Online-Diskussion Kanzleramtsminister verteidigt Anhebung des Mindestlohns

Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (SPD) hat die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro gerechtfertigt. Allerdings soll dieser politische Eingriff einmalig bleiben. Fürs Handwerk hielt Schmidt auch gute Nachrichten bereit.

Kammerpräsident Jörg Dittrich beim Online-Talk "Fürs Handwerk nachgefragt: Neues Jahr, neue Bundesregierung – die politischen Vorhaben auf dem Prüfstand" der Handwerkskammer Dresden. - © André Wirsig/HWK Dresden

Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (SPD) hat die Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro verteidigt. Im Talk-Format "Fürs Handwerk nachgefragt" der Handwerkskammer Dresden sagte der Politiker: "Als Gesellschaft müssen wir uns überlegen, was ist uns Arbeit wert." Dies sei auch eine Frage des Respekts.

Die politische Festsetzung des Mindestlohns auf zwölf Euro stößt bei Handwerksvertretern auf Kritik. Dabei geht es weniger um die Höhe. Kritiker befürchten vielmehr, dass sich Politiker immer wieder dazu hinreißen lassen könnten, Gehälter gesetzlich festzulegen statt dies den Tarifpartnern zu überlassen.

Der Chef-Koordinator im Kanzleramt versuchte diese Sorge zu zerstreuen. Er sprach von einem einmaligen Schritt, danach werde die Festsetzung wieder der Mindestlohnkommission zufallen. Den Wunsch einiger Arbeitnehmervertreter nach weitergehenden Eingriffen bezeichnete er als "falsche Sichtweise". Es solle keine politische Festsetzung sein, bei der wir "in jedem Wahlkampf eine Wiederaufführung erleben".

Energiewende "bietet unendlich viele Chancen fürs Handwerk"

Kanzleramtsminister Schmidt hob die Rolle des Handwerks bei der Energiewende und beim Klimaschutz hervor. "Die ganze Transformation, die wir vor uns haben und die eine gigantische Aufgabe ist, die größte Aufgabe seit 100 Jahren, bietet unendlich viele Chancen fürs Handwerk."

Er stellte in Aussicht, das Handwerk bei der Rekrutierung von Fachkräften zu unterstützen. "Wir haben eine Riesenherausforderung, genug junge Leute zu gewinnen, den Handwerksberuf zu erlernen." Es gehe nun darum, die Durchlässigkeit von beruflicher und akademischer Bildung zu verbessern und Zugänge zu erleichtern – etwa durch das "deutliche Absenken der Kosten für Meisterkurse".

Einwanderung ähnlich wie in Kanada ermöglichen

Überdies sprach sich Schmidt für zielgerichtete Einwanderung in den Arbeitsmarkt aus. Als Ergänzung zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz gelte es nun, sich als "zweite Säule" dem Punktesystem von Kanada anzunähern, "so dass wir noch mehr Leute zu uns holen können, die uns nützen und die im Bereich des Handwerks zur Verfügung stehen".

Der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Jörg Dittrich, mahnte an, Familienbetriebe nicht immer stärker zu belasten. Lohnintensive Arbeit sei in Deutschland benachteiligt. Die Leistungsträger der Gesellschaft verdienten mehr Anerkennung. "Ich hoffe inständig, dass die Leistungsträger entlastet werden", sagte der Dachdeckermeister. str