pläne sehen grundlegende Änderungen vor. So hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bereits im DHZ-Interview angekündigt, dass die Novelle künftig nicht wie bisher nur die Förderung einer Fortbildung ermöglichen wird, sondern sogar bis zu drei.

Aufstiegs-BAföG: Was soll sich ab 1. August 2020 ändern?

So soll es das Aufstiegs-Bafög ab August 2020 anders als bisher für jede einzelne Fortbildungsstufe neu geben – angefangen vom "Berufsspezialist“, über den "Bachelor Professional“ bis zum "Master Professional“. Gefördert werden also alle drei Stufen: beispielsweise vom Gesellen zum Servicetechniker, vom Servicetechniker zum Meister und vom Meister zum Betriebswirt im Handwerk. Darüber hinaus werden künftig bei vollzeitschulischen Fortbildungsmaßnahmen alle Kosten übernommen. Bisher war dies nur für die Hälfte der Kosten der Fall.

"Die Förderung von bis zu drei aufeinander aufbauenden Fortbildungen ist ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der dringend benötigten Fachkräfte und Ausdruck jener Wertschätzung, die das Fortbildungssystem der Höheren Berufsbildung verdient", kommentiert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die geplanten Änderungen durch die Gesetzesnovelle. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke teilt zudem mit, dass für Existenzgründer zudem ein vollständiger Darlehenserlass geplant sei. "Angesichts der mehreren zehntausend anstehenden Unternehmensnachfolgen bei kleinen und mittleren Betrieben in den nächsten zwei Jahren ist das ein richtiges Signal", so Schwannecke.

Dennoch übt der Verband Kritik: Denn noch immer sieht er keine volle Gleichbehandlung zwischen akademischer und beruflicher Bildung. So sei es erforderlich, dass alle erfolgreichen Prüfungsabsolventen vom Restdarlehen für die Fortbildungskosten befreit werden. Nach dem neuen Gesetzesentwurf müssen Absolventen der Höheren Berufsbildung, die keine berufliche Selbständigkeit anstreben, 25 Prozent ihrer Fortbildungskosten selber tragen und würden damit im Vergleich zu kostenfrei Studierenden benachteiligt.

Bis die Neuerungen beim Aufstiegs-BAföG in Kraft treten, können Handwerker, die einen Meistertitel erlangen wollen, die Förderung in der seit 2016 geltenden Fassung nutzen. Wie hoch derzeit die maximale Förderhöhe liegt und wie sie sich ändern soll, wie man Meister-BAföG beantragt und was bei der Steuer gilt, hat die DHZ zusammengefasst:

Was ist das Meister-BAföG?

Das Meister-Bafög ist eine finanzielle Unterstützung, die der Staat während der Weiterbildung monatlich zahlt. Teile der Förderung gibt der Staat als Zuschuss, den Rest bekommen Meisterschüler als günstiges Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Kreditkonditionen sind gesetzlich festgelegt.

Wer bekommt Meister-BAföG? 

  • Personen  mit abgeschlossener Berufsausbildung, die einen Fortbildungsabschluss zum/zur Handwerks- und Industriemeister/in, Erzieher/in, Techniker/in, Fachkaufmann/frau, Betriebswirt/in anstreben.
  • Bachelor-Absolventen: Auch Meisterschüler, die bereits einen Bachelor haben, werden seit 2016 gefördert. Genauso steht die staatliche Unterstützung denjenigen zu, die ein Studium abgebrochen oder Abitur gemacht haben und bereits über Berufserfahrung verfügen. Sie müssen keine Erstausbildung absolviert haben.
  • Ab August 2020 wird der Kreis der möglichen Geförderten auf diejenigen erweitert, die nach einer Berufsausbildung eine Fortbildung absolvieren, die nicht zum Meister, aber zu einem höheren Abschluss als dem bisherigen führen - Maßnahmen auf der ersten beruflichen Fortbildungsstufe.

Beantragen können die staatliche Förderung Deutsche, EU-Bürger und Ausländer mit ständigem Wohnsitz in Deutschland und einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis. Auch Zuwanderer, die seit mindestens 15 Monaten rechtmäßig in Deutschland leben und arbeiten haben Anspruch auf die finanzielle Unterstützung. Die Ausbildung wird dabei angerechnet.

Welche Weiterbildungen werden gefördert? 

Eine förderfähige Maßnahme muss dem Gesetz zufolge fachlich gezielt auf eine öffentlich-rechtliche Prüfung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG), der Handwerksordnung (HwO) oder auf gleichwertige Abschlüsse nach Bundes- oder Landesrecht vorbereiten. Sie muss mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen und setzt eine Teilnahme an einem Unterricht voraus.

