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Meisterbonus, Meistergründungsprämie, Meisterprämie und Meister-Extra Handwerksmeister bekommen Prämien

Um mehr Handwerker dazu zu motivieren, ihren Meister zu machen und mehr Handwerksmeister, einen eigenen Betrieb zu gründen oder einen bestehenden zu übernehmen, zahlen einige Bundesländer spezielle Prämien. Doch wer bekommt wo wie viel und was muss man für die Förderung tun?

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Meister im Handwerk

Nachfolger dringend gesucht: Das Handwerk altert, viele Betriebsinhaber sind über 55 Jahre alt und bei einem Großteil von ihnen ist nicht geklärt, wer die Firma übernimmt, wenn der Ruhestand ansteht. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) suchen rund 180.00 Betriebe bis zum Jahr 2020 einen Nachfolger. Schon jetzt zeigt sich in einigen Regionen Deutschlands ein deutlicher Trend. So ist beispielsweise der Betriebsbestand in Thüringen bereits rückläufig. Gab es im Jahr 2011 noch 31.951 Handwerksbetriebe, so waren bei der Handwerkskammer im Jahr 2015 nur noch 30.945 registriert. Ein Drittel der thüringischen Betriebsinhaber hat das Alter von 55 Jahren überschritten.

Um den Trend zu stoppen, setzt das ostdeutsche Bundesland seit diesem Jahr auf eine ganz spezielle Förderung: eine Prämie für Handwerksmeister. Damit ist das ostdeutsche Bundesland nicht allein, denn in diesem Jahr starten auch Sachsen und Mecklenburg-Vormpommer mit neuen Meisterförderprogrammen. Zudem gibt es bereits in anderen Ländern Förderungen, die sich bewährt haben.

Mehr Handwerksmeister sollen Betriebe führen

Eine Nachfolge aus der Familie ist heute kein Standard mehr und nicht immer finden sich geeignete Angestellte für eine Betriebsübernahme. In einigen Bundesländern übersteigt die Zahl der Gewerbeabmeldungen bereits die Zahl der Anmeldungen. Auch Neugründungen gibt es zu wenige. Deshalb wollen einige Bundesländer gezielt darauf setzen, Handwerksmeister zu unterstützen – mit Zuschüssen zur Gründung einer Firma oder mit Prämien, die dazu motivieren sollen, eine Weiterbildung zum Handwerksmeister zu machen.

Schließlich gilt der Meister in den meisten Gewerken als Voraussetzung für eine Betriebsgründung bzw. Betriebsübernahme unter eigener Regie. Und meistergeführte Betriebe haben meist auch eine längere Lebensdauer. Laut ZDH ist eine Kopplung von Existenzgründerprämien an den Meister deshalb sinnvoll. Seit der Aufhebung der Meisterpflicht in einigen Gewerken im Jahr 2004 habe es einen Trend zu Neugründungen gegeben, die häufig scheiterten. Der  häufigste Grund dafür: eine unzureichende Qualifikation der Gründer.

So fördern die Bundesländer Handwerksmeister

Handwerksmeister sollen also gezielt gefördert werden. Dafür haben die Bundesländer allerdings jeweils ganz eigene Programme aufgelegt. Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und künftig auch Mecklenburg-Vorpommern setzen auf die sogenannte Meistergründungsprämie. Handwerker mit einer abgeschlossenen Meisterfortbildung können einen Zuschuss von mehreren tausend Euro bekommen, wenn sie einen Betrieb gründen oder übernehmen.

In Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen gibt es dagegen einen Meisterbonus – eine Einmalzahlung von 1.000 Euro nach erfolgreichem Absolvieren der Meisterausbildung. In Thüringen ist der Bonus den jeweils besten Absolventen eines Gewerks in jedem der drei Kammerbezirke vorbehalten. Mecklenburg-Vorpommern wird den Meisterbonus – der hier "Meister-Extra" heißt – künftig voraussichtlich ausbauen. Eine Erhöhung auf 2.000 Euro ist im Gespräch.

Einen Meisterbonus einzuführen, fordert derzeit auch das Baden-Württembergische Handwerk – allerdings in einem abgestuften Modell. Dazu teilte Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold erst kürzlich mit: "Wir wollen eine Prämie von 1.000 Euro für jeden Handwerker, der die Meisterprüfung ablegt. Konkret stellen wir uns das so vor, dass das Land ein Darlehen gewährt. Wer die Prüfung besteht, soll dies dann nicht mehr zurückzahlen müssen. Wer dagegen nur bestimmte Schritte auf dem Weg zum Meister absolviert und dann abbricht, der muss Teile des Darlehens wieder zurückzahlen."

Reichhold sieht in der Meisterprämie einen "Baustein mit Signalwirkung", der darauf hinweisen soll, wie drängend die Probleme der fehlenden Nachfolger sind. "Wir machen uns Sorgen, dass es bald zu wenig Meister gibt", sagt er und verweist auf 19.000 Betriebe in Baden-Württemberg, die vor einer Übernahme stehen. In eine Meisterausbildung müssten Gesellen gut und gerne 10.000 Euro investieren und da sei eine Förderung durch die Landesregierung nötig. Zu lange hätte sich die Politik einseitig um die akademische Bildung bemüht. mit Material von dpa

So werden Handwerksmeister gefördert

Zusätzlich zu den verschiedenen Meisterprämien gibt es Unterstützungsprogramme der landeseigenen Förderbanken und klassische Gründungshilfen der KfW. So gibt es beispielsweise für Meister, die einen Betrieb gründen oder übernehmen wollen, im Freistaat Sachsen das sogenannte Meisterdarlehen der Sächsischen Aufbaubank (SAB) oder die Startfinanzierung 80 der Baden-Württembergischen L-Bank.

Weitere Infos zu den Meisterprämien

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