Meisterausbildung Meister werden: Was Sie wissen müssen

Wer das Ziel hat, Meister zu werden, den treibt vor allem eine Frage um: Was kommt da auf mich zu? Denn nicht nur das Lernen ist für die meisten eine Herausforderung. Bei vielen geht es auch um Zeit, Kosten und Finanzierung. Doch es lohnt sich. Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Meisterausbildung.

Frau hält einen Vortrag am Flipchart vor einer Gruppe
Meisterausbildung kann man in Vollzeit oder Teilzeit absolvieren. Je nach Beruf sind damit verschieden hohe Kosten verbunden. Die Investitionen zahlen sich später aber aus, denn Handwerksmeister können mit höheren Löhnen rechnen. - © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Nach der Gesellenprüfung noch den Meistertitel zu machen, bringt viele Vorteile mit sich. In vielen Berufen ist der Meistertitel Voraussetzung, um sich selbstständig zu machen. Der Titel ist für jeden Betrieb ein gutes Aushängeschild. Für Handwerker, die keinen eigenen Betrieb gründen möchten, kann sich der Meister lohnen, um als Angestellter aufzusteigen. Wer den Meister macht, hält sich nicht zuletzt die Möglichkeit offen, später noch zu studieren.

Wieso also nicht? Allerdings machen sich viele um Kosten und Lernstress Gedanken, die mit den Meisterkursen auf sie zukommen. "Generell soll sich nur der weiterbilden, der Lust dazu hat", sagt Dieter Schmid, Leiter der Abteilung Meisterprüfungswesen bei der Handwerkskammer Schwaben. Doch meistens lohnt es sich. Und nur wenige fallen durch die Prüfungen.

Wer darf die Weiterbildung zum Handwerksmeister absolvieren?

Um sich für die Meisterprüfung anmelden zu können, wird eine bestandene Gesellenprüfung vorausgesetzt. Wenn Handwerker den Meister im gleichen Beruf anstreben, können sie die Fortbildung zum Meister im Prinzip direkt an die Ausbildung anschließen. Möchte man einen fachfremden Meister machen, braucht man drei bis vier Jahre Berufserfahrung. Das hängt jeweils davon ab, wie lange die eigentliche Berufsausbildung dauert.

Mit Ausnahmegenehmigung und ausreichend Berufserfahrung können sich auch Personen, die keine Berufsausbildung abgeschlossen haben, für die Meisterprüfung anmelden. Viele Meisterausschüsse verlangen aber, zuvor als externer Prüfling die Gesellenprüfung abzulegen.

Zum Meister in vier Schritten: Wie läuft die Meisterfortbildung ab?

Die Meisterfortbildungen sind grundsätzlich in vier Prüfungsteile aufgeteilt:

  • praktischer Teil (I)
  • fachtheoretischer Teil (II)
  • betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Teil (III)
  • berufspädagogischer Teil (IV)

Am Ende jedes Teils findet die Prüfung statt. Es ist nicht verbindlich vorgegeben, in welcher Reihenfolge man die Prüfungsteile absolvieren muss.

Schmid rät allerdings dazu, mit Teil III zu beginnen und Teil IV anzuschließen, da sich die meisten Handwerker mit dem betriebswirtschaftlichen Teil am schwersten tun. Erst dann sollte man die Kurse I und II besuchen. Gerade das betriebswirtschaftliche Wissen aus Teil III ist für den fachtheoretischen Teil eine gute Grundlage.

Wer schon Fortbildungen wie die Ausbildereignungsprüfung gemacht hat oder bereits Techniker ist, kann sich einzelne Prüfungsteile auch anrechnen lassen.

Es gibt Industrie-, Fach- oder Handwerksmeister. Was ist für wen?

Kurz erklärt: Die Fortbildung zur Handwerksmeisterin oder zum Handwerksmeister gliedert sich in vier Teile: Fachpraxis, Fachtheorie, Betriebswirtschaft und Recht sowie Berufs- und Arbeitspädagogik - um später Lehrlinge ausbilden zu können.

"Angehende Fachmeister und Industriemeister durchlaufen dagegen nicht diese vier Bereiche, sondern sind Spezialisten", sagt Berufsbildungsexperte Volker Born vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Ihre Meisterausbildung konzentriert sich auf den fachlichen Bereich.

Vollzeit oder Teilzeit: Muss man für die Meisterausbildung den Job unterbrechen?

