Meister im Handwerk -

Wie man Meister-BAföG beantragt und wer es bekommt Meister-BAföG soll steigen: Wichtige Fragen und Antworten

Die Nationale Weiterbildungsstrategie sieht eine substanzielle Erhöhung des Meister-BAföGs vor. 350 Millionen Euro steckt das Bundesbildungsministerium in die Aufstiegsförderung. Was geplant ist, was das Handwerk fordert und was bislang gilt. Ein Überblick.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Meister im Handwerk

Das Meister-BAföG gibt es seit 1996. Derzeit liegt der Höchstsatz bei 768 Euro pro Monat. Seit der letzten Novelle des Aufstiegsbildungsförderungsgesetzes (AFGB) heißt das "Meister-BAföG" offiziell "Aufstiegs-BAföG". Diese Überarbeitung war im Jahr 2016 und nun wird es Zeit für eine weitere Anpassung der Förderung für Meisterschüler im Handwerk. Mit dem Beschluss der "Nationalen Weiterbildungsstrategie" Mitte Juni 2019 hat das Bundesbildungsministerium angekündigt, dass in dieser Legislaturperiode 350 Millionen Euro zusätzlich für das AFGB ausgegeben werden sollen.

Grundlage für die Novelle des Aufstiegsfortbildungs- förderungsgesetzes ist das Berufsbildungsmodernisierungsgesetz (BBiG), dass derzeit im Bundestag beraten wird. So steht noch nicht fest, wann genau und in welcher konkreten Höhe das einstige Meister-BAföG steigt und ob sich Förderbedingungen ändern. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) verspricht jedoch eine "substanzielle Erhöhung" und sagte erst kürzlich im DHZ-Interview, dass die Novelle künftig nicht wie bisher nur die Förderung einer Fortbildung ermöglichen wird, sondern sogar bis zu drei. Die weiteren Details werden derzeit ausgehandelt.

"Die Förderung von bis zu drei aufeinander aufbauenden Fortbildungen ist ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der dringend benötigten Fachkräfte und Ausdruck jener Wertschätzung, die das Fortbildungssystem der Höheren Berufsbildung verdient", gibt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) den Verhandlungen zur Erhöhung des Aufstiegs-BAföGs mit auf den Weg. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke teilt zudem mit, dass für Existenzgründer zudem ein vollständiger Darlehenserlass geplant sei. "Angesichts der mehreren Zehntausend anstehenden Unternehmensnachfolgen bei kleinen und mittleren Betrieben in den nächsten zwei Jahren ist das ein richtiges Signal", so Schwannecke. Der ZDH erwartet darüber hinaus eine Förderung innerhalb einer Fortbildungsebene, etwa wenn ein Handwerker eine zweite Meisterqualifikation erwerben möchte.

Bis es soweit ist und Neuerungen beim Aufstiegs-BAföG in Kraft treten, können Handwerker, die einen Meistertitel erlangen wollen, die Förderung in der seit 2016 geltenden Fassung nutzen. Wie hoch derzeit die maximale Förderhöhe liegt, wie man Meister-BAföG beantragt und was bei der Steuer gilt, hat die DHZ zusammengefasst:

Was ist das Meister-BAföG?

Das Meister-Bafög ist eine finanzielle Unterstützung, die der Staat während der Weiterbildung monatlich zahlt. 40 Prozent der Förderung gibt der Staat dabei als Zuschuss, die restlichen 60 Prozent bekommen Meisterschüler als günstiges Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Kreditkonditionen sind gesetzlich festgelegt.

Wer bekommt Meister-BAföG? 

  • Personen  mit abgeschlossener Berufsausbildung, die einen Fortbildungsabschluss zum/zur Handwerks- und Industriemeister/in, Erzieher/in, Techniker/in, Fachkaufmann/frau, Betriebswirt/in anstreben.
  • Bachelor-Absolventen: Auch Meisterschüler, die bereits einen Bachelor haben, werden ab 2016 gefördert. Genauso steht die staatliche Unterstützung denjenigen zu, die ein Studium abgebrochen oder Abitur gemacht haben und bereits über Berufserfahrung verfügen. Sie müssen keine Erstausbildung absolviert haben.

