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Renten und Krankenversicherung für Berufsanfänger Sozialversicherung für Azubis: Das sollten Lehrlinge wissen

Wenn Azubis das erste Mal ihre Lohnabrechnung erhalten, stellen sie schnell fest, dass ihm einiges abgezogen wird. Dafür gilt die Sozialversicherung für Auszubildende ab dem ersten Ausbildungstag. Was Lehrlinge über die Kranken-, Renten- und Unfallversicherung wissen sollten.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Versicherung: Was Sie wirklich brauchen
Sozialversicherung für Azubis
Gut abgesichert: Die Sozialversicherung schützt Azubis ab dem ersten Arbeitstag. -

Die Sozialversicherung für Azubis unterscheidet sich kaum von der Sozialversicherung für andere Berufstätige. Es gibt allerdings ein paar Sonderregelungen, die Azubis kennen sollten.

Unterrteilt ist die Sozialversicherung in mehrere Einzelversicherungen: Krankenversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung und Unfallversicherung. Mit welchen Leistungen Azubis rechnen können, erklärt eine Broschüre der Rentenversicherung.

Lehrlinge müssen sich nicht um die Anmeldung zur Sozialversicherung kümmern. Das erledigt der Arbeitgeber. Die Kosten werden geteilt. Wenn die monatliche Ausbildungsvergütung 325 Euro oder weniger beträgt, übernimmt der Arbeitgeber die vollen kosten. Wie viel jeder für die Versicherung zahlen muss, hängt von der Höhe des Verdienstes ab: Kleines Einkommen, kleiner Betrag und umgekehrt. Insgesamt werden etwa 20 Prozent des Bruttoverdienstes für die Sozialversicherung abgezogen.

Was steht auf dem Sozialversicherungsausweis?

Die Rentenversicherung stellt den Sozialversicherungsausweis aus, wenn der erste Arbeitgeber eine Versicherungsnummer beantragt. Der Ausweis dient als Nachweis dafür, dass Arbeitnehmer sozialversichert sind. Damit Rentenversicherungsbeiträge richtig verbucht werden können, sollten Auszubildende die Angaben auf dem Dokument überprüfen. Darauf vermerkt sind jeweils Name, Geburtsdatum und die Sozialversicherungsnummer. Falls Azubis tatsächlich Fehler entdecken, sollten sie sich direkt an ihre Krankenkasse wenden. Sonst können die Beiträge für die spätere Rente nicht von Anfang an richtig verbucht werden. Falls die Kasse nicht weiterhelfen kann, ist die Deutsche Rentenversicherung Bund der richtige Ansprechpartner. Weitere Infos zum Sozialversicherungsausweis gibt es beim Bund der Deutschen Rentenversicherung.

Wie viel müssen Azubis für die Rentenversicherung zahlen?

Rentenversichert sind alle Arbeitnehmer, Azubis und auch selbstständige Handwerker. Derzeit liegt der Anteil des Bruttogehalts bei 18,7 Prozent. Die Hälfte zahlt der Arbeitnehmer, die Hälfte der Arbeitgeber. Azubis erhalten beim ersten Kontakt mit der Rentenversicherung ihre Versicherungsnummer. Sie bleibt ein Leben lang erhalten und sollte gut aufbewahrt werden.

Für jeden Versicherten richtet die Rentenversicherung ein Konto ein. Hier werden alle wichtigen Daten gespeichert: Ausbildungszeiten, Arbeitsverdienst, Krankheitszeiten und Arbeitslosigkeit. All das zählt in die spätere Rente mit ein. Wie viel am Ende raus kommt, hängt davon ab, wie lange man Beiträge eingezahlt hat. Ab dem 27. Lebensjahr erhält jeder, der mindestens fünf Jahre eingezahlt hat, die Renteninformation. Darin steht, mit wie viel Rente man rechnen kann.

Azubis fallen unter eine Sonderregelung. Sie müssen keine fünf Jahre warten, sondern haben ab dem ersten Arbeitstag Anspruch auf Leistungen. Wer einen Arbeitsunfall hat oder eine Berufskrankheit erhält zum Beispiel eine Rente wegen Erwerbsminderung.