Die meisten Meisterschulen bieten sowohl Vollzeit- als auch Teilzeitkurse an. Während der Unterricht bei Vollzeitkursen wochenweise im Block stattfindet, sitzen Teilzeit-Meisterschüler meist Freitagnachmittag und Samstag in der Schule. Bei Teilzeitkursen ist es dafür möglich, nebenbei zu arbeiten. Zwar ist man mit Beruf und Weiterbildung doppelt belastet. Doch für viele, die sich den Verdienstausfall nicht leisten können, sind Teilzeitkurse eine gute Möglichkeit, die Fortbildung zum Meister trotzdem zu machen.

Viele Handwerkskammern oder Meisterschulen haben flexible Kurs-Angebote, so dass auch jemand, der eigentlich einen Teilzeitkurs macht, zwischendurch eine Woche Blockunterricht einschieben kann. Bei einigen Meisterschulen können Meisterschüler einzelne Kursteile auch Online absolvieren. Über die Angebote informiert die jeweilige Handwerkskammer.

In Deutschland gibt es weit über 3.000 Meisterschulen. Einige Kurse werden jedoch nur an bestimmten Orten angeboten. Eine Übersicht der Meisterschulen gibt es hier.  

Was kostet der Meistertitel?

Viele Handwerker lassen sich von den Kosten der Weiterbildung abschrecken. Die sind von Gewerk zu Gewerk unterschiedlich: günstigere Fortbildungen zum Meister wie die der Fleischer und Friseure kosten um die 4.000 Euro. Teurere, wie die zum Elektriker-Meister kosten rund 9.000 Euro. Je nachdem wo sich die nächstgelegene Meisterschule befindet, kommen dazu noch Fahrtkosten oder Unterkunftskosten.

Auch die Prüfungsgebühren, die die Handwerkskammern erheben, sind regional unterschiedlich und belaufen sich beispielsweise in Schwaben auf etwa 750 Euro; ab 2019 steigen sie auf etwa 850 Euro. Doch es lohnt sich: "Finanziell rechnet sich der Meister meist nach vier bis fünf Jahren. Das ist aber natürlich von der Branche und dem Arbeitgeber abhängig", erläutert Schmid.

Meister-Bafög und Meisterbonus: Welche finanzielle Förderung durch den Staat gibt es?

Wer mit den Kosten der Meisterausbildung alleine nicht fertig wird, kann Meister-Bafög beantragen. Der Staat bezuschusst die Ausbildung mit 50 Prozent. Der Rest ist ein Darlehen zu günstigen Konditionen bei der KfW-Bank, das zurückgezahlt werden muss. Die Deutsche Handwerks Zeitung hat alle wichtigen Informationen zum Meister-Bafög für Sie zusammengestellt.

In vielen Bundesländern gibt es zusätzlich auch noch besondere Förderungen der erfolgreichen Fortbildung an sich – wie etwa in Bayern den Meisterbonus – oder Meistergründungsprämien. Hier können Sie Details zu diesen Zuschüssen und Förderprogrammen für Handwerksmeister nachlesen.>>>

Beim Bundesministerium für Bildung und Forschung gibt es zudem ein Weiterbildungsstipendium für besonders gute Gesellen. Auch wenn es rechtlich möglich ist, direkt nach der Ausbildung den Meister anzuschließen, empfehlen die Weiterbildungsberater der Handwerkskammern jungen Gesellen, zunächst etwas Berufserfahrung zu sammeln.

>>> Weitere Informationen zum Weiterbildungsstipendium gibt es auf der Website des Bildungsministeriums.

"Je jünger die Prüflinge sind, desto weniger fachliches Wissen ist vorhanden. Die Erfahrung fehlt einfach", sagt Schmid. Das zeige sich dann vor allem an den Noten, mit denen sie die Meisterprüfungen abschließen. Und schon gar nicht sollten sich junge Handwerker von den Eltern dazu drängen lassen. Sie sind dann nicht mit dem Kopf bei der Sache und tun sich in den Kursen schwer.

Bildungsexperte Born empfiehlt bei Fragen der Finanzierung, frühzeitig zur zuständigen Handwerkskammer zu gehen und sich beraten lassen - gerade, was Fördermöglichkeiten angeht. Es lohne sich zudem, mit dem Arbeitgeber zu sprechen. "Mitunter kommt es vor, dass er die Meisterausbildung finanziell unterstützt", so Born.

Wo kann ich den Meister machen?

