Unternehmensführung -

Teil 3 der Serie "Betriebsübergabe in der Praxis" Nachfolge: "Der Betrieb war in eher schlechter Verfassung"

Handwerker erzählen, wie sie den Betriebsübergang gemeistert haben. In Teil 3 der Nachfolge-Serie verrät Martin Zeis, Inhaber der Bäckerei Martin Zeis, was ihn bei der Betriebsübergabe besonders gefordert hat.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Betriebsübergabe und Nachfolge

Schon früh stand für Martin Zeis fest, dass er Bäcker werden möchte und später einmal den Betrieb seines Vaters im thüringischen Gotha übernimmt. Doch sein Vater riet ihm davon ab, weil er wusste, dass der Bäckerberuf viel harte Arbeit mit sich bringt. Deshalb befolgte Zeis den Rat seiner Mutter, erstmal das Abitur abzulegen. Doch obwohl Zeis das Lernen keine großen Schwierigkeiten bereitete, war die Universität für ihn keine Option. "Ich bin kein Theoretiker, ich will mein Tagwerk in den Händen halten können", sagt Zeis.

Seine Bäckerlehre konnte er dank des Abiturs bereits nach zwei Jahren beenden. Für die Meisterschule bekam er eine Begabtenförderung.

Firma an Sohn überschrieben

Nach seiner anfänglichen Skepsis ist sein Vater doch froh, den Betrieb an seinen Sohn übergeben zu haben. Er hat Martin Zeis die komplette Firma inklusive dem Betriebsgebäude überschrieben. Dazu gehören derzeit 22 Mitarbeiter inklusive zwei Lehrlingen. Seine Mutter ist auch noch in der Firma engagiert und hilft sowohl im Büro wie im Verkauf mit.

Bei der Übernahme hat Martin Zeis die Hilfe der Handwerkskammer Erfurt in Anspruch genommen. "Die Kammer bietet den Betrieben viele Beratungsangebote für ihre Beiträge. Man muss sie nur nutzen", sagt Zeis.

"Ich habe die doppelten ­Personalkosten."

Rechts- und Betriebsberater der Kammer sind vor Ort gewesen, um Verträge zu prüfen, Umsätze und Kostenstellen zu ermitteln und den Wert von Gebäude, Anlagen und des Kundenstamms zu schätzen.

Mit der Übernahme der Bäckerei hat Martin Zeis einiges umgekrempelt. Dabei half ihm sein kaufmännisches Wissen, das er in der Meisterschule erworben hat, auch wenn sich nicht alles davon in die Realität übertragen lasse. "Ich habe den Betrieb in eher schlechter Verfassung vorgefunden", sagt Zeis. Um Kosten zu senken, wurde eine Filiale geschlossen und der Fuhrpark von drei auf ein Fahrzeug verkleinert. Zudem investierte Zeis viel in die Außenwerbung des Unternehmens. Der Bäckerladen wurde saniert und in einem knalligen Rot gestrichen, das Fahrzeug mit Werbebannern versehen.

Lohnkosten bereiten Sorgen

Trotz seines Tatendrangs sind die Bedingungen für Martin Zeis schwieriger geworden. Ein eröffnetes Café muss er wieder schließen. Möglicherweise bleibe langfristig nichts anderes übrig, als die anderen Filialen auch noch zu schließen und sich auf den Bäckerladen zu beschränken.

Vor allem der Mindestlohn setzt ihm zu. " Ich habe die doppelten Personalkosten als mein Vater damals. 50 Prozent meiner gesamten Kosten wende ich nur für die Mitarbeiter auf", sagt Zeis. Erschwerend kam für Zeis hinzu, dass er 2017 einen großen Auftrag verloren hat. Auch der lange Sommer 2018 habe dem Absatz geschadet, sagt Zeis, der in seinem Viertel ein Bäckersterben beobachtet. "Ob ich davon am Ende profitieren werde, kann ich noch nicht absehen", sagt Zeis.

Lesen Sie hier Teil 1 und 2 der Nachfolge-Serie: 

Betriebsübergang: "Die Beratung hat vieles erleichtert"

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