Wie man Aufstiegs-BAföG beantragt und wer es bekommt Aufstiegs-BAföG: FAQ zum ehemaligen Meister-BAföG

Das Meister-BAföG heißt seit 2020 offiziell Aufstiegs-BAföG. Nicht nur der Weg zum Meister wird damit unterstützt, sondern auch andere Weiterbildungsstufen. Was Handwerker zum Aufstiegs-BAföG wissen müssen. Ein Überblick.

Handwerkerin arbeitet mit Leder
Wer sich im Handwerk weiterbilden möchte, kann eine staatliche Unterstützung erhalten, das Aufstiegs-BAföG. - © mathefoto - stock.adobe.com

Das Meister-BAföG gibt es seit 1996. Seit der letzten Novelle des Aufstiegsbildungsförderungsgesetzes (AFGB) heißt das "Meister-BAföG" offiziell "Aufstiegs-BAföG". Das Bundesbildungsministerium hat 2019 weitere Änderungen angekündigt und 2020 umgesetzt. Grundlage dafür ist die Novelle des Aufstiegsfortbildungs- förderungsgesetzes .Das gilt seit 2020 beim Aufstiegs-BAföG:

Aufstiegs-BAföG: Was gilt neu seit August 2020?

Seit August 2020 gibt es das Aufstiegs-Bafög für jede einzelne Fortbildungsstufe neu – angefangen vom "Berufsspezialist“, über den "Bachelor Professional“ bis zum "Master Professional“. Gefördert werden also alle drei Stufen: beispielsweise vom Gesellen zum Servicetechniker, vom Servicetechniker zum Meister und vom Meister zum Betriebswirt im Handwerk. Darüber hinaus werden bei vollzeitschulischen Fortbildungsmaßnahmen alle Kosten übernommen. Zuvor war dies nur für die Hälfte der Kosten der Fall.

Was wird am neuen Aufstiegs-BAföG kritisiert?

"Die Förderung von bis zu drei aufeinander aufbauenden Fortbildungen ist ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der dringend benötigten Fachkräfte und Ausdruck jener Wertschätzung, die das Fortbildungssystem der Höheren Berufsbildung verdient", kommentierte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) die geplanten Änderungen durch die Gesetzesnovelle. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke teilte zudem mit, dass für Existenzgründer zudem ein vollständiger Darlehenserlass geplant sei. "Angesichts der mehreren zehntausend anstehenden Unternehmensnachfolgen bei kleinen und mittleren Betrieben in den nächsten zwei Jahren ist das ein richtiges Signal", so Schwannecke.

Dennoch übt der Verband Kritik: Denn noch immer sieht er keine volle Gleichbehandlung zwischen akademischer und beruflicher Bildung. So sei es erforderlich, dass alle erfolgreichen Prüfungsabsolventen vom Restdarlehen für die Fortbildungskosten befreit werden. Nach dem neuen Gesetzesentwurf müssen Absolventen der Höheren Berufsbildung, die keine berufliche Selbständigkeit anstreben, 25 Prozent ihrer Fortbildungskosten selber tragen und würden damit im Vergleich zu kostenfrei Studierenden benachteiligt.

Was ist das Aufstiegs-BAföG?

Das Aufstiegs-BAföG ist eine finanzielle Unterstützung, die der Staat während der Weiterbildung monatlich zahlt. Teile der Förderung gibt der Staat als Zuschuss, den Rest bekommen Meisterschüler oder Teilnehmer einer anderen Weiterbildung als günstiges Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Kreditkonditionen sind gesetzlich festgelegt.

Wer bekommt Aufstiegs-BAföG? 

  • Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung, die einen Fortbildungsabschluss zum/zur Handwerks- und Industriemeister/in, Erzieher/in, Techniker/in, Fachkaufmann/frau, Betriebswirt/in anstreben.
  • Bachelor-Absolventen: Auch Meisterschüler, die bereits einen Bachelor haben, werden seit 2016 gefördert. Genauso steht die staatliche Unterstützung denjenigen zu, die ein Studium abgebrochen oder Abitur gemacht haben und bereits über Berufserfahrung verfügen. Sie müssen keine Erstausbildung absolviert haben.
  • Seit August 2020 wurde der Kreis der möglichen Geförderten auf diejenigen erweitert, die nach einer Berufsausbildung eine Fortbildung absolvieren, die nicht zum Meister, aber zu einem höheren Abschluss als dem bisherigen führen - Maßnahmen auf der ersten beruflichen Fortbildungsstufe .

