Mindestlohn -

Anpassung der gesetzlichen Lohnuntergrenze Dieser gesetzliche Mindestlohn gilt ab 2019 in Deutschland

Der gesetzliche Mindestlohn steigt zum 1. Januar 2019 um 42 Cent und im Jahr darauf noch einmal um 16 Cent. Die Beträge werden allerdings nicht auf den aktuell geltenden Mindestlohn gepackt.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Mindestlohn

Der Gesetzgeber schreibt aktuell einen Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro pro Stunde vor. Zum 1. Januar 2019 soll der Betrag erhöht werden. Wie die für Mindestlöhne zuständige Kommission beschlossen hat, haben Arbeitnehmer ab dem kommenden Jahr Anspruch auf einen Mindestlohn in Höhe von 9,19 Euro pro Stunde.

Bereits seit dem 1. Januar 2018 gilt der gesetzliche Mindestlohn ausnahmslos in allen Branchen. Das heißt: Tarifverträge einzelner Branchen, die unter dem geltenden Mindestlohn liegen, sind nicht mehr zulässig. Bis auf wenige Sonderfälle (siehe Auflistung unten) gilt das Lohn-Minimum somit für alle Arbeitnehmer in Deutschland.

So wird die Höhe des Mindestlohns berechnet

Alle zwei Jahre erarbeitet eine Kommission einen Vorschlag, um wie viel Prozent der gesetzliche Mindestlohn steigen soll. Ende Juni tagte die Kommission. Das Ergebnis: Der Mindestlohn soll 2019 erstmals über neun Euro steigen. Eine weitere Erhöhung ist für 2020 vorgesehen.

Bei der Festlegung des Mindestlohns orientiert sich die zuständige Mindestlohn-Kommission am Tarifindex des Statistischen Bundesamts. Die Statistiker errechneten zu Jahresbeginn, dass die Tariflöhne in den vergangenen zwei Jahren um durchschnittlich 4,8 Prozent gestiegen sind. Berücksichtigt wurden rund 700 Tarifverträge in Deutschland.

Nur wenn gravierende Gründe vorliegen, kann die Kommission eine Erhöhung des Mindestlohns bestimmen, die unter der allgemeinen Tariflohnentwicklung liegt. Solche Gründe wären etwa ein starker Einbruch des Wirtschaftswachstums oder zunehmende Erwerbslosenzahlen. Beides ist derzeit nicht der Fall. Und selbst wenn, wäre immer noch eine Zweidrittelmehrheit der Kommission nötig, um vom Tarifindex abzuweichen.

Die Mindestlohn-Kommission setzt sich folgendermaßen zusammen

  • Vorsitzender: Jan Zilius
  • Gewerkschaftsvertreter: Michaela Rosenberger, Robert Feiger, Stefan Körzell
  • Arbeitgebervertreter: Brigitte Faust, Steffen Kampeter, Karl-Sebastian Schulte
  • Wissenschaftliche Mitglieder: Clemens Fuest, Claudia Weinkopf

Dieser gesetzliche Mindestlohn soll ab 2019 bzw. ab 2020 in Deutschland gelten

Das Statistische Bundesamt errechnete, dass die für die Höhe des Mindestlohns maßgeblichen Tariflöhne in den vergangenen zwei Jahren um 4,8 Prozent gestiegen sind. Rechnet man diese auf den aktuell geltenden Mindestlohn in Höhe von 8,84 Euro ergibt sich eine Erhöhung um 42 Cent auf 9,26 Euro pro Stunde. In der aktuellen Berechnung haben die Statistiker aber nicht 8,84 sondern 8,77 Euro zugrunde gelegt, woraus sich ein Plus von 42 Cent auf 9,19 Euro ergibt.

Der Grund: "Die bei der erstmaligen Anpassung des Mindestlohns vorgezogene Berücksichtigung eines Tarifabschlusses im öffentlichen Dienst wurde bei diesem niedrigeren Ausgangswert wieder herausgerechnet, damit dieser Abschluss nicht doppelt in die Erhöhung einfließt", begründen die Statistiker diese Entscheidung.

Aus diesem Grund soll der Mindestlohn ab dem 1. Januar 2019 um knapp vier Prozent auf 9,19 Euro ansteigen. Angesichts der guten wirtschaftlichen Lage schlug die Mindestlohn-Kommission zudem vor, den Mindestlohn 2020 noch einmal um 16 Cent auf 9,35 Euro anzuheben. Das letzte Wort hierzu hat die Bundesregierung. Sie muss die künftige Höhe des Mindestlohns per Verordnung umsetzen. Es ist davon auszugehen, dass die Bundesregierung der Empfehlung der Kommission folgt.

Gesetzlicher Mindestlohn in Deutschland
2018 2019 2020
8,84 Euro pro Stunde 9,19 Euro pro Stunde 9,35 Euro pro Stunde

Gesetzlicher Mindestlohn: Warum bekommen manche mehr und manche weniger?

Volljährige Arbeitnehmer in Deutschland müssen für ihre Arbeit mindestens 8,84 Euro verdienen. Eigentlich. Tatsächlich bekamen in der Vergangenheit rund sieben Prozent der anspruchsberechtigten Beschäftigten in Deutschland weniger als den vorgeschriebenen Mindestlohn überwiesen. Das haben Wirtschaftsforscher im Rahmen der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) herausgefunden.

In den meisten Betrieben bekommen Arbeitnehmer jedoch mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn bezahlt. In den einzelnen Branchen gelten oftmals eigene, höhere Mindestlöhne, welche in einem Tarif­vertrag ausgehandelt und von der Politik für allgemein verbindlich erklärt werden. Es gibt jedoch auch Ausnahmen vom Mindestlohn.

Ausnahmen: In diesen Berufsgruppen besteht kein Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn

  • Auszubildende
  • ehrenamtlich Tätige
  • Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung
  • Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten der Beschäftigung
  • verpflichtendes Praktikum (schul-, hochschulrechtlich, Ausbildungsordnung, gesetzlich geregelte Berufsakademie)
  • freiwilliges Praktikum bis zu drei Monate zur Orientierung für eine Berufsausbildung oder für die Aufnahme eines Studiums beziehungsweise begleitend zu einer Berufs- oder Hochschulausbildung, wenn nicht zuvor mit demselben Ausbildenden ein solches Praktikumsverhältnis bestand
  • Personen im Rahmen einer Einstellungsqualifizierung (§ 54 a SGB III) oder Berufsbildungsvorbereitung nach dem Berufsbildungsgesetz
  • Zeitungszusteller: Sie bekommen nur 85 Prozent des Mindestlohns
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