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Teil 2 der Serie "Betriebsübergabe in der Praxis" Nachfolge: So haben wir 70.000 Euro Steuern gespart

Handwerker erzählen, wie sie den Betriebsübergang gemeistert haben. In Teil 2 der Nachfolge-Serie verraten Siegmar Zug und Lorenz Hoch von Elektro Zug was sie bei der Betriebsübergabe besonders gefordert hat.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Betriebsübergabe und Nachfolge

1994 wurde die Firma Elektro Zug von Elektroinstallateurmeister Siegmar Zug in Rottenburg-Weiler gegründet. Trends wie Smart Home haben den Betrieb inzwischen vor neue Herausforderungen gestellt. Zugs ehemaliger Auszubildender Lorenz Hoch hat sich auf dieses Fachgebiet spezialisiert, seinen Meister gemacht und sich zu einem unverzichtbaren Mitarbeiter entwickelt.

Neue GmbH gegründet

Lorenz Hoch kann sich gut vorstellen, die Firma später einmal zu übernehmen. Für Zug war diese Aussage die Initialzündung, den Betrieb bereits jetzt für die Zukunft vorzubereiten. Hoch und Zug haben deshalb eine neue GmbH gegründet, für die beide als gleichberechtigte Geschäftsführer und Gesellschafter tätig sind. Das alte Unternehmen, das nun nicht mehr geschäftstätig ist, hat Siegmar Zug behalten und an die neue GmbH verpachtet.

Auf dieses besondere Geschäftsmodell ist Zug selbst gekommen. Hätte er nämlich die alte Firma einfach verkauft, wären für den Veräußerungsgewinn der Immobilie rund 70.000 Euro an Steuern fürs Finanzamt angefallen. "Diese Vorstellung war richtig deprimierend, wenn ich mir überlege, wie lange wir dafür arbeiten müssen", sagt Siegmar Zug.

Monatlich zahlt die GmbH nun eine Pacht an die alte Firma. Stück für Stück gehen die Werte der alten Firma so auf die neue über. Zudem mietet die GmbH das Betriebsgebäude von der alten Firma. Auch die Mitarbeiter von Zug und Hoch sind alle in die neue GmbH eingetreten.

Ein Rechtsberater der Handwerkskammer Reutlingen hat den gesamten Bestand des alten Unternehmens erfasst und deren Wert bestimmt. Der Steuerberater hat daraus die monatliche Pacht für die GmbH berechnet. Für die nötigen Dokumente wie Pacht- und Gesellschaftsvertrag sowie deren Beurkundung hat Siegmar Zug zusätzlich einen Rechtsanwalt beauftragt.

"Die Kollegen wissen, dass ich mir alles erarbeitet habe."

Bei sämtlichen Terminen war der neue Geschäftsführer Lorenz Hoch involviert. Der 31-Jährige ist inzwischen seit 15 Jahren in der Firma und konnte Schritt für Schritt in seine neue Rolle hineinwachsen. Neid von seinen Kollegen kennt er nicht. "Die wissen, dass ich mir das hart erarbeitet habe, und wir sind ein tolles Team", sagt Hoch. Er ist stolz darauf, dass er den Monteuren, die ihn damals ausgebildet haben, die Möglichkeit geben kann, sie bis zu ihrer Rente im Betrieb zu beschäftigen.

Firma auf Wachstumskurs

Und die zwei Geschäftsführer haben noch mehr vor. Derzeit suchen sie nach neuen Betriebsräumen, da das alte Gebäude für die wachsende Firma viel zu klein geworden ist. Aus dem anfänglichen Ein-Mann-Betrieb ist inzwischen ein Unternehmen mit über 15 Angestellten geworden. Siegmar Zug möchte Lorenz Hoch noch eine Weile begleiten. "Mit so einem jungen und dynamischen Kollegen macht das Ganze noch mehr Spaß", sagt Zug.

Lesen Sie hier Teil 1 der Nachfolge-Serie: Betriebsübergang: "Die Beratung hat vieles erleichtert"

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