Mindestlohn -

DIW-Berechnung Millionen Beschäftigte ohne Mindestlohn

Überstunden und Bereitschaftszeiten, die nicht bezahlt werden oder Arbeitgeber, die sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten: Es kommt in Deutschland millionenfach dazu, dass Arbeitnehmer keinen Mindestlohn bekommen. Wirtschaftsforscher haben neue Zahlen vorgelegt und zeigen, wer besonders betroffen ist.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Mindestlohn

Es gibt einige Ausnahmen, wann Arbeitgeber keinen Mindestlohn bezahlen müssen – ob Selbständige, Azubis, Saisonarbeiter bestimmter Berufszweige oder auch Beschäftigte in den Branchen, in denen längere Übergangsfristen gelten. Dennoch gilt für die Mehrheit der Arbeitnehmer ein gesetzlicher Mindestlohn. Wie eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung nun jedoch ergab, bekommen rund sieben Prozent der anspruchsberechtigten Beschäftigten in Deutschland weniger als den Mindestlohn.

1,8 Millionen Beschäftigte bekommen weniger als Mindestlohn

Die Gründe liegen einerseits darin, dass Bereitschaftszeiten nicht bezahlt und beispielsweise Kosten für Arbeitsmaterial vom Lohn abgezogen werden. Andererseits spielen auch unbezahlte Überstunden eine Rolle, die die Arbeitnehmer laut DIW teilweise sogar freiwillig leisten. Dazu kommt, dass sich Arbeitgeber auch nicht immer beim "normalen" Stundenlohn an die Vorgaben halten und dies zu wenig kontrolliert wird. Forderungen nach mehr Kontrollen durch die zuständige Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls kommen auch aus dem Handwerk.

Die Grundlage der DIW-Analyse für die aktuelle Auswertung bildeten Angaben der Beschäftigten zu ihren monatlichen Gehältern und Arbeitsstunden im Rahmen der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) aus dem Jahr 2016 als ein Mindestlohn von 8,50 Euro galt. Mit Bezug auf diese Basis kommen die Wirtschaftsforscher zu dem Ergebnis, dass 1,8 Millionen Beschäftigte trotz Anspruch darauf keinen Mindestlohn bekommen haben. Das seien eine Million weniger als im Jahr 2014, als noch kein gesetzlicher Mindestlohn galt.

Minijobber und Beschäftigte in kleinen Firmen ohne Mindestlohn

Andere Berechnungsvarianten des DIW zeigen noch höhere Werte: So steigt die Zahl auf 2,6 Millionen Personen, die anspruchsberechtigt waren, aber unter 8,50 Euro brutto pro Stunde verdienten, wenn man den tatsächlichen Stundenlohn der Arbeitnehmer betrachtet statt der vertraglichen Arbeitszeit. Nimmt auch diejenigen mit dazu, die keinen gesetzlichen Anspruch haben – wie Azubis oder Selbstständige – haben 4,4 Millionen Beschäftigte im Jahr 2016 durch ihre vertraglichen Arbeitszeit keinen Lohn in Höhe des Mindestlohns verdient. Auf Basis ihrer tatsächlichen Arbeitszeit waren es 6,7 Millionen Erwerbstätige.

Das DIW kommt dennoch auch zu dem Schluss, dass die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zu bedeutenden Lohnsteigerungen geführt hat. Von der Tatsache, noch immer unter dem gesetzlichen Anspruch zu verdienen, seien vor allem Mini-Jobber und Beschäftigte in kleinen Firmen betroffen. dhz

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