Umfrage des Ifo-Instituts Mindestlohn: Fast jeder zweite Betrieb muss Gehälter anheben

Am 1. Oktober soll der Mindestlohn auf zwölf Euro pro Stunde steigen. Laut einer Umfrage muss fast jeder zweite Betrieb die Löhne dann nach oben korrigieren. Arbeitgeber halten die Erhöhung für verfassungswidrig und prüfen juristische Schritte.

Die Gehaltsstrukturen im Friseurhandwerk werden sich durch den Mindestlohn von zwölf Euro stark verändern. - © ansyvan - stock.adobe.com

Die Ampel-Koalition möchte den gesetzlichen Mindestlohn im Oktober von derzeit 9,82 Euro auf zwölf Euro erhöhen. Rund 44 Prozent der Arbeitgeber müssen damit ihre Löhne anpassen. Das geht aus einer Umfrage des Ifo-Instituts im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad hervor, für die 630 Personalleiter befragt wurden. Umgekehrt zahlt jeder zweite Unternehmer seinen Beschäftigten bereits jetzt mindestens zwölf Euro pro Stunde. Sechs Prozent der Befragten machten keine Angaben.

Industrie muss am wenigsten korrigieren

Die Mindestlohnerhöhung wirkt sich in den verschiedenen Wirtschaftszweigen unterschiedlich stark aus. Am wenigsten nachjustieren muss die Industrie: In 37 Prozent der Unternehmen liegt der Mindestlohn unterhalb der Grenze von 12 Euro. Im Dienstleistungssektor stellen sich 42,5 Prozent der Firmen auf eine Anpassung der Gehaltsstruktur ein. Am stärksten betroffen ist der Handel: Knapp 54 Prozent der Unternehmen müssen die Löhne am 1. Oktober nach oben korrigieren.

Arbeitgeber erwarten Ergebnis eines juristischen Gutachtens

Die laute Kritik der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) reißt unterdessen nicht ab. In einer Stellungnahme heißt es, die angestrebte Anhebung des Mindestlohns greife tief in die tarifautonome Lohnfindung in Deutschland ein. Ein Eingriff in laufende Tarifverträge wäre verfassungsrechtlich problematisch. Das Ergebnis eines juristischen Gutachtens im Auftrag der BDA soll in zwei Wochen vorliegen, wie es in Kreisen hieß. Es solle Argumente für mögliche Klagen etwa von Betrieben liefern.

Der Gesetzentwurf Heils sei ein Vertrauensbruch gegenüber der Mindestlohnkommission, hieß es weiter. Diese ist überwiegend mit Vertretern von Arbeitgebern und Gewerkschaften besetzt. Seit der Einführung der Lohnuntergrenze 2015 auf einem Niveau von 8,50 Euro hatte die Mindestlohnkommission die Erhöhungsschritte vorgegeben.

Laut dem von Arbeitsminister Heil vorgelegten Entwurf kommen durch die Anhebung der Arbeitsentgelte höhere Lohnkosten von geschätzt rund 1,63 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf die Arbeitgeber zu.

Handwerksbranchen warnen

Angesichts der Mindestlohnerhöhung am 1. Oktober warnen auch Bäcker, Friseure und Textilreiniger vor steigenden Preisen. So zum Beispiel Manuela Härtelt-Dören, Präsidentin des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks: "Zwölf Euro sind das, was die ungelernte Arbeitskraft bekommen wird. Wir müssen aber einen Abstand zu den gelernten Angestellten schaffen." Ihren Angaben zu folge, könnten die Lohnkosten um bis zu 50 Prozent steigen. Eine Weitergabe dieser Kosten an den Kunden sei schwierig. dpa/aul