Neu ist ab dem 1. August 2020, dass auch Maßnahmen auf der ersten beruflichen Fortbildungsstufe förderfähig werden. Sie müssen mindestens 200 Unterrichtsstunden umfassen und können auch in Teilzeit absolviert werden. Bei Vollzeitmaßnahmen müssen in der Regel je Woche mindestens 25 Unterrichtsstunden an vier Werktagen stattfinden. Auch praktische Zeiten werden berücksichtigt. Vollzeitfortbildungen dürfen insgesamt nicht länger als drei Jahre dauern. Bei Teilzeitmaßnahmen müssen die Lehrveranstaltungen monatlich im Durchschnitt mindestens 18 Unterrichtsstunden umfassen. Teilzeitmaßnahmen dürfen grundsätzlich nicht länger als vier Jahre dauern. Dabei können auch Fernlehrgänge als Teilzeitmaßnahme gefördert werden und unter bestimmten Voraussetzungen auch mediengestützte Lehrgänge.

Ausführliche Infos zu allen neuen Weiterbildungsmaßnahmen, die gefördert werden gibt es hier.>>>

Überblick: Diese Weiterbildungen werden gefördert

  • Aufstiegsfortbildung: Weiterbildungen, die über dem Niveau des Facharbeiter-, Gesellen-, Gehilfen- oder Berufsfachschulabschlusses liegen, mit der man einen höheren Berufsabschluss erreicht.
  • Fortbildungen der erste beruflichen Fortbildungsstufe: Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung (Gesellenbrief).
  • Vollzeitfortbildungen: Sie dürfen nicht länger als drei Jahre dauern.
  • Teilzeitfortbildungen: Sie dürfen nicht länger als vier Jahre dauern.
  • Fernlehrgänge als Teilzeitfortbildungen.
  • Mediengestützte Lehrgänge, wenn sie in einem Umfang von mindestens 400 Stunden Präsenzphasen enthalten oder eine vergleichbare Situation durch eine mediengestützte Kommunikation schaffen.

Wie hoch ist das monatliche Meister-BAföG aktuell und wie steigt er an? 

Das Aufstiegs-BAföG teilt sich in verschiedene Zuschüsse und Darlehen auf, die in Anspruch genommen werden können: Den Unterhaltsbeitrag, den Maßnahmenbeitrag für Lehrgangs- und Prüfungskosten und eine Unterstützung für Materialkosten:

Seit dem 1. August 2016 liegt der Unterhaltsbeitrag für Alleinstehende in einer Vollzeitfortbildung bei maximal 768 Euro pro Monat. Er wird zu 50 Prozent als Zuschuss bezahlt. Der restliche Förderbetrag steht als zinsgünstiges KfW-Darlehen zur Verfügung. Ab dem1. August 2020 soll der Unterhaltsbeitrag vollständig als Zuschuss geleistet werden und dann auf maximal 892 Euro pro Monat steigen. Die Höhe des Unterhaltsbeitrags richtet sich nach dem jeweiligen Einkommen und Vermögen des Antragstellers. Für Ehepartner und Kinder werden Zuschläge bezahlt.

Höhe des Meister-BAföGs im Überblick

  • Alleinstehende: bis zu 768 Euro (Zuschussanteil: 40 Prozent; Darlehensanteil: 60 Prozent); ab August 2020: bis zu 892 Euro (komplett als Zuschuss)
  • Aufschlag für Verheiratete/Verpartnerte: bis zu 235 Euro (Zuschuss: 50 Prozent)
  • Kinderbetreuungszuschlag je Kind: bis zu 235 Euro (Zuschuss: 55 Prozent)
  • Kinderbetreuungskosten für Alleinerziehende: pauschal 130 Euro (Zuschuss: 100 Prozent)

Der maximale Maßnahmenbeitrag für Lehrgangs- und Prüfungskosten liegt bei 15.000 Euro. Er wird derzeit zu 40 Prozent als Zuschuss bezahlt; ab August 2020 zu 50 Prozent. Für die Restbeträge stehen Darlehen der KfW zur Verfügung, die die Fortbildenden in Anspruch nehmen können.

Ein erfolgreicher Meister-Abschluss wird jetzt und in Zukunft belohnt: 40 Prozent des Restdarlehens Lehrgangs- und Prüfungsgebühren muss der Handwerker bislang nicht zurückzahlen; dieser Betrag steigt auf 50 Prozent. Zusätzlich gibt es einen Erlass, wenn der neue Meister im Anschluss an die geförderte Fortbildung innerhalb von drei Jahren ein Unternehmen gründet: aktuell kann bis zu 66 Prozent des Darlehens damit eingespart werden. Künftig sollen es 100 Prozent sein.