Beantragen können die staatliche Förderung Deutsche, EU-Bürger und Ausländer mit ständigem Wohnsitz in Deutschland und einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis. Auch Zuwanderer, die seit mindestens 15 Monaten rechtmäßig in Deutschland leben und arbeiten haben Anspruch auf die finanzielle Unterstützung. Die Ausbildung wird dabei angerechnet.

Mit der 3. Gesetzesnovelle zum Meister-BAföG hat die Bundesregierung das Meister-BAföG auch für Bachelor-Absolventen geöffnet. Auch Studienabbrecher, die in eine betriebliche Ausbildung gewechselt sind, können mit bestimmten Vorqualifikationen Meister-BAföG erhalten.

Welche Weiterbildungen werden gefördert? 

Gefördert wird generell Aufstiegsfortbildung, also Weiterbildungen die über dem Niveau des Facharbeiter-, Gesellen-, Gehilfen- oder Berufsfachschulabschlusses liegen, mit der man einen höheren Berufsabschluss erreicht. Der Staat unterstützt eine Aufstiegsfortbildung pro Person. Wer bereits eine selbst finanzierte Aufstiegsfortbildung absolviert hat, verliert nach Angaben des BMBF hierdurch nicht den Förderanspruch.

Vollzeitfortbildungen dürfen nicht länger als drei Jahre dauern. Sie müssen mindestens 25 Unterrichtsstunden an vier Werktagen pro Woche umfassen. Teilzeitfortbildungen nicht länger als vier Jahre. Sie erfordern monatlich mindestens 18 Unterrichtsstunden im Durchschnitt.

Bei Fortbildungen, die in mehrere unzusammenhängende Blöcke aufgeteilt sind so wie die Meisterkurse, kann man auch für die einzelnen Kursteile finanzielle Unterstützung beantragen.

Überblick: Diese Weiterbildungen werden gefördert

  • Aufstiegsfortbildung: Weiterbildungen, die über dem Niveau des Facharbeiter-, Gesellen-, Gehilfen- oder Berufsfachschulabschlusses liegen, mit der man einen höheren Berufsabschluss erreicht.
  • Vollzeitfortbildungen: Sie dürfen nicht länger als drei Jahre dauern.
  • Teilzeitfortbildungen: Sie dürfen nicht länger als vier Jahre dauern.
  • Fernlehrgänge als Teilzeitfortbildungen.
  • Mediengestützte Lehrgänge, wenn sie in einem Umfang von mindestens 400 Stunden Präsenzphasen enthalten oder eine vergleichbare Situation durch eine mediengestützte Kommunikation schaffen.

Wie hoch ist das monatliche Meister-BAföG aktuell? 

Seit dem 1. August 2016 liegt der Zuschussbetrag bei einer Unterhaltsförderung  bei 333 Euro für Geförderte in Vollzeitlehrgängen zum Meister, Fachwirt, Techniker oder Erzieher. Der restliche Förderbetrag bis zum monatlichen Budget von 768 Euro steht als zinsgünstiges KfW-Darlehen zur Verfügung. Der maximale Maßnahmenbeitrag für Lehrgangs- und Prüfungskosten liegt bei 15.000 Euro.

Ein erfolgreicher Meister-Abschluss wird dabei belohnt: 40 Prozent des Restdarlehens muss der Handwerker nicht zurückzahlen. Zusätzlich gibt es einen Erlass, wenn der neue Meister im Anschluss an die geförderte Fortbildung innerhalb von drei Jahren ein Unternehmen gründet: bis zu 66 Prozen des Darlehens kann damit eingespart werden.

Einen dritten Zuschuss gibt es für die Materialkosten, die für die Erstellung des Meisterstücks nötig sind. Auch hier übernimmt der Staat bis zu 40 Prozent; die Summe ist allerdings bei 2.000 Euro gedeckelt.

Höhe des Meister-BAföGs im Überblick

  • Alleinstehende: bis zu 768 Euro (Zuschussanteil: 40 Prozent; Darlehensanteil: 60 Prozent)
  • Aufschlag für Verheiratete/Verpartnerte: bis zu 235 Euro (Zuschuss: 50 Prozent)
  • Kinderbetreuungszuschlag je Kind: bis zu 235 Euro (Zuschuss: 55 Prozent)
  • Kinderbetreuungskosten für Alleinerziehende: pauschal 130 Euro (Zuschuss: 100 Prozent)

Darf man zum Meister-BAföG etwas dazuverdienen?

