Unternehmensführung -

Teil 1 der Serie "Betriebsübergabe in der Praxis" Betriebsübergang: "Die Beratung hat vieles erleichtert"

Sechs Handwerker erzählen, wie sie den Betriebsübergang gemeistert haben. In Teil 1 der Nachfolge-Serie verrät Ülkü Bas, Chef der Imhof Malerei & Raumgestaltung, was ihn besonders herausgefordert hat.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Betriebsübergabe und Nachfolge

Im Alter von zwei Jahren kam Ülkü Bas aus der Türkei nach Deutschland. Über eine Empfehlung seines Bruders, der damals bei der Firma Imhof in Schweinfurt gearbeitet hatte, entdeckte er 1988 das Handwerk für sich. Bei dem Spezialisten für Malerei und Raumgestaltung absolvierte Bas eine Ausbildung zum Maler und Lackierer.

Meister und Aufstieg in Geschäftsleitung

Nachdem er sich über zehn Jahre als wichtiger Mitarbeiter etabliert hatte, schloss er 1999 die Meisterprüfung erfolgreich ab. "Die Firma zu wechseln, kam für mich eigentlich nie infrage, ich habe mich immer sehr wohlgefühlt", sagt Bas. 2008 rückte er in die Geschäftsleitung des Unternehmens auf, das knapp 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Die zusätzliche Verantwortung machte ihm Spaß und weckte den Gedanken, sich selbstständig zu machen. Bas ging mit seiner Idee auf Firmeninhaber Helmuth Schmidt zu und stieß dort auf offene Ohren. Schnell stand fest, dass Bas die Firma des heute 61-Jährigen übernehmen sollte. Bei der Übergabe arbeiteten der heutige und der damalige Chef Hand in Hand. Schmidt begleitete Bas bei allen wichtigen Terminen während des Übergabeprozesses. "Mir hat diese Begleitung sehr geholfen und die Übergabe total erleichtert", sagt Bas.

"Die Firma zu wechseln, kam für mich nie infrage."

Sämtliches Inventar der Firma übernahm der neue Chef von seinem Vorgänger und musste kaum zusätzlich investieren. "Ich habe alles in Top­zustand vorgefunden und bin für die nächsten Jahre gut aufgestellt", sagt Bas. Die Handwerkskammer für Unterfranken hat die Übernahme der Firma von Anfang an begleitet. Die Betriebsberater haben ein Übernahmekonzept erstellt, eine Bewertung durchgeführt und waren auch beim Termin mit der Bürgschaftsbank vor Ort. "Die Beratung durch die Kammer hat vieles erleichtert", sagt Bas. Zusätzlich wurde er von seinem Steuerberater unterstützt. Etwa ein halbes Jahr hat der ganze Übernahmeprozess gedauert.

80 Stunden in der Woche

Seit 1. Juli 2018 führt Ülkü Bas die 1936 gegründete Firma. Sein früherer Vorgesetzter Helmuth Schmidt ist als seine rechte Hand noch ein Jahr im Betrieb, um Bas die Übergangsphase zu erleichtern. "Ich würde mir wünschen, dass er noch länger bleibt", sagt der neue Chef.

In seiner neuen Position verspürt Bas keinen zusätzlichen Druck. "Ich muss jetzt mehr unterschreiben, aber die meisten Tätigkeiten haben sich nicht verändert", sagt Bas, der 80 bis 100 Stunden pro Woche arbeitet.

Neid über seinen Aufstieg gibt es unter den ehemaligen Kollegen nicht. "Im Gegenteil, die Mitarbeiter, die mich damals ausgebildet haben, sind richtig stolz auf mich", sagt Bas. Das ihm entgegengebrachte Vertrauen will der neue Chef zurückgeben. So will er seinen Mitarbeitern zusätzliche Anreize wie etwa Tankgutscheine bieten und in neue Mitarbeiter investieren. Wir werden weiter expandieren", freut sich Bas.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten