Strompreise Strom: Anbieterwechsel lohnt sich

Stromkunden wechseln ihren Anbieter nur sehr selten. Doch das wäre nötig, um den Wettbewerb anzukurbeln und die Preise etwas zu drücken. Denn der Grundversorgungstarif ist oft zu teuer.

Wer die Grundversorgung verlassen hat, hat meist schon den größten Spar-Schritt hinter sich. - © Foto: p!xel 66/Fotolia

Heute kann jeder wählen, wo er Strom kauft - Hunderte Anbieter und Tarife sind im Netz für jedermann vergleichbar. Ein Drei-Personen-Haushalt bezahlt für seinen Strom 84 Euro im Monat, wie der Branchenverband BDEW vorrechnet. 1998 waren es nur 50 Euro. Nur jeder dritte Haushalt hat seither den Anbieter gewechselt.

"Viele Kunden haben eine Hemmschwelle, ihr Stadtwerk zu verlassen", meint Holger Krawinkel, Energiefachmann der Verbraucherzentralen. Er sieht viel Psychologie im Spiel, eine gewisse lokale Loyalität, von der auch Sparkassen profitierten. Viele schreckten auch die spektakulären Pleiten von Teldafax und Flexstrom ab.

Stromkunden sind treu

Dabei spart ein Wechsel vielfach mehrere hundert Euro im Jahr - auch wenn die Tarife der 90er Jahre nicht in Sicht sind. "Beim Strom will man schon eine gewisse Sicherheit, will nicht plötzlich im Dunkeln sitzen - was Unsinn ist, weil man immer automatisch in die Grundversorgung rutscht", sagt der Verbraucherschützer. "Es hat bei vielen noch den Hauch des Unseriösen."

"Viele denken, der Strompreis steigt eh überall und deshalb lohnt es sich nicht", sagt Daniel Dodt, Sprecher des Vergleichsportals Toptarif.de. Sie wüssten auch nicht, dass sie unkompliziert wechseln können.

Wie treu Stromkunden sind, zeigen Zahlen, die die Bundesnetzagentur jetzt vorlegte. 80 Prozent der Haushalte haben einen Vertrag bei einem der Grundversorger, zu denen die vier Großen Stromanbieter Eon, RWE, EnBW und Vattenfall zählen, aber auch hunderte Stadtwerke.

Etwa die Hälfte dieser Kunden zahlt den teuren Grundversorgungstarif, in dem auch jene festhängen, die wegen schlechter Bonität keinen andern Tarif bekommen. Die andere Hälfte hat bei dem lokalen Marktführer immerhin einen billigeren Tarif gewählt.

"Strom als Produkt ist eher unsexy"

Doch wer die Grundversorgung verlassen hat, hat meist schon den größten Spar-Schritt hinter sich. Weitere Wechsel bringen oft nur noch kleinere Verbesserungen. Denn der Strompreis wird vor allem von Steuern und Abgaben getrieben, die etwa die Hälfte des Preises ausmachen. Die vieldiskutierte Ökostromumlage ist davon nur eine.

"Diejenigen, die mehrfach wechseln, sind in der radikalen Minderheit", sagt Verbraucherschützer Krawinkel. "Davon bräuchten wir mehr, weil die den Druck in den Markt bringen."

Der Energieexperte hat aber Hoffnung, dass die Bundesbürger wechselwilliger werden. "Strom als Produkt ist eher unsexy." Doch wenn Händler zusätzlich mit Endgeräten lockten, würden die Angebote unterscheidbar. So wie Handy-Tarife, die mit dem neuesten Smartphone kombiniert sind. Erste Beispiele gebe es: etwa den Anbieter N-Ergie, der Kunden in Nürnberg Solaranlagen zum Kauf anbietet, oder Lichtblick, die Mietern in Berlin und Hamburg ermöglichen, selbsterzeugten Strom zu verbrauchen. dpa/dhz

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Tipps zum Anbieterwechsel:

Preiserhöhung: Erhöht ein Anbieter seine Strompreise, können Kunden von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen. Über die geplanten Preisänderungen und das Recht zur Sonderkündigung muss der Versorger seine Kunden mindestens sechs Wochen vorher informieren. In der Regel sind die Verträge dann fristlos zum Zeitpunkt kündbar, an dem die Preisanpassung wirksam wird.

Änderung der Vertragsbedingungen : Ein Sonderkündigungsrecht haben Kunden auch bei Änderungen der Vertragsbedingungen. So schreibt das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) Anbietern vor, Kunden verständlich über die Änderungen und ihre Rücktrittsrechte zu informieren. Werden die Vertragsbedingungen einseitig geändert, dürfen Verbraucher ihren Vertrag ohne Einhaltung einer Frist kündigen. Preiserhöhungen können ebenfalls als Vertragsveränderungen angesehen werden.

Vertragsablauf: Manche Verträge haben eine feste Laufzeit, nach deren Ende sich Kunden ebenfalls nach günstigeren Anbietern umsehen können. Wichtig hierbei: Verbraucher müssen die vertraglich festgelegte Kündigungsfrist einhalten, da sich sonst die Vertragslaufzeit bei vielen Tarifen automatisch verlängert. Die Kündigungsfrist findet sich oft in den Geschäftsbedingungen.

Umzug : Wer in eine neue Wohnung zieht, kann häufig ebenfalls einen anderen Anbieter wählen. Laut Bundesnetzagentur lag die Zahl der Anbieterwechsel im Rahmen eines Einzugs im Jahr 2012 bei fast 650 000 Haushalten. Allerdings ist ein Wechsel nur problemlos möglich, wenn Kunden zuvor in der Grundversorgung waren. Kunden mit Sonderverträgen sollten einen Blick in ihre Verträge werfen. Mitunter ermöglichen sogenannte Umzugsklauseln in solchen Fällen einen Wechsel. dpa/dhz