Die Rentenversicherung ist also nicht nur für die Rente zuständig. Auch Krankengymnastik oder Umschulungen werden von ihr finanziert. Bei tödlichen Unfällen sind auch die Angehörigen abgesichert. Sie erhalten eine Hinterbliebenenrente.

Was ist die Sozialwahl?

Bei der Sozialwahl werden die Mitglieder der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung gewählt. Sie sind ehrenamtlich tätig und haben weitreichende Entscheidungsbefugnis. Sie beschließen zum Beispiel den haushalt des Rentenversicherers.

Die Wahl unterscheidet sich kaum von politischen wahlen. Gewerkschaften und Arbeitnehmervereinigungen nominieren Kandidaten. Die nächste Sozialwahl findet am 31. Mai 2017 statt. Wahlberechtigt sind alle, die am 2. Januar 2017 16 Jahre alt sind.

Wie viel Arbeitslosengeld erhalten Azubis?

Das Arbeitslosengeld berechnet sich nach dem durchschnittlichen Nettolohn im Jahr vor der Arbeitslosigkeit. Arbeitslose ohne Kind erhalten 60 Prozent davon, mit Kind sind es 67 Prozent. Im Anschluss wird bedarfsabhängig Arbeitslosengeld II gezahlt. Wie langes das Arbeitslosengeld gezahlt wird, hängt von der Beschäftigungsdauer ab. Voraussetzung, um Arbeistlosengeld zu bekommen: In den zwei jahren vor Beginn der Arbeislosigkeit muss man mindestens zwölf Monate lang Beiträge eingezahlt haben. Nach drei Jahren Ausbildung haben Lehrlinge Anspruch auf zwölf Monate Arbeitslosengeld.

Welche Leistungen übernimmt die Krankenversicherung?

Schüler werden in der Regel über ihre Eltern mitversichert. Berufseinsteiger müssen sich hingegen eigenständig versichern. Welche Krankenversicherung man wählt, bleibt jedem Azubi selbst überlassen.

Arbeitgeber zahlen sechs Wochen das Gehalt weiter, wenn man krank wird. Danach springt die Krankenversicherung ein und zahlt das Krankengeld. Rezepte für Medikamente rechnet die Apotheke direkt mit der Krankenkasse ab. Bei Arznei- , Heil- und Hilfsmitteln müssen Patienten mindestens fünf und höchstens zehn Euro dazuzahlen. Im Krankenhaus fallen für maximal 28 Tage im Jahr jeweils zehn Euro an.

Auch bei Zahnersatz übernimmt die Krankenversicherung einen Teil der Kosten. Azubis profitieren hier von einer Sonderregelung: Da sie nur ein geringes Einkommen haben, übernimmt die Krankenkasse die üblichen Kosten in voller Höhe.

Wie finde ich die richtige Krankenkasse als Azubi?

Mit dem Beginn einer Ausbildung müssen sich Auszubildende innerhalb von zwei Wochen selbst eine Krankenkasse suchen. Denn dann endet die Familienversicherung über die Eltern. Das gilt auch dann, wenn Auszubildende weniger als 450 Euro im Monat verdienen. Wenn der Azubi seinem Ausbilder nicht innerhalb der Frist mitteilt, bei welcher Krankenkasse er versichert sein möchte, wird er dort versichert, wo er bisher war. Das ist im Regelfall die Krankenversicherung der Eltern.

Der allgemeine Beitragssatz liegt derzeit bei 14,6 Prozent. Davon zahlen der Auszubildende und der Arbeitgeber gleichermaßen 7,30 Prozentpunkte. Krankenkassen berechnen aber außerdem einen Zusatzbeitrag. Für Azubis, die als Geringverdiener im Sinne der Sozialversicherung gelten, wird dieser in Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitrags erhoben.

Worauf muss ich bei der Wahl der Krankenkasse achten?

