Coronavirus -

Umfrage unter Handwerksbetrieben Auf Corona könnten Steuererhöhungen folgen

Im Handwerk macht sich Resignation breit. Viele Betriebsinhaber fürchten, dass sie die Quittung der staatlichen Rettungspolitik begleichen müssen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage aus Sachsen. Die Impfungen gegen das Coronavirus werden überraschend skeptisch bewertet.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Die Corona-Krise trifft das Handwerk mit voller Wucht. Es gibt praktisch kein Gewerk mehr, das sich den Folgen der Pandemie und ihrer Bekämpfung entziehen kann. "Bei Friseuren und Kosmetikern herrscht Verzweiflung", sagte Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden bei der Vorstellung einer repräsentativen Umfrage unter ostsächsischen Handwerksbetrieben. Zudem spielten etliche Soloselbständige im fortgeschrittenen Alter mit dem Gedanken, ihre Betriebe zu schließen statt nach der Krise wieder durchzustarten. "Es macht sich eine gewisse Resignation breit", sagte Brzezinski.

Nach Angaben der Handwerkskammer beklagen 92 Prozent der Betriebe wirtschaftliche Auswirkungen – etwa durch Erkrankung des Betriebsinhabers, Quarantäne oder Ausfälle beim Personal. Zudem machen den sächsischen Betrieben Grenzschließungen zu schaffen. Vorprodukte treffen nicht ein, es kommt zu Engpässen bei der Materialversorgung. Überdies werden Aufträge storniert. Und es fallen hohe Kosten in den Betrieben an, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Viele Unternehmen reagieren auf die Bedrohung, indem sie – wo immer möglich - Mitarbeiter ins Homeoffice schicken und Schichtsysteme einführen. Brzezinski sagte: "Das Handwerk in Ostsachsen leistet seinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie".

Die Impfung wird skeptisch gesehen

Skeptisch sehen viele Handwerker dagegen Impfungen. Laut Umfrage sind derzeit nur neun Prozent der Befragten bereit, sich impfen zu lassen. Am höchsten ist die Bereitschaft unter Soloselbständigen und in der Baubranche. Viele der Befragten äußerten Zweifel, ob der Impfstoff ausreichend getestet worden sei. "Politik und Wissenschaft müssen jetzt Zweifel zerstreuen", sagte Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. Auch ein reibungsloser Ablauf in den Impfzentren könnte das Vertrauen in die Impfung erhöhen, so Dittrich: "Der Dreiklang aus Testung, Nachverfolgung und Impfung muss funktionieren."

Sonderrechte für Geimpfte hält die Mehrheit der befragten Betriebe für inakzeptabel. So stößt die Idee eines Impfnachweises auf wenig Gegenliebe – dass also zum Beispiel der Friseurbesuch nur mit Impfpass möglich ist oder die Vergabe von Aufträgen daran geknüpft wird, dass die ausführenden Handwerker geimpft sind.

Die Ergebnisse aus Dresden decken sich mit anderen Befragungen im Arbeitgeberlager. Knapp 70 Prozent der Führungskräfte in Deutschland lehnen es ab, am Arbeitsplatz den Impfstatus von Mitarbeitern zu überprüfen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von "Markt und Mittelstand". Lediglich vier Prozent der Entscheider befürworten eine Impfplicht am Arbeitsplatz, die auch kontrolliert wird.

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Schleppende Auszahlung von Überbrückungshilfen

Dittrich drängte die Politik, Versprechen endlich einzuhalten. Es herrsche großes Unverständnis gegenüber der Politik, "die seit Monaten Zusagen macht und nicht einhält". Die Lage in Ostsachsen sei "akut", viele Betriebe hätten "reale Existenzsorgen".

Der Handwerkspräsident kritisierte vor allem die schleppende Auszahlung der Überbrückungshilfen. Ärgerlich sei zudem, dass die Konditionen im Nachhinein verändert worden seien. "Wir erleben das Gegenteil von unbürokratischer und schneller Finanzhilfe."

Sorge vor Steuererhöhungen

Dittrich forderte von der Politik eine langfristige Strategie für den Umgang mit Corona. Dabei dürften Wirtschaft und Ethik nicht gegeneinander ausgespielt werden. Er mahnte eine "Kultur des Ermöglichens statt Verbietens" an und ein Konzept für ein "Wirtschaftsleben mit Corona". "Ein Lockdown nach dem anderen, das ist nicht mehr tragbar. Wir müssen aus dem Feuerlöschmodus heraus."

Die meisten Handwerksbetriebe rechnen laut Umfrage noch lange nicht mit einer Rückkehr zur Normalität – und befürchten in den kommenden Monaten sogar weitere Umsatzrückgänge. Gründe dafür sehen sie in Haushaltssperren, ausbleibenden Aufträgen der öffentlichen Hand und der rückläufigen Kaufkraft in der Bevölkerung als Folge von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit. Unternehmer beklagten überdies erhebliche zeitliche Verzögerungen bei Baugenehmigungen.

Eine düstere Vorahnung äußern die Handwerker, welche Folgen die staatliche Krisenbekämpfung haben wird. Ein Drittel der Befragten geht davon aus, dass die Steuern erhöht werden, um die ungeplanten Mehrausgaben des Staates auszugleichen. Hauptgeschäftsführer Brzezinski sagte dazu: "Es kann keine Option sein, dass der Mittelstand durch erhöhte Steuer- und Sozialabgaben die Corona-Schulden auffängt."

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