Beantragen können die staatliche Förderung Deutsche, EU-Bürger und Ausländer mit ständigem Wohnsitz in Deutschland und einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis. Auch Zuwanderer, die seit mindestens 15 Monaten rechtmäßig in Deutschland leben und arbeiten haben Anspruch auf die finanzielle Unterstützung. Die Ausbildung wird dabei angerechnet.

Welche Weiterbildungen werden gefördert? 

Eine förderfähige Maßnahme muss dem Gesetz zufolge fachlich gezielt auf eine öffentlich-rechtliche Prüfung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG), der Handwerksordnung (HwO) oder auf gleichwertige Abschlüsse nach Bundes- oder Landesrecht vorbereiten. Sie muss mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen und setzt eine Teilnahme an einem Unterricht voraus.

Seit 2020 sind auch Maßnahmen auf der ersten beruflichen Fortbildungsstufe förderfähig. Sie müssen mindestens 200 Unterrichtsstunden umfassen und können auch in Teilzeit absolviert werden. Bei Vollzeitmaßnahmen müssen in der Regel je Woche mindestens 25 Unterrichtsstunden an vier Werktagen stattfinden. Auch praktische Zeiten werden berücksichtigt. Vollzeitfortbildungen dürfen insgesamt nicht länger als drei Jahre dauern. Bei Teilzeitmaßnahmen müssen die Lehrveranstaltungen monatlich im Durchschnitt mindestens 18 Unterrichtsstunden umfassen. Teilzeitmaßnahmen dürfen grundsätzlich nicht länger als vier Jahre dauern. Dabei können auch Fernlehrgänge als Teilzeitmaßnahme gefördert werden und unter bestimmten Voraussetzungen auch mediengestützte Lehrgänge.

Ausführliche Infos zu allen neuen Weiterbildungsmaßnahmen, die gefördert werden gibt es hier.>>>

Überblick: Diese Weiterbildungen werden gefördert

  • Aufstiegsfortbildung: Weiterbildungen, die über dem Niveau des Facharbeiter-, Gesellen-, Gehilfen- oder Berufsfachschulabschlusses liegen, mit der man einen höheren Berufsabschluss erreicht.
  • Fortbildungen der erste beruflichen Fortbildungsstufe: Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung (Gesellenbrief).
  • Vollzeitfortbildungen: Sie dürfen nicht länger als drei Jahre dauern.
  • Teilzeitfortbildungen: Sie dürfen nicht länger als vier Jahre dauern.
  • Fernlehrgänge als Teilzeitfortbildungen.
  • Mediengestützte Lehrgänge, wenn sie in einem Umfang von mindestens 400 Stunden Präsenzphasen enthalten oder eine vergleichbare Situation durch eine mediengestützte Kommunikation schaffen.

Wie hoch ist das monatliche Aufstiegs-BAföG?

Das Aufstiegs-BAföG teilt sich in verschiedene Zuschüsse und Darlehen auf, die in Anspruch genommen werden können: Den Unterhaltsbeitrag, den Maßnahmenbeitrag für Lehrgangs- und Prüfungskosten und eine Unterstützung für Materialkosten:

Seit August 2020 wird der Unterhaltsbeitrag vollständig als Zuschuss geleistet und liegt bei maximal 892 Euro pro Monat. Die Höhe des Unterhaltsbeitrags richtet sich nach dem jeweiligen Einkommen und Vermögen des Antragstellers. Für Ehepartner und Kinder werden Zuschläge bezahlt.

Höhe des Aufstiegs-BAföGs im Überblick

  • Alleinstehende: bis zu 892 Euro (komplett als Zuschuss)
  • Aufschlag für Verheiratete/Verpartnerte: bis zu 235 Euro (Zuschuss: 50 Prozent)
  • Kinderbetreuungszuschlag je Kind: bis zu 235 Euro (Zuschuss: 55 Prozent)
  • Kinderbetreuungskosten für Alleinerziehende: pauschal 130 Euro (Zuschuss: 100 Prozent)

Der maximale Maßnahmenbeitrag für Lehrgangs- und Prüfungskosten liegt bei 15.000 Euro. Er wird zu 50 Prozent als Zuschuss bezahlt. Für die Restbeträge stehen Darlehen der KfW zur Verfügung, die die Fortbildenden in Anspruch nehmen können.

Ein erfolgreicher Meister-Abschluss wird belohnt: 50 Prozent des Restdarlehens Lehrgangs- und Prüfungsgebühren muss der Handwerker nicht zurückzahlen. Zusätzlich gibt es einen Erlass, wenn der neue Meister im Anschluss an die geförderte Fortbildung innerhalb von drei Jahren ein Unternehmen gründet: dann kann bis zu 100 Prozent des Darlehens damit eingespart werden.