  • Testnoten der Krankenkassen vergleichen (z.B. Stiftung Warentest)
  • Beitragssätze/Zusatzbeiträge verschiedener Krankenkassen vergleichen
  • Gibt es einen speziellen Tarif für Azubis?
  • Welche Bedingungen gelten für das Bonusprogramm dieser Krankenkasse?
  • Bietet die Krankenkasse Zusatzleistungen wie Reiseschutzimpfungen oder Zuschüsse für Brillen an?
  • Wird eine Geldprämie oder Dividende an alle Mitglieder gezahlt?

Wie kann man die Krankenkasse kündigen?

Auch als Azubi ist es möglich, die Krankenkasse zu wechseln. Doch Vorsicht: Es gilt eine Bindungsfrist, die 18 zusammenhängende Monate betragen muss. Wann ein Recht auf außerordentliche Kündigung besteht, wird weiter unten erklärt.

Wie wird das Krankengeld berechnet?

Die Höhe des Krankengeldes wird nach dem Bruttoverdienst vor der Arbeitsunfähigkeit berechnet. Es beträgt 70 Prozent davon, darf allerdings 90 Prozent des Nettoverdienstes nicht übersteigen. Der Anspruch auf Krankengeld gilt für 78 Wochen (eineinhalb Jahre).

Wann besteht ein Recht auf außerordentliche Kündigung bei der Krankenkasse?

Die Krankenkasse können EVersicherte kündigen, wenn erstmals Zusatzbeiträge erhoben werden oder die Krankenkasse die Beiträge erhöht. Diese Zusatzbeiträge erhebt fast jede Krankenkasse. Die Höhe liegt zwischen 0,3 und 1,7 Prozent. Sie müssen von jedem Versicherten in voller Höhe gezahlt werden und gelten zuätzlich zu den einheitlichen Beitragssätzen von 14,6 Prozent des Bruttoverdienstes.

Die Kündigung muss spätestens bis zum Ende des Monats, für den der Zusatzbeitrag erstmals erhoben oder erhöht wird, bei der Krankenkasse eingehen.

Wie hoch ist der Anteil für die Pflegeversicherung?

Der Beitrag zur Pflegeversicherung ist vergleichsweise gering: 2,05 Prozent des Bruttoverdienstes. Auch diese Versicherung teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Wenn Menschen wegen einer Krankheit oder Behinderung im Alltag Hilfe brauchen, kümmert sich die Pflegeversicherung darum. Je nachdem, wie intensiv und wie häufig Hilfe benötigt wird, unterscheidet man zwischen bestimmten Pflegestufen. Nach diesen Stufen richten sich die Höhe und der Umfang der Leistungen.

Was ist neu bei der Pflegeversicherung seit Anfang 2017?

Statt drei Pflegestufen gibt es seit Anfang 2017 fünf Stufen. Grundlage ist ein enuer Pflegebedürftigkeitsbegriff. Die bisherige Unterscheidung zwischen Pflegebedürftigen mit körperlichen Einschränkungen und Demenzkranken ist dadurch wegfallen.

>>Weitere Informationen zum neuen Pflegestärkungsgesetz.<<

Was sichert die Unfallversicherung ab?

Auf der Gehaltsabrechnung steht die Unfallversicherung nicht drauf, aber jeder Arbeitnehmer ist ab dem ersten Arbeitstag gegen Unfälle versichert. Die Beiträge werden, im Gegensatz zu den anderen Sozialversicherungen alleine vom Arbeitgeber gezahlt. Wer einen Arbeitsunfall hat, sollte dies sofort beim Personalbüro melden.

Wer auf dem Weg zur Arbeit oder im Betrieb einen Unfall hat, erhält Hilfe von der Berufsgenossenschaft. Sie zahlt die Behandlungskosten. Außerdem gibt es Verletztengeld so lange man wegen des Unfalls arbeitsunfähig ist. Auch Rehabilitation wird bezahlt und bei Bedarf eine neue Berufsausbildung.

