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Teil 5 der Serie "Betriebsübergabe in der Praxis" Betriebsübergabe: "Ich bin der Praktiker und packe lieber mit an"

Handwerker erzählen, wie sie den Betriebsübergang gemeistert haben. In Teil 5 der Nachfolge-Serie verrät Bedri Zeqa, Geschäftsführer HS Gerüstbautechnik, was ihn bei der Betriebsübergabe besonders gefordert hat.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Betriebsübergabe und Nachfolge

Seit Mai 2017 ist Bedri Zeqa Geschäftsführer der HS Gerüstbautechnik GmbH im schwäbischen Mertingen. In seiner Heimat Mazedonien hatte Zeqa eine Ausbildung zum Gerüstbauer absolviert und ist mit 24 Jahren nach Deutschland gekommen. Er besuchte Seminare bei der Handwerkskammer für Schwaben und informierte sich darüber, wie er seine Qualifikationen aus Mazedonien auf dem deutschen Arbeitsmarkt nutzen kann. Nach einer intensiven Überprüfung sind seine Berufskenntnisse, die mit einem deutschen Gerüstbaumeister vergleichbar sind, von der Handwerkskammer schließlich offiziell anerkannt worden.

Selbstständig im Nebengewerbe

Über einen Bekannten ist Zeqa ­damals auf die Helmut Schweihofer GmbH in Mertingen aufmerksam geworden und fand dort eine Stelle als Gerüstbauer. Auch drei seiner Brüder arbeiten in dem Betrieb, der heute HS Gerüstbautechnik heißt. Zusätzlich zu seiner Haupttätigkeit bei ­Helmut Schweihofer gründete Zeqa eine eigene Gerüstbaufirma im ­Nebengewerbe.

Durch sein besonderes Engagement und seine Fähigkeit, andere mitreißen zu können, entwickelte sich Zeqa zu einem sehr wichtigen Mitarbeiter, der nebenbei erfolgreich ein eigenes Unternehmen führt. Für Helmut Schweihofer lag es deshalb auf der Hand, dass Zeqa für ihn der perfekte Nachfolger ist, zumal es in der eigenen Familie keinen passenden Kandidaten gab.

"Ich bin der Praktiker und packe lieber mit an."

Im Frühjahr 2016 fanden die ersten Übernahmegespräche statt, bevor sich Zeqa im Herbst desselben Jahres mit seinem Anliegen an die Handwerkskammer für Schwaben wendete. Der Betriebsberater berechnete einen realistischen Kaufpreis für das Unternehmen und half Zeqa auch bei der Finanzierung seines Vorhabens. Da die Bank Zeqas Kapital in Form von selbst angeschafften Gerüsten im Wert von rund 300.000 Euro nicht als Sicherheit akzeptieren wollte, sprang die Bayerische Bürgschaftsbank ein.

Zeqa ist froh, dass die Betriebsübergabe mit der Hilfe der Handwerkskammer letztlich so gut geklappt hat, auch wenn sein Arbeits­pensum noch größer geworden ist: "Ich arbeite 60 bis 70 Stunden die Woche, aber das macht mir nichts aus, weil es Spaß macht", sagt Zeqa.

Frau hilft im Büro

Unterstützung bekommt er von seiner Frau, die sich derzeit zur Bürokauffrau im Handwerk weiterbilden lässt und ihm künftig beim ganzen Papierkram entlasten soll. "Ich bin der Praktiker und packe lieber auf der Baustelle an", sagt Zeqa.

Seine früheren Kollegen und heutigen Mitarbeiter sind stolz auf Zeqas Aufstieg und froh darüber, dass die Firma einen verlässlichen Nachfolger gefunden hat, der ihre Arbeitsplätze sichern will. Und nicht nur das: Zeqa will mit HS Gerüstbau weiter wachsen. Neue Mitarbeiter sollen eingestellt werden und der Umzug in ein neues Betriebsgebäude stattfinden.

Lesen Sie hier Teil 1 bis 4 der Nachfolge-Serie:

Betriebsübergang: "Die Beratung hat vieles erleichtert"

Nachfolge: So haben wir 70.000 Euro Steuern gespart

Nachfolge: "Der Betrieb war in eher schlechter Verfassung"

Betriebsübernahme: "Der bürokratische Aufwand war ziemlich hoch"

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