Einen dritten Zuschuss gibt es für die Materialkosten, die für die Erstellung des Meisterstücks nötig sind. Auch hier übernimmt der Staat bis zur Hälfte der Kosten; die Summe ist allerdings bei 2.000 Euro gedeckelt. 50 Prozent der Förderung sind ein Zuschuss; die weiteren 50 Prozent können wiederum als Darlehen bei der KfW beantragt werden.

Darf man zum Aufstiegs-BAföG etwas dazuverdienen?

Ja, denn es gibt einen Einkommensfreibetrag von 290 Euro für Alleinstehende. Ein Minijob mit dem Verdienst von 450 Euro ist laut BMBF dann anrechnungsfrei, wenn man die Werbungskostenpauschale und eine Sozialpauschale berücksichtigt. Wer verheiratet ist, dem steht ein um 570 Euro höherer Freibetrag zu. Je Kind erhöht er sich um 520 Euro.

Einen zusätzlichen Freibetrag gibt es beim Vermögen: Es wird bislang erst ab einem Betrag von 45.000 Euro auf das Aufstiegs-BAföG angerechnet. Dieser Freibetrag erhöht sich bei Verheirateten und bei jedem Kind um 2.300 Euro.

Wo beantragt man die Förderung zum Handwerksmeister? 

In der Regel muss man das Meister-Bafög bei den kommunalen Ämtern für Ausbildungsförderung am ständigen Wohnsitz beantragen. Die Ämter entscheiden, wie hoch die Förderung ausfallen wird. Der Darlehensvertrag wird mit der KfW-Bank abgeschlossen. Antragsformulare gibt es hier.>>>

Wie läuft die Rückzahlung beim Aufstiegs-BAföG ab?

Der Kredit ist während des Zeitraums der Fortbildung und nach deren Abschluss zwei bis maximal sechs Jahre zins- und tilgungsfrei. Danach muss man das Geld innerhalb von zehn Jahren zurückzahlen. Die Raten richten sich nach dem Einkommen, betragen aber mindestens 128 Euro monatlich. Der Zinssatz liegt meist deutlich unter dem marktüblichen Niveau. Wer finanziell gut aufgestellt ist, kann das Darlehen auch vorzeitig in einer Summe zurückzahlen.

Wie wird das Meister-BAföG steuerlich behandelt?

Die erhaltenen Zahlungen aus dem Meister-BAföG müssen in der Einkommensteuererklärung an keiner Stelle eingetragen werden. Die Zahlungen sind nämlich nach § 3 Nr. 11 EStG in voller Höhe von der Einkommensteuer befreit und unterliegen auch nicht dem Progressionsvorbehalt nach § 32d EStG.

Interessant wird es steuerlich für Meister allerdings, wenn das BAföG-Darlehen nach absolvierter Meisterprüfung zurückgezahlt werden muss. Bei verzinslichen Darlehen ist bei der Rückzahlung zwischen dem Zins- und Tilgungsanteil zu unterscheiden. Den Zinsanteil dürfen Sie steuerlich als Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit abziehen. Machen Sie sich direkt nach der Meisterprüfung mit einem Handwerksbetrieb selbständig, ist der Zinsanteil als Betriebsausgabe vom Gewinn abzuziehen.

Der Tilgungsanteil ist steuerlich nicht absetzbar. Haben Sie also ein unverzinsliches Darlehen erhalten, können Sie dafür keine steuersparenden Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehen.

Was gilt bei der Übernahme der Kosten für Meisterkurse durch den Arbeitgeber?

Anstatt des BAföGs können Sie auch mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren, dass er die Kosten für den Meisterkurs finanziell übernimmt. Die Kostenübernahme durch den Arbeitgeber ist unter bestimmten Umständen steuerfrei. Da die Rechnung für den Meisterkurs auf Ihren Namen läuft, ist Voraussetzung für die Steuerfreiheit, dass die Übernahme dieser Fortbildungskosten vor Abschluss des Vertrags zum Meisterkurs vom Arbeitgeber schriftlich zugesagt wird. jtw

Steuertipp

Übernimmt Ihr Arbeitgeber die Kosten für den Meisterkurs, wird er Sie jedoch in einer gesonderten Vereinbarung dazu verpflichten, dass Sie mindestens drei bis fünf Jahre weiter in seinem Betrieb arbeiten oder bei vorzeitiger Kündigung die übernommenen Kosten anteilig zurückzahlen müssen. Käme es zu einer anteiligen Zurückzahlung, dürften Sie diese als Werbungskosten aus nichtselbständiger Arbeit steuerlich geltend machen.