Wer nach dem Arbeitsunfall auf Dauer nicht mehr arbeiten kann, erhält eine Verletztenrente. Die Höhe bemisst sich nach dem Verdienst im Jahr vor dem Unfall. Allerdings gilt hier für Azubis eine Sonderregelung: die Rente bemisst sich nach dem Tariflohn und wer bereits im ersten Ausbildungsjahr einen Unfall hat, ist trotzdem versichert. Es wird so getan als hätte man das volle Jahr gearbeitet. Wie sich Arbeitsunfälle vermeiden lassen, zeigt dieser Artikel.

Wann erhalten Azubis Erwerbsminderungsrente?

Eine Erwerbsminderungsrente erhalten Erkrankte in der Regel nur, wenn sie mindestens fünf Jahre in die Rentenkassen eingezahlt haben. Es gibt allerdings auch Ausnahmen von den so genannten Wartezeiten. So gelten die Ansprüche auf eine Erwerbsminderungsrente beispielsweise für Auszubildende sofort, wenn sie aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit erwerbsgemindert werden. Weitere Informationen zur Erwerbsminderungsrente gibt es hier. jb

Die aktuellen Beiträge zur Sozialversicherung

Rentenversicherung: 18,7 Prozent

Krankenversicherung: 14,6 Prozent

Arbeitslosenversicherung: 3,0 Prozent

Pflegeversicherung: 2,35 Prozent

Die Beiträge zur Unfallversicherung, deren Höhe sich nach der Gefahrenklasse des Betriebes richtet, zahlt der Arbeitgeber allein.

Die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung werden vom Versicherten und Arbeitgeber je zur Hälfte getragen. Fast alle Krankenkassen erheben einen Zusatzbeitrag, den die Versicherten alleine zahlen müssen. Er liegt zwischen 0,3 und 1,7 Prozent.

Einen abweichenden Eigenanteil zahlen Arbeitnehmer auch hier. Zuschlag zur Pflegeversicherung für Kinderlose vom 23. Lebensjahr an: 0,25 Prozent

Informationsstellen der Deutschen Rentenversicherung in den Bundesländern

Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg Gartenstraße 105 76135 Karlsruhe Telefon 0721 825-0
Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd Am Alten Viehmarkt 2 84028 Landshut Telefon 0871 81-0
Deutsche Rentenversicherung Berlin-Brandenburg Bertha-von-Suttner-Straße 1 15236 Frankfurt (Oder) Telefon 0335 551-0
Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover Lange Weihe 6 30880 Laatzen Telefon 0511 829-0
Deutsche Rentenversicherung Hessen Städelstraße 28 60596 Frankfurt am Main Telefon 069 6052-0
Deutsche Rentenversicherung Mitteldeutschland Georg-Schumann-Straße 146 04159 Leipzig Telefon 0341 550-55
Deutsche Rentenversicherung Nord Ziegelstraße 150 23556 Lübeck Telefon 0451 485-0
Deutsche Rentenversicherung Nordbayern Wittelsbacherring 11 95444 Bayreuth Telefon 0921 607-0
Deutsche Rentenversicherung Oldenburg-Bremen Huntestraße 11 26135 Oldenburg Telefon 0441 927-0
Deutsche Rentenversicherung Rheinland Königsallee 71 40215 Düsseldorf Telefon 0211 937-0
Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz Eichendorffstraße 4-6 67346 Speyer Telefon 06232 17-0
Deutsche Rentenversicherung Saarland Martin-Luther-Straße 2-4 66111 Saarbrücken Telefon 0681 3093-0
Deutsche Rentenversicherung Schwaben Dieselstraße 9 86154 Augsburg Telefon 0821 500-0
Deutsche Rentenversicherung Westfalen Gartenstraße 194 48147 Münster Telefon 0251 238-0
Deutsche Rentenversicherung Bund Ruhrstraße 2 10709 Berlin Telefon 030 865-0
Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See Pieperstraße 14-28 44789 Bochum Telefon 0234 304-0

Dieser Artikel wurde am 22. August 2016 aktualisiert.

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