Ja, denn es gibt einen Einkommensfreibetrag von 290 Euro für Alleinstehende. Ein Minijob mit dem Verdienst von 450 Euro ist laut BMBF dann anrechnungsfrei, wenn man die Werbungskostenpauschale und eine Sozialpauschale berücksichtigt. Wer verheiratet ist, dem steht ein um 570 Euro höherer Freibetrag zu. Je Kind erhöht er sich um 520 Euro.

Einen zusätzlichen Freibetrag gibt es beim Vermögen: Es wird erst ab einem Betrag von 45.000 Euro auf das Aufstiegs-BAföG angerechnet. Dieser Freibetrag erhöht sich bei Verheirateten und bei jedem Kind um 2.100 Euro.

Wo beantragt man die Förderung zum Handwerksmeister? 

In der Regel muss man das Meister-Bafög bei den kommunalen Ämtern für Ausbildungsförderung am ständigen Wohnsitz beantragen. Die Ämter entscheiden, wie hoch die Förderung ausfallen wird. Der Darlehensvertrag wird mit der KfW-Bank abgeschlossen. Antragsformulare gibt es hier.>>>

Wie läuft die Rückzahlung beim Meister-BAföG ab?

Der Kredit ist während des Zeitraums der Fortbildung und nach deren Abschluss zwei bis maximal sechs Jahre zins- und tilgungsfrei. Danach muss man das Geld innerhalb von zehn Jahren zurückzahlen. Die Raten richten sich nach dem Einkommen, betragen aber mindestens 128 Euro monatlich. Der Zinssatz liegt meist deutlich unter dem marktüblichen Niveau. Wer finanziell gut aufgestellt ist, kann das Darlehen auch vorzeitig in einer Summe zurückzahlen.

Wie wird das Meister-BAföG steuerlich behandelt?

Die erhaltenen Zahlungen aus dem Meister-BAföG müssen in der Einkommensteuererklärung an keiner Stelle eingetragen werden. Die Zahlungen sind nämlich nach § 3 Nr. 11 EStG in voller Höhe von der Einkommensteuer befreit und unterliegen auch nicht dem Progressionsvorbehalt nach § 32d EStG.

Interessant wird es steuerlich für Meister allerdings, wenn das BAföG-Darlehen nach absolvierter Meisterprüfung zurückgezahlt werden muss. Bei verzinslichen Darlehen ist bei der Rückzahlung zwischen dem Zins- und Tilgungsanteil zu unterscheiden. Den Zinsanteil dürfen Sie steuerlich als Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit abziehen. Machen Sie sich direkt nach der Meisterprüfung mit einem Handwerksbetrieb selbständig, ist der Zinsanteil als Betriebsausgabe vom Gewinn abzuziehen.

Der Tilgungsanteil ist steuerlich nicht absetzbar. Haben Sie also ein unverzinsliches Darlehen erhalten, können Sie dafür keine steuersparenden Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehen.

Was gilt bei der Übernahme der Kosten für Meisterkurs durch den Arbeitgeber?

Anstatt des BAföG können Sie auch mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass er die Kosten für den Meisterkurs finanziell übernimmt. Die Kostenübernahme durch den Arbeitgeber ist unter bestimmten Umständen steuerfrei. Da die Rechnung für den Meisterkurs auf Ihren Namen läuft, ist Voraussetzung für die Steuerfreiheit, dass die Übernahme dieser Fortbildungskosten vor Abschluss des Vertrags zum Meisterkurs vom Arbeitgeber schriftlich zugesagt wird. dhz

Steuertipp

Übernimmt Ihr Arbeitgeber die Kosten für den Meisterkurs, wird er Sie jedoch in einer gesonderten Vereinbarung dazu verpflichten, dass Sie mindestens drei bis fünf Jahre weiter in seinem Betrieb arbeiten oder bei vorzeitiger Kündigung die übernommenen Kosten anteilig zurückzahlen müssen. Käme es zu einer anteiligen Zurückzahlung, dürften Sie diese als Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit steuerlich geltend machen.

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