Einen guten Überblick zu den Weiterbildungsangeboten bekommen Interessierte mit Online-Datenbanken. Die Handwerkskammern empfehlen neben ihren eigenen Internetauftritten die Webseite www.meisterschulen.de oder das Angebot Kursnet der Bundesagentur für Arbeit. Ergänzend lohnt sich eine Weiterbildungsberatung bei der Handwerkskammer vor Ort. Gesellen können zudem unter www.karriereportal-handwerk.de suchen.

dhz/dpa

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    2021 haben rund 19.500 Handwerker ihre Meisterprüfung bestanden und können nun ihren eigenen Betrieb gründen. Gleichzeitig haben fast 90.000 Auszubildende ihre Lehre erfolgreich abgeschlossen. (Quelle: ZDH)
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    Das Handwerk erwirtschaftete im Jahr 2021 einen Umsatz in Höhe von rund 668 Milliarden Euro (ohne MwSt) – das sind fast 120.000 Euro pro Handwerker. (Quelle: ZDH)
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    Maler steht auf einer LEiter und streicht die Wand
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    Bezogen auf die Anzahl der Handwerks­unternehmen, die tätigen Personen sowie den Umsatz ist das Ausbaugewerbe die größte Gewerbegruppe. Im Jahr 2019 erwirtschafteten in dieser Gewerbegruppe mehr als 230 400 Handwerks­unternehmen etwa 172 Milliarden Euro Umsatz und im Jahresdurchschnitt 2019 waren dort rund 1,5 Millionen Personen tätig. (Quelle: Destatis)
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    Im Jahr 2019 gab es in der Gruppe der Handwerke für den privaten Bedarf rund 87.200 Handwerks­unternehmen. Sie ist gemessen an der Anzahl der Handwerks­unternehmen die zweitgrößte Gewerbegruppe. (Quelle: Destatis)
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    Maurer baut Steinmauer
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    Im Bauhauptgewerbe waren 2019 rund 71.000 Handwerksunternehmen registriert. Bei den Lehrlingen sind Maurer und Dachdecker unter den zehn beliebtesten Ausbildungsberufen vertreten. (Quellen: Destatis, ZDH)
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    Mann wirft Geldscheine in die Luft
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    Die Umsätze im Handwerk sind seit 2003 von 475 Milliarden auf 668 Milliarden Euro im Jahr 2020 gestiegen. (Quelle: ZDH)
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    Rund 1,03 Millionen Betriebe waren 2021 offiziell gemeldet. 5.574.000 Beschäftigte gingen einem Handwerk nach. (Quelle: ZDH)
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    Auf die Gesamtwirtschaft hochgerechnet, beschäftigt das Handwerk rund 12,4 Prozent aller Erwwerbstätigen in Deutschland. Außerdem trägt das Handwerk einen erheblichen Anteil der Ausbildungsleistung. Rund ein Drittel der Ausbildungen werden in einem Handwerksbetrieb abgeschlossen. (Quelle: ZDH)
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    Im Jahr 2021 waren in den knapp eine Million Handwerksbetrieben 359.981 Lehrlinge tätig. Etwa jeder sechste Azubi war weiblich. (Quelle: ZDH)
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    Zwei Frauen werden im Friseursalon bedient
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    Friseurin steht seit Jahren auf Platz eins der beliebtesten handwerklichen Ausbildungsberufe bei den Frauen. Kauffrau für Büromanagement und Fachverkäuferin im Lebensmittelhandel belegen Platz zwei und drei. (Quelle: ZDH)
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    KFZ-Mechatroniker
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    Kraftfahrzeugmechatroniker ist der beliebteste Ausbildungsberuf bei den Männern. Elektroniker und Anlagenmechaniker SHK folgen auf Platz zwei und drei. (Quelle: ZDH)
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    Frau Rutscht auf Bananenschale aus
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    Allein in der Bauwirtschaft wurden 2020 fast 103.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle registriert. In der Bauwirtschaft wurden zudem im selben Jahr rund 16.000 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit gestellt. (Quelle: BG Bau)
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    Arbeit mit "I work safe" Plakat
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    Die am häufigsten gemeldeten Verdachtsfälle auf eine Berufskrankheit im Baugewerbe sind der weiße Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom) oder multiple aktinische Keratose (2.768), Lärmschwerhörigkeit (2.686) und Lungenkrebs in Verbindung mit Asbest (1.411). (Stand 2020, Quelle: BG Bau)

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