Unternehmensführung -

Teil 4 der Serie "Betriebsübergabe in der Praxis" Betriebsübernahme: "Der bürokratische Aufwand war ziemlich hoch"

Handwerker erzählen, wie sie den Betriebsübergang gemeistert haben. In Teil 4 der Nachfolge-Serie verraten Andreas Digel und Markus Leister, Geschäftsführer von Bläschke Optik, was sie bei der Betriebsübergabe besonders gefordert hat.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Betriebsübergabe und Nachfolge

Rund drei Jahre haben sich Andreas Digel und Markus Leister Zeit genommen, um den für sie passenden Betrieb zu übernehmen. Seit vergangenem Jahr sind die beiden nun Geschäftsführer der Firma Bläschke Optik, einem alteingesessenen Optik-Fachgeschäft in Esslingen am Neckar, unweit von Stuttgart entfernt.

Digel und Leister kennen sich schon seit 16 Jahren und haben damals gemeinsam in einem Stuttgarter Fachbetrieb gearbeitet. Nachdem sich ihre Wege zwischenzeitlich getrennt haben, sind sie einige Jahre später in einem Geschäft in Böblingen wieder zusammengekommen. "Früh haben wir gemerkt, dass wir ähnlich ticken und die Chemie zwischen uns einfach stimmt", sagt Digel.

Respekt trotz großem Altersunterschied

Daraus erwuchs die Idee, sich mit einem Optik-Fachgeschäft selbstständig zu machen. Der große Altersunterschied von knapp 18 Jahren war kein Hinderungsgrund, weil beide ihre Stärken kennen und die des anderen respektieren.

Der bisherige Betriebsinhaber der Firma Bläschke, der aus Altersgründen einen Nachfolger suchte, war sich nach einem persönlichen Kennenlernen schnell einig mit den beiden neuen Geschäftsführern. Auch die Tatsache, dass der alte Chef in einer Wohnung direkt über dem Fachgeschäft wohnt und die Betriebsräume an die neuen Chefs vermietet, erwies sich trotz anfänglicher Skepsis nicht als Problem. "Herr Bläschke hat sich sofort zurückgenommen und uns den Übergang leicht gemacht", sagt Digel.

"Wir haben viele Neukunden dazugewonnen."

Bei der Übernahme haben Andreas Digel und Markus Leister ganz auf die Handwerkskammer Region Stuttgart vertraut. Mit der Arbeit des Beraters bei den Bewertungs-, Finanzierungs-, Vertrags- sowie Prozess- und Digitalisierungsfragen waren die beiden hochzufrieden, so dass keine zusätzliche Hilfe in Anspruch genommen werden musste. Bei der Finanzierung griff die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg unter die Arme. "Insgesamt war der bürokratische Aufwand der Betriebsübernahme ziemlich hoch, weil die Ämter einen leider nicht in großem Maß unterstützen", beklagt Digel.

Junge Kunden gewonnen

Unter dem Motto "Tradition und noch mehr Service" haben die neuen Inhaber das erfolgreiche Konzept der Firma ausgebaut. Die 3-D-Augenmessungen, auf die sich Markus Leister spezialisiert hat, kommen bei den Kunden sehr gut an. Moderne und etwas ausgefallenere Brillenmodelle mit mehr Farbe bringen nun auch deutlich mehr junge Kunden zu Bläschke Optik.

Der Kundenservice steht für die beiden Betriebsinhaber an erster Stelle. "Wir sind nur zufrieden, wenn der Kunde das Geschäft mindestens begeistert verlässt", sagt Digel, der sich nach dem erfolgreichen Start vorstellen kann, gemeinsam mit Markus Leister noch einen zweiten Betrieb zu übernehmen.

Lesen Sie hier Teil 1 bis 3 der Nachfolge-Serie:

Betriebsübergang: "Die Beratung hat vieles erleichtert"

Nachfolge: So haben wir 70.000 Euro Steuern gespart

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