Einen dritten Zuschuss gibt es für die Materialkosten, die für die Erstellung des Meisterstücks nötig sind. Auch hier übernimmt der Staat bis zur Hälfte der Kosten; die Summe ist allerdings bei 2.000 Euro gedeckelt. 40 Prozent der Förderung sind dabei bislang ein Zuschuss; die weiteren 60 Prozent können wiederum als Darlehen bei der KfW beantragt werden. Künftig liegen die Anteile bei jeweils 50 Prozent.

Darf man zum Meister-BAföG etwas dazuverdienen?

Ja, denn es gibt einen Einkommensfreibetrag von 290 Euro für Alleinstehende. Ein Minijob mit dem Verdienst von 450 Euro ist laut BMBF dann anrechnungsfrei, wenn man die Werbungskostenpauschale und eine Sozialpauschale berücksichtigt. Wer verheiratet ist, dem steht ein um 570 Euro höherer Freibetrag zu. Je Kind erhöht er sich um 520 Euro.

Einen zusätzlichen Freibetrag gibt es beim Vermögen: Es wird bislang erst ab einem Betrag von 45.000 Euro auf das Aufstiegs-BAföG angerechnet. Dieser Freibetrag erhöht sich bei Verheirateten und bei jedem Kind um 2.100 Euro. Ab dem 1. August erhöhen sich laut Bundesbildungsministerium die Freibeträge für jedes Kind und den jeweiligen Ehe-/Lebenspartner auf 2.300 Euro.

Wo beantragt man die Förderung zum Handwerksmeister? 

In der Regel muss man das Meister-Bafög bei den kommunalen Ämtern für Ausbildungsförderung am ständigen Wohnsitz beantragen. Die Ämter entscheiden, wie hoch die Förderung ausfallen wird. Der Darlehensvertrag wird mit der KfW-Bank abgeschlossen. Antragsformulare gibt es hier.>>>

Wie läuft die Rückzahlung beim Meister-BAföG ab?

Der Kredit ist während des Zeitraums der Fortbildung und nach deren Abschluss zwei bis maximal sechs Jahre zins- und tilgungsfrei. Danach muss man das Geld innerhalb von zehn Jahren zurückzahlen. Die Raten richten sich nach dem Einkommen, betragen aber mindestens 128 Euro monatlich. Der Zinssatz liegt meist deutlich unter dem marktüblichen Niveau. Wer finanziell gut aufgestellt ist, kann das Darlehen auch vorzeitig in einer Summe zurückzahlen.

Wie wird das Meister-BAföG steuerlich behandelt?

Die erhaltenen Zahlungen aus dem Meister-BAföG müssen in der Einkommensteuererklärung an keiner Stelle eingetragen werden. Die Zahlungen sind nämlich nach § 3 Nr. 11 EStG in voller Höhe von der Einkommensteuer befreit und unterliegen auch nicht dem Progressionsvorbehalt nach § 32d EStG.

Interessant wird es steuerlich für Meister allerdings, wenn das BAföG-Darlehen nach absolvierter Meisterprüfung zurückgezahlt werden muss. Bei verzinslichen Darlehen ist bei der Rückzahlung zwischen dem Zins- und Tilgungsanteil zu unterscheiden. Den Zinsanteil dürfen Sie steuerlich als Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit abziehen. Machen Sie sich direkt nach der Meisterprüfung mit einem Handwerksbetrieb selbständig, ist der Zinsanteil als Betriebsausgabe vom Gewinn abzuziehen.

Der Tilgungsanteil ist steuerlich nicht absetzbar. Haben Sie also ein unverzinsliches Darlehen erhalten, können Sie dafür keine steuersparenden Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehen.

Was gilt bei der Übernahme der Kosten für Meisterkurs durch den Arbeitgeber?

Anstatt des BAföG können Sie auch mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass er die Kosten für den Meisterkurs finanziell übernimmt. Die Kostenübernahme durch den Arbeitgeber ist unter bestimmten Umständen steuerfrei. Da die Rechnung für den Meisterkurs auf Ihren Namen läuft, ist Voraussetzung für die Steuerfreiheit, dass die Übernahme dieser Fortbildungskosten vor Abschluss des Vertrags zum Meisterkurs vom Arbeitgeber schriftlich zugesagt wird. jtw

Steuertipp

Übernimmt Ihr Arbeitgeber die Kosten für den Meisterkurs, wird er Sie jedoch in einer gesonderten Vereinbarung dazu verpflichten, dass Sie mindestens drei bis fünf Jahre weiter in seinem Betrieb arbeiten oder bei vorzeitiger Kündigung die übernommenen Kosten anteilig zurückzahlen müssen. Käme es zu einer anteiligen Zurückzahlung, dürften Sie diese als Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit steuerlich